Raul Krauthausen - Aktivist

Newsletter: Weltfrauentag und behinderte Frauen; Land muss Inklusionsleistungen an Schulen zahlen; Hausverbote in Pflegeheimen; Kunst der Gebärde. Vom 12. März 2019

Jeden Dienstag gibt es von mir kuratierte Links zu den Themen Inklusion und Innovation. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren. Kein Spam. Versprochen! Hier gibt es die vergangenen Ausgaben.


Kolumne

Foto von Constantin GroschConstantin Grosch
ist Student der Soziologie an der Universität Bielefeld, als Kommunalpolitiker in seiner Heimatstadt Hameln tätig und nennt sich selbst Inklusions-Aktivist. Sein Inklusions-Podcast wurde hier schon des Öfteren vorgestellt. Das medizinische Modell von Behinderung sagt, dass er Rollstuhlfahrer sei. Das soziale Modell von Behinderung gibt wiederum an, er sei Mitglied der SPD.
 

Personenzentrierung
Na, freut Ihr Euch auch schon so sehr auf die Zeit der „Personenzentrierung“?
Ich stell‘ mir bei dem Wort eine Szene aus Star Trek vor. Die USS Disability befindet sich in einem aussichtslosen Kampf gegen die Bürokratie-Schlachtschiffe der Vogonen. Der erblindete Geordi La Forge muss vom gegnerischen Schiff gebeamt werden. Da ruf Lieutenant Data: „Der Beamvorgang wurde unterbrochen. Der Positronenstrahl ist nicht personenzentriert.“ Schreie im Hintergrund.
Nein, im Ernst: Die Personenzentrierung stellt uns und das Rechtssystem vor eine Schwierigkeit. Wie kann Recht & Gesetz einerseits so individuell wie jedes einzelne Leben sein und doch allgemeingültige Grundsätze aufweisen? Und wie können wir diese individualisierbaren Grundsätze allen Rechtsanwendern, insbesondere in Behörden und Ämtern, verständlich machen?
Leider hat sich der Gesetzgeber beim Bundes-„Teilhabe“-Gesetz nicht viel Mühe gemacht, diese Grundsätze zu formulieren. Vielmehr hat er einen Rahmen gebildet, der eine harte Ober- aber nur eine weiche Untergrenze kennt. Von der Obergrenze hat schon jeder gehört und es ist wie ein Fluch im Leben von Menschen mit Behinderungen: der Mehrkostenvorbehalt. Er regelt, dass bei vermeintlich mehreren vorhanden Alternativen für Hilfeleistungen dasjenige bevorzugt wird, welches die geringsten Kosten verursacht. Wer aber bestimmt, ob zwei unterschiedliche Leistungen überhaupt als Alternativen zueinander betrachtet – also verglichen – werden können?
An der Stelle kommt die Zumutbarkeit ins Spiel. Die weiche Untergrenze und das Grundübel des BTHG. Denn der Gesetzgeber entschied, dass nur die Leistungen miteinander verglichen werden dürfen, die zumutbar sind. Was sich im ersten Moment noch nach „personenzentrierter und individueller“ Fragestellung anhört, entpuppt sich beim zweiten Blick als Verdikt über die Art und Weise, wie Menschen mit Behinderungen leben dürfen. Immer dann, wenn der nächste Schritt zu einer Normalisierung und Deinstitutionalisierung von Unterstützungssystem gemacht werden könnte, stellt der Mehrkostenvorbehalt die Frage nach der Zumutbarkeit der Vergangenheit. Und solange wie wir es bejahen, dass unselbstständige und entmündigende Systeme zumutbar sind, genau so lange werde progressive Hilfesysteme sich mit der Vergangenheit in einem finanziellen Unterbietungswettbewerb messen müssen.
Die Lösung ist eine Umkehr. Nicht die Frage nach der Zumutbarkeit darf die Leistung bestimmen, sondern die maximal zu erlangende Selbstbestimmung. So wäre sichergestellt, dass zwei Alternativen, die tatsächlich zu einer gleichen Selbstbestimmung führen, weiterhin miteinander verglichen werden dürfen, aber eben nicht günstige und bevormundende Systeme der Vergangenheit.
Dann hätte ich auch nicht mehr die Angst, dass bei einer falsch durchgeführten „Personenzentrierung“ meine Existenz versehentlich aufgelöst wird.

 

Handgepflückte Links

Danke, Mike Oliver

https://raul.de/unfassbares/danke-mike-oliver/

Er war Aktivist und Wissenschaftler, vor allem aber revolutionierte der Pionier Mike Oliver unseren Blick auf Behinderung durch Gesellschaft. Nun ist er im Alter von 74 Jahren gestorben. Er hinterlässt uns einen Hammer.

 

Behinderte Frauen: Behinderung als ein Merkmal von vielen

https://leidmedien.de/aktuelles/frauen-mit-behinderung-weltfrauentag/

Im Jahr 1985 erschien mit „Geschlecht: Behindert, besonderes Merkmal: Frau“ das erste deutsche Sachbuch, das Frauen mit Behinderung selbst schrieben. 25 Jahre später wurde 2010 das Buch „Gendering Disability“ veröffentlicht. Autorin Tanja Kollodzieyski vergleicht anlässlich des Internationalen Frauentags*: Welche Entwicklungen gab es in den 25 Jahren dazwischen und welchen Einfluss haben die Bücher noch heute?

 

Das Drama kann man stoppen

https://www.diekinderderutopie.de/das_drama_kann_man_stoppen

Wenn über Inklusion in der Schule geredet wird, geht es meistens um Probleme. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Instagram-Blog „Inklusion für Anfänger“. Mit diesem Blog hat die Sonderpädagogin Sandra Stubbra-Schlütken eine gnadenlos positive Plattform für Tipps ums Gemeinsame Lernen geschaffen – und ist damit sehr erfolgreich.

 

Bei Behinderung: Anspruch auf Eingliederungshilfe besteht für gesamten Schulbesuch

https://rollingplanet.net/bei-behinderung-anspruch-auf-eingliederungshilfe-besteht-fuer-gesamten-schulbesuch/

Ein Sozialhilfeträger darf sich nicht einfach verweigern, weil er mit den Maßnahmen der Schule unzufrieden ist.

 

Land muss Aufzug für gehbehinderten Lehrer größtenteils zahlen

https://rollingplanet.net/land-muss-aufzug-fuer-gehbehinderten-lehrer-groesstenteils-zahlen/

Gericht entscheidet über einen Streit in Baden-Württemberg, der von grundsätzlicher Bedeutung ist.

 

Inklusion: Wie Kinder mit Behinderung in NRW-Schulen lernen

https://www.wr.de/politik/landespolitik/wie-kinder-mit-behinderungen-in-nrw-leben-und-lernen-id216583303.html

Der Inklusionskurs in NRW wurde zuletzt hart kritisiert. Die Westfälische Rundschau hat in der Praxis geschaut, wie es an Förder- und Regelschulen gut laufen kann.

 

10 Jahre Inklusion – Behindert und selbstbestimmt – Wie geht das?

https://www.deutschlandfunkkultur.de/10-jahre-inklusion-behindert-und-selbstbestimmt-wie-geht-das.970.de.html?dram:article_id=442993

Seit 2009 gilt in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention. Sie verpflichtet die Vertragsstaaten, Menschen mit Behinderungen ein gleichberechtigtes Leben zu ermöglichen. Wie weit sind wir nach zehn Jahren Inklusion?

 

Internationaler Frauentag: “Ich bin eine Frau mit Behinderung …”

https://www.ladstaetter.at/2019/03/08/internationaler-frauentag-ich-bin-eine-frau-mit-behinderung/

Bei der Donnerstags-Demo am 7. März 2019 hielt Elisabeth Löffler, Künstlerin und seit 25 Jahren Teil der österreichischen Selbstbestimmt-Leben-Bewegung, eine bemerkenswerte und kämpferische Rede.

 

Video: Hausverbote in Pflegeheimen

https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/fakt/videosextern/hausverbote-in-pflegeheimen-100.html

Zunehmend erteilen Pflegeeinrichtungen Angehörigen ein Hausverbot. Grund dafür: sie kritisieren Pflegemängel. Statt sich damit gründlich auseinanderzusetzen, reagieren Heime extrem. Nicht ohne Folgen für die Beteiligten.

 

Bundesregierung: Noch keine Zahlen zum Budget für Arbeit

https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/39778

„Aufgrund des kurzen Zeitraums seit dem Inkrafttreten der Neuregelung zum 1. Januar 2018 liegen der Bundesregierung noch keine Daten über den Umfang der Inanspruchnahme dieser Leistung vor. Das Budget für Arbeit ist auch Gegenstand der Finanzuntersuchung nach Artikel 25 Absatz 4 des Bundesteilhabegesetzes. Ergebnisse der Finanzuntersuchung sind im Jahr 2021 zu erwarten“, heißt es u.a. in der Antwort der Bundesregierung.

 

Digitalisierung & Arbeit 4.0: „Wir haben die Chance, einen substantiellen Unterschied zu machen

https://rollingplanet.net/digitalisierung-und-arbeit-4-0-wir-haben-die-chance-einen-substantiellen-unterschied-zu-machen/

Bei einer Fachtagung in Kassel gab es einen intensiven Austausch zum Thema Teilhabe im Job für Menschen mit Behinderung. Ein Problem wurde besonders deutlich.

 

Dating im Rollstuhl: Eine Studentin erzählt von Vorurteilen und schrägen Anmachsprüchen

https://futter.kleinezeitung.at/dating-im-rollstuhl-eine-studentin-erzaehlt-von-vorurteilen-und-schraegen-anmachspruechen/

Von Vorurteilen und schrägen Anmachsprüchen: Wie ein Rollstuhl das Datingleben beeinflusst.  Die 22-jährige Studentin Laura Gentile erzählt.

 

Wenn andere es „gut meinen“

https://th-10.de/wenn-andere-es-gut-meinen/

Es ist vollkommen egal, wie sich Anouks Leben ändert, was sie macht und tut, die Kommentare und Ratschläge anderer Personen sind ihr sicher.

 

Reise durch Japan

https://sittin-bull.de/2018/11/06/japan/

Hinsichtlich der Paralympics 2020, die in Tokio stattfinden, hat Dennis Sonne in Zusammenarbeit mit der Deutsche Botschaftn, dem Auswärtigen Amt, sowie der Japanisch-Deutschen Gesellschaft Tokyo in den „Host Towns“ wahrnehmen können. Hier werden die Athletinnen und Athleten während den Paralympics untergebracht. Daher war es wichtig, dass ein „Experte in eigener Sache“ sich die Orte anschaut und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge einbringt.

 

Inklusion im Sportverein

https://blog.tinongo.de/inklusion-im-sportverein/

Inklusion im Sportverein. Was können die Vereine tun und was können Eltern von betroffenen Kindern tun? Am Beispiel eines Vereins und einer betroffenen Mutter ein kleiner Einblick, wie Inklusion aussehen kann.

 

Marco Retzlaff repariert seit fünf Jahren Computer allein durchs Tasten

https://www.rbb24.de/studiocottbus/wirtschaft/2019/03/marco-retzlaff-repariert-computer-allein-durchs-tasten.html

Marco Retzlaff sieht nichts, doch das ist kein Problem. In seinem Geschäft in Senftenberg repariert der Informatiker Computer, Laptops und Smartphones. Der 33-Jährige ertastet sich seine Welt. Und das seit fünf Jahren erfolgreich.

 

Blind unterschreiben, so geht’s

https://lydiaswelt.com/2019/03/05/blind-unterschreiben-so-gehts/amp/#click=https://t.co/G5ys0yhBvK

Menschen, die erst später blind geworden sind, wissen wie ihre Unterschrift aussieht, und können diese recht einfach schreiben, wenn man ihnen zeigt wohin sie gesetzt wird. Blinde Menschen, die kaum bis gar nicht mit der Hand schreiben können, müssen ihre Unterschrift regelrecht lernen und üben. Eine Möglichkeit ist diese für den Blinden erhaben darzustellen, damit diese eine Vorstellung davon bekommt wie diese auszusehen hat. Ist noch ein Restsehen vorhanden, kann man die Unterschrift alternativ mit einem dicken Stift aufmalen. In beiden Fällen muss diese solange geübt werden, bis man sie beherrscht.

 

Video: Plötzlich blind

http://www.3sat.de/mediathek/?obj=79377

Lernen, sich durch Hören und Fühlen zu orientieren: Alles ist auf Sehen ausgerichtet: In unserer Welt haben es Blinde nicht leicht. Sie müssen sich auf Technik und ihre Sinne verlassen. Ein Portrait.

 

Bayerischer Rundfunk: Alle Volontäre lernen Gebärdensprache

https://rollingplanet.net/bayerischer-rundfunk-alle-volontaere-lernen-gebaerdensprache/

Seit Februar bekommt der aktuelle Jahrgang Unterricht in dem neuen Fach – „BR soll Vorreiter für Barrierefreiheit werden.“

 

„Possible World“ – Theater für Hörende und Nicht-Hörende zugleich

https://www.deutschlandfunkkultur.de/possible-world-theater-fuer-hoerende-und-nicht-hoerende.2159.de.html?dram%3Aarticle_id=443166

Die Inklusion Gehörloser ins Theater ist nicht nur dann möglich, wenn Gebärdendolmetscher das Stück übersetzen. Die Inszenierungen von „Possible World“ bringen mit starkem Körpereinsatz Elemente von Gebärdensprache auf die Bühne – auch für Hörende.

 

Kunst der Gebärde

https://www.sueddeutsche.de/kultur/theater-kunst-der-gebaerde-1.4350827

Im Stück „Die Hauptsache“ stehen hörende und gehörlose Schauspieler gemeinsam auf der Bühne

 

On Disability and on Facebook? Uncle Sam Wants to Watch What You Post

https://www.nytimes.com/2019/03/10/us/politics/social-security-disability-trump-facebook.html

The Trump administration wants to use Facebook and other social media to help identify people who are receiving Social Security disability benefits without being truly disabled.

 

Her Abilities Award 2019

https://www.her-abilities-award.org/

This International Women’s Day, Her Abilities, the first global award honouring the achievements of women with disabilities, has opened its call for nominations for 2019.

 

Katherine Beattie: First Woman to do a Backflip in a Wheelchair

https://www.youtube.com/watch?v=jUmcVW-2b1I

Katherine Beattie is the woman with the pink and turquoise wheelchair who is shredding preconceptions about extreme sports. Beattie rides WCMX (Wheelchair Motocross), the fastest growing wheelchair sport in the world. She’s also the first woman in the world to do a backflip in a wheelchair.

 

A Special Workshop With The NYC Ballet

https://www.youtube.com/watch?v=wp6LeOIkUuQ

When she reached out to the New York City Ballet about a dance program for children with special needs, she didn’t expect a response. But what resulted is nothing short of sheer joy. For everyone. What they created became one of the few places these children were able to move freely without their usual braces and connect to their bodies outside of doctor’s offices.

 

My wheelchair enables me to live my life – so why should I have to pay for it?

https://metro.co.uk/2019/03/05/my-wheelchair-enables-me-to-live-my-life-so-why-should-i-have-to-pay-for-it-8804144/

It’s taken two years of crowdfunding and donations for Samantha Renke to be able to get her new wheelchair.

 

Parenting A Child With Muscular Dystrophy

https://www.simplyemma.co.uk/parenting-a-child-with-muscular-dystrophy-qa-with-my-parents/

In this Q&A Emma asks her parents what it’s like parenting a child with Muscular Dystrophy. Everything from the first symptoms, the diagnosis process, support and more.

 

Picture This

https://www.nfb.ca/film/picture_this/

What does it mean to be disabled and desirable? In Picture This, a new documentary by Jari Osborne, we meet Andrew Gurza, a self-described “queer cripple” who has made it his mission to make sex and disability part of the public discourse.

 

People With Disabilities Deserve Representation, Like Any Other Group Of People

https://www.theodysseyonline.com/representation-for-the-disabled

Having a disability is not completely uncommon, however, movies and television make it seem as if anytime someone with a disability appears, it’s the first thing that needs to be noticed.

 

Books with disabled characters help us all

https://www.theguardian.com/society/2019/mar/10/books-with-disabled-characters-help-us-all

Young readers should be reminded that disabled children can grow up to lead useful and satisfying lives, says Dr Rebecca Butler.

 

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