Bayerischer Rundfunk: „Die Formulierung ‚an den Rollstuhl gefesselt‘ ist nicht diskriminierend“

Ein Bekannter schrieb neulich eine Hörermail an den Bayerischen Rundfunk, mit dem Hinweis die Formulierung „an den Rollstuhl gefesselt“ im Zusammenhang mit dem Physiker Stephen Hawking doch bitte in Zukunft zu überdenken.

Darauf die Antwort des BR:

Sehr geehrter Herr…,

vielen Dank für Ihre Zuschrift.
Es freut uns sehr, dass Sie begeisterter Stammhörer von Bayern 2 und B5 aktuell sind.
Der Begriff, der Ihnen sauer aufstößt, ist ein durchaus gebräuchlicher und ich empfinde ihn auch nicht als diskriminierend.
Auch das Bild, das Ihnen dabei durch den Kopf geht, wäre mir nicht in den Sinn gekommen.
Aber es kann nicht schaden, wenn wir darauf hingewiesen werden, dass die Sorgfalt im Umgang mit der Sprache gar nicht groß genug sein kann.

Mit freundlichen Grüßen

Programmredaktion B5 aktuell und Nachrichten

Es liegt noch viel Arbeit vor uns…

« »
  1. Mit derselben Begründung sagt man in Österreich auch teilweise noch Neger, Polacke…. so wie damals Niki Lauda im Fernsehen „ja, bei uns in Österreich sagt man das halt so“

    Am besten nicht darüber nachdenken, weil man hat es ja schon immer so gesagt.

    Tja….

  2. Hm, natürlich kann niemand deine Empfindung dieser Redewendung in Frage stellen und ich kann deinen Standpunkt absolut nachvollziehen, aber …

    Ist das Bild so falsch? Als sehr kurzsichtiger Mensch empfinde ich schon eine Brille als sehr störend. Natürlich hilft sie mir, aber ich wäre glücklicher ich bräuchte sie nicht.

  3. @Schmitt ja, das Bild ist völlig falsch. Daß das richtig ist, kann nur jemand meinen, der keine Ahnung hat und nicht nachdenkt!

    Fesseln schränken Menschen ein! Ein Rollstuhl ist das genaue Gegenteil von Einschränkung! Der Rollstuhl ist unser Hilfsmittel, um mobil zu sein!

  4. also eine Aussage wie diese vom Bayerischen (!) Rundfunk wundert mich kein bisschen. Die sagen ja auch „Grüß Gott!“, was man ja durchaus als Morddrohung interpretieren kann.

  5. Hi.
    Ich glaube nicht, dass man die Formulierung „an den Rollstuhl gefesselt“ grundsätzlich als diskriminierend sehen sollte. Es hängt aber extrem stark von der Perspektive ab.

    Vielmehr handelt es sich meiner Meinung nach um eine wertende Formulierung. Als „gesunder“ Mensch, der „normal“ laufen und sich fortbewegen kann, kommt einem der Rollstuhl vor wie eine Einschränkung. Der Gedanke, durch einen Rollstuhl gefesselt zu werden, liegt auf der Hand oder ist aus eigener Erfahrung vom letzten Beinbruch im Bewusstsein.

    Die Sichtweise, dass man möglicherweise auf einen Rollstuhl angewiesen sein könnte, ohne über einen verfügen zu können; dass der Rollstuhl also ein Fortschritt gegenüber dem üblichen Zustand sein könnte, klingt dann erstmal fremd.

    Bevor ich der Programmdirektion aufgrund der unreflektierten Antwort einen Vorwurf machen kann, würde mich interessieren, wie die „Aufklärung“ über die „Beschwerde“ hinaus ausgesehen hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.