Raul Krauthausen - Aktivist

Newsletter: „Muss eigentlich jeder immer alles können?“ Über Herausforderungen & Chancen der Inklusion in Bildung, Forschung, Arbeit, Politik, Kunst & Sex. Vom 5. Februar 2019

Jeden Dienstag gibt es von mir kuratierte Links zu den Themen Inklusion und Innovation. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren. Kein Spam. Versprochen! Hier gibt es die vergangenen Ausgaben.


Kolumne

Foto von Franz-Josef HankeFranz-Josef Hanke
wurde 1955 in Bonn geboren. Der blinde Journalist lebt seit 1977 in Marburg. Er engagiert sich in der Bürgerrechtsorgaisation Humanistische Union und ist Mitbegründer des Arbeitskreises Barrierefreies Internet (AKBI).

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„Mehrfach behindert sein ist nicht einfach“
„Er passt in keine Schublade“, sagen Menschen über jemanden und meinen das meist als Lob. Wer aber wirklich in keine Schublade passt, der hat´s meist sehr schwer. Das gilt insbesondere für Menschen mit mehr als einer Behinderung gleichzeitig.
Mit Menschen im Rollstuhl oder mit einem weißen Langstock können viele inzwischen einigermaßen umgehen. Doch selbst Mitmenschen mit einer Behinderung fällt der Umgang mit Mehrfachbehinderten nicht immer leicht.
Annähernd zehn Millionen Menschen in Deutschland sind behindert. Wahrscheinlich liegt die Zahl der Mehrfachbehinderten bei knapp einer Million. Genaue Zahlen dazu sind leider aber nicht bekannt.
Da aber viele Behinderungen erst in höherem Alter auftreten, ist sehr wahrscheinlich, dass bei älteren Behinderten dann mit einer gewissen statistischen Wahrscheinlichkeit auch mehrere Behinderungen zugleich auftreten können. In der gesellschaftlichen Debatte spielt das derzeit aber ebensowenig eine Rolle wie bei Behindertenorganisationen selbst.
Allerdings haben zusätzliche Behinderungen mitunter sehr schwerwiegende Auswirkungen. Davon kann ich aus eigener Erfahrung berichten.
Meine linksseitige Fußlähmung wäre – für sich allein genommen – eine kaum merkbare Behinderung. Könnten meine Augen alles gut sehen, könnte ich Bordsteinkanten und Unebenheiten im Boden vorsichtig umgehen. Als Blinder trete ich jedoch irgendwohin, wo mein Fuß die Unebenheit oder Kante dann aufgrund dieser Behinderung nicht abfedern kann, sodass ich bei kleinsten Unebenheiten zu Boden stürzen kann.Deswegen kann ich das Haus nur in sehender Begleitung verlassen.
Jede zusätzliche Beeinträchtigung potenziert die Auswirkungen einer anderen Behinderung. Schon eine leichte Hörbeeinträchtigung, die die akustische Raumwahrnehmung stört, stellt für blinde Menschen eine extreme Einschränkung dar.
Deswwegen plädiere ich dafür, sich möglichst vom überkommenen Schubladendenken zu verabschieden, wonach alle Menschen mit einer Behinderung können sollten, was eine bestimmte Person kann. Individualität und Vielfalt machen jeden einzelnen Menschen zu einem einzigartigen Wesen, das in seinen persönlichen Bedürfnissen und Wünschen zu respektieren ist. Respekt und Freundlichkeit sollten im Umgang aller Menschen selbstverständlich sein.
Fangen wir also an, respektvoll und freundlich aufeinander zuzugehen! Zwar habe ich nicht immer nur gute Tage, aber wenigstens zu solchen Zeiten möchte ich gerne viele interessante und nette Mitmenschen kennenlernen.

 

Handgepflückte Links

Video: h+ live: Inklusion am Arbeitsplatz

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-plus/190129-hplus-stream-100.html

Eine Illusion? Hanna Zimmermann spricht mit Raul Krauthausen über den Arbeitsalltag von Menschen mit Behinderung.

 

Inklusion: Drei Fragen an Raul Aguayo-Krauthausen

https://bildungsklick.de/schule/meldung/drei-fragen-an-raul-aguayo-krauthausen/

Streitthema Inklusion: Gemeinsames Lernen erfordert Ausdauer und Investitionen, sagt Raúl Aguayo-Krauthausen, Gründer des Vereins Sozialhelden.

 

Inklusion: Gesamtschulen greifen Gymnasien scharf an

https://www.waz.de/politik/landespolitik/inklusion-gesamtschulen-greifen-gymnasien-scharf-an-id216321875.html

Immer mehr Gymnasien verabschieden vom gemeinsamen Lernen. Gesamtschul-Verband: diese Aufgabe müssten nun die anderen Schulformen stemmen.

 

„Muss eigentlich jeder immer alles können?“

https://bildungsklick.de/fruehe-bildung/detail/muss-eigentlich-jeder-immer-alles-koennen/

Inklusion beginnt im Alltag und kann von Schulen nicht detailliert geplant werden, weiß Rainer Schmidt aus eigener Erfahrung. Der Kabarettist und mehrfache Goldmedaillengewinner im Tischtennis bei den Paralympics kam ohne Hände zur Welt und nahm sein Leben in der Mitte der Gesellschaft dennoch selbst in die Hand.

 

Mach Dein Ding! Stipendium für junge Menschen mit chronischen Erkrankungen

http://aktion-luftsprung.de/luftsprung-campus/stipendium/

Bei diesem Projekt stellt aktion luftsprung jungen Menschen mit chronischen Erkrankungen pro Jahr ein Stipendium zur Verfügung, das ihnen bei der Ausbildung oder während des Studiums ökonomische Unterstützung bieten soll.

 

Akademiker*innen mit Behinderung in die Teilhabe- und Inklusionsforschung

https://www.aktif-projekt.de/

AKTIF ist ein bundesweites Netzwerk aus ForscherInnen mit und ohne Behinderungen, die Inklusions- und Teilhabeforschung betreiben und gemeinsam relevante Themenschwerpunkte und Forschungslücken identifizieren.

 

Inklusives Stück am GRIPS Theater: „Cheer Out Loud!“

http://www.grips-theater.de/programm/spielplan/termin/4847

In „Cheer Out Loud!“, der großen Spielzeitproduktion des GRIPS Theaters, geht es unterhaltsamer zur Sache, als man es vielleicht bei einem „Inklusions-Stück“ vermuten könnte.
Für GRIPS-Regisseur Robert Neumann war es dabei wichtig, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderung nicht zwingend nur Figuren mit Behinderung spielen. Schließlich sind sie Profis. Die Erkenntnis des Teams: Inklusion kann dabei auch anstrengend sein und funktioniert nur im praktischen Tun. „Es sind v.a. Berührungsängste, Vorurteile und Annahmen, die einem im Weg stehen, da nehme ich uns auch nicht aus,“ resümiert Robert Neumann die gemeinsame Arbeit.

 

Barrierefreiheit auf der Berlinale

https://www.berlinale.de/de/programm/inklusion/index.html#greta

Die Berlinale versteht sich als Festival, das Vielfalt präsentiert, und zugleich als Ort, an dem ein gemeinsames Kinoerlebnis und ein Austausch stattfinden können. Der Berlinale liegt viel daran, dass auch Menschen mit Einschränkungen Zugang zu Filmvorführungen und Events haben.
Über die Ausstattung mit Plätzen für RollstuhlfahrerInnen in den Kinos hinaus werden Diskussionen mit Übersetzung in Gebärdensprache und Filme mit Audiodeskription angeboten. Bei weiteren Fragen steht Menschen mit Sehbehinderung in den Spielstätten eine Ansprechpartnerin zur Verfügung. Außerdem steht eine Liste mit den deutsch untertitelten Vorführungen zum Download zur Verfügung.

 

DVBS sieht Zug in falsche Richtung fahren

https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/39496?sfns=st

Seit dem 1. Februar müssen sich behinderte Reisende für jede Teilstrecke, die mit einem Eisenbahnunternehmen stattfindet, das nicht mit der Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn (MSZ) zusammenarbeitet, neu um Hilfeleistungen bemühen. Ursula Weber, erste Vorsitzende des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS), die selbst blind und sowohl beruflich als auch in der Vereinsarbeit viel mit der Bahn unterwegs ist, hat bislang fast ausschließlich positive Erfahrungen mit der MSZ der Deutschen Bahn gemacht. Doch befürchtet sie zukünftig enorme Schwierigkeiten auf allen Strecken, die keine Hauptverkehrsstrecken sind: „Ich war erschüttert, als ich las, dass die MSZ nur noch Umstiegshilfen für DB-eigene Unternehmen oder Kooperationspartner anbietet. Für viele Ziele, die nicht an Hauptstrecken liegen, bekomme ich dann keine Unterstützung über die MSZ mehr.“

 

Bundesregierung will nichts gegen Heimzwang unternehmen

https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/39493

Zur Antwort der Bundesregierung auf mündliche Fragen zur Gewährleistung des Wunsch- und Wahlrechts im Bereich Wohnen erklärt Corinna Rüffer, Sprecherin für Behindertenpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: „Selber bestimmen, wie, wo und mit wem man leben möchte, ist für die allermeisten Menschen eine Selbstverständlichkeit. Jedoch nicht für behinderte Menschen, wie der Fall von Markus Igel zeigt. Er kämpft seit Jahren mit den zuständigen Behörden darum, selbstbestimmt in seiner eigenen Wohnung leben zu können. Trotzdem möchte die Bundesregierung nichts an der Rechtsgrundlage ändern, mit der Behörden die Übernahme von Assistenzkosten verweigern können. Sie verfährt dabei nach dem Motto: Selbstbestimmt leben – aber nur, wenn’s billig ist.

 

Koalition streitet über Wahlrecht für Behinderte

http://spiegel.de/politik/deutschland/cdu-csu-und-spd-weiter-streit-um-wahlrecht-fuer-behinderte-a-1251102.html?sfns=st

Mehr als 80.000 Behinderte und psychisch Kranke dürfen nicht wählen. Die Koalition wollte das eigentlich ändern – kann sich nach SPIEGEL-Informationen aber nicht auf ein Gesetz einigen.

 

Urteil im CI-Zwang-Fall: Keine Kindswohlgefährdung

https://gehoerlosenzeitung.de/cochlea-implantat-zwang-urteil-goslar/

Nach mehr als einem Jahr ist der Goslarer Gerichtsprozess um die drohende Zwangsimplantierung eines gehörlosen Jungen zu einem Ende gekommen – mit einem für die gehörlosen Eltern positiven Ausgang. Der Fall hatte Ende 2017 für hohe Wellen gesorgt. Dabei geht es um einen mittlerweile dreijährigen gehörlosen Jungen. Im Frühjahr 2017 wurde den ebenfalls gehörlosen Eltern bei einer BERA-Untersuchung eine CI-Versorgung nahegelegt, diese lehnten jedoch ab.

 

Video: Kämpferin für Gehörlose

https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/sehen-statt-hoeren/karin-kestner-132.html

Sie ist eine 24-Stunden-Frau, aktiv, temperamentvoll, laut, fröhlich – und die „Mutti“ der Gehörlosen: Karin Kestner hat sich als hörende Frau ihr halbes Leben lang für die Belange der Gehörlosen eingesetzt. Jetzt zieht sie sich langsam zurück. Ein guter Moment um Danke zu sagen.

 

Amelotatismus die Lust an der Behinderun

https://sexabled.de/2019/02/01/handicap-love-amelotatismus-die-lust-an-der-behinderung/

Der Begriff Amelotatismus setzt sich wie folgt zusammen, aus dem griechischen a „ohne“, melo „Glied“, tasis „Zuneigung, die wörtliche Übersetzung steht also für Menschen die sich zu anderen Menschen ohne Gliedmaßen hingezogen fühlen. Diese Definition hat sich im laufe der Zeit allerdings enorm gewandelt, losgelöst von seiner ursprünglichen Bedeutung steht “Amelotatismus“ im heutigen Sprachgebrauch für die Zuneigung zu behinderten Personen, die Fixierung kann von Amelotatist zu Amelotatist unterschiedlich ausfallen, Spastiken, fehlende oder fehlgebildete Körperteile, Lähmungen, Rollstühle oder Krücken, auch Sinneseinschränkungen können anziehend sein, allerdings ist dies nur sehr selten der Fall.

 

Sex: Umarm mich!

https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-01/umarm-mich/komplettansicht

Ein Rollstuhl ist kein Keuschheitsgürtel. Doch dass Querschnittgelähmte Sex haben, ist ein Tabu. Maria-Cristina Hallwachs bricht es.

 

Diversity: Stellt endlich mehr Menschen mit Behinderung ein!

https://www.lead-digital.de/diversity-menschen-mit-behinderung-arbeit/

Welches Unternehmen will sich 2019 nicht mit dem Buzzword Diversity schmücken? Nicht wenige Firmen werben mit internationalen Teams und Netzwerken für Frauen. LEAD-Autor Johannes Mairhofer kritisiert, dass Unternehmen zwar Diversität propagieren, aber oft Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen nicht mit einbeziehen.

 

Mitmachen: Open Health HACKademy

https://be-able.info/de/projekte/HACKademy/?fbclid=IwAR1I5WsHRBIZD-4YP6QgqU7Vj2r5lqFmBHaJuI5hwF4E8mO_NmDXy0IvYjk

Die Open Health HACKademy lädt Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen, Menschen mit Behinderung und Maker ein, gemeinsam Open-Source-Hilfsmittel zu entwickeln und nachbaubar-dokumentiert zur Verfügung zu stellen. Im Team wird an spannenden Problemstellungen gearbeitet, zum Beispiel an der Entwicklung eines DIY Virtual Reality Headsets für Menschen mit funktionaler Sehschwäche oder einem Kommunikationstool für den Smalltalk zwischen Gehörlosen und Hörenden.

 

Google debuts new Android apps for the hard of hearing

https://lifehacker.com/how-to-join-the-beta-for-google-s-live-transcribe-and-1832328844

Google announced that it’s launching a beta for a new Android feature called Live Transcribe, which can accurately create written captions from speech on the fly. It’s an accessibility-focused project made to help people with hearing loss communicate without making special arrangements or purchasing expensive equipment.

 

How Can The Entertainment Industry Fix Its Disability Representation Problem?

https://www.huffingtonpost.co.uk/entry/bryan-cranston-disability-actors-new-film-criticism_uk_5c34daa7e4b05d4e96bd1a02

Debate about Bryan Cranston playing a disabled man in ‚The Upside‘ feeds into a wider discussion.

 

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