Raul Krauthausen - Aktivist

Blogger mit Behinderungen – NDR Kulturjournal vom 2. Mai 2016

Viele körperlich behinderte Menschen wie Raul Krauthausen oder Anastasia Umrik erklären ihre und unsere Welt im Internet. Das ist auch für nicht Behinderte spannend und erhellend.

„Darf ich fragen, was du hast? Ach so, Glasknochen. Ja, das kenne ich aus dem Fernsehen.“ „Kannst du Sex haben?“ „Ist deine Freundin auch so klein wie du?“ Es sind Fragen, die Raul Krauthausen nicht mehr hören kann. Zu intim, zu abgedroschen und ignorant. Und doch kriegt er sie oft gestellt. Vielen Nicht-Behinderten, so scheint es, fehlen die richtigen Worte für das, was nicht ihrer Norm entspricht.

Es geht Raul Krauthausen auch um Sprache: „In den Medien zum Beispiel liest man tagtäglich Aussagen wie ‚an den Rollstuhl gefesselt‘. Dabei sind Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, ja alles andere als gefesselt. Der Rollstuhl bedeutet für sie Freiheit und Unabhängigkeit. Was wir reflektieren müssen, ist diese Annahme, dass Behinderung immer etwas Negatives ist, aber ohne es gleichzeitig schönzureden.“

Behinderte sind zum Armsein verdonnert
Raul Krauthausen ist es gewohnt, die Barrieren im Alltag zu umgehen. Schwieriger ist es mit den Barrieren in den Köpfen – und in der Politik. Trotz Teilhabegesetz sind Behinderte in Deutschland zum Armsein verdonnert.

Menschen mit Behinderungen, die auf Assistenz angewiesen sind, dürfen kein Vermögen ansparen, das über 2.600 Euro geht. Alles darüber hinaus würde der Staat sofort einziehen, mit der Begründung, er bezahle ja die Assistenz.

Aufklärung per Blog hat großen Zulauf
Soziale Ungerechtigkeiten und verkrampfter Umgang mit Behinderten – darüber bloggt „Rollstuhlaktivist“ Raul schon lange. Wer sich für Inklusion interessiert, landet früher oder später auf seiner Seite www.raul.de.

Das Internet macht es Menschen mit Behinderungen wesentlich leichter, sich Gehör zu verschaffen, in klassischen Medien ist das viel schwerer. „Die tauchen ja im medialen Alltag so gut wie gar nicht auf. Vor allem können auch Nicht-Behinderte ihre Ängste und Vorurteile ablegen.“

Auch Anastasia Umrik bloggt über das Leben mit Behinderung – und über viele andere Themen.
Auch Anastasia Umrik gehört zu der Szene von Bloggern, die auch – aber nicht nur – über das Leben mit Behinderung schreiben. Ihr Artikel „Die behinderte Bachelorette“ etwa ist eine TV-Parodie aus ungewohnter Perspektive.

Wie wäre es, wenn in einer Sendung wie „Der Bachelor“ plötzlich eine Frau im Rollstuhl auftauchen würde, fragt sie sich: „Ich hab in diesem Artikel einfach ein paar Dinge zusammengebracht. Zum einen habe ich auch dargestellt, wie es sein würde, wenn ich auf eine Party gehe. Wenn ich am Buffet stehe. Worauf achte ich denn überhaupt, wenn ich irgendwo reinkomme? Ich kritisiere damit natürlich auch die Medien, dass über sowas gar nicht erst nachgedacht wird, man sieht da immer noch viel zu wenig Menschen mit Behinderung in den Medien. In solchen Formaten sowieso. Gott sei Dank, einerseits, vielleicht aber auch schade. Warum eigentlich nicht?“

Anastasia braucht ständige Hilfe – und leitet einen Modeversand
Die junge Frau braucht rund um die Uhr Hilfe von Assistentinnen. Und spannt diese auch schon mal für den Modeversand ein. Anastasia leitet zusammen mit einer Freundin das Designlabel InkluWas. Mit Logos in Gebärdensprache etwa wollen sie Zeichen für Vielfalt setzen. Ihren eigenen Weg musste Anastasia sich erst erkämpfen.

Bis sie 16 war ging sie auf eine Sonderschule, hatte kaum Kontakte zu Nichtbehinderten. Erst in der Ausbildung ging für sie das echte Leben los. Wie man Hürden meistert, die viele Menschen gar nicht kennen, beschreibt sie in ihrem Blog. Sie versteht ihn als ihren Beitrag zur Inklusion: „Weil ich über Welten und Erlebnisse erzähle, die anderen Menschen ohne Behinderung verborgen bleiben. Das sind einfach alles so intensive Punkte, die viele Menschen nicht erleben und die durch mich neue Welten kennenlernen dürfen.“

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  1. Sabine sagt:

    Wie ist denn der Link zu Ansstasias Blog?

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