Raul Krauthausen - Aktivist

Newsletter: Wahrheit oder Einschaltquote?; Bildungsgerechtigkeit; Demo gegen #Heimzwang; Behinderte in Film und TV; Blindes Vertrauen; Mutter & geistig behindert. Vom 15. Januar 2019

Jeden Dienstag gibt es von mir kuratierte Links zu den Themen Inklusion und Innovation. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren. Kein Spam. Versprochen! Hier gibt es die vergangenen Ausgaben.


Gastkolumne

Foto von Lydia ZoubekLydia Zoubek
wurde als Kind arabischer Eltern in Jordanien geboren. Im Alter von vier Jahren kam sie nach Deutschland, besuchte die Schule und machte das Abitur.
Auf ihrem Blog schreibt sie über den praktischen Alltag als blinde Frau. Theoretische Inhalte werden nebenbei vermittelt.

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Wahrheit oder Einschaltquote?
Ich stehe in Frankfurt und warte auf meine S-Bahn, als mein Handy klingelt. Am anderen Ende der Leitung eine Journalistin, die gern einen Beitrag zum Thema Blindheit machen möchte. Mit genauen Vorstellungen vom Ablauf. Sie möchte mich besuchen und einen Tag lang mit verbundenen Augen begleiten. Vorher solle ich sie noch in den Gebrauch des Blindenstocks einweisen. Und wir müssten bereits übermorgen drehen, da sie zeitliche Vorgaben bezüglich der Fertigstellung ihres Beitrags habe.
Ich bin einen Moment lang sprachlos, und fühle mich an ein paar Videos dieser Art auf YouTube erinnert. Und so erkläre ich meiner Gesprächspartnerin, dass ich für solche auf Sensation ausgelegten Beiträge nicht zur Verfügung stehe, aber gern dabei bin, wenn es um Beiträge geht, die der Aufklärung dienen.<
Stille. Dann fängt es am anderen Ende der Leitung an zu stottern. Anschließend folgen die Rechtfertigung und die Erklärung, dass es doch nur ein Selbstversuch sei. Ich gebe der Dame noch ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg, und beende das Telefonat.

Ich habe immer wieder gern Interviews gegeben, Gastbeiträge geschrieben oder andere öffentlichkeitswirksame Aktionen unterstützt. Einmal wurde ich eine Woche lang durch einen Journalisten begleitet. Alles kein Ding. Aber solche Dinge wie sensationshungrigen Fernsehtourismus unterstütze ich nicht. Das hat mehrere Gründe. Einmal erinnert es mich an ein Tier im Zoo, dass für viel Geld zur Schau gestellt wird. Es gibt ein YouTube-Video, in dem zwei Leute mit verbundenen Augen durch einen Supermarkt gehen, irgendwas aus den Regalen nehmen und sich zuhause ansehen was sie da gekauft haben. Denn Blinde sehen schließlich nicht was sie einkaufen. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich mir gut vorstellen kann, dass die Kernaussage eines solchen Beitrags lautet: Für einen Tag blind, so hilflos habe ich mich gefühlt. Oder, ein Tag in völliger Dunkelheit, gut dass ich wieder sehen kann.
Es reicht nicht aus einem blinden Menschen einen Blindenlangstock in die Hand zu drücken und zu sagen: So, jetzt mach mal. Das braucht lange Übung, um sich damit zuverlässig orientieren zu können. So eine Übung für jemanden der sieht möchte ich also lieber nicht blind im Straßenverkehr begleiten. Jedenfalls nicht ohne kundige Assistenz. Ich würde einem Eintagsblinden auch ganz sicher nicht mein scharfes Küchenmesser in die Hand drücken und ihn zum Schnibbeln von Gemüse auffordern, geschweige denn an meinen Herd lassen.
Ich habe immer wieder Projekte an Schulen begleitet, wo Menschen mit Behinderung entsprechende Übungen mit Schülern gemacht haben. Dies geschieht im abgesicherten Raum, und ist bei guter vor- und Nachbereitung eine sinnvolle Sache mit nachhaltiger Wirkung.
Was Fernsehsendungen angeht, so schaue ich mir die Leute, denen ich etwas erkläre, etwas genauer an. Ich möchte wissen was sie oder er mit dem jeweiligen Beitrag bezwecken wollen.
Ich erinnere mich an ein Team eines privaten Fernsehesenders, die mit blinden Eltern drehen wollten. Ich war damals noch unerfahren. Daher habe ich nicht gleich kapiert, dass die beiden Mitarbeiter bereits genauere Vorstellungen hatten, und wir quasi die Schauspieler für einen vordefinierten Beitrag waren. Vielleicht braucht es solche Erfahrungen, um daraus zu lernen.
ICH möchte diesen Kommentar mit einem positiven Ergebnis abschließen. Vor ein paar Monaten schrieb mich ein Journalist an, der mich auf einem Stadtspaziergang durch meine Heimatstadt begleiten wollte. Sein Thema waren Barrieren für blinde Fußgänger im Straßenverkehr. Ich nahm mir viel Zeit für ihn, er stellte ganz viele Fragen und schickte mir unaufgefordert einen Link zum Artikel, der echt gut war. Erlebnisse wie dieses motivieren mich dazu an Aktionen teilzunehmen, die die Situation behinderter Menschen realistisch darstellen.

Handgeplfückte Links

Bildungsgerechtigkeit für Kinder mit Behinderung

https://www.diekinderderutopie.de/bildungsgerechtigkeit_fuer_kinder_mit_behinderung

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung deckt auf, dass Bildungs-Chancen für behinderte SchülerInnen maßgeblich vom Wohnort und der Art der Behinderung abhängen.

 

Projektstart: TravelAble, eine App für Reisende mit Behinderung

https://news.wheelmap.org/projektstart-travelable-eine-app-fuer-reisende-mit-behinderung/

Mit TravelAble bauen die SOZIALHELDEN an einer neuen Mapping- App im Bereich Tourismus. Damit Reisen für Menschen mit Behinderung einfacher wird.

 

Aufruf: 24. Januar in Saarbrücken: Demo gegen #Heimzwang und gegen Lohnndumping in der Assistenz

https://www.facebook.com/events/808256759507090/

Wir von AbilityWatch fordern das Landesamt für Soziales Saarland auf, endlich Markus Igel die ihm zustehende Persönliche Assistenz zu bewilligen! Kommt zu unserer Solidaritätsdemo und unterstützt Markus Igel in seinem Kampf und verhindert, dass die menschenunwürdige Praktik Alltag in deutschen Behörden wird.

 

Neu im GRIPS-Theater Berlin: Cheer Out Loud! – Ein inklusives Ensemble

http://www.grips-theater.de/programm/spielplan/produktion/218

Für Regisseur Robert Neumann war es selbstverständlich, dass das Stück „Cheer Out Loud!“ nur mit einem inklusiven Ensemble funktionieren kann. Ebenso, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderung nicht zwingend nur Figuren mit Behinderung spielen. Schließlich sind sie Profis: Rachel Rosen und Max Edgar Freitag kommen vom Theater Thikwa, Carina Kühne ist u.a. durch ihre Filmrolle in „Be my Baby“ bekannt geworden. Gemeinsam mit sechs Schauspielerinnen und Schauspielern aus dem GRIPS-Ensemble in der Regie von Robert Neumann haben sie – auf Basis der Textvorlage von Susanne Lipp – das Stück entwickelt. Und im konkreten Tun die Möglichkeiten von Inklusion für die Theaterarbeit erforscht. CHEER OUT LOUD! – die große Spielzeitproduktion 18/19!

 

21. Januar, „Die Story“ im Ersten: Das Märchen von der Inklusion – Eine Bilanz nach 10 Jahren

https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/das-maerchen-von-der-inklusion-100.html

Kinder mit und ohne Behinderung lernen zusammen in einer Schule. Jeder Mensch kann überall dabei sein, am Arbeitsplatz, beim Wohnen oder in der Freizeit: Das ist Inklusion. Eine Idee, so schön wie ein Märchen.

 

Materialbox Inklusion

https://bagfa-inklusion.de/materialbox-inklusion/

Ergänzendes Angebot zum bagfa-Praxisleitfaden „Teilhabe möglich machen. Freiwilligenagenturen und Inklusion“. Sie enthält Arbeitsmaterialien, Handreichungen, vertiefende Informationen und gute Beispiele aus der Praxis zu den Themen Inklusion, Behinderung, Barrierefreiheit und inklusives Engagement.

 

Video: Bühne frei!

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=78082

Menschen mit Behinderung sind in Film und Fernsehen zu wenig sichtbar. Das zu verändern ist das Ziel der Berliner Agentur Rollenfang, die Schauspieler mit Beeinträchtigung vermittelt.

 

Systementwicklung Inklusion (M.A.)

https://www.eh-darmstadt.de/studiengaenge/systementwicklung-inklusion-ma/

Akademische Weiterbildung verbindet Inklusion und Organisationsentwicklung.
Vor diesem Hintergrund startete an der Evangelischen Hochschule Darmstadt im Wintersemester 2014/15 ein von der Max-Träger-Stiftung geförderter, innovativer, berufsbegleitender Studiengang mit dem Schwerpunkt inklusive Entwicklung von Organisationen.

 

Blind mit Kind: Bällebad und vollstes Vertrauen

https://www.taz.de/!5561182/

Laute Spielplätze können für blinde Eltern eine Herausforderung sein. Doch Vertrauen hilft – und Vorsicht vor tiefhängenden Balken.

 

Wenn man seine Kinder nicht aufziehen darf Mutter – und geistig behindert

https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/wenn-man-seine-kinder-nicht-aufziehen-darf-mutter-und-geistig-behindert/23771254.html

Viermal hat sie gespürt, wie Leben in ihr wächst. Hat sechs Kinder zur Welt gebracht. Geistig behinderte Frauen wie Melanie Werner haben ein Recht darauf, Kinder zu bekommen. Aber nur geringe Chancen, sie großziehen zu dürfen.

 

Leben mit Down-Syndrom

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/entwicklung-kinder-down-syndrom-1.4275457

Immer wieder stehen werdende Mütter vor dieser Situation: Der Bauch noch flach, die Kindsbewegungen noch gar nicht zu spüren, und doch müssen sie sich fragen, wie es denn nun weitergeht. Jetzt, da sie wissen, dass ihr Kind das Down-Syndrom hat. Mit den immer billigeren und womöglich bald von der Kasse bezahlten Bluttests erhalten Eltern heute schon frühzeitig eine zuverlässige Diagnose der auch Trisomie 21 genannten Chromosomenstörung. Weit weniger zuverlässig sind Vorhersagen dazu, was das Testergebnis denn konkret und praktisch bedeutet. Wie groß sind die Chancen, dass sich das Kind einmal allein sein Essen zubereitet, eine Geburtstagskarte schreibt, dass es sich später glücklich verliebt?

 

Ausflug in Geschichte der Independent Living Bewegung

https://www.youtube.com/channel/UCU_au70OLUXOVAR-HS6rKhg/videos?sort=da&view=0&flow=grid

Wenn es um die Geschichte der Selbstbestimmt Leben Bewegung behinderter Menschen geht, dürfen die Entwicklungen in den USA nicht fehlen. Bereits in den 70er Jahren haben die AktivistInnen der Independent Living Bewegung dort erfolgreich für Antidiskriminierungsgesetze gekämpft, Peer Counseling Angebote aufgebaut und Centers for Independent Living gegründet. Für Uwe Frevert vom Verein Selbstbestimmt Leben in Nordhessen (SliN) immer wieder ein Grund, den Film „Aufstand der Betreuten“ mit Dr. Adolf Ratzka bei Schulungen zu zeigen. Nun hat Uwe Frevert den Film aus dem Jahr 1988 in kleine Teile untergliedert und mit Untertiteln auf YouTube eingestellt und lädt zu einem Ausflug in die frühen Jahre der Behindertenbewegung der USA ein.

 

Bei Mozilla: „Führungskräfte haben Diversity-bezogene Jahresziele“

https://www.lead-digital.de/mozilla-borchert-fuehrungskraefte-haben-diversity-bezogene-jahresziele/?utm_campaign=news-alert&utm_medium=email&utm_source=nuzzel

Katharina Borchert hat sich in deutschen Verlagen, unter anderem als Chefredakteurin bei Spiegel Online, mit Diversität beschäftigt. Inzwischen ist sie Chief Innovation Officer bei Mozilla im Silicon Valley. Ihre Erkenntnisse und konkrete Maßnahmen für Diversität und Inklusion verrät sie im Interview.

 

10 Gründe Menschen mit Behinderung zu beschäftigen

https://www.aktion-mensch.de/10gruende

Die Wirtschaft brummt. Bestimmt spüren auch Sie den Fachkräftemangel. Sie finden keine Auszubildenden? Ihnen fehlen Mitarbeiter? Dann denken Sie doch einmal über die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung nach!

 

Model with Down’s Syndrome becomes brand ambassador for Benefit cosmetics

https://metro.co.uk/2019/01/10/model-with-downs-syndrome-becomes-brand-ambassador-for-benefit-cosmetics-8330233/

Kate Grant, who has Down’s Syndrome, is quite the esteemed model. The 20-year-old from Co Tyrone, Northern Ireland, was crowned champion in the Teen Ultimate Beauty Of The World pageant, modelled on the catwalk at Belfast Fashion Week, and also appeared on ITV show This Morning.

 

Film Festival introduces new film ratings system to highlight Disabled people’s contributions

http://disabilityarts.online/magazine/news/film-festival-introduces-new-film-ratings-system-to-highlight-disabled-peoples-contribution-to-and-exclusion-from-the-film-world/

A new ratings system, the D system, has been introduced by the Together! Disability Film Festival to highlight the contribution that Disabled people make in front of and behind the camera, and their widespread absence from the film world.

 

Smart cities could be lousy to live in if you have a disability

https://www.technologyreview.com/s/612712/smart-cities-coule-be-lousy-if-you-have-a-disability/

Cities sometimes fail to make sure the technologies they adopt are accessible to everyone. Activists and startups are working to change that.

 

Control Alt Achieve: Chrome Extensions for Struggling Students and Special Needs

https://www.controlaltachieve.com/2016/10/special-needs-extensions.html

Technology can be a powerful tool to assist students with special needs or any sort of learning challenge. In particular the Chrome web browser allows users to install a wide variety of web extensions that provide tools that can help all learners, regardless of ability level.

 

Assistive technology for visually impaired people

https://www.vitaltech.org.uk/

Vital Tech tells you all you need to know about high- and low-tech devices that make life easier for blind and partially sighted people.

 

Weitere Beiträge entstanden durch die Unterstützung zahlreicher Supporter auf SteadyHQ.com. Hier kannst auch du mich bei meiner Arbeit unterstützen: Unterstütze mich auf Steady

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