Raul Krauthausen - Aktivist

Newsletter: Wie Du über Vielfalt schreibst; Gegen #Heimzwang; Verhinderte Inklusion an Schulen; Die echte #BirdBoxChallenge; Unfaire Kritik an Greta Thunberg. Vom 29. Januar 2019

Jeden Dienstag gibt es von mir kuratierte Links zu den Themen Inklusion und Innovation. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren. Kein Spam. Versprochen! Hier gibt es die vergangenen Ausgaben.


Gastkolumne

Foto von Anne GersdorffAnne Gersdorff
engagiert sich für Inklusion in den Bereichen Bildung und Arbeit. Bei BIS e.V. begleitet sie Menschen mit Behinderungen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt lernen und arbeiten. Mit dem DisAbility Talent Programm möchte sie, dass zukünftig auch Menschen mit Behinderung in Führungspositionen sitzen. Außerdem ist sie im Vorstand von Wild:LACHS für alle e.V. und als Workshop-Referentin tätig. Weil ihre Muskeln eher zu der faulen Sorte gehören, saust Anne im Rollstuhl durch die Welt und beschäftigt neun Assistent*innen, die ihr ihre Kraft leihen.

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„Wie abhängig ist eigentlich unabhängig?“
Unabhängigkeit scheint eines der hohen Güter unserer Zeit zu sein. Alles und jede*r möchte von allem unabhängig sein. Doch wie ist das eigentlich, wenn ich immer von jemanden abhängig sein muss? Und dabei meine ich nicht die Abhängigkeiten in die wir alle mehr oder weniger verstrickt sind – zur Familie, zu Personen die wir lieben und zum Geld beispielsweise. Menschen mit Behinderung sind häufig in bestimmten Situationen abhängiger. Möglichst frühzeitig wird alles darauf angelegt durch bestimmte Therapien und Forderungen möglichst ohne Hilfe und Unterstützung – also unabhängig – leben zu können. Ich z.B. werde ein Leben lang von der Kraft anderer Menschen und auch Maschinen abhängig sein. Da kann ich mich noch so sehr anstrengen. ‚Nur‘ um wirklich Husten zu können, benötige ich einen sogenannten Cough Assist und eine*n eingearbeitete*n Assistent*in.

Dabei führe ich vermutlich eins der unabhängigsten Leben, die ich als Mensch mit Behinderung so führen kann. Ich lebe in einer eigenen Wohnung, die an meine Bedürfnisse angepasst ist. Ich habe Assistent*innen, die ich selbst anstelle. Somit kann ich entscheiden, mit wem ich auf Toilette gehe, ob ich erst am Nachmittag aufstehe oder ein Business-Life führe. Ich habe ein eigenes Auto, das mich unabhängig von defekten Aufzügen, Anmeldungen bei der Bahn und dem Wetter von A nach B bringt. Ich habe einen Job von dem ich gut leben kann und der mir Freude macht. Dennoch bin ich davon abhängig, dass meine Assistenz stets auf meinen Körper achtet, alle Hilfsmittel funktionieren und das Amt rechtzeitig meinen Antrag bearbeitet und die Assistenz bezahlt.

Nicht ohne Grund scheint also Unabhängigkeit, häufig auch synonym mit Selbständigkeit und Selbstbestimmung benutzt, eins der meist genutzten Slogans der Behindertenhilfe zu sein. Dabei bewirken klassische Systeme in Heimen oder Werkstätten doch eher das Gegenteil.

Um mehr Menschen mit Behinderungen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, würden mit dem BTHG die „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ eingeführt. Damit kam das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einer großen Förderung der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung nach. Das ist gut und sicher eine tolle und wichtige Sache. Erstmals bekommen Vereine eine solide Finanzierung. Außerdem sollen darin insbesondere Menschen mit Behinderung beraten. Doch wie unabhängig sind diese Beratungsstellen eigentlich? Gerade in den ländlichen Regionen Deutschlands werden diese von den klassischen Wohlfahrts-Unternehmen betrieben. Der Bund stellt für die EUTBs 58 Millionen Euro jährlich bis 2022 zur Verfügung. Aber kann nicht auch sein, dass es dafür möchte, dass seine Maßnahmen, wie z.B. das Budget für Arbeit, Wirkung zeigen?

Also auch da wo „unabhängig“ draufsteht, ist Abhängigkeit drin. Vermutlich ist das immer ein Stück weit so. Doch wichtig ist diese kritisch zu hinterfragen. Denn: Inklusion wäre, wenn wir keine „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ bräuchten, weil jede*r die Unterstützung bekommt, die er*sie braucht.

Handgeplfückte Links

So viele nicht erzählte Geschichten

https://raul.de/allgemein/so-viele-nicht-erzaehlte-geschichten/

Schreiben über andere Menschen ist nicht leicht. Ich bin ja nicht du. Und wenn es leicht gerät, ist etwas faul: eine Anleitung.

 

Sechs Minus im Rechnen für saarländische Verwaltung

https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/39451

Über 100 behinderte und nichtbehinderte Menschen kamen am Donnerstag, den 24. Januar, nach Saarbrücken und demonstrierten in Eiseskälte vor dem saarländischen Landessozialamt für ein selbstbestimmtes Leben von Markus Igel mit bedarfsdeckender Assistenz. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit einigen der OrganisatorInnen der Demonstration über ihre Eindrücke und Schlussfolgerungen von der Demonstration und den Gesprächen mit der Verwaltung. Für Nancy Poser aus Trier ist die Sache klar: Die Juristin bescheinigt der saarländischen Behörde nicht nur mangelnde Rechtskenntnisse, sondern erteilt ihr eine glatte Sechs Minus im Rechnen.

 

Video: Kein #Heimzwang für Markus Igel!

https://www.facebook.com/Change.orgDeutschland/videos/652749341806792/

 

Empört euch – solidarisiert euch

https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/39418

„Empört Euch! – Schämt Euch! – Beendet das Schweigen – Solidarisiert Euch!“ Diesen Titel hat Claus Fussek aus München gewählt, um auf die massenhaften und beschämenden Menschenrechtsverletzungen im Bereich der Pflege und der sogenannten Behindertenhilfe hinzuweisen, von denen er tagtäglich hört.

 

Video: Gehindert an der Wahl

https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/mittagsmagazin/videos/gehindert-an-der-wahl-video-100.html%E2%80%AC

In Deutschland dürfen rund 85.000 Menschen mit Behinderung bei Bundestags- und Europawahlen nicht wählen. Seit Jahren verspricht ihnen die Politik, dass sich das ändert – bislang bleibt es ein Versprechen.

 

Gymnasien steigen in NRW aus Inklusion aus

https://www1.wdr.de/nachrichten/gymnasien-ausstieg-aus-inklusion-100.html

Gymnasien in NRW steigen weitgehend aus Inklusion aus. Gewerkschaft kritisiert Entwicklung. Schulministerium verspricht mehr Stellen.

 

EGMR: Autistisches Kind hat keinen Anspruch auf Regelschule

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/gerichtshof-fuer-menschenrechte-autistisches-kind-hat-kein-recht-auf-regelschule-a-1249741.html

Eine Französin wollte vor Gericht durchsetzen, dass ihr autistisches Kind die Regelschule besuchen kann. Doch die Richter in Straßburg wiesen die Beschwerde als unbegründet zurück.

 

Inklusion: „Man kann Vielfalt nicht verordnen“

https://www.zeit.de/2019/05/inklusion-gymnasium-chancengleichheit-behinderung-sonderfoerderung-streitgespraech

Gehören Schüler mit Behinderung ans Gymnasium? Auch wenn sie das Abitur nie schaffen werden? Zwei Schulleiter im Streitgespräch

 

Zugänglichkeit bei Zeitungsartikeln

https://lydiaswelt.com/2019/01/24/zugaenglichkeit-bei-zeitungsartikeln/

Lydia Zoubek schreibt über Zeitungsartikel, und wie sie für blinde Nutzer zugänglicher sein könnten.

 

Blinde als YouTuber und Blogger

https://www.radioeins.de/programm/sendungen/mofr1013/online_onair/blinde-als-youtuber-und-blogger.html

Wenn man »Youtube für Blinde« hört, dann denkt man vielleicht erstmal an einen Scherz oder an eine Plattform, die sowas ähnliches macht wie Youtube, aber eben nicht mit Videos. Aber nein, das ist ganz wörtlich zu nehmen: Auf der größten Video-Plattform der Welt gibt es jede Menge Filme von Sehbehinderten für Sehbehinderte, aber auch für „Normalos“.

 

Videos: DBSV startet zwei Spots zur Diskussion um die #BirdBoxChallenge

https://www.dbsv.org/aktuell/birdboxchallenge.html

Ein Netflix-Film hat den Hype um die Bird-Box-Challenge ausgelöst. Jetzt melden sich die zu Wort, für die jeder Tag eine solche Herausforderung ist: Blinde und Sehbehinderte.

 

Yetnebersh: „Es ist ungerecht, wenn gehörlose Kinder nicht in Gebärdensprache lernen können“

https://editionf.com/article/Yetnebersh-Nigussie-aethiopische-Rechtsanwaeltin-Behindertenrechte-Interview

Yetnebersh Nigussie gehört zu den drei ersten Frauen mit Behinderung, die an der äthiopischen Universität von Addis Abeba ihr Jura-Studium abgeschlossen haben. Als Rechtsanwältin und Aktivistin setzt sie sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein.

 

Kritik an Greta Thunberg – Die häufigsten Vorwürfe – und was von ihnen zu halten ist

https://www.srf.ch/news/international/kritik-an-greta-thunberg-die-haeufigsten-vorwuerfe-und-was-von-ihnen-zu-halten-ist

Das Wirken der populären Klimaaktivistin Greta Thunberg wird von vielen Usern kritisch gesehen. Auch, weil sie Autistin ist. Was ist an den Vorwürfen dran?

 

Leben mit Behinderung: Jetzt, da sie älter sind

https://www.zeit.de/2019/05/leben-behinderung-altern-wuerde-lebenserwartung-geistige-beeintraechtigung/komplettansicht

Die Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung steigt. Doch wo und wie sollen sie in Würde altern?

 

Video: Über angemessene Vorkehrungen und Ableismus

https://www.youtube.com/watch?v=EN80Kp3_NF4&feature=youtu.be

„Angemessene Vorkehrungen“ und „Ableismus“, das sind Begriffe, die zunehmend in der Behindertenpolitik diskutiert werden. Die Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), Dr. Sigrid Arnade, erklärte in einem Grußwort, was ihr beim Thema Angemessene Vorkehrungen und Ableismus so wichtig ist.

 

Mit Prothese in den Ring – Magazin Barrierefrei

https://barrierefrei-magazin.de/blog/mit-prothese-in-den-ring/

Einen Prothesenträger, der Mixed Martial Arts (gemischte Kampfkünste, kurz MMA) betreibt, sieht man selten. Jemand mit einer körperlichen Einschränkung scheint sich beim Kampfsport mit Vollkontakt dem Risiko auszusetzen, weitere Verletzungen davon zu tragen? Für viele ist das bestimmt irritierend. Diejenigen, die es ausprobieren, sind jedoch begeistert, wie Yasmin Uygun berichtet.

 

Behinderung: Auf Twitter teilen behinderte Menschen ihre Erfahrungen

https://www.stern.de/neon/wilde-welt/gesellschaft/behinderung–auf-twitter-teilen-behinderte-menschen-ihre-erfahrungen-8542076.html

Menschen mit einer Behinderung müssen sich tagtäglich viele dumme Sprüche anhören oder werden von der Gesellschaft in ihrem Alltag behindert. Das beweist nun auch der Hashtag #ThingsDisabledPeopleKnow auf Twitter.

 

Inklusive Forschung darf kein Wettbewerbsnachteil sein!

https://bodys.evh-bochum.de/kampagne-inklusive-forschung.html

Unter dieser Überschrift wurde zum Abschluss der Tagung „Unsere Teilhabe – Eure Forschung?“ an der TU Dortmund eine Kampagne zur Ergänzung von Projektbestimmungen gestartet.

 

Mein Handy als Auge: Fünf Apps für blinde Menschen im Test

https://ze.tt/mein-handy-als-auge-fuenf-apps-fuer-blinde-menschen-im-test/

Wie viel Verspätung hat mein Zug? Ist die Milch noch gut? Solche Alltagsfragen stellen blinde Menschen oft vor Herausforderungen. Smartphone-Apps sollen helfen. Wie gut funktioniert das?

 

27. Januar: Der Holocaust-Gedenktag

https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/sehen-statt-hoeren/gedenktag-holocaust-100.html

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz durch die sowjetischen Truppen befreit. 51 Jahre später – 1996 – wird dieses Datum vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum bundesweiten Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus auserwählt. An die 1.500 gehörlose Menschen waren unter den Opfern.

 

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