Raul Krauthausen - Aktivist

Newsletter: Constantin Groschs Kolumne; Die Gefahr des Crowdfundings; Inklusion in in der Schule und in der Kultur; Duisburger Behindertenwerkstatt zahlt mies. Vom 8. Januar 2019

Jeden Dienstag gibt es von mir kuratierte Links zu den Themen Inklusion und Innovation. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren. Kein Spam. Versprochen! Hier gibt es die vergangenen Ausgaben.


Constantin Grosch
Constantin Grosch

ist Student der Soziologie an der Universität Bielefeld, als Kommunalpolitiker in seiner Heimatstadt Hameln tätig und nennt sich selbst Inklusions-Aktivist. Sein Inklusions-Podcast wurde hier schon des Öfteren vorgestellt. Das medizinische Modell von Behinderung sagt, dass er Rollstuhlfahrer sei. Das soziale Modell von Behinderung gibt wiederum an, er sei Mitglied der SPD.

Projektförderung reicht, oder?

„An manchen Tagen kann man den Eindruck gewinnen, als hätte die Politik keine Lust mehr auf Politik. Wer will es ihr verdenken?
Aber natürlich ist das Quatsch. Der Wille ist zwar da, sie hat es aber verlernt. Früher wurden noch Gesetze verabschiedet oder gar ganze Reformen. Heute dominiert ein anderes Werkzeug: die Projektförderung.

Sie ist deshalb so beliebt, weil sie so unverbindlich ist. Die Politik kann ein Ziel formulieren, ohne eine eigene Idee zur Umsetzung zu benötigen. Dann erhält sie aus der Zivilgesellschaft die tollsten Vorschläge und kann nach Gutsherrenart entscheiden, ob und was davon mal ausprobiert wird. Gibt es Kritik an der Umsetzung, kann man sich auf den Standpunkt zurückziehen, es ja nur mal modellhaft erprobt zu haben und wenn es gut läuft, kann man die Verantwortung für die flächendeckende Umsetzung ja dahin zurückgeben, wo die Idee herkam: an die Zivilgesellschaft.

Besonders beliebt ist diese Methode beim Thema Inklusion und Barrierefreiheit. Seit Jahrzehnten mahnen Menschen mit Behinderungen an, Barrierefreiheit endlich zum Standard zu erheben, und zwar nicht in Sonntagsreden, sondern durch die harte Hand des Gesetzes. Wie wichtig Barrierefreiheit ist, muss im Jahr 2019 niemandem mehr erklärt werden und trotzdem ist alles, was der Politik einfällt: Projektförderung.

Ein Beispiel hierfür ist Schleswig-Holstein: „Das Land stellt in den kommenden vier Jahren [2018-2022] zehn Millionen Euro in einem Fonds für Barrierefreiheit bereit. Damit sollen Modellprojekte gefördert werden, mit denen Gebäude behindertengerecht umgerüstet und Menschen mit Behinderungen die gleiche Teilhabe am öffentlichen Leben gesichert werden soll.“

Ist das noch zu fassen? Im Jahr 2018 braucht die Politik Modellprojekte, die ihr mal beispielhaft zeigen sollen, wie das mit der ominösen Barrierefreiheit klappen könnte. Nein liebe Politik, Euer Job ist ein anderer. Euer Job ist das Aufstellen von gesellschaftlichen Regeln in Form von Gesetzen. Ich hätte da auch eine Idee, wie ihr wieder ins Training kommt: Schreibt einfach mal ein Gesetz zur Verpflichtung der Privatwirtschaft zur Barrierefreiheit. Das wäre effizient, ein Fortschritt und vielleicht bekommen wir alle dann wieder mehr Lust auf Politik.“

Eine Gefahr namens Crowdfunding. Oder: Warum wir die Probleme an der Wurzel anpacken müssen.

https://raul.de/leben-mit-behinderung/eine-schleichende-gefahr-namens-crowdfunding-oder-warum-wir-die-probleme-an-der-wurzel-anpacken-muessen/

Immer öfter erreichen mich Spendenanfragen via Crowdfunding für Assistenzhunde, Rollstühle oder barrierefreie Autos und seit Neuestem auch Assistenz. Der Staat oder die Krankenversicherungen weigern sich zu zahlen. Sind das gute Zeichen an der Wand?

 

Das gelbe U-Heft

https://www.diekinderderutopie.de/das_gelbe_untersuchungsheft

Wir können lernen, die Angst vor Unterschieden zu verlieren.

 

Kein politischer Wille für eine unabhängige Überprüfung der Sonderschulen

https://www.bizeps.or.at/kein-politischer-wille-fuer-eine-unabhaengige-ueberpruefung-der-sonderschulen/

Nach dem spektakulären Prozessgewinn von Nenad Mihailovic gegen das Land NRW verdichten sich Hinweise, dass sich in den Sonder-/Förderschulen für Geistige Entwicklung auch Kinder und Jugendliche befinden, die keine geistige Behinderung haben.

 

Videos: Zwischen Emanzipation und Vereinnahmung

https://disko18.de/videos/

Die Konferenz Zwischen Emanzipation und Vereinnahmung – Disability Studies im deutschsprachigen Raum vom Oktober 2018 kann man sich nun auf Videos ansehen.

 

Inklusion im Kulturbetrieb: Theater nicht für alle

http://www.taz.de/!5559299/

Menschen mit Behinderung haben nicht nur das Recht auf Teilhabe in der Arbeitswelt, sondern auch in der Kultur. Das hat Deutschland unterzeichnet.

 

Konzertbesuch mit Behinderung: Jauchzen verboten

http://www.taz.de/!5560304/

Der Sohn von Birte Müller liebt klassische Musik. Konzerte sind herausfordernd. Nicht weil er tanzt, sondern weil alle anderen stocksteif dasitzen.

 

So viele falsche Worte

http://www.taz.de/!5559327/

Wenn Menschen mit Beeinträchtigungen Kunst machen, wird es gerade für wohlmeinende Kritiker*innen schwierig: Wie thematisieren, was man eigentlich nicht thematisieren will?

 

Podcast: „Rampenlicht“ mit Graf Fidi

http://www.diversity-arts-culture.berlin/magazin/rampenlicht-1

Rampenlicht ist ein Podcast zu Behinderung und Kultur. Rebecca Maskos unterhält sich mit behinderten Künstlerinnen und Künstlern über Inklusion und Vielfalt in Musik, Theater, im Tanz und in der Bildenden Kunst und über den Zugang zum Kulturbetrieb. In Folge 1 trifft sie Graf Fidi.

 

Zehn Jahre Persönliches Budget – eine Erfolgsgeschichte

https://www.teilhabeberatung.de/artikel/zehn-jahre-persoenliches-budget-eine-erfolgsgeschichte

„Rund 90 Prozent der Budgetnehmenden haben den Eindruck, dass sich ihre Selbstständigkeit durch das Persönliche Budget verbessert hat“. So steht es im zweiten Teilhabebericht der Bunderegierung. Mit der Schaffung des Sozialgesetzbuches (SGB) IX im Jahr 2001 hat der Gesetzgeber diese neue Form der Leistung erstmals möglich gemacht, zunächst in Modellversuchen. Ab dem 1. Januar 2008 als Rechtsanspruch im SGB IX verankert, ist das Persönliche Budget zehn Jahre später ein Baustein selbstbestimmter Teilhabe, der aus der Praxis nicht mehr wegzudenken ist.

 

Reportage zum Bundesteilhabegesetz – Artistik-Ausbildung mit Down-Syndrom

https://www.radioeins.de/programm/sendungen/mofr1013/_/trainerin-mit-down-syndrom.html

Vor einem Jahr wurde das sogenannte Bundesteilhabegesetz erweitert. „Mehr Jobchancen. Weniger Behindern.“ Damit wirbt das Arbeitsamt seit einem Jahr für das erweiterte Bundesteilhabegesetz. Menschen mit Behinderungen soll der Weg auf den Arbeitsmarkt erleichtert werden. Wie das so klappt, in der Umsetzung auch dank Initiativen wie BIS Netzwerk für betriebliche Integration und Sozialforschung e. V., hat sich Cora Knoblauch angeschaut.

 

Mitarbeiter beklagt sich: Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung zahlt wenig

https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/duisburg-fall-rogg-schwerbehinderte-klagen-an-100.html

Markus Küpper beklagt sich über zu geringe Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen bei der WfbM
Lebenshilfe NRW
und fordert angemessene Vergütung.

 

Blogempfehlung: Herr Bock – Die Depression hat mich bestimmt. Jetzt bin ich dran. Vielleicht.

http://verbockt.com/

Markus Bock spricht ganz offen über seine Depression, Überlebensstrategien und Hilfestellungen.

 

Blogparade Was darf man Kindern zutrauen?

https://lydiaswelt.com/2018/12/16/blogparade-was-darf-man-kindern-zutrauen/

Wenn es um Erziehung, Kinder und Familienstrukturen geht, streiten sich die Geister unentwegt. Lydia Zoubek findet es immer wieder erstaunlich wie viele Menschen eine Meinung dazu haben und ruft zur Blogparade auf.

 

Zum Braille-Tag 2019 – brauchen wir einen neuen Louis Braille?

http://www.oliveira-online.net/wordpress/2019/01/04/zum-braille-tag-2019-ein-verlorenes-jahrzehnt/

Schaut man sich die Entwicklung von Braille in den letzten Jahrzehnt an muss man leider feststellen, dass sich unheimlich wenig getan hat. Es wird heute mehr darüber gesprochen und es gibt eine ganze Reihe mehr Produkte mit Braille, aber das Killer-Feature blieb aus. Das wird vielleicht deutlicher, wenn wir uns anschauen, was in anderen Gebieten so alles passiert ist: Smartphones, 3D-Drucker, Geräte mit Sprachsteuerung, eBook-Reader auf eInk-Basis… Was muss also passieren? Domingos de Oliveira hat dazu etwas gebloggt.

 

Handicap-Passion – Über BDSM und Behinderung

https://sexabled.de/2019/01/04/handicap-passion-uber-bdsm-und-behinderung/

Eine Behinderung zu haben und BDSM zu mögen und zu betreiben ist kein Widerspruch! Ein Mensch mit einer Behinderung kann dominant oder devot sein wie ein Mensch ohne Handicap auch. Einzelne BDSM-Praktiken können für gewisse Behinderungen auch durchaus entspannende Aspekte bieten und dazu beitragen, dass sich die Person besser auf die Situation einlassen kann.

 

Drei Menschen erzählen, wie ihre Querschnittslähmung ihr Sexleben verändert hat

https://www.vice.com/de/article/d3bx5q/sex-wie-eine-querschnittslaehmung-das-sexleben-veraendert-rollstuhl-umstellung-inklusion

Ein Leben im Rollstuhl macht Geschlechtsverkehr zu einem relativ komplizierten Unterfangen. Es kann einem aber auch neue Möglichkeiten im Bett aufzeigen.

 

For China’s Disabled People, Sex is Still Taboo

https://www.sixthtone.com/news/1003361/for-chinas-disabled-people%2C-sex-is-still-taboo

While the country is paying more attention to employment and health care, the need for intimacy is still often ignored.

 

Peruvian driver with Down Syndrome set to make history at the Dakar Rally

https://perureports.com/peruvian-driver-with-down-syndrome-set-to-make-history-at-the-dakar-rally/8985/

Peruvian driver Lucas Barrón will be making history when the 2019 Dakar Rally kicks off in Lima in a few days. The 25-year-old driver is set to become the first-ever participant in the history of the famed off-road race with Down Syndrome.

 

Dad Creates Autcraft, a Safe Minecraft Server for Those With Autism

https://themighty.com/2017/05/autcraft-minecraft-autism-stuart-duncan/

When Stuart Duncan started Autcraft, a private Minecraft server for people on the autism spectrum, he had no idea it would become the community it is today.

 

Why Sign-Language Gloves Don’t Help Deaf People

https://www.theatlantic.com/technology/archive/2017/11/why-sign-language-gloves-dont-help-deaf-people/545441/

Wearable technologies that claim to translate ASL overlook the intricacies of the language, as well as the needs of signers. 

 


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