Raul Krauthausen - Aktivist

Newsletter: Warum Inklusion zwar eigentlich keine Zauberei ist, behinderte Menschen aber trotzdem um ihre Rechte auf Privatsphäre und Teilhabe kämpfen müssen. Vom 26. Februar 2019

Jeden Dienstag gibt es von mir kuratierte Links zu den Themen Inklusion und Innovation. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren. Kein Spam. Versprochen! Hier gibt es die vergangenen Ausgaben.


Kolumne

Foto von Wille Felix ZanteWille Felix Zante
ist freier Autor, unter anderem für die Deutsche Gehörlosenzeitung und Leidmedien.de. Als Workshopleiter macht er Aufklärungsarbeit zum Thema Gehörlosigkeit, Schwerhörigkeit und Gebärdensprache. Er ist taub, schwerhörig, hörend – schwer zu sagen, und alles nicht zu hundert Prozent. Als Pronomen findet er „er“ bzw. „ihn“ ok.
 

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Verstecken spielen
Ich hab ein Problem mit Sichtbarkeit, und damit meine ich keine Warnwesten im Auto. Wenn ich unterwegs bin, höre ich oft nicht, wenn ein Fahrrad klingelt. Deswegen reagiere ich besonders gereizt, wenn ich auf der linken Straßenseite laufe und mich trotzdem Radler auf dem Gehweg überholen. Aber woher sollen die Leute auch wissen, dass ich sie nicht höre?
Ähnlich ist es, wenn ich auf dem Rad sitze, da kann ein Autofahrer auch nicht sehen, ob ich ihn höre oder nicht. Das macht Radeln in der Stadt für mich sehr stressig und ich freue mich sehr auf die angekündigten Radwege, welche die Regierung jetzt auf den Weg bringen will. Aber dann hat mich der ADAC auf eine Idee gebracht: Er hat kritisiert, dass viele Leute auf dem Rad Musik hören. Mit Kopfhörern. Dann würden die ja nichts hören und das wäre gefährlich.
Ich hab mir daraufhin Gehörschutz auf den Einkaufszettel für den Baumarkt gesetzt. Eine ähnliche Idee hat wohl Enno Park, der in seinem Blog von seinen neuen Soundprozessoren für sein Hörimplantat berichtet. Da kann er per Funk Musik hören, nur sieht an ihm das nicht an, und er wird angesprochen, versteht die Leute aber erstmal nicht, weil er ja die Musik hört. Er überlegt nun, schreibt er, sich Placebo-Kopfhörer zuzulegen, damit die Leute auch sehen, dass er Musik hört, selbst wenn der Ton nicht aus diesen kommt. Genauso sollte ich wohl diese fetten pinken Ohrenschützer tragen, wenn ich radle. Ich bin schon auf den Strafzettel gespannt.
Es ist alles nicht so einfach, wenn man einerseits ein bisschen was hört und dann auch wieder nicht. Ich hatte mal mit meinen alten Hörgeräten einen MP3-Player (für die Jüngeren: Das sind die Dinger, die wir nach den Minidiscs benutzt haben) benutzt. Macht nur leider von der Optik her keinen Unterschied, ob ich die Musik höre oder die Umgebung. Eine Verkäuferin hat mich daraufhin an der Kasse angefaucht, ich solle die Stöpsel rausnehmen. Ich hab erst angesetzt, zu erklären, aber dann doch die Hörgeräte rausgenommen. Dann war natürlich der Ton aus. Ich hab kein Wort mehr verstanden, nur gelächelt, bezahlt und bin dann gegangen.

 

Handgepflückte Links

Investigativ geht anders

https://raul.de/allgemein/investigativ-geht-anders/

Auch für mich als öffentliche Person gilt: Das Recht auf Privatsphäre sollte selbstverständlich sein. Warum muss ich trotzdem mehr darum bitten als andere Trüge ich einen Schlips, ich fühlte mich wohl öfters auf ihn getreten. Dabei beginnt es meist mit Nettigkeiten, mit offen gezeigter Neugierde. Ich spreche von Gesprächen mit JournalistInnen, die von meiner Seite aus dazu dienen, Auskunft zu geben. Meist drehen sich diese um Themen der Inklusion und der Barrierefreiheit. Doch dann geht es los.
„Was haben Sie eigentlich genau?“

 

Inklusion ist keine Zauberei, sondern eine Frage der Haltung

https://www.xing.com/news/insiders/articles/inklusion-ist-keine-zauberei-sondern-eine-frage-der-haltung-2081392

Seit Jahren wird darüber gestritten, ob und wie man Behinderte in Regelschulen unterrichten soll. Kritiker argumentieren, dass dafür schlicht die Ressourcen fehlen und auch die entsprechend ausgebildeten Lehrkräfte. Warum es die aber nicht immer braucht und eigentlich ein viel tieferliegendes Problem diskutiert werden sollte.

 

Von nackten Zahlen und gefühlten Wahrheiten

https://www.diekinderderutopie.de/von_nackten_zahlen_und_gefuehlten_wahrheiten

In der öffentlichen Diskussion wird die Inklusion oft als Belastung für unsere Schulen dargestellt. Statistisch nachweisen lässt sich das nicht.

 

UN-Behindertenrechtskonvention – Deutschland und die Inklusion

https://www.deutschlandfunk.de/un-behindertenrechtskonvention-deutschland-und-die-inklusion.680.de.html?dram:article_id=441794

Zehn Jahre ist es her, dass in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft trat. Anfänglich war eine regelrechte „Inklusionseuphorie“ in den Bundesländern zu spüren: Alle sollten bald gemeinsam lernen, Förderschulen sollten aufgelöst werden. Doch mittlerweile hat sich der Wind gedreht.

 

„Vereinheitlichung ist für viele ein Reizwort.“

https://bildungsklick.de/schule/meldung/vereinheitlichung-ist-fuer-viele-ein-reizwort/

Ute Erdsiek-Rave engagiert sich als Vorsitzende des Expertenkreises „Inklusive Bildung“ der Deutschen UNESCO-Kommission für mehr Inklusion im deutschen Bildungswesen. Warum Förderschulen nicht ausreichend qualifizieren und wieso es einen Planungsrahmen für Inklusion braucht, erklärt die Ex-Bildungsministerin Schleswig-Holsteins im Interview.

 

Inklusions-Podcast Folge 20: mit Frauke Lodders – Unzertrennlich

https://inklusions-podcast.de/2019/02/19/inklusions-podcast-ipc20-mit-frauke-lodders-schattenkinder/

Frauke Lodders ist Drehbuchautorin und Regisseurin. Constantin Grosch traf sie in Hannover um mit ihr über ihren neuesten Film “Unzertrennlich – Leben mit behinderten und lebensverkürzt erkrankten Geschwistern” zu sprechen. Dabei sprechen sie über sogenannte Schattenkinder, was familiäre Aufmerksamkeit für Kinder bedeutet und wie Eltern mit der Situation umgehen.

 

Kolumne Blind mit Kind: Raus aus der Komfortzone

http://www.taz.de/!5572067/

Kochen im Kindergarten, Einkaufen im Laden – es gibt viele Herausforderungen für Blinde. Gut, wenn das Kind die Grenzen des Machbaren verschiebt.

 

Video: Neuanfang

https://www.zdf.de/gesellschaft/menschen-das-magazin/menschen—das-magazin-vom-23-februar-2019-100.html

Auswandern mit Behinderung? Christiane Göldner hat es gewagt! Sie ist seit einem Kletterunfall querschnittsgelähmt. Auf Lanzarote hat sie sich mit ihrer Familie ein neues Leben aufgebaut.

 

Video: Sport ist alles – Auch mit Behinderung an der Spitze

https://www.zdf.de/kultur/forum-am-freitag/forum-am-freitag-vom-22-februar-2019-100.html

Ali Lacin ist Läufer – auch wenn ihm beide Unterschenkel fehlen. Serdal Celebi spielt Fußball – er ist blind. „Forum“-Moderatorin Dilek Üsük hat beide Sportler getroffen.

 

Video: Wheelchair-Motocross in Berlin: Mit dem Rollstuhl auf der Skater-Rampe

https://www.rbb24.de/sport/beitrag/2019/02/rollstuhlskaten-berlin-wheelchair-motocross-wcmx.html

Noch gehören Rollstuhlskater zur absoluten Ausnahme auf den Rampen der Skatehallen und Parks. Der Berliner Verein „Drop In“ und der Brandenburger Skate-Profi David Lebuser sind dabei, das zu ändern.

 

Eine Welt ohne Behinderung

https://www.mdr.de/selbstbestimmt/eine-welt-ohne-behinderung100.html?_mdrviafb_190219_0930=

Feindiagnostik, Fruchtwasseruntersuchungen, hochmoderne Bluttests – der Druck auf werdende Eltern, ein gesundes Kind zu bekommen, steigt. Opfer sind vor allem Ungeborene mit Down-Syndrom. Fast 95 Prozent der Eltern entscheiden sich für eine Abtreibung, wenn vor der Geburt dieser Gendefekt diagnostiziert wird. Dabei stellt sich die Frage: Ist das Down-Syndrom wirklich eine Belastung?

 

Ein guter Tag für die Demokratie

https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/39664

„Es gibt Tage, da kommt man kaum noch hinterher mit dem Haare Raufen, ob so mancher diskriminierenden Regelungen oder so manchem aussondernden und ignoranten Handelns in dieser unserer Gesellschaft. Es gibt aber auch Tage, die sollte man nutzen, um sich darüber zu freuen, dass wieder ein Stück mehr Gerechtigkeit erkämpft werden konnte.“ kommentiert Ottmar Miles-Paul.

 

Nur 31 Vermittlungen in fast 5 Jahren im Saarland

https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/39651

Bei 3.800 beschäftigten behinderten Menschen in den saarländischen Werkstätten und einer jährlichen Förderung von 65,5 Millionen Euro pro Jahr ergibt sich eine durchschnittliche Förderung des Saarlandes für einen Werkstattplatz von 17.236 Euro pro Jahr, was durchschnittlich 1.436 Euro pro Monat pro Werkstattplatz bedeutet. Berechnet man die Vermittlungsquote auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, so ergibt sich bei 8 Vermittlungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt für das Jahr 2017 bei 3.800 Beschäftigten in Werkstätten für behinderte Menschen eine Vermittlungsquote von knapp über 0,2 Prozent.

 

Inklusion: Land beschäftigt zu wenig Behinderte

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.inklusion-land-beschaeftigt-zu-wenig-behinderte.5bcb5f98-697b-4156-948c-559e111ef0e2.html

Baden-Württemberg muss 1,2 Millionen Euro Strafe an das Integrationsamt zahlen, weil die Landesverwaltung nicht genügend schwerbehinderte Menschen beschäftigt.

 

Video: Warum ein Friseurmeister Hans Jakob unbedingt eine Chance geben will

https://www.stern.de/tv/dieser-jugendliche-mit-down-syndrom-arbeitet-im-friseur-salon-8585952.html

Hans Jakob wurde mit Trisomie 21 geboren. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, ein eigenständiges Leben anzustreben. Erst Praktikum, dann Arbeitsplatz. Der 18-Jährige mit Down-Syndrom hat jetzt einen Job in einem Friseursalon. stern TV hat ihn bei der Arbeit besucht.

 

Kritik an SOKO München: Hörende Schauspieler in tauben Rollen

https://gehoerlosenzeitung.de/kritik-zdf-soko-muenchen-taube-rollen-hoerende-schauspieler/

Eine Folge der ZDF-Fernsehserie SOKO München mit dem Titel „Stille Liebe“ sorgt aktuell auf Facebook für Aufruhr bei Gehörlosen. Die 45-minütige Folge ist am 11. Februar 2019 ausgestrahlt worden und noch bis Anfang Mai in der ZDF-Mediathek zu sehen. Alle gebärdenden Figuren darin sind mit hörenden Schauspielern besetzt. Nur Florian Odendahl, der in der Serie den Gerichtsmediziner spielt, ist selbst betroffen: Seine echten Großeltern sind gehörlos.

 

Ziemlich überflüssig: „Mein Bester & ich“

https://rollingplanet.net/ziemlich-ueberfluessig-mein-bester-ich/

„Ziemlich beste Freunde“ à la Hollywood: An diesem Donnerstag kommt ein Remake des französischen Sensationserfolges in die Kinos. Warum man sich das nicht anschauen muss.

 

Test: Orbit Reader 20 – die erste günstige Braillezeile

http://www.oliveira-online.net/wordpress/2019/02/23/test-orbit-reader-20-die-erste-guenstige-braillezeile/?cn-reloaded=1

Seit kurzem ist Domingos de Oliveira Besitzer des Orbit Reader 20, der ersten halbwegs günstigen Braillezeile. Für sehende Mitleser dürfte dieser Artikel nicht so spannend sein. Dennoch ein wenig Hintergrund: Günstige Braillezeilen sind der heilige Gral der Blinden-Hilfstechnik. Die Geräte kosten rund 100 € pro darstellbarem Zeichen, für eine Zeile mit 80 darstellbaren Zeichen sind schon mal 10.000 € fällig. Dass Hilfsmittel teuer sind, sind behinderte Menschen gewohnt, aber gerade bei einer Braillezeile fallen Preis und Leistung nicht wirklich zusammen. Es gibt wohl keine Industrie, die so konsequent an den Interessen ihrer Kunden vorbei arbeitet und es sich auch noch leisten kann wie die Hilfsmittel-Industrie.

 

TU Wien entwickelt revolutionäres Display für Blinde

https://futurezone.at/science/tu-wien-entwickelt-revolutionaeres-display-fuer-blinde/400408868

Forscher der Technischen Universität Wien wollen sehbeeinträchtigten Personen das Lesen von Blindenschrift erleichtern.

 

Why Mattel’s Inclusion Of Barbie Dolls With Disabilities Isn’t Enough

https://www.forbes.com/sites/sarahkim/2019/02/19/barbie-dolls-with-disabiilities/#5b8322731319

Mattel announced that its Barbie Fashionistas line will come out with two dolls with disabilities in June of this year. Along with dolls who have braided hair texture and a more realistic body type, there will also be Barbies in a wheelchair and with a removable prosthetic leg.

 

Does “Special Ed” Serve Students? Disability Activists Say No.

https://truthout.org/articles/does-special-ed-serve-students-disability-activists-say-no/

Students with disabilities, families and teachers want inclusive classrooms with better support for teachers.

 

„4 Feet: Blind Date“ A Captivating Film Showing That Disabled People Have a Right to Their Sexuality

https://www.teenvogue.com/story/4-feet-blind-date-vr-film

In the short film 4 Feet: Blind Date, Juana is like most other 18-year-olds. She plays around with her style, dying her hair a bright blue. At the kitchen table, she bickers with her mom and sister. After swiping through dating apps, she’s nervous about her first date with a cute guy who she hopes to hook up with. But unlike most teenage stories we see in film, Juana is living with a disability and uses a wheelchair.

 

What it’s like to navigate sex and dating with a physical disability

https://nowtoronto.com/lifestyle/love-and-sex/sex-and-dating-with-a-physical-disability/

People who live with physical disabilities deal with a special set of challenges when dating online.

 

Life in a Wheelchair and Dreams of Being Paralyzed

http://www.lostmisfits.com/woman-lives-life-wheelchair-dreams-paralyzed/

Chloe, a 61-year-old chemist from Salt Lake City, Utah identifies as what is referred to as transabled. The woman is healthy but dreams of becoming a paraplegic. She spends her days in a wheelchair even though she has the ability to walk and doesn’t need one because she’s not paralyzed.

 

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