Raul Krauthausen - Aktivist

Newsletter: Über Filmpat*innen, Wahlrechtsausschlüsse, Überforderung, Inklusion in Schule, Arbeit, ÖPNV und Väter im Rollstuhl. Vom 5. März 2019

Jeden Dienstag gibt es von mir kuratierte Links zu den Themen Inklusion und Innovation. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren. Kein Spam. Versprochen! Hier gibt es die vergangenen Ausgaben.


Kolumne

Juli
ist 10 Jahre alt. Sie geht in die 5. Klasse. Ihre Lieblingsfächer sind Musik, Kunst und Wahlpflichtfach. Ihr Lieblingstier ist der Wolf.
 


Mein ganz normales Leben
Das ist mein ganz normales Leben, das, wovon ich gleich erzähle. Na? Das klingt vielleicht langweilig, oder? Ist es aber nicht. Ihr wollt jetzt sicher wissen, warum ich gerade mit diesem Satz eine Geschichte anfange, aber dazu kommen wir gleich noch. Erst will ich euch ein bisschen über meinen Alltag als blindes Kind erzählen: Genau wie jedes andere Kind wache ich morgens auf, esse mein ganz normales Frühstück, putze mir mit einer ganz normalen Zahnbürste die Zähne, ziehe meine ganz normalen Klamotten an und verlasse mein Haus. Papa und ich fahren mit dem Tandem zur Schule. Ich sitze vorne, Papa hinten. Papa bringt mich bis zur Treppenhaustür meiner ganz normalen Schule. Er sagt mir tschüss, ich renne die sieben Treppen hoch und in die Klasse. Dort habe ich eine nette Schulhelferin. Ohne sie hätten wir so einiges nicht geschafft. Ich setze mich also an meinen Platz und schalte meinen ganz normalen Laptop an. Meine Schulhelferin speichert meine Aufgaben auf dem Laptop, manche setzt sie aber auch in „Blindenschrift“* um. *Nur so als kleiner Tipp unter Freunden: Man sagt eigentlich nicht Blindenschrift. Das habe ich jetzt nur so gesagt, damit ihr Sehenden es auch versteht.:-) Eigentlich heißt es entweder Punktschrift, oder für ganz Fortgeschrittene Brailleschrift. Naja. Kommen wir mal wieder zur Geschichte. Im Sportunterricht mache ich vieles mit, aber manches kann ich eben nicht. Man kann ja auch nicht von einem Fisch verlangen, auf einen Baum zu klettern. In Kunst arbeite ich mit fühlbaren Materialien. Die Bücher, die wir in den einzelnen Schulfächern lesen gibt es nicht in Punktschrift. Das ist doof und ungerecht! Die Wege von A nach B sind für mich in der Schule kein Problem mehr. Meine Mobitrainerin hat es geschafft, dass ich diese Angst überwunden habe, die ich seit der Vorschule hatte, als… Nein. Das ist vielleicht ein bisschen zu lang und auch zu privat.
An dieser Stelle verabschiede ich mich von euch. Wenn ihr noch irgendwelche Fragen habt, fragt mich einfach, obwohl ich nicht weiß, wie. Ihr habt meine E-Mailadresse ja nicht. Aber es würde mich trotzdem freuen, wenn ihr euch über meine kleine Kostprobe über mein Leben gefreut habt. Tschüss und bis bald, eure Juli (10 Jahre)
PS: Oft fragen mich die Leute, ob ich denn ein „normales“ Handy hätte. In dieser Geschichte möchte ich es endlich allen Leuten sagen: Natürlich habe ich ein „ganz normales“ Handy!

 

Handgepflückte Links

„Die Kinder der Utopie“: Film-Patenschaften gesucht

https://www.diekinderderutopie.de/patenschaft_gesucht

Von Aschaffenburg bis Wuppertal suchen wir in einigen Städten für die Kino-Veranstaltung von „Die Kinder der Utopie“ am 15. Mai noch Freiwillige, die eine „Patenschaft“ übernehmen, Publikum gewinnen oder an einer Gesprächsrunde zum Erfahrungsaustausch teilnehmen möchten. Hier könnt ihr euch melden:

 

Urteil zum Wahlrechtsausschluss: Schluss mit Hinhaltetaktik!

https://raul.de/allgemein/urteil-zum-wahlrechtsausschluss-schluss-mit-hinhaltetaktik/

Das Verfassungsgericht hat den Wahlrechtsausschluss gekippt. Bisher dürfen rund 85.000 Menschen nicht wählen, die eine Betreuung benötigen. Reicht das Urteil, damit sie zu ihrem Recht kommen?

 

Die Kraft der zwei Herzen gibt es nur in der Werbung

https://raul.de/leben-mit-behinderung/die-kraft-der-zwei-herzen-gibt-es-nur-in-der-werbung/

Weltverbesserung ist eine komplizierte Angelegenheit. Dies hier ist kein Hilferuf. Aber ein Bekenntnis zur eigenen Ohnmacht.

 

Petition: Lasst Duygu Özen endlich inklusiv arbeiten!

https://www.change.org/p/christoph-möller-lasst-mich-endlich-inklusiv-arbeiten

Seit fast drei Jahren streitet Duygu Özen mit der Agentur für Arbeit Berlin Nord. Doch die hält sich weder an die Vereinbarungen vor Gericht noch an gesetzliche Bestimmungen und Fristen. Dabei hat Özen schon einen Betrieb, der sie ausbilden und einstellen würde…

 

Thüringer Verband sieht Werkstätten für Behinderte kritisch

https://www.otz.de/startseite/detail/-/specific/Thueringer-Verband-sieht-Werkstaetten-fuer-Behinderte-kritisch-205335305

Werkstätten für Behinderte geben Tausenden Menschen mit Handicap Arbeit. Doch sie sind nicht unumstritten – auch bei Betroffenen selbst.

 

Neugründung: Guter Unterricht für alle e.V.

http://www.guter-unterricht.eu

Die InitiatorInnen der Mathe-App mathildr haben einen Verein gegründet. Das Ziel: Die Entwicklung konkreter Hilfen zur Ermöglichung eines wertschätzenden und zeitgemäßen Schulunterrichts. Dazu arbeitet der Verein eng mit Fachpersonen aus verschiedensten Bereichen zusammen. Den Mittelpunkt der handlungswissenschaftlichen Arbeit bilden die SchülerInnen, mit denen gemeinsam Unterrichtsideen entwickelt werden.

 

Inklusion an deutschen Schulen, verständlich erklärt

https://krautreporter.de/2799-inklusion-an-deutschen-schulen-verstandlich-erklart

Ist es das Beste für behinderte und nicht-behinderte Kinder, sie gemeinsam zu unterrichten? Wie sollen Lehrer das schaffen? Und wieso erscheint Integration plötzlich nicht mehr erstrebenswert, wenn wir uns mit Inklusion beschäftigen? In diesem Text beantwortet Bent Freiwald die wichtigsten Fragen zur wahrscheinlich größten Herausforderung für unsere Schulen – und eine der größten für unsere Gesellschaft.

 

„Das Thema Behinderungen muss in jede pädagogische Ausbildung“

https://www.mdr.de/kultur/geschichte-behindertenrechte-koebsell-100.html

Vor zehn Jahren unterschrieb Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention. Damit wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet, denn dem Text liegt ein Verständnis zugrunde, dass Behinderungen einerseits durch individuelle Beeinträchtigungen, andererseits durch gesellschaftliche Barrieren zustande kommen. Diese zusammen verhindern die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft. Professorin Swantje Köbsell erklärt im Interview, wie sich die Behindertenrechte in Deutschland entwickelt haben, was die Unterschiede zwischen DDR und BRD waren und wie es heute um die Inklusion steht.

 

Das Märchen von der Inklusion

https://www.grossekoepfe.de/beliebt/das-maerchen-von-der-inklusion

Alle lesen nur „Status“ und die dazugehörigen Diagnosen und schwups springt anscheinend der Drucker automatisch auf ABLEHNUNG. Dabei verpassen diese Menschen so viel. Sie verpassen einen Sohn, der sozial sehr gut angebunden ist. Fast jeden Tag bekomme ich Nachrichten von Müttern, deren Kinder sich verabreden wollen. Sie verpassen einen Sohn der anfängt zu lesen und der jeden Buchstaben nicht nur auf seiner Zunge, sondern scheinbar auch in seinem Herzen bewegt. Sie verpassen ein Kind, was ohne Mühen Kopfrechnen und Malfolgen wiederholt und dieses Wissen nur zu gern anwendet. Sie verpassen einen großen Bruder, der jeden Tag neue Geschichten erfindet und Bilder für seine große Schwester dazu malt. Sie verpassen einen kleinen Bruder, der Witze erzählen kann, bis das Kleinste lachend auf dem Boden liegt.

 

Umfrage: Elternarbeit ist eine der größten Herausforderungen

https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/elternarbeit-ist-eine-der-groessten-herausforderungen/

Jede fünfte Lehrkraft nennt in einer Forsa-Umfrage die Zusammen­arbeit mit Eltern als eine der größten Heraus­forderungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung. Zudem sieht laut Umfrage die Hälfte der Lehr­kräfte Probleme beim Einsatz von Quer­einsteiger­innen und Quer­einsteigern an ihren Schulen.

 

Wie ist es mit einer Krankheit zu leben, die keiner kennt?

https://www.holy-shit-i-am-sick.de/podcast-interview-mit-br2-tag-der-seltenen-erkrankung/

Pünktlich zum Tag der seltenen Erkrankungen am. wurde Karina von der BR2-Redaktion eingeladen über ihr Leben mit dem Ehlers-Danlos-Syndrom im Podcasts “Tagesticket” zu sprechen.

 

Tabea Mewes: “Menschen mit Behinderung werden vom Staat bevormundet“

https://www.business-punk.com/2019/02/notjustdown/

„Notjustdown“ ist ein Blog, der über das Down-Syndrom informieren möchte. Klingt erstmal nicht außergewöhnlich, aber irgendwie ist er es doch. Tabea erzählt darin über ihr Leben mit ihrem Bruder Marian, der das Down-Syndrom hat, und will damit zeigen, wie bunt, lustig und vor allem normal es sein kann.

 

MS wird Thema bei der Oscar Party

https://staublos.ch/2019/02/27/ms-wird-thema-bei-der-oscar-party/

Die Schauspielerin Selma Blair spricht über ihren ersten Auftritt nach der MS-Diagnose. Ein paar Gedanken dazu von Katarina im staublos-Blog.

 

Vater im Rollstuhl

http://existenzspuren.de/?p=2204

„Vater im Rollstuhl“ soll eine Art Videoblog werden, in dem Chris Shafik Wunderlich Dinge rund um das Thema Elternschaft und Behinderung behandelt. Ein Thema, was noch immer recht unterschätzt wird.

 

Interaktive Wanderausstellung ECHT MEIN RECHT!

https://www.petze-institut.de/projekte/echt-mein-recht-fuer-maenner-und-frauen-mit-lern-schwierigkeiten/

Die interaktive Wanderausstellung ECHT MEIN RECHT! bietet Männern und Frauen
anschauliche Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit ihren Rechten auf
Selbstbestimmung, Sexualität und Schutz vor sexualisierter Gewalt.
ECHT MEIN RECHT! fördert Empowerment, Alltagskompetenz und sensible Nähe-DistanzGestaltung. Eine Selbstwertstärkung und eine Sensibilisierung der Männer und Frauen soll
erreicht werden und konkrete Handlungsalternativen für den Alltag und bei
Grenzüberschreitungen vermittelt werden.

 

Keine Auskunft der Bundesregierung zur Barrierefreiheit im ÖPNV

https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/39716

Die Bundesregierung kann keine Auskunft darüber geben, ob das Ziel der „bundesweiten Barrierefreiheit“ im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Jahr 2022 erreicht werden kann.

 

«Weltneuheit» im Schweizer Fernbus: die rollstuhlgerechte Toilette

https://www.nzz.ch/wirtschaft/weltneuheit-im-schweizer-fernbus-die-rollstuhlgerechte-toilette-ld.1463546

Eurobus hat sechs Cars eigens für den Schweizer Markt bauen lassen, um das Behindertengleichstellungsgesetz einzuhalten. An einem Medienanlass zog das Unternehmen eine gemischte Bilanz zur Auslastung.

 

Blind durch Hamburg / Blind through Hamburg – Application for the Holman Prize 2019!

https://www.youtube.com/watch?v=DEKJ83LHO3M&feature=share

Pitch video for Christian Ohren’s walking tour project „Blind durch Hamburg“ (Blind through Hamburg) to apply for the Holman Prize 2019!

 

I Dance Because I Can

https://www.nytimes.com/2019/02/27/opinion/disability-dance-alice-sheppard.html

The power of this art lies in our ability to view it outside assumed ideas about the body.

 

3D-Printed Paintings Let The Blind “See” Famous Art For The First Time

https://designyoutrust.com/2015/11/3d-printed-paintings-let-the-blind-see-famous-art-for-the-first-time/

The Unseen Art project wants blind and visually-impaired people to be able to enjoy classical art in museums and galleries. With 3D-printing and an IndieGoGo fundraiser, their mission could soon be a reality.

 

Finding truly accessible products is like walking a tightrope

http://disabilityhorizons.com/2019/02/finding-truly-accessible-products-is-like-walking-a-tightrope/

Peter Wilkins, an experienced blind techie who has written reviews for the product review website Rate It!, feels like he has been tightrope-walking for more than 50 years. Why? Because finding truly accessible products that help instead of hinder you can be incredibly challenging. Here’s why…

 

History of the Wheelchair

https://blog.sciencemuseum.org.uk/history-of-the-wheelchair/

To celebrate International Wheelchair Day on the 1st March, Research Fellow Kay Nias explores the history behind what has arguably been the most important mobility device in history.

 

Carrie Ann Lucas, Champion for Disabled Parents, Dies at 47

https://rewire.news/article/2019/02/25/carrie-ann-lucas-disability-rights-activist-and-attorney-dies-following-denial-from-insurance-company/

Carrie Ann Lucas, Disability Rights Activist and Attorney, Dies Following Denial From Insurance Company. She was instrumental in getting the Colorado legislature to pass the “Family Preservation for Parents with Disability Act,” which aims to ensure that parents with disabilities are not discriminated against by the child welfare system.

 

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