Kategorie: Begeisterndes
Es fällt immer leicht zu meckern. Auch in meinem letzten Blogbeitrag habe ich ziemlich vom Leder gezogen und es ging erschreckend einfach. Kurz danach wurde ich jedoch von einer Freundin gefragt: “Und was macht dir nun Freude?”
Erschreckenderweise fiel mir darauf nicht so viel ein, wie erwartet. Die Frage hat mich immer weiter beschäftigt. Beruhigenderweise schossen mir mit der Zeit immer mehr Beispiele durch den Kopf als Blitze in den Berliner Fernsehturm:
- Ich freue mich, wenn mir durch meine Behinderung Menschen freundlicher begegnen. Auch wenn es einige für “positive Diskriminierung” halten, genieße ich es, auf der Straße angelächelt zu werden.
- Ich freue mich, wenn ich durch meine Perspektive im Alltag Sachen entdecke, die andere vielleicht nicht sehen.
- Ich freue mich, dass ich eine Begleitperson auf Reisen, ins Kino/Theater umsonst mitnehmen kann und somit auch mit neuen Menschen ins Gespräch komme.
- Ich freue mich und bin leicht gerührt wenn sich Designer und Kreative neue Produkte ausdenken, die das Leben von Menschen mit Behinderung in seiner Würde ernst nehmen und durch ihren Nutzen erleichtern. Wie zum Beispiel dieser Kinderwagen.
- Ich freue mich, dass ich mit der USB-Stromversorgung an meinem Rollstuhl auf Veranstaltungen meinen Handy-Akku und auch den mancher Teilnehmer retten kann.
- Ich freue mich, wenn Filme wie “Ziemlich beste Freunde” von mehreren Millionen Menschen gesehen werden. Und die Themen von Menschen mit Behinderung mitleidsfrei und empathisch in die Gesellschaft getragen werden.
- Ich freue mich, wenn es spürbare Verbesserungen bei der Bahn gibt und nicht nicht mehr einfach alles als “unmöglich” abgelehnt wird. Natürlich ist hier auch noch Potential nach oben.
- Ich freue mich, wenn ich Menschen überraschen kann, die mir wegen meiner Behinderung weniger zutrauen.
- Ich freue mich aber auch, wenn man mich (ohne falsche Rücksicht auf meine Behinderung) kritisiert, auch wenn es weh tut.
- Ich freue mich, dass ich die Chance bekommen habe auf Probleme von Rollstuhlfahrern mit Projekten wie Wheelmap.org und BrokenLifts aufmerksam zu machen.
- Ich freue mich, dass die Arbeit der SOZIALHELDEN als inklusiv wahrgenommen wird. Nicht weil es bei uns ein “Projekt” ist, sondern Selbstverständlichkeit.
- Ich freue mich, wenn ich einen neuen Behindertenwitz höre.
- Ich freue mich, dass ich mich darüber freuen kann.
Und jetzt die Frage zurück: Was macht dir Freude?
Dieser Text entstand für das Inklusions-Blog der Aktion Mensch.
beim Aufräumen meines E-Mailpostfaches habe ich folgende Abschiedsmail an meine Ex-Kollegen bei Radio Fritz gefunden. Es war eine tolle Zeit. Ich blicke gerne zurück.
Liebe Fritzen,
Schon als ich 9 Jahre alt war, habe ich Fritz gehört.
Es war immer mein größter Traum und Wunsch einmal beim Radio zu arbeiten. Idealerweise hier.
Mein Schülerpraktikum, damals noch im alten Gebäude – als noch mit Bändern geschnitten wurde – bestärkte diesen Traum.Wie der Zufall es so wollte, gab es immer wieder Möglichkeiten mit Fritz zusammenzuarbeiten. So z.B. 2004, als wir gemeinsam den SuperZivi für mich casteten.
2007 schließlich erhielt ich die großartige Möglichkeit bei Fritz fest anzuheuern – in der Onlineredaktion.
Ich habe viel gelernt, bekam viele Chancen (u.a. “Woher sollen wir das wissen?” mit Christian Ulmen und Kathrin Thüring und zu guter Letzt der Websiterelaunch von Fritz.de). Ich bin ein gutes Stück gereift, um Erfahrungen reicher und im Herzen zutiefst dankbar, das alles erleben zu dürfen.Es war immer mein Traum, zu moderieren.
Es war immer mein Traum, für und mit jungen kreativen Menschen zu arbeiten und den Anspruch zu haben, gutes Radio zu machen.
Es war immer mein Traum, für Fritz zu arbeiten, mit Euch onlinetechnisch weiterzuentwickeln und ins Web 2.0-Zeitalter zu heben.
Nur, was soll man wachen, wenn all diese Träume wahr geworden sind?
Nach monatelangem grübeln, ins Herz hören und einem endlosen Auswahlverfahren habe ich mich für meinen nächsten Traum entschieden:
Den Verein SOZIALHELDEN e.V. weiterzuentwickeln und sein aktuelles Projekt Wheelmap.org weiter aufzubauen.Kurzum:
Ich werde Fritz in tiefer Demut und großer Trauer verlassen.
Ihr ward eine sehr große Bereicherung in meinem Leben. So groß, dass ich mir maximalst wünsche, dass wir weiterhin in Kontakt bleiben werden.Ich schreibe diese E-Mail von meinem privaten Account, damit ihr meine Kontaktdaten weiterhin habt.
Liebe Grüße,
Raul

Auf den Blogpost vom 14. Juni zum iPhone-Überfall hat sich bis heute eine Menge getan:
Nachdem mein Tweet über Nacht eine große Solidaritätswelle ausgelöst hat, berichteten sowohl das Bildblog als auch die CHIP über den Vorfall.
Daraufhin bekam ich von Gravis und der Telekom Angebote, mir bei der Neubeschaffung eines iPhones zu helfen, was ich dankend annahm.
Die Solidarität der Twitter-Gemeinschaft ging sogar so weit, dass ein Spendenkonto eingerichtet wurde, damit ich mir ein neues iPhone kaufen kann. Es wurden über 400 € gespendet. Geld, dass man nicht für ein iPhone ausgeben, sondern spenden sollte. Idealerweise an Menschen, die es schlimmer erwischt hat als mich. In Absprache mit den Spendern entschieden wir uns, das Geld an den WEISSEN RING zu spenden.
DANKE AN ALLE SPENDER.
Der WEISSE RING beschreibt sich selbst als die einzige bundesweite Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ihre Familien. Der gemeinnützige Verein tritt auch öffentlich für die Interessen der Betroffenen ein und unterstützt den Vorbeugungsgedanken.
In den letzten Wochen hatte ich das Glück mit Herrn Schiemann, einem Mitarbeiter der Öffentlichkeitsabteilung des WEISSEN RINGs, ein kurzes Interview über deren Arbeit zu führen:
Was sind so die typischen Fälle, mit denen sich Gewaltopfer an Sie wenden?
Schiemann: Typische Fälle gibt es bei uns eigentlich nicht. Jeder Fall hat seine besonderen Facetten. Der WEISSE RING kümmert sich um Opfer von vorsätzlichen Straftaten und deren Angehörige. Keine Einschränkung bezogen auf die Deliktbereiche bedeutet natürlich auch, dass für jeden Fall individuell ein
Hilfsprogramm aufgestellt wird.Wie helfen Sie denen?
Schiemann: Es wird auf den Einzelfall bezogen individuell aus unserem Hilfsprogramm zusammengestellt. Hier spricht der Betreuer des WEISSEN RINGS mit dem Opfer. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind oft die ersten Menschen, die sich um Kriminalitätsopfer kümmern und mit denen die Betroffenen über ihre Probleme sprechen können. Schon ein Telefongespräch, der Besuch am Krankenbett, die Hilfestellung im Umgang mit den Behörden – einfach das Gefühl, als Opfer einer Straftat nicht „vergessen“ zu sein, können den Betroffenen wieder neuen Mut und Hoffnung geben. Wer Opfer einer Straftat geworden ist, hat oft auch mit Kleinigkeiten des täglichen Lebens zu kämpfen, die plötzlich zu großen Problemen werden können. Hier leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WEISSEN RINGS schnelle und unbürokratische Hilfe dann, wenn sie am nötigsten ist.
Insgesamt sind folgende Maßnahmen denkbar:
Von der persönlichen Betreuung nach der Straftat über Hilfestellungen im Umgang mit den Behörden, Erholungsprogramme, einem Beratungsscheck für die kostenlose Erstberatung bei einem frei gewählten Anwalt, Rechtsschutz, einem Beratungsscheck für eine kostenlose medizinisch-psychologische Erstberatung
bei seelischen Belastungen infolge einer Straftat, Begleitung zu Gerichtsterminen sowie der Vermittlung von Hilfen anderer Organisationen.
Der WEISSE RING kann zusätzlich zum menschlichen Beistand bedürftigen Opfern und ihren Familien auch durch finanzielle Unterstützungen dabei helfen, tatbedingte Notlagen zu überbrücken. All diese Hilfen werden durch die ehrenamtlichen Kräfte des WEISSEN RINGS vor Ort geleistet.Was raten Sie jemandem, der gerade eine Gewalterfahrung gemacht hat.
Schiemann: Offen darüber zu sprechen. Wer schweigt hilft den Tätern! Man muss aber auch zu den eigenen Schwächen stehen und Hilfe annehmen. Schwäche nicht im Sinne der körperlichen Unterlegenheit, sondern im Sinne des Verarbeitens der Gewalttat. Hier können Gespräche mit unseren geschulten Mitarbeitern helfen.
Ihren direkten Ansprechpartner finden Sie unter www.weisser-ring.de und unter der für den Anrufer kostenfreien Rufnummer 0800 0800 343.Wie kann man sich schützen/vorbereiten?
Schiemann: Einen hundertprozentigen Schutz kann es nicht geben. Dessen muss man sich einfach bewusst sein. Jeder kann jederzeit zum Opfer werden. Um so wichtiger ist es für die Gesellschaft diese Menschen nach der Straftat nicht allein zu lassen.
Dennoch gibt es einige Hinweise, wie das Risiko Opfer zu werden gesenkt werden kann. Vom selbstbewussten Auftreten bis zum verschlossen tragen von Geld und Wertsachen. Die Hosentasche oder Handtasche ist kein Tresor!Warum glauben Sie, ist der WEISSE RING so wenig bekannt? Ist es ein Tabu über erfahrene Gewalt zu reden?
Schiemann: Unser Bekanntheitsgrad nach nunmehr 34 Jahren ist nicht schlecht. Rund zwei Drittel aller Deutschen können unseren Namen richtig einordnen. Der WEISSE RING ist “Die Opferhilfe in Deutschland”. Selbstverständlich ist es nicht leicht über eine an einem selbst verübte Straftat und das damit einhergehende Leid zu sprechen. Daher läuft auch ein Großteil unserer Arbeit im Verborgenen statt. Wir wollen den Menschen helfen und brauchen dafür die Schlagzeile auf der Titelseite nur bedingt.Was sagen Sie jemandem, wenn das Opfer das Gefühl hat, dass die Täter nicht ausreichend oder gar nicht bestraft werden?
Schiemann: Die Justiz muss den Opfern das Gefühl geben, dass der Täter eine gerechte Strafe erhält. Ebenso wichtig ist aber der Umgang der Justiz mit dem Opfer. Leider werden viele Menschen, die Opfer einer Straftat wurden, vor Gericht zum reinen Beweismittel degradiert. Doch gerade diese Opferzeugen gilt es zu betreuen. Eine Aufgabe, die sich auch der WEISSE RING auf die Fahne geschrieben hat.Können Sie eine Tendenz bei Gewalttaten beobachten? Wenn ja, welche?
Schiemann: Leider müssen wir beobachten, dass die Qualität der Brutalität enorm zugenommen hat. Eine Beißhemmung, wie es sie früher sogar unter Straßenschlägern gab oder eine Art von Ehrencodex wie ihn sogar
Fußball-Hooligans früher gehabt haben, existiert nicht mehr.Was tun sie im Bezug auf Gewaltprävention?
Schiemann: Die Verhütung von Straftaten ist von Anbeginn an ein Satzungsziel unseres gemeinnützigen Vereins. In diesen Sektor haben wir in den vergangenen 34 Jahren mehr als 32 Mio. Euro investiert. Gerade in unseren Außenstellen wird die Prävention immer stärker angegangen. Jede verhinderte Straftat bedeutet
mindestens ein Opfer weniger.Welche Frage wird Ihnen viel zuwenig gestellt und wie würden Sie diese beantworten?
Schiemann: Frage: “Wohin darf ich dem WEISSEN RING eine Unterstützung für seine Arbeit überweisen?”
Antwort: “Deutsche Bank Mainz, Konto-Nr 34 34 34, BLZ 550 700 40. Vielen
Dank!”Was nervt Sie an Ihrer Arbeit?
Schiemann: Immer noch haben zu viele Menschen zu wenig Verständnis für Opfer von Kriminalität und Gewalt. Opfer haben sich nicht ausgesucht Opfer zu werden. Die Schuld trägt immer einzig und allein der Täter. Es macht mich zudem traurig, dass in der Jugendsprache die Bezeichnung “Opfer” abwertende Bedeutung erlangt hat.Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Schiemann: Im WEISSEN RING engagieren sich 3.000 Menschen ehrenamtlich, um Mitbürgern zu helfen. Wenn diese es schaffen das Leid zu mildern und einem Opfer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern, dann freut mich dies massiv.
Und wie geht es mir jetzt? Um ehrlich zu sein, traue ich mich immernoch nicht alleine durch den Wedding. Das wird wohl noch eine Weile andauern. Im Moment organisiere ich mir immer jemanden, der mich begleitet, wenn ich zu unserem DARK HORSE INNOVATION-Büro fahre. Ich bin aber sicher, dass ich das auch alleine irgendwann wieder hinkriege.
Neulich habe ich die neue Visa-Werbung im deutschen Fernsehen gesehen und war begeistert. Endlich traut sich mal eine große Firma einen Menschen mit Behinderung, für die Bewerbung eines alltäglichen Produktes zu engagieren. Es handelt sich hierbei um den talentierten Tänzer “Bill Shannon”
Sonst sind es ja immer nur Sport- oder Rehaprodukte für die Menschen mit Handicap engagiert werden….
Diese Woche startet die CeBit. Im Rahmen der D-School werde ich dort an einer 24 Stunden Challenge teilnehmen. Das wird sicher ein Spaß. Mehr Informationen gibt es hier:
Dem stimme ich jetzt einfach mal so zu.
Via Behindertenparkplatz: “Kevin Connolly ist Photograf und hat die ganze Welt bereist. Er kam ohne Beine zur Welt und ist auf einem Skateboard unterwegs. In Wien starrte ihn mal wieder jemand an und er nahm die Kamera und drückte ab. Das war der Beginn einer Fotoserie (…): Menschen die ihn anstarren.” [Vgl. auch National Public Radio: “Photographer Without Legs Returns Stares”]

In letzter Zeit fallen mir immer wieder Videos im Netz auf, in denen Menschen als Masse anfangen den urbanen Raum für sich zu entdecken und irgendwie versuchen zu “erobern”. Neben sinnlosen Aktionen wie “McDonald-Flashmobs” oder künstlerischen Aktionen wie
Frozen Grand Central von ImprovEverywhere.com
scheinen einige davon auch politisch motiviert zu sein.
Die Macher von Traffic Kills kämpfen gegen die Überfüllten Straßen.
Wann gibt es sowas mal in Deutschland?
In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass der Zauberwürfel (Rubik’s Cube) wieder “in” ist. In der S-Bahn sehe ich fast täglich “coole” Studenten, die sich damit die gesamte Fahrzeit über beschäftigen.
Ich persönlich bin da glaube ich zu doof für und würde es selber mit dieser Anleitung nicht schaffen:
Ich würde es lieber von dieser Maschine machen lassen:

