raul versucht die Matsch-Spuren, die er verursachte, einer anderen Rollstuhlfahrerin "in die Schuhe zu schieben". #Wortsport vor 1 Tag via twitter

Meine Mail an das Management vom CinemaxX-Kino am Potsdamer Platz:

Rollstuhlfahrern am 15.11.2011 (gestern) um 19 Uhr Einlass zum Saal 14 des CinemaxX am Potsdamer Platz verweigert.

Sehr geehrte Frau…,

gestern abend wurde mir und einer befreundeten Rollstuhlfahrerin ein Kinobesuch verweigert, weil Ihr Brandschutz im Saal 14 (19 Uhr, Dreiviertelmond) nur einen Rollstuhlfahrer zulässt.
Ich finde dies mehr als ärgerlich, wenn man spontan und offenbar umsonst durch den kalten Herbst fährt, um an der Kasse zu erfahren, dass man nicht hineinkommt.

  • Wieso hat der Saal nur einen Rollstuhlplatz?
  • Ist es so abwegig, dass Rollstuhlfahrer mit anderen Rollstuhlfahrern in’s Kino wollen?
  • Warum wird der Film auf absehbare Zeit nur in diesem Saal gezeigt?
  • Ihr Kollege ging auf meinen Vorschlag nicht ein, den Film an einem anderen Tag in einem anderen Saal zu zeigen.
  • Wer hat Ihr Kino, welches offensichtlich gerade saniert wurde, geplant?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich sehe darin keine böse Absicht oder so. Ich fühle mich auch nicht persönlich angegriffen oder irgendwie mutwillig diskriminiert. Ich bin eher der pragmatische Typ und frage mich, warum es Ihrer Kinokette “CinemaxX am Potsdamer Platz” nicht gelingt auf der Website http://www.cinemaxx.de zu erklären, dass es nur einen Rollstuhplatz gibt!? Es handelt sich um Saal 14. Wie es bei den anderen Sälen Ihres Hauses ist, kann ich leider ebenfalls nicht ersehen.

  • Wie stehen Sie persönlich eigentlich dazu, dass der Brandschutz für uns Rollstuhlfahrer immer wieder als Totschlagargument verwendet wird, gegen den man ja angeblich nichts unternehmen kann?
  • Was gedenken Sie zu tun, um solche Situationen in Zukunft zu vermeiden und einen Kinobesuch von zwei Rollstuhlfahrern (Keine ganze Schulklasse) gleichzeitig zu ermöglichen?
  • Und an wen müsste man sich wenden, wenn Sie dafür nicht zuständig sind?

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

- Kettcar

An diese Redewendung muss ich manchmal denken, wenn ich in Zeitungen und Magazinen über „Behinderung“ lese. Der begrüßenswerte Anspruch von Journalisten_innen, auf Randthemen wie Behinderungen aufmerksam zu machen, führt oft zu Artikeln, die mich zum Fremdschämen veranlassen. So werden beispielsweise Sätze und Wörter gebraucht, die heute nicht mehr verwendet werden sollten: „Sorgenkind“, „an den Rollstuhl gefesselt“, oder „er leidet an Glasknochen“. Denn in der Realität ist oft das Gegenteil der Fall: Ich selbst betrachte mich nicht als jemanden, um den man sich „Sorgen“ machen sollte. Genauso wenig bin ich an den „Rollstuhl gefesselt“, sondern ich schnalle mich freiwillig an! Die wirkliche Fesselung wäre erst dann da, wenn ich keinen Rollstuhl hätte. Denn ein Rollstuhl bedeutet für mich Freiheit und nicht Einschränkung. Auch ist die Annahme, dass ich an Glasknochen leide“, eine typische Sicht der Nichtbehinderten. Für viele Menschen mit Behinderung ist die Tatsache, behindert zu sein, einfach Fakt. Genauso wie eine Haarfarbe oder die Schuhgröße. Mal schränkt sie einen ein, mal nicht.

Ein Rollstuhl bedeutet für mich Freiheit

Besonders die emotionale Aufladung von Behinderungen geht weit an den Zielen vorbei. In vielen Charity-Veranstaltungen, zuletzt beim Tribute to Bambi, werden Geschichten erzählt, die mit der Würde des Menschen mit Behinderung und der Empathie des Zuschauers spielen. Das soll Mitleid erzeugen und die Spenden in die Höhe treiben. Dabei sollte in einer guten Darstellung gerade nicht die Behinderung im Vordergrund stehen, sondern der Mensch mit seinen facettenreichen Eigenschaften, für den man Empathie entwickeln kann. Mitleid, Scham oder schlechtes Gewissen sind hier oft fehl am Platz und helfen den Beteiligten in den seltensten Fällen nachhaltig.

Journalisten_innen neigen dazu, die Extreme einer Person beziehungsweise einer Geschichte hervorzuheben und zu überhöhen. Dann überstrahlt das schwere „Schicksal“ des „Sorgenkinds“, alles, was diesen Menschen über seine Behinderung hinaus auszeichnen könnte. Das andere Extrem ist der „Superkrüppel“, jener Mensch, der seine Behinderung offenbar „überwunden“ hat, den Mount Everest mit seinem Rollstuhl erklimmt, und als Held gefeiert wird. Wenn jemand etwas „trotz“ statt „mit“ seiner Behinderung schafft, dann ist es sofort eine besondere Leistung. Dabei liegt doch die Wahrheit, wenn wir ehrlich sind, höchstwahrscheinlich in der Mitte. Aber warum sehen wir sie nicht? Wo bleiben die blinde Kassiererin, der Erzieher mit Down- Syndrom oder die Bankangestellte im Rollstuhl?

Auf der anderen Seite sollen auch keine Hürden entstehen, über ein Thema nicht zu schreiben, weil man Angst vor der Wortwahl hat. Daher wäre es an der Zeit, Weiterbildungen für Medienschaffende anzubieten, damit Artikel erscheinen, die es nicht nur gut gemeint haben, sondern einfach gut sind

Dieser Text entstand für eine Themen-Beilage des “Bundesministerium für Arbeit und Soziales” anläßlich der “einfach machen”-Kampagne. Die Beilage erschien in der Novemberausgabe der Zeitschrift “Journalist“.

Ich bin seit meiner Geburt behindert. Meinen Eltern verdanke ich, dass sie immer versucht haben, mich so “normal” wie möglich zu erziehen. Sie legten großen Wert darauf, dass ich keine Sonderbehandlung bekam, die sich nur aus der Tatsache meiner körperlichen Einschränkungen ergab. Keine Benachteiligung, aber auch keine Bevorzugung: Ich sollte als selbständiger Mensch heranwachsen und meine Behinderung als “normal” und nicht als “schlimmes Schicksal” wahrnehmen lernen.

Aber je älter ich wurde, desto häufiger merkte ich, wie mir von meinen Mitmenschen das untrügliche Gefühl gegeben wurde, dass ich anders bin als andere. Neben meiner körperlichen Einschränkung – durch die ich selber nur zu oft erfuhr, was es zum Beispiel bedeutet, dass Treppen unüberwindbare Hindernisse für mich sind, während sie für andere selbstverständlicher Teil des Alltags sind – stellte ich oft auch ein verändertes Verhalten meiner Mitmenschen fest. Sie gehen anders mit mir um als mit Menschen ohne Behinderung, sie reagieren verschüchtert, irritiert, bemitleiden mich oder lassen mir übertriebene Fürsorge und Anerkennung zukommen. Neben dem alltäglichen Anstarren erlebe ich entwürdigendes Verhalten, wenn mir über den Kopf gestreichelt oder auf die Schulter geklopft wird. Auf der Straße treffe ich Menschen, die mir Geld zustecken. Es darf vermutet werden, dass diese Behandlung mit darin begründet liegt, dass es im Alltag und durch die Medien zu wenig Kontakt mit Menschen mit Behinderung gibt.

Als bemitleidenswert gelte ich oft aus dem – offenbar von vielen vorausgesetzten – Grund, dass ich es angeblich “so viel schwerer” habe. Dass der Alltag eines Menschen mit Behinderung oft in der Tat “schwerer” oder mit “mehr Aufwand” zu bewältigen ist, spielt dabei eine nebensächliche Rolle. Entscheidend ist, dass mit dem Mitleid unwissentlich Minderwertigkeit ausgedrückt wird. Viele Menschen bemühen sich im Umgang mit Menschen mit Behinderung, nichts falsch zu machen und wirken manchmal etwas hilflos und verkrampft. Als überkompensatorisches Verhalten dient mitunter übertriebene Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Bewunderung. Erfolge, die ich zu verzeichnen hatte, wurden stets übergebührlich hervorgehoben und übertrieben gelobt. Als ich laut darüber nachgedacht habe, meinen Job zu kündigen, wurde mir aufgeregt der Rat erteilt, dies bloß nicht zu tun – wer könne schon sagen, ob ich noch mal “etwas bekommen” würde.

Allgegenwärtig ist die Erfahrung, nicht gleichwertig wahrgenommen zu werden. Am deutlichsten wird dies, wenn ich in Begleitung unterwegs bin, die grundsätzlich als verantwortliche Ansprechperson wahrgenommen wird und an die Fragen gestellt werden, die eindeutig an mich gerichtet sind. So auch in der Bank, wenn ich in Begleitung meines Assistenten meine Bankangelegenheiten regeln will, aber sämtliche Aussagen und Handlungen der Bankangestellten an meinen Assistenten gerichtet und nur er per Augenkontakt adressiert wird. Obwohl er zu keinem Zeitpunkt etwas sagt, auf die Blicke nicht reagiert und nur ich Antworten gebe und Fragen stelle, wird fortgesetzt verweigert, mich als Gesprächspartner zu akzeptieren, selbst nachdem das Gegenteil offensichtlich geworden ist.

Diese Formen herabsetzender Behandlung, die rein auf meine Behinderung zurückzuführen sind, zeigen sich auch regelmäßig mit Menschen, die es eigentlich “gut” mit mir meinen. Privatere Themen wie Sex, Beziehung, Alter und Freizeit werden grundsätzlich ausgeklammert. Zu Geburtstagen werde ich oft nicht eingeladen, bei Partys nicht gefragt und bei Urlaubsplänen außen vor gelassen, weil die peinliche Situation vermieden werden soll, in der gemeinsam erkannt wird, dass die entsprechende Aktivität nicht barrierefrei möglich ist. Ich habe oft das Gefühl, dass Menschen, die in alltäglichen Situationen das Gespräch über meine Behinderung suchen, gerade dadurch eine unangenehme Situation schaffen, dass sie krampfhaft “normal” mit mir umgehen wollen – gerne auch unter explizitem Verweis darauf, dass man sich persönlich schon mit der “Problematik” auseinandergesetzt habe. Meine Behinderung wird dann, gegen meinen Willen, doch zum Thema und mehr, zum Mittelpunkt der Diskussion, obwohl ich persönlich daran nicht immer Interesse habe. In solchen Situationen wurde ich wiederholt mit der Aussage konfrontiert: “Ich finde es toll, wie du mit deiner Behinderung umgehst.” Mit dem Gestus, wie schön es doch sei, dass man so offen und ungezwungen über alles reden könne, suhlt man sich in der eigenen Toleranzfähigkeit. Ob ich will oder nicht – ich werde immer und zuallererst mit meiner körperlichen Beschaffenheit identifiziert. Diese Stigmatisierung zeigt sich selbst an dem merkwürdig kollegialen Gruß, mit dem sich “Rollstuhlfahrer” untereinander begegnen, um sich als “Leidensgenossen” zu verbrüdern.

Ich habe – bis zu einem gewissen Grad – gelernt, mich im Kontakt mit unbekannten Menschen gegen konstante Herabwürdigung durchzusetzen. Dabei hat sich gezeigt, dass ich den ersten Schritt machen muss, damit sich die Situation, die zunächst immer verstockt und unangenehm ist, entspannt. Hauptsächlich kommt dabei Humor, Ironie und Sarkasmus zum Einsatz, um das Eis zu brechen – auch wenn ich dadurch bei den Kollegen als Clown mit ewig guter Laune verschrien bin. Eine subtile Methode der Abwehr ist auch die dezente Provokation durch das Einstreuen “pikanter” Informationen in Nebensätzen: Indem ich selbst die Stichworte liefere, die einem allgemeinen Tabu zu unterliegen scheinen, löst sich die anfänglich immer bestehende Spannung.

Offeneren Formen von herabwürdigendem Mitleid begegne ich aber auch mit Kampfeslust. Steckt man mir Geld zu, lehne ich gerne mit dem Satz ab: “Ich verdiene wahrscheinlich mehr als Sie.” In anderen Fällen muss ich nur ruhig und sachlich auf meiner Position beharren, um die Situation zu “klären”. Will ein Busfahrer wegen angeblich bereits bestehender Verspätung die Rampe nicht herausholen, blockiere ich die Tür. Diese Menschen sind nicht in einem besonderen Maß behindertenfeindlich, sie sind schlicht zu jedem unfreundlich. Daher reicht hier der Verweis auf mein verbrieftes Recht. All diese Formen der “Sonderbehandlung” sind eine grundlegende Lebenserfahrung, die sich bis heute fortsetzen. Für mich ist das insofern bemerkenswert, dass ich mein Leben lang bemüht war, mich durch meine Taten und meinen Charakter der Welt zu stellen, nicht “als Mensch mit Behinderung”. Wegen meiner Behinderung bewertet, gemessen und wahrgenommen zu werden, ist das Letzte, was ich will – mehr noch: Es verletzt mich. Zweifelsohne bedeutet diese Situation ein enormes Spannungsverhältnis, einen ständigen Spagat, weil ich meine Behinderung nicht leugnen kann oder möchte, ja durch sie sogar bisweilen eine Art “Expertenstatus” habe. Zu hinterfragen wäre, woher diese Unsicherheit meiner nichtbehinderten Mitmenschen mir gegenüber kommt. Die Antwort ist – soviel lässt sich sagen – vielschichtig und komplex.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema “Behinderung” ist noch immer mit tiefen Vorurteilen beladen – auch bei mir selbst. Nach Jahrhunderten der Ausgrenzung und “Verwaltung” von Menschen mit Behinderung in Sondereinrichtungen, ihrer Einstufung als “unwertes Leben” und Vernichtung während des Nationalsozialismus sowie mangelhafter Integration und fortwährender Stigmatisierung hierzulande, sind längst nicht alle historischen und sozialen Barrieren beseitigt. Zu fordern wäre nicht weniger als ein Perspektivwechsel gemäß der Disability Studies: Nicht die Menschen mit Behinderung müssen auch am Leben der Nichtbehinderten teilnehmen können, ganz umgekehrt müssen Menschen ohne Behinderung ein Recht darauf haben, mit Menschen mit Behinderung zu sammenzuleben. Die Akzeptanz der sozialen Barriere wird in dieser Perspektive verweigert und entlarvend gegen ihre Erzeuger gewendet. Denn nach Ansicht der modernen Disability Studies ist “Behinderung” das Produkt von abwehrenden Gefühlen, welche beim Anblick ungewöhnlicher Körper ausgelöst werden. Dieser die Behinderung zuschreibende Blick derjenigen, die sich dadurch selbst als “normal” definieren können, produziert auch die “Unheimlichkeit” der Behinderung. Damit wird die übliche Perspektive umgekehrt: Behinderung wird zum sozialen Abwehrkonstrukt, mit welchem dem Unwohlsein über die Fragilität des eigenen Körpers etwas entgegengesetzt werden soll. Behinderung ist daher kein Thema, das nur Menschen mit Behinderung betrifft. Das soll nicht heißen, dass Nichtbehinderte eine Pflicht hätten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, damit sie Menschen mit Behinderung akzeptieren können – obwohl auch dies sicherlich oft angebracht wäre. Aber wenn ich Behinderung als ein zentrales Thema der Gesellschaft betrachte, dann nicht, weil ich selbst behindert bin, sondern weil die Art und Weise, wie in der Gesellschaft mit Menschen mit Behinderung und Behinderung umgegangen wird, etwas über diese selbst verrät. Am Grad der Integration lässt sich das Verhältnis der Gesellschaft zu Körperlichkeit, Krankheit, Leid und Tod im Allgemeinen ablesen und eine Auskunft über das Verständnis von Solidarität und Mitmenschlichkeit erlangen. Allerdings müssen sich auch Menschen mit Behinderung fragen, wie sie gesehen werden wollen und sich entsprechend verhalten.

Aus der Erziehung meiner Eltern und meiner persönlichen Einstellung entwickelte sich während des Studiums die Absicht, nicht zum Thema Behinderung zu forschen – oder gar meine Diplomarbeit über die betreffenden Problematiken der Disability Studies zu schreiben. Auch wenn ich diese Absicht nach einigen Jahren wieder aufgegeben habe. Während des Studiums beschloss ich, dass ich keine Sonderrolle einnehmen möchte und schwor mir, kein “Berufsbehinderter” zu werden, der sich die gesellschaftliche Zuschreibung “Behinderter”, unter der er leidet, auch noch affirmativ auf die Visitenkarte schreibt. Denn aus der Sicht nichtbehinderter Menschen könnte ein solches Interesse zudem als Selbsttherapie, als überzogener Bewältigungsversuch der eigenen Situation bewertet werden.

Ich wollte nicht einer dieser Vorzeigeminderheitenvertreter sein, den man zu jeder Gelegenheit zum Thema befragt, weil ich “als Behinderter” über Bedürfnisse und Belange von Menschen mit Behinderung so viel besser Bescheid wüsste und für sie sprechen könne. Ich studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK Berlin, weil es mir als praxisnahes Studium galt und mich der Konsum und die Produktion von Medien und Werbung interessierten. Ich entwickelte Kampagnen für große Unternehmen und merkte wie nur selten, dass ich auch durch meine Taten respektiert wurde und nicht nur durch die Tatsache meiner Behinderung.

In der Hoffnung, die Beschäftigung mit dem Kapitel Behinderung für mich dadurch vorerst abschließen zu können, habe ich mit meiner Diplomarbeit eine Verbindung zwischen meinen medienwissenschaftlichen Studien und meiner höchst persönlichen Lebens- und Erfahrungswelt hergestellt, auch wenn sich aus der Themenstellung dieser Arbeit zweifellos ein gewisses Distanzproblem ergab. Mich hatte das Gefühl beschlichen, dass ich mich noch einmal mit dem Thema auseinandersetzen muss. Es schien mir, dass ich vor meiner Behinderung weglaufe und ich hatte das Gefühl, dass es Zeit wäre, sich ihr inhaltlich zu stellen. Eine Einladung in die Jury des “International Disability Film Festival – Wie wir leben 2009″ in München zeigte mir, wie spannend es sein kann, sich der Frage zu widmen, wie und in welcher Form sich die Massenmedien mit dem Thema “Behinderung” beschäftigen. Über 100 Filme, in denen Menschen mit Behinderung als Protagonisten vorkamen oder die sich mit den sozialen Bedingungen und Folgen von Behinderung auseinandersetzten, habe ich gesehen und bewertet: Einerseits anhand von ästhetischen Kriterien und andererseits entlang der Frage, wie mit dem Thema Behinderung umgegangen wird. Was mir dabei auffiel und was mich zunächst überraschte, war, dass sich die auf dem Filmfestival gezeigten Filme radikal von den Filmen, Berichten und Reportagen unterschieden, die im Fernsehen gesendet wurden. Sie gingen fortschrittlicher, offener und ehrlicher mit dem Thema Behinderung um, als ich es von den üblichen TV-Formaten und den Spiel- und Fernsehfilmen gewohnt war. Diese Erfahrung bildete den Hintergrund der Entscheidung – entgegen meiner erklärten Absicht, nicht zum Fachtheoretiker für Disability Studies zu werden – meine Diplomarbeit über die Darstellung von Menschen mit Behinderung im Deutschen Fernsehen zu schreiben und dieses Blog über mein Leben als Rollstuhlfahrer zu führen.

Neulich erreichte mich diese E-Mail:

Sehr geehrter Herr Krauthausen,

wir sind eine Online Marketing-Agentur aus Hamburg/Deutschland und bei der Recherche für unseren Kunden auf Ihre Seite gestoßen. Das Thema wäre Treppenlifte.

Gerne würden wir mit Ihnen eine Kooperation eingehen und einen einmaligen, themenrelevanten Artikel mit ca. 400 Wörtern auf Ihrer Domain online stellen. Unsere Online-Redaktion würde diesen Artikel verfassen, Sie haben aber selbstverständlich die Möglichkeit, den Inhalt Ihren Wünschen anzupassen bzw. uns für Sie interessante Inhalte vorzugeben. Der Artikel würde dann einen Link enthalten, der auf die Homepage unseres Kunden verweist. Dafür würden wir eine einmalige entgeltliche Vergütung anbieten.

Auf eine Antwort freue ich mich sehr.

Mit freundlichen Grüßen
P.


W… GmbH
Hamburg

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Important Note:
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Sitz der Gesellschaft: Hamburg
Handelsregister: …
Registergericht: Amtsgericht Hamburg

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr P. in der W. GmbH,

vielen Dank, für Ihre freundliche E-Mail. Gerne komme ich auf Ihr Angebot zurück.
NEIN DANKE, ICH BIN NICHT KÄUFLICH! AUSSERDEM WOHNE ICH IM ERDGESCHOSS UND BRAUCHE KEINEN TREPPENLIFT!

Mit freundlichen Grüßen,
Raul Krauthausen

UPDATE:
Hab grad nochmal nachgefragt: Die bieten mir einmalig 70 €…
Lass mich kurz nachdenken… hmm… NEIN!

Unglaublich aber wahr. Gerade eben wurde mir zum zweiten Mal mein iPhone geklaut. Diesmal aber auf eine total miese Masche:
Ich war zuhause, als jemand an mein Fenster klopfte. Es waren zwei Gehörlose, die fragten, wo das Rathaus sei. Da sie schlecht reden und nicht hören konnten, baten sie um etwas zu schreiben. Hilfsbereit wie ich war, holte ich einen Stift und einen Zettel. Sie folgten mir in die Wohnung, was ich sehr unangenehm fand. Ich schaltete sofort und bat sie raus um ihnen den Weg auf dem Bürgersteig zu erklären. Doch da war es bereits zu spät. Die 5 Sekunden reichten und schwupps war mein iPhone weg. Gemerkt habe ich es erst 3 Minuten später.
Verdammte Penner!

Das ist wirklich wahre Gleichberechtigung: Warum sollte es auch unter Menschen mit Behinderung nicht Diebe geben, die andere Menschen mit Behinderung ausrauben?!

An die S-Bahn-Berlin GmbH:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Raul Krauthausen, ich bin Programm-Manager beim rbb und Rollstuhlfahrer. Ich fahre täglich mit der S-Bahn von der Julius-Leber-Brücke mit der S1 nach Wannsee und anschließend mit der S7 weiter nach Griebnitzsee, wo der rbb seinen Sitz hat.

Heute auf dem Weg zur Arbeit, begegnete ich 4 Aufzug-Technikern, die mir sagten, dass der Aufzug am S-Bahnhof Griebnitzsee für mindestens 7 Wochen außer Betrieb ist. Sie sagten mir, dass es auf der Website der S-Bahn stünde, was es aber nicht tat.

Nun meine Fragen an Sie:

  • Warum steht sowas nicht vorab auf der Website?
  • Wie soll ich jetzt zur Arbeit kommen?
  • Was für Alternativen haben Sie für Rollstuhlfahrer wie mich? Der RegionalExpress ist keine wirkliche Hilfe, da Charlottenburg der S-Bahn-Aufzug ebenfalls defekt ist.
  • Übernehmen Sie für diese 2 Monate die Taxi-Kosten?

Das dies nicht mein erster Zwischenfall mit der S-Bahn ist, können Sie hier nachlesen:

  • http://www.raul.de/blog/2010/07/19/deja-vu-am-griebnitzsee/
  • http://www.raul.de/blog/2010/02/03/liebe-s-bahn-berli-warum-sind-eure-aufzuge-immer-kaputt/
  • http://www.raul.de/blog/2009/09/23/mit-dem-rollstuhl-durchs-s-bahn-chaos-und-leben/
  • Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich künftig stressfrei zur Arbeit kommen soll.
    Daher wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir bitte mitteilen könnten, was Sie unternehmen werden, um die Servicequalität auch im Umgang mit behinderten Reisenden in Zukunft sicherzustellen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Raul Krauthausen


     
    Auf den Blogpost vom 14. Juni zum iPhone-Überfall hat sich bis heute eine Menge getan:

    Nachdem mein Tweet über Nacht eine große Solidaritätswelle ausgelöst hat, berichteten sowohl das Bildblog als auch die CHIP über den Vorfall.

    Daraufhin bekam ich von Gravis und der Telekom Angebote, mir bei der Neubeschaffung eines iPhones zu helfen, was ich dankend annahm.

    Die Solidarität der Twitter-Gemeinschaft ging sogar so weit, dass ein Spendenkonto eingerichtet wurde, damit ich mir ein neues iPhone kaufen kann. Es wurden über 400 € gespendet. Geld, dass man nicht für ein iPhone ausgeben, sondern spenden sollte. Idealerweise an Menschen, die es schlimmer erwischt hat als mich. In Absprache mit den Spendern entschieden wir uns, das Geld an den WEISSEN RING zu spenden.

    DANKE AN ALLE SPENDER.

    Der WEISSE RING beschreibt sich selbst als die einzige bundesweite Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ihre Familien. Der gemeinnützige Verein tritt auch öffentlich für die Interessen der Betroffenen ein und unterstützt den Vorbeugungsgedanken.

    In den letzten Wochen hatte ich das Glück mit Herrn Schiemann, einem Mitarbeiter der Öffentlichkeitsabteilung des WEISSEN RINGs, ein kurzes Interview über deren Arbeit zu führen:

     

    Was sind so die typischen Fälle, mit denen sich Gewaltopfer an Sie wenden?
    Schiemann: Typische Fälle gibt es bei uns eigentlich nicht. Jeder Fall hat seine besonderen Facetten. Der WEISSE RING kümmert sich um Opfer von vorsätzlichen Straftaten und deren Angehörige. Keine Einschränkung bezogen auf die Deliktbereiche bedeutet natürlich auch, dass für jeden Fall individuell ein
    Hilfsprogramm aufgestellt wird.

    Wie helfen Sie denen?
    Schiemann: Es wird auf den Einzelfall bezogen individuell aus unserem Hilfsprogramm zusammengestellt. Hier spricht der Betreuer des WEISSEN RINGS mit dem Opfer. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind oft die ersten Menschen, die sich um Kriminalitätsopfer kümmern und mit denen die Betroffenen über ihre Probleme sprechen können. Schon ein Telefongespräch, der Besuch am Krankenbett, die Hilfestellung im Umgang mit den Behörden – einfach das Gefühl, als Opfer einer Straftat nicht „vergessen“ zu sein, können den Betroffenen wieder neuen Mut und Hoffnung geben. Wer Opfer einer Straftat geworden ist, hat oft auch mit Kleinigkeiten des täglichen Lebens zu kämpfen, die plötzlich zu großen Problemen werden können. Hier leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WEISSEN RINGS schnelle und unbürokratische Hilfe dann, wenn sie am nötigsten ist.
    Insgesamt sind folgende Maßnahmen denkbar:
    Von der persönlichen Betreuung nach der Straftat über Hilfestellungen im Umgang mit den Behörden, Erholungsprogramme, einem Beratungsscheck für die kostenlose Erstberatung bei einem frei gewählten Anwalt, Rechtsschutz, einem Beratungsscheck für eine kostenlose medizinisch-psychologische Erstberatung
    bei seelischen Belastungen infolge einer Straftat, Begleitung zu Gerichtsterminen sowie der Vermittlung von Hilfen anderer Organisationen.
    Der WEISSE RING kann zusätzlich zum menschlichen Beistand bedürftigen Opfern und ihren Familien auch durch finanzielle Unterstützungen dabei helfen, tatbedingte Notlagen zu überbrücken. All diese Hilfen werden durch die ehrenamtlichen Kräfte des WEISSEN RINGS vor Ort geleistet.

    Was raten Sie jemandem, der gerade eine Gewalterfahrung gemacht hat.
    Schiemann: Offen darüber zu sprechen. Wer schweigt hilft den Tätern! Man muss aber auch zu den eigenen Schwächen stehen und Hilfe annehmen. Schwäche nicht im Sinne der körperlichen Unterlegenheit, sondern im Sinne des Verarbeitens der Gewalttat. Hier können Gespräche mit unseren geschulten Mitarbeitern helfen.
    Ihren direkten Ansprechpartner finden Sie unter www.weisser-ring.de und unter der für den Anrufer kostenfreien Rufnummer 0800 0800 343.

    Wie kann man sich schützen/vorbereiten?
    Schiemann: Einen hundertprozentigen Schutz kann es nicht geben. Dessen muss man sich einfach bewusst sein. Jeder kann jederzeit zum Opfer werden. Um so wichtiger ist es für die Gesellschaft diese Menschen nach der Straftat nicht allein zu lassen.
    Dennoch gibt es einige Hinweise, wie das Risiko Opfer zu werden gesenkt werden kann. Vom selbstbewussten Auftreten bis zum verschlossen tragen von Geld und Wertsachen. Die Hosentasche oder Handtasche ist kein Tresor!

    Warum glauben Sie, ist der WEISSE RING so wenig bekannt? Ist es ein Tabu über erfahrene Gewalt zu reden?
    Schiemann: Unser Bekanntheitsgrad nach nunmehr 34 Jahren ist nicht schlecht. Rund zwei Drittel aller Deutschen können unseren Namen richtig einordnen. Der WEISSE RING ist “Die Opferhilfe in Deutschland”. Selbstverständlich ist es nicht leicht über eine an einem selbst verübte Straftat und das damit einhergehende Leid zu sprechen. Daher läuft auch ein Großteil unserer Arbeit im Verborgenen statt. Wir wollen den Menschen helfen und brauchen dafür die Schlagzeile auf der Titelseite nur bedingt.

    Was sagen Sie jemandem, wenn das Opfer das Gefühl hat, dass die Täter nicht ausreichend oder gar nicht bestraft werden?
    Schiemann: Die Justiz muss den Opfern das Gefühl geben, dass der Täter eine gerechte Strafe erhält. Ebenso wichtig ist aber der Umgang der Justiz mit dem Opfer. Leider werden viele Menschen, die Opfer einer Straftat wurden, vor Gericht zum reinen Beweismittel degradiert. Doch gerade diese Opferzeugen gilt es zu betreuen. Eine Aufgabe, die sich auch der WEISSE RING auf die Fahne geschrieben hat.

    Können Sie eine Tendenz bei Gewalttaten beobachten? Wenn ja, welche?
    Schiemann: Leider müssen wir beobachten, dass die Qualität der Brutalität enorm zugenommen hat. Eine Beißhemmung, wie es sie früher sogar unter Straßenschlägern gab oder eine Art von Ehrencodex wie ihn sogar
    Fußball-Hooligans früher gehabt haben, existiert nicht mehr.

    Was tun sie im Bezug auf Gewaltprävention?
    Schiemann: Die Verhütung von Straftaten ist von Anbeginn an ein Satzungsziel unseres gemeinnützigen Vereins. In diesen Sektor haben wir in den vergangenen 34 Jahren mehr als 32 Mio. Euro investiert. Gerade in unseren Außenstellen wird die Prävention immer stärker angegangen. Jede verhinderte Straftat bedeutet
    mindestens ein Opfer weniger.

    Welche Frage wird Ihnen viel zuwenig gestellt und wie würden Sie diese beantworten?
    Schiemann: Frage: “Wohin darf ich dem WEISSEN RING eine Unterstützung für seine Arbeit überweisen?”
    Antwort: “Deutsche Bank Mainz, Konto-Nr 34 34 34, BLZ 550 700 40. Vielen
    Dank!”

    Was nervt Sie an Ihrer Arbeit?
    Schiemann: Immer noch haben zu viele Menschen zu wenig Verständnis für Opfer von Kriminalität und Gewalt. Opfer haben sich nicht ausgesucht Opfer zu werden. Die Schuld trägt immer einzig und allein der Täter. Es macht mich zudem traurig, dass in der Jugendsprache die Bezeichnung “Opfer” abwertende Bedeutung erlangt hat.

    Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
    Schiemann: Im WEISSEN RING engagieren sich 3.000 Menschen ehrenamtlich, um Mitbürgern zu helfen. Wenn diese es schaffen das Leid zu mildern und einem Opfer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern, dann freut mich dies massiv.

     
    Und wie geht es mir jetzt? Um ehrlich zu sein, traue ich mich immernoch nicht alleine durch den Wedding. Das wird wohl noch eine Weile andauern. Im Moment organisiere ich mir immer jemanden, der mich begleitet, wenn ich zu unserem DARK HORSE INNOVATION-Büro fahre. Ich bin aber sicher, dass ich das auch alleine irgendwann wieder hinkriege.

    Und wieder (m)eine höfliche Anfrage an die S-Bahn Berlin GmbH:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    mein Name ist Raul Krauthausen. Ich arbeite als Programm-Manager beim rbb und stelle mir die Frage, wann die Aufzüge am S-Bahnhof Griebnitzsee wieder ordentlich und zuverlässig funktionieren.

    Als Rollstuhlfahrer beobachte ich seit sehr langer Zeit, dass die Aufzüge am S-Bahnhof Griebnitzsee immer mal wieder (2-5 Mal im Monat) defekt sind. Das ist, wie sie sich sicher denken können, mehr als ärgerlich:

    1. Weil Ihre Aufzugsstatus-Anzeige, nach der man sich orientieren könnte, im Internet nicht immer aktuell ist.

    2. Weil ich der einzige zu sein scheine, der diese defekten Aufzüge bei Ihnen meldet. So auch heute. Ich kam um 9:30 am S-Bahnhof Griebnitzsee an, meldet ihn als “defekt” und sah ihn kurz darauf auf Ihrer Internetseite als Störung. Soweit so gut. Als ich dann um 17 Uhr wieder auf die Website schaute, um meinen Rückweg zu planen, stand er nicht mehr auf Ihrer Seite. Ich ging also davon aus, dass er funktioniert. Fehlanzeige. Am Aufzug angekommen, hing an der Aufzugstür ein Schild mit der Aufschrift “Defekt” und kein Handwerker war weit und breit zu sehen. Als ich in Ihrer Zentrale anrief, war die Störung nicht mehr bekannt und musste neu aufgenommen werden. Wie konnte das passieren? Offensichtlich war es ja die gleiche, von mir am morgen gemeldete Störung. Nur dass irgendjemand ihn als repariert bei Ihnen aus der Störungsliste rausnahm, ohne dass er repariert worden ist.

    3. Weil meine Meldungen scheinbar nicht immer bei Ihnen ankommen (egal ob über die Notrufsäule, wo nicht immer jemand rangeht oder über Ihre Kundenhotline) und am nächsten Tag die Störungsmeldung immer noch nicht im Internet steht. Bis jetzt steht die Störung immernoch nicht auf der Website. Obwohl ich vier Mal bei Ihrer Hotline und den
    Infosäulen die Störung meldete.

    4. Weil es für Rollsuthlfahrer überhaupt keine weitere Möglichkeit gibt, sich über einen defekten Aufzug vorab zu informieren. Die Hotline guckt ja auch nur in’s Internet.

    5. Weil es für einen Rollstuhlfahrer am S-Bahnhof Griebnitzsee überhaupt keine Alternative Möglichkeit gibt, als “zu Fuß” zum S-Bahnhof Babelsberg zu fahren, um nach Berlin zu kommen. Was soll ich denn tun, wenn mein Akku mal nicht für den großen Umweg ausreicht? Würden Sie in solchen Fällen eine Taxirechnung zahlen?

    Sicher spielt das Alter der Aufzüge eine wichtige Rolle. Und das Wetter / Randalierer tun ihr Übriges. Aber ist es zu viel verlangt, wenigstens im Internet eine zuverlässige Anzeige zu bekommen?

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich noch tun kann, als ständig Aufzüge zu melden, bzw. wie ich künftig stressfrei zur Arbeit kommen soll.

    Daher wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir bitte mitteilen könnten, was Sie unternehmen werden, um die Servicequalität auch im Umgang mit behinderten Reisenden in Zukunft sicherzustellen. Auch journalistisch eine sehr interessante Frage.

    Ich hätte 2-3 einfache Verbesserungsvorschläge die ich gerne mit Ihnen teile, wenn Sie interesse haben.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Raul Krauthausen

    Der Tatort:

    Heute, gegen 19 Uhr, haben mich in Berlin-Wedding zwei Jugendliche (zwischen 9 und 12 Jahre alt) überfallen und dabei mein iPhone geklaut, während ich damit telefonierte. Sie sagten nichts, schlichen sich von hinten an, rissen es mir aus der Hand und rannten weg. Ich konnte nichts machen außer “Hey!” hinterher rufen.
    Ich war allein. Kein Mensch weit und breit. Und das am hellichten Tage. Passanten, die auf einer Parkbank saßen haben auch keine Jugendlichen vorbeirennen sehen. Oder sie wollten es nicht. Sie sagten zu mir nur “Nix Deutsche!” (Was auch immer das heißen mag) und gaben mir unmissverständlich zu verstehen, dass sie damit nichts zu tun haben wollen. Niemand hatte etwas gesehen. Niemand.

    Meine Gedanken sind noch ganz wirr. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn ich nicht-behindert gewesen wäre. Wahrscheinlich wäre ich hinterher gerannt. Aber mein eRolli schafft ja nur 6 Km/h ;-) .
    Im Grunde bin ich froh, dass mir nicht mehr passiert ist. Sie hätten mir auch locker den Arm brechen oder mich zusammenschlagen können. Insofern hatte ich Glück im Unglück. So langsam kommt auch wieder meine sarkastische Seite hoch und fragt sich, ob es nicht auch irgendwie eine Form der Gleichberechtigung ist, wenn sogar vor Behinderten nicht Halt gemacht wird.
    Auf der anderen Seite weiß ich gerade nicht, ob ich die Sache jetzt einfach so wegstecken kann. Fakt ist, sowas passiert. Die Gefahr lauert überall. Nicht nur im Wedding.
    Nur bei mir glaube ich ist das Risiko, dass aus einem einfachen Diebstahl auch schnell ein Knochenbruch werden kann einfach größer. Wie schütze ich mich angemessen, ohne gleich paranoid zu werden? Brauche ich für solche Fälle ein “Nothandy”?
    Soll ich mich jetzt immer an Bahnhöfen abholen lassen? Meine Assistenten sicherheitshalber überall hin mitnehmen?
    Ich hoffe, ich traue mich morgen wieder unbekümmert wie immer auf die Straße.

    Danke an all’ meine Twitter-Follower, die mir gerade beistehen und sogar eine Spendenaktion ins Leben gerufen haben, damit ich mir ein neues Smartphone besorgen kann.


    P.S.: Danke auch an Cris für dieses tolle Video zum Thema “Gleichberechtigung”:

    (M)eine höfliche Anfrage an die S-Bahn Berlin GmbH:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    mein Name ist Raul Krauthausen. Ich arbeite als Programm-Manager beim rbb und stelle mir die Frage, wann die Aufzüge am S-Bahnhof Griebnitzsee wieder ordentlich und zuverlässig funktionieren.

    Als Rollstuhlfahrer beobachte ich seit über 2 Monaten, dass die Aufzüge am S-Bahnhof Griebnitzsee immer mal wieder (2-5 Mal die Woche) defekt sind. Das ist, wie sie sich sicher denken können, mehr als ärgerlich:

    1. Weil Ihre Aufzugsstatus-Anzeige, nach der man sich orientieren könnte, im Internet nicht immer aktuell ist.

    2. Weil ich der einzige zu sein scheine, der diese defekten Aufzüge bei Ihnen meldet.

    3. Weil meine Meldungen scheinbar nicht immer bei Ihnen ankommen (egal ob über die Notrufsäule, wo nicht immer jemand rangeht oder über Ihre Kundenhotline) und am nächsten Tag die Störungsmeldung immer noch nicht im Internet steht.

    4. Weil es für Rollsuthlfahrer überhaupt keine weitere Möglichkeit gibt, sich über einen defekten Aufzug vorab zu informieren. Die Hotline guckt ja auch nur in’s Internet.

    5. Weil es für einen Rollstuhlfahrer am S-Bahnhof Griebnitzsee überhaupt keine Alternative Möglichkeit gibt, als “zu Fuß” zum S-Bahnhof Babelsberg zu fahren, um nach Berlin zu kommen.

    6. Weil die S7 nur eingeschränkt fährt und man bei einem gescheiterten Aufzug-Fahrversuch 20 Minuten in der Kälte stehen muss und wartet um eine Station weiterzufahren.

    Sicher spielt das Alter der Aufzüge eine wichtige Rolle. Und das Wetter tut sein übriges. Aber ist es zu viel verlangt, wenigstens im Internet eine zuverlässige Anzeige zu bekommen?

    Heute zum Beispiel stehen 2 Techniker am Aufzug, weil der Aufzug wieder defekt ist. Aber im Internet steht es bis jetzt immer noch nicht drin: http://www.s-bahn-berlin.de/fahrplanundnetz/mobilitaetsstoerungen.php

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich noch tun kann, als ständig Aufzüge zu melden, bzw. wie ich künftig stressfrei zur Arbeit kommen soll.

    Daher wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir bitte mitteilen könnten, was Sie unternehmen werden, um die Servicequalität auch im Umgang mit behinderten Reisenden in Zukunft sicherzustellen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Raul Krauthausen