Raul Krauthausen - Aktivist

Manchmal bin ich erfreut

Es fällt immer leicht zu meckern. Auch in meinem letzten Blogbeitrag habe ich ziemlich vom Leder gezogen und es ging erschreckend einfach. Kurz danach wurde ich jedoch von einer Freundin gefragt: “Und was macht dir nun Freude?”
Erschreckenderweise fiel mir darauf nicht so viel ein, wie erwartet. Die Frage hat mich immer weiter beschäftigt. Beruhigenderweise schossen mir mit der Zeit immer mehr Beispiele durch den Kopf als Blitze in den Berliner Fernsehturm:

  • Ich freue mich, wenn mir durch meine Behinderung Menschen freundlicher begegnen. Auch wenn es einige für “positive Diskriminierung” halten, genieße ich es, auf der Straße angelächelt zu werden.
  • Ich freue mich, wenn ich durch meine Perspektive im Alltag Sachen entdecke, die andere vielleicht nicht sehen.
  • Ich freue mich, dass ich eine Begleitperson auf Reisen, ins Kino/Theater umsonst mitnehmen kann und somit auch mit neuen Menschen ins Gespräch komme.
  • Ich freue mich und bin leicht gerührt wenn sich Designer und Kreative neue Produkte ausdenken, die das Leben von Menschen mit Behinderung in seiner Würde ernst nehmen und durch ihren Nutzen erleichtern. Wie zum Beispiel dieser Kinderwagen.
  • Ich freue mich, dass ich mit der USB-Stromversorgung an meinem Rollstuhl auf Veranstaltungen meinen Handy-Akku und auch den mancher Teilnehmer retten kann.
  • Ich freue mich, wenn Filme wie “Ziemlich beste Freunde” von mehreren Millionen Menschen gesehen werden. Und die Themen von Menschen mit Behinderung mitleidsfrei und empathisch in die Gesellschaft getragen werden.
  • Ich freue mich, wenn es spürbare Verbesserungen bei der Bahn gibt und nicht nicht mehr einfach alles als “unmöglich” abgelehnt wird. Natürlich ist hier auch noch Potential nach oben.
  • Ich freue mich, wenn ich Menschen überraschen kann, die mir wegen meiner Behinderung weniger zutrauen.
  • Ich freue mich aber auch, wenn man mich (ohne falsche Rücksicht auf meine Behinderung) kritisiert, auch wenn es weh tut.
  • Ich freue mich, dass ich die Chance bekommen habe auf Probleme von Rollstuhlfahrern mit Projekten wie Wheelmap.org und BrokenLifts aufmerksam zu machen.
  • Ich freue mich, dass die Arbeit der SOZIALHELDEN als inklusiv wahrgenommen wird. Nicht weil es bei uns ein “Projekt” ist, sondern Selbstverständlichkeit.
  • Ich freue mich, wenn ich einen neuen Behindertenwitz höre.
  • Ich freue mich, dass ich mich darüber freuen kann.

Und jetzt die Frage zurück: Was macht dir Freude?

Dieser Text entstand für das Inklusions-Blog der Aktion Mensch.

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