Werbung gegen Realität

Menschen, die den Versprechungen der Werbung Glauben schenken, gibt es heute nicht mehr. Doch diese Aussage hat mit der Realität so wenig gemein wie einige Produkte mit den Bildern ihrer Verpackung. Nicht zuletzt deshalb versuchen Firmen mittels Werbung ihre Produkte in ein Licht zu setzen, dass einen schönen Schein suggeriert, ohne diese Versprechen auch tatsächlich einzulösen.


Diesem Umstand hat sich ein Berliner Kreativer mit dem projekt1 – werbung gegen realität angenommen. Der Journalist und Autor Samuel Müller hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kluft zwischen Hochglanzbildern, die einzig der Vermarktung eines Produktes dienen sollen, und dem tatsächlich gekauften Gegenstand sichtbar zu machen. Völlig ohne Bewertung oder Verurteilung dieses Vorgehens der Wirtschaft will der Künstler diese Differenz einfach offen darstellen. Dazu erwarb er 100 verschiedene Produkte, nahm die in der Werbung offerierten Bilder, vergrößerte sie und stellte sie der letztendlich aus der Verpackung zum Vorschein gelangten Ware gegenüber. Schließlich entwickelte der Künstler daraus einen kurzen Film:

Dem Betrachter eröffnet sich durch dieses Vorgehen ein ganz neuer Blick auf ein ganz alltägliches Phänomen. Er wird zum Nachdenken angeregt und hinterfragt möglicherweise auch zukünftig die Hochglanzangebote der Werbung kritischer. Dabei will Müller durch die fehlende Bewertung zur eigenen Meinungsbildung anregen. Gewinnstreben sowie Konsumterror sind nur zwei Faktoren, die mit der ständig präsenten Reklame einhergehen. Die Beeinflussung des menschlichen Gehirns mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Hirnforschung trübt schließlich sehr oft den Blick des Konsumenten und Verbrauchers auf die erworbenen Produkte. Die Bilder der Werbung haben dann die subjektive Wahrnehmung bereits verändert.

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