Raul Krauthausen - Aktivist

Newsletter: Untertitel, Audiodeskription & ungenaue Sprache die nicht immer helfen; Sandra Olbrich bei KRAUHAUSEN – face to face; Inklusion in der Schule & KI. Vom 22. Januar 2019

Jeden Dienstag gibt es von mir kuratierte Links zu den Themen Inklusion und Innovation. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren. Kein Spam. Versprochen! Hier gibt es die vergangenen Ausgaben.


Gastkolumne

Foto von Wille Felix ZanteWille Felix Zante
ist freier Autor, unter anderem für die Deutsche Gehörlosenzeitung und Leidmedien.de. Als Workshopleiter macht er Aufklärungsarbeit zum Thema Gehörlosigkeit, Schwerhörigkeit und Gebärdensprache. Er ist taub, schwerhörig, hörend – schwer zu sagen, und alles nicht zu hundert Prozent. Als Pronomen findet er „er“ bzw. „ihn“ ok.

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„Das hat der so aber gar nicht gesagt!“
Untertitel sind eine komische Sache. Manchmal sind sie total ausführlich, beinhalten jeden Songtext im Original, manchmal fassen sie ganze Dialoge mit „Ja“ – „Nein“ – „OK“ zusammen, aber nie weiß man, was einen erwartet. Vor allem weiß ich nie, ob sie funktionieren. Deswegen bin ich so unendlich froh, wenn am Anfang vom Tatort ein „Tatort-Titelmelodie“ unten drunter steht oder eine Beschreibung der Untertitelfarben für die einzelnen Rollen. Dann weiß ich: Komme was wolle, irgendwelche Untertitel sind vorhanden und ich kann in Ruhe den Film gucken. Auch wenn die Untertitel unvorhersehbar sind.

Witziger Weise sind es oft Hörende, die sich über die Untertitel aufregen. „Der hat da aber ‚Scheiße‘ gesagt und nicht ‚Mist‘.“ Wie soll ich als gehörloser Mensch merken, ob ganze Wörter ausgelassen oder Dialekte ins Hochdeutsche umformuliert werden? Eben. Im Gespräch mit Leuten, die die Untertitel machen, stellt sich dann raus, dass es ganz genaue Richtlinien gibt, an die man sich halten müsse. Deswegen fallen Wörter weg. Aha. Ich finde das schade, weil es oft die unwichtigen Wörter sind, die so viel ausmachen. Und weil ich mir ziemlich sicher bin, dass diese Richtlinie von Hörenden erfunden wurde. Von Menschen, die keine Ahnung haben, was es heißt, sich verstärkt visuell durch die Welt zu bewegen.

Ich lehne mich mal jetzt etwas aus dem Fenster und sage: Die Untertitel sollten einfach ein möglichst genaues Abbild dessen sein, was gehört wird. Also möglichst jedes Wort untertiteln, auch wenn’s viel ist — wenn viel gesprochen wird, hört man auch nicht alles, oder? Und vor allem die Geräusche so präzise wie möglich beschreiben und die Liedtexte im Original untertiteln. Ich freu mir jedes Mal einen Keks, wenn ein französisches Lied im Original untertitelt wird, auch wenn ich es kaum verstehe.

Erst dann kann man dann das alles schlicht und inklusiv „Untertitel“ nennen. Diese ganzen Zusatzbezeichnungen wie „für Gehörlose“ oder „für Hörbehinderte“, oder – besonders schön – das nicht tot zu kriegende „Gehörgeschädigte“ können dann in die Tonne.

Handgeplfückte Links

Ungenaue Sprache hilft niemandem

https://raul.de/allgemein/ungenaue-sprache-hilft-niemandem/

Natürlich ist das keine Einladung, Menschen gegen ihren Willen irgendwie zu betiteln, sie zu diskriminieren. Aber Diskriminierung kann auch dadurch entstehen, wenn man Tatsachen schönredet. So bin ich neulich, auf eine Studie gestoßen, welche ForscherInnen an der University of Wisconsin-Madison und der University of Kansas unlängst veröffentlichten. Sie wollten wissen, inwiefern Euphemismen zielführend sind: Denn Euphemismen, also Glimpfwörter oder Beschönigungen, sollen ja effektiv sein. Ihre UrheberInnen benutzen sie, um eventuellen Beleidigungen vorzubeugen, um Gesichtsverlusten zu entgehen, um irgendwie zu helfen. Ich habe von Eltern gehört, die lieber von ihren Kindern mit „speziellen Bedürfnissen“ sprechen als „mit Behinderung“. Das Leben sei schon hart genug. Aber hilft derartiges?

 

Folge 18: KRAUTHAUSEN – face to face mit Sandra Olbrich

https://krauthausen.tv/gaeste-sendungen/sendung-18-mit-sandra-olbrich/

Zu Gast bei KRAUTHAUSEN – face to face: Sandra Olbrich, Journalistin und Moderatorin. Wir unterhalten uns über ihren Werdegang und die Hindernisse, die überwunden wurden.

 

Inklusion ist kein Luxus – Die Kinder der Utopie

https://www.diekinderderutopie.de/inklusion_ist_kein_luxus

Vor dem Gesetz und vor Gott sind alle Menschen gleich, so steht es im Grundgesetz und in der Bibel. Schöne Idee eigentlich.

 

Was Erik kann – Die Kinder der Utopie

https://www.diekinderderutopie.de/was_erik_kann

Schul-Inklusion – das ist eine gute Sache für viele SchülerInnen. Gerade Kinder mit Körperbehinderung passen gut in Regelklassen, wenn die Räumlichkeiten barrierefrei sind. Aber Inklusion geht natürlich nicht bei jedem Kind. Aber stimmt das auch?

 

In der ARD-Mediathek: „Die Story im Ersten: Das Märchen von der Inklusion“

https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/das-maerchen-von-der-inklusion-100.html

Kinder mit und ohne Behinderung lernen zusammen in einer Schule. Jeder Mensch kann überall dabei sein, am Arbeitsplatz, beim Wohnen oder in der Freizeit: Das ist Inklusion. Eine Idee, so schön wie ein Märchen.

 

Aufruf zum Voting für das Institut für Inklusive Bildung!

https://voting-socialimpact.eu/Wirkungsfonds_2019_-Institut_fuer_Inklusive_Bildung

Das Institut für Inklusive Bildung ist weltweit einmalig. Es qualifiziert Menschen mit Behinderungen, die bislang in einer Werkstatt (WfbM) arbeiten, zu Bildungsfachkräften. Als Bildungsfachkräfte sind sie fest auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt am Institut angestellt und arbeiten hauptberuflich in der Hochschulwelt. Sie leisten Bildungsarbeit an Fachhochschulen und Universitäten und vermitteln Studierenden sowie Lehr-, Fach- und Führungskräften die Lebenswelten, spezifischen Bedarfe und Kompetenzen von Menschen mit Behinderungen aus erster Hand. Dadurch erreichen sie einen enormen Multiplikationseffekt für Inklusion! Das Institut für Inklusive Bildung ist eine wissenschaftliche Einrichtung, angegliedert an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Dadurch sind Menschen mit sogenannten geistigen Behinderungen Teil der wissenschaftlichen Welt.

 

Die Bewerbungsfrist für den Jakob Muth-Preis 2019 läuft!

https://www.jakobmuthpreis.de/bewerbung/publikumspreis-fuer-inklusive-schuelerinnenprojekte/

10 Jahre UN-Behindertenrechtskonvention und 10 Jahre Jakob Muth-Preis. Bewerben können sich Einzelschulen, Verbünde und, zum ersten Mal, inklusive SchülerInnenprojekte. Habt Ihr selber ein inklusives Schüler*innenprojekt auf die Beine gestellt oder wisst davon? Dann schnell bewerben! Alle Infos zu Kriterien und Bewerbung finden sich auf der Website.

 

PDF: Learning by doing – Inklusion entwickelt sich

https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/download/9556

Ein BIBB-Sammelband zu „Inklusion im Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf“ bündelt erfolgreiche Praxisbeispiele, Expertenbeiträge und Ausschnitte des Fach- und Praxiswissens für gelingende Inklusion.

 

Bewerbungen ab sofort auch in Berlin möglich: Das DisAbility Talent Programm

https://www.disability-talent.com/news/20181-erfahrungsbericht-disability-talent-programm

Evgenia G., ein DisAbility Talent, hat ihre Erfahrungen exklusiv für uns zusammengefasst. Erfahre aus erster Hand, wie dich das DisAbility Talent Programm beim Karrierestart unterstützt.

 

Martin Habacher dreht nicht mehr – er fehlt mir jetzt schon!

https://www.bizeps.or.at/martin-habacher-dreht-nicht-mehr-er-fehlt-mir-jetzt-schon/

Auf YouTube fühlte sich Martin Habacher in seinem Element. Wöchentlich präsentierte er seinem immer größer werdenden Publikum zumindest einen Clip. Immer mit Herzblut und Leidenschaft. Am 20. Januar 2019 verstarb er überraschend.

 

Abgefahren: Rollstuhlfahrer wird der Einstieg in ICE am frühen Morgen verweigert

http://isl-ev.de/index.php/aktuelles/nachrichten/2148-abgefahren-rollstuhlfahrer-wird-der-einstieg-in-ice-am-fruehen-morgen-verweigert

Dem Sprecherratsvorsitzenden des Deutschen Behindertenrates (DBR) und Vorstandsmitglied der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) Horst Frehe wurde vorherige Woche der Einstieg in einen ICE in Bremen verweigert. Er wollte einen wichtigen politischen frühen Termin am Donnerstagvormittag in Berlin wahrnehmen. Hierzu bot sich der einzige an diesem Tag durchgehende ICE von Bremen nach Berlin an, der Bremen um 5:15 verließ. Leider lehnte die Deutsche Bahn dem rollstuhlfahrenden Fahrgast die Einstiegshilfe am Hauptbahnhof in Bremen ab.

 

Video: Sozialbehörde zahlt zu wenig: Markus Igel bangt um selbstbestimmtes Leben

https://www.swr.de/landesschau-rp/sozialbehoerde-zahlt-zu-wenig-schwerstbehinderter-bangt-um-eigene-wohnung/-/id=122144/did=23232504/nid=122144/1dfgmht/index.html

Markus Igel aus Bad Kreuznach ist seit seiner Kindheit spastisch gelähmt. Vor vier Jahren zog er in eine eigene Wohnung, wo er von Pflegern rund um die Uhr betreut wird. Doch das Landesamt für Soziales in Saarbrücken zahlt nicht genug, um seine Lebenssituation aufrecht zu erhalten.

 

Kritik am Stand der Inklusion „Das finde ich inakzeptabel“

https://www.tagesschau.de/inland/un-behindertenkonvention-interview-101.html

„Eine Demokratie ist nur gut, wenn sie inklusiv ist“, meint der Behindertenbeauftragte Dusel im tagesschau.de-Interview. Dass viele nach zehn Jahren UN-Behindertenrechtskonvention nicht wählen dürfen, passt da nicht.

 

MG KITCHEN TV – Inklusion in der Küche

http://mgkitchentv.de/

Seit sieben Jahren laden Luisa und André Musiker aus aller Welt in ihre Küche nach Mönchengladbach zum ROCKEN KOCHEN ABWASCHEN ein.
Gemeinsam mit ihrem Freund Dave, der für den Sound in der Küche zuständig ist, laden sie einmal im Monat eine MG KITCHEN TV Folge auf dem gleichnamigen YouTube Kanal hoch. Die Musiker spielen zwei eigene Songs, dann wird gemeinsam gekocht. Dabei wird ein Interview geführt. Anschließend, na klar, folgt der Abwasch. Seit Dezember 2018 sieht man ein neues Gesicht bei MG KITCHEN TV. Die Interviews führt nun Steffi. Eine junge Frau mit einer geistigen Einschränkung.

 

Alternativen zur AudioDeskription

http://www.oliveira-online.net/wordpress/2019/01/17/alternativen-zur-audiodeskription/

So richtig überzeugt hat Domingos de Oliveira die AudioDeskription (AD) – die Filmbeschreibung für Blinde aus dem Off – bisher nicht. Für ihn ist es, als ob jemand einen Witz erzählt und im gleichen Atemzug die Pointe erklärt. Durch eine kleine Diskussion auf Facebook ist er zu diesem Beitrag angeregt worden.

 

Warum erkennen KI-Systeme Menschen mit Behinderungen so schlecht?

https://www.heise.de/tr/artikel/Warum-erkennen-KI-Systeme-Menschen-mit-Behinderungen-so-schlecht-4278394.html

Künstliche Intelligenzen behandeln nicht immer alle Menschen gleich. Besonders schwer tun sie sich damit, Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen. IBM-Forscherin Shari Trewin will das ändern.

 

Living with Muscular Dystrophy and fighting against animal experimentation

https://criphumanimal.org/2019/01/17/interview-johnathon-byrne/

Johnathon Byrne is an animal rights activist from the UK. He is a student in Animal Science and Welfare and has volunteered in wildlife conservation projects in South Africa. Johnathon has Muscular Dystrophy (MD) and actively campaigns against the use of animals in medical research.

 

Is it ever OK for non-disabled actors to play disabled roles?

https://www.theguardian.com/society/shortcuts/2019/jan/09/is-it-ever-ok-for-non-disabled-actors-to-play-disabled-roles

Bryan Cranston’s defence of playing a wheelchair user only strengthens a cycle that shuts out disabled actors.

 

Microsoft Soundscape – A Map Delivered in 3D Sound

https://www.closingthegap.com/microsoft-soundscape-a-map-delivered-in-3d-sound/

Microsoft Soundscape is a research project that explores the use of innovative audio-based technology to enable people, particularly those with blindness or low vision, to build a richer awareness of their surroundings, thus becoming more confident and empowered to get around. Unlike step-by-step navigation apps, Soundscape uses 3D audio cues to enrich ambient awareness and provide a new way to relate to the environment. It allows you to build a mental map and make personal route choices while being more comfortable within unfamiliar spaces.

 

Functional skills of those with Down syndrome can improve into adulthood

https://news.harvard.edu/gazette/story/2019/01/functional-skills-of-those-with-down-syndrome-can-improve-into-adulthood/

A new study from MassGeneral Hospital for Children looks at how people with Down syndrome continue to learn.

 

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