Raul Krauthausen - Aktivist

Videos

Krauthausen trifft: Margarete Stokowski über Sexismus im US-Wahlkampf

 
Im ze.tt-Videoformat „Krauthausen trifft“ spreche ich mit Menschen, die inspirieren, über ein aktuelles Thema.
Diesmal mit: Margarete Stokowski.

Die Autorin und Journalistin Margarete Stokowski hat gerade ihr neues Buch „Untenrum frei“ veröffentlicht. Darin geht es um eine gesamtgesellschaftliche sexuelle Befreiung. Aber wie können wir das erreichen, wenn uns gleichzeitig Politiker*innen wie Donald Trump ein genau gegenteiliges antiquiertes Bild vorleben? Ich habe nachgefragt.

(sb)

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KRAUTHAUSEN – face to face: Carina Kühne, Schauspielerin

In der Sendung „KRAUTHAUSEN – face to face“ lade ich als Moderator Künstlerinnen und Künstler, Kulturschaffende und Medienleute mit und ohne Behinderung zum Talk ein. In “face to face”-Gesprächen tausche ich mich mit einem jeweiligen Gast über künstlerisches Schaffen, persönliche Interessen und Lebenseinstellungen aus. Und natürlich geht es auch ab und zu um das Thema Inklusion.

Als sechsten Gast hatte ich die Aktivistin und Schauspielerin Carina Kühne zu Besuch:

Zum Video mit Gebärdensprache hier entlang.

Die Schauspielerin Carina Kühne spielte in mehreren Filmrollen, bekannt wurde sie einem größeren Publikum als Hauptdarstellerin im Film „Be My Baby„. Gemeinsam mit Raul Krauthausen philosophiert sie über ihre Arbeit, die ihr Anerkennung bringt, aber auch über das Down Syndrom, Inklusion und ihre Wünsche für die Zukunft.

Weitere Informationen zu Carina Kühne: carinakuehne.com
Carina Kühnes Kinderkurzgeschichte gibt es exklusiv auf Kunterbunteskinderbuch.de

Erstausstrahlung: 15.10.2016, 9.30 Uhr, Sport 1

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“Hass ist keine Meinung!”

Hate Speech – Hass im Internet

Hate Speech ist der sprachlich ausgedrückte Hass gegenüber einer Personengruppe oder einer Einzelperson wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer Personengruppe.
Elemente der Hassrede sind u.a. Beleidigungen, Diskriminierung, Lügen und Manipulation, Gegenüberstellung von “Wir”- und “Ihr”-Gruppen bis hin zum Aufruf zu Straftaten.
Juristisch gesehen sind die Grenzen zwischen Hate Speech und Volksverhetzung fließend.

Persönliche Erfahrungen zum Thema Hate Speech

Als die Neuen Deutschen Medienmacher mich bezüglich ihrer Kampagne zum “No Hate Speech Movement” ansprachen, hatte ich noch keine wirklichen Erfahrungen zum Thema Hassrede gemacht. Klar, den einen oder anderen rüpeligen Kommentar gab es unter meinen Videos. Aber bei mir hielt sich das alles doch sehr in Grenzen.
Wie drastisch Hasskommentare sein können, wurde mir allerdings immer wieder bewusst, wenn ich über die Arbeit der großartigen Dunja Hayali las und hörte – auch ihren Umgang mit Hass und Hassreden, den Anfeindungen, denen sie online und offline ausgesetzt war und ist.
Ihre Beschreibung der Online-Hetze in ihrer Dankesrede zur Verleihung der Goldenen Kamera Anfang des Jahres ist so trefflich formuliert wie erschreckend: „Ich setze immer noch auf den Dialog, mich interessieren andere Meinungen, andere Argumente. (…) Aber was da gerade abgeht, ist wirklich mit Verrohung von Sprache überhaupt nicht mehr zu beschreiben. Bedrohung, Beschimpfung, Beleidigung, Vergewaltigungswünsche.(…) Das macht keinen Spaß. Glaubt eigentlich irgendjemand, dass das irgendwas bringt, dieser ganze Hass?“.
Als ich dann im Mai diesen Jahres den Vortrag “Organisierte Liebe” vom Kübra Gümüşay hörte, wurde mir klar, dass das Wegblocken und Muten der Hater nicht ausreicht. Dass es eine gesellschaftliche Verpflichtung ist, sich diesem Thema zu widmen und aktiv zu werden.
Weil ich mehr wissen wollte, entschied ich mich zusammen mit ze.tt die Feministin und Autorin zu interviewen: Krauthausen trifft: Kübra Gümüşay.
Das Ausmaß an Hate Speech, dem Kübra ausgesetzt ist – und das auch auf meinen Kanälen nach der Ausstrahlung des Interviews stattfand – ließ mich zum ersten Mal erfühlen, mit welcher Härte und in blindem Wahn Hater zuschlagen.
Und wie kurzfristig gedacht die weit verbreitete Meinung “Hass im Netz? Klicke ich einfach weg.” ist. Wie arrogant und egoistisch. Aus den Augen – aus dem Sinn.
Es gibt Menschen, die können nicht einfach wegklicken – und blockieren. Spätestens seitdem Hate Speech in realen Hass und brutale Übergriffe mündete.

Seit kurzem bin ich – wie viele andere bekannte Twitterer*innen – selbst das Ziel von Hasskommentaren. Manche Hater haben sich sogar extra Fake-Accounts mit meinem Namen und Fotos von mir angelegt. Einige meiner Tweets und Fotos haben mittlerweile Meme-Charakter.
Anfangs habe ich diese Kommentare tatsächlich noch gelesen – und ein mulmiges Gefühl bekommen. Egal wie abgeklärt ein Mensch sein mag, wie klar ist, dass derartige Hass-Kommentare nichts mit mir als Person zu tun haben – sondern vielmehr mit dem Hater und seinen speziellen sozialen Problemen: Diese Worte bewirken etwas. Wenigstens im ersten Moment. Neuronen werden abgeschossen und nach der Hebbschen Lernregel gibt es eben Verkettungen in jedem Gehirn, die Bedrohungen und Beleidigungen, seien es es auch anonyme und rein virtuelle, mit Gefahr und Angst als Reaktion verknüpfen.
Danach überwiegt – jedenfalls bei mir – die Neugier. Und über manches Meme, manches Comic, das mühevoll und pointiert gezeichnet wurde, musste ich ehrlich grinsen.
Aber weil ich mich ungerne mit Negativem oder Inhaltslos-Destruktivem aufhalte und in meinem Kopf zu viele Ideen bezüglich neuer Projekte, Kooperationen usw. umherschwirren, habe ich die betreffenden User geblockt und mich wieder auf echte Problemlösungen in aktuellen Vorhaben konzentriert.
Zugegebenermaßen eben doch nach dem Motto: “Aus den Augen, aus dem Sinn.”

Eine Troll-Geschichte

Die Geschichte des Internets ist seit jeher verwoben mit dem Aufkommen anonymer Trolle. Schon in IRC-Chats geisterten sie herum – störten, nervten und beleidigten.
Als Reaktion wurden immer mehr Tools und Blockiersysteme entwickelt, um sich diese unliebsamen Zeitgenossen*innen vom Hals zu halten.
Plötzlich ging es online in eine Richtung, die man eigentlich vermeiden wollte: Denn das Internet wurde von Vielen zunächst als Ort der freien Meinungsäußerung gefeiert.
Die Medientheoretikerin und Künstlerin “Sandy” Stone schrieb darüber “Das Zeitalter der Überwachung (…) hatte die elektronische virtuelle Community erreicht.”
Die Euphorie der Anfangszeit des Web, in der man hoffte, ab jetzt maximal vorurteilsfrei diskutieren zu können, war schnell abgeflaut.
Voller Ernüchterung wurde klar: Wer offline ein Arschloch ist – bleibt es online ebenfalls. Umso mehr, wenn er*sie sich hinter der Anonymität des Internet verstecken kann.
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch stellte klar:

Die Hassrede ist keine Konsequenz der sozialen Netze, sondern die sozialen Netze liefern ihr nur einen bequemen Weg von den Stammtischen direkt in die Öffentlichkeit. Sie sind eine Plattform, auf der sich Menschen begegnen, die einander sonst nie begegnen würden.

Die rein technische Reaktion durch Sicherheitsmechanismen konnte das Problem natürlich nie an der Wurzel packen. Und trotzdem muss der

Kampf gegen Hassrede (…) geführt werden, und dabei können und müssen (…) das Strafrecht, die Durchsetzung von Regeln durch die Netzwerkbetreiber und die Gegenrede zum Einsatz kommen. Der Kampf gegen Hassrede ist aber ebenso wenig zu gewinnen, wie der Kampf gegen den Hass selbst.

Warum wird ein Mensch zum Hater?

Das Hater-Phänomen interessiert mich. Schon aus beruflichen Gründen.
Denn es handelt sich hier ja um ein gruppendynamisches Phänomen.
Ich berate u.a. verschiedene junge Start-Ups, gebe Workshops usw. – und einer der Schwerpunkte ist es, konstruktive gruppendynamische Abläufe in Gang zu setzen, um gemeinsam Ideen und Lösungsmöglichkeiten für komplexe Probleme zu entwickeln.
Wenn diese Prozesse erfolgreich stattfinden, ist das für jeden einzelnen Beteiligten ein Gewinn, bewirkt zum Teil euphorische Gefühle, Motivation, Steigerung des Selbstwertgefühles usw.
Was aber passiert, wenn das gruppendynamische Ziel destruktiv ist? Wenn möglichst effektive Entwertung, maximal verletzende Beleidigung bis hin zur kompletten Zerstörung einer Person angestrebt werden?
Wenn man das Phänomen Hassrede zum ersten Mal oberflächlich betrachtet, fragt man sich natürlich: Was soll das? Jemand legt sich einen anonymen Fake-Account zu, um wild Beleidigungen, Hass-Kommentare und Lügen zu veröffentlichen. Nichts, womit man vor den Freunden oder Kollegen auftrumpfen und ein gutes Bild von sich zeichnen kann: “Schaut her, ich belästige online Menschen aus verschiedensten Minderheitengruppen – und verstecke dabei meine Identität!”. Genau, das funktioniert nicht.
Wenn man dann noch sieht, wie intensiv das Ziel der Hater-Begierde verfolgt wird und wie viel Zeit und Energie in die Aktionen gesteckt wird, fragt man sich unweigerlich: Welches Selbstbild hat diese Person? Ist sie stolz auf dieses ausschließlich destruktive Handeln? Oder ist die ausbleibende dauerhafte Befriedigung der fruchtbare Boden für die beständige Besessenheit, die die Hassenden zuweilen an den Tag legen? Ganz sicher kann man keine allgemeinen Antworten finden, was im Leben eines Haters schiefgelaufen ist. Dass etwas schiefgelaufen ist, ist allerdings nicht zu übersehen.
Hater kommen aus allen sozialen Schichten – und es sind hauptsächlich Männer.
Die psychologischen Hintergründe werden bei Hatern und Trollen ähnlich beschrieben. Allerdings sind Internet-Trolle und ihre Motivationen bisher besser erforscht und sie werden insgesamt weitaus positiver gesehen als Hater.
In den Persönlichkeitsstrukturen von Hatern und Trollen finden sich häufig Sadismus in verschiedenen Abstufungen, antisoziales Verhalten, narzistische Störungen und allgemein negative persönliche Eigenschaften. In dem Zusammenhang wird häufig die so genannte Dunkle Triade genannt.
Betrachtet man dies, wird schnell klar: Die psychologischen Hintergründe sind so komplex und schwerwiegend, dass kein Hater allein durch nettes Entgegenkommen und wertschätzendes Verhalten “umgedreht” und in einen freundlichen Internet-Nutzer verwandelt werden kann.
Zudem bewegen sich Hater häufig in Gruppen, die jeweils einen eigenen Ehrenkodex und eine eigene Sprache entwickeln. In diesen Gruppen erfahren die einzelnen Hater Zustimmung und Beifall für ihre Hasskommentare, es werden gemeinsam Zielgruppen und Zielpersonen gefunden und angegangen.

Die Folgen von Hate Speech

Der Wunsch des Haters ist es in erster Linie Aufmerksamkeit zu erreichen. Zudem soll das Hassobjekt in einen emotional reaktiven Zustand gebracht werden. Die Zielperson soll so sehr aus der Bahn geworfen werden, dass sie beginnt zu zweifeln und zu verzweifeln. Die Beleidigungen und Lügengeschichten sollen ihr so sehr unter die Haut gehen, dass sie beginnt zu zögern, ob sie einen neuen Tweet, einen neuen Blogbeitrag veröffentlicht, ein neues Foto postet – also ihr Verhalten aufgrund der Aktionen des Haters verändert.
Der größte Erfolg für den Hater ist das “Silencing” – wenn der*die Betroffene sich nicht mehr traut neue Beiträge zu veröffentlichen, Accounts löscht, sich aus der Social Media-Welt zurückzieht.
Es ist zu vergleichen mit einer Lieblingskneipe, in die man seit Jahren geht, Freunde, Bekannte und neue spannende Leute trifft; die Athmosphäre ist konstruktiv, vielfältig, manchmal laut und überschwänglich, manchmal leise und nachdenklich. Und plötzlich kommt just in diese Lieblingskneipe jeden Abend eine neue Gruppe an unangenehmen Zeitgenossen, die rumpöbeln, wahllos andere Gäste beleidigen und die gesamte Stimmung vermiesen. Im schlimmsten Fall wird man dann ganz einfach nicht mehr kommen, sich eine andere Kneipe suchen oder Zuhause bleiben.
Eine Lösung ist das allerdings nicht.
Und da der Hater am Individuum gar kein Interesse hat, sondern es lediglich zu einem austauschbaren Hassobjekt macht, an dem er sich abarbeitet, wird umgehend eine neue Zielperson gefunden.
Wenn man die sozialen Medien betrachtet und sieht, dass Online-Redaktionen ihre Kommentarmöglichkeiten schließen, wenn man u.a. der Social-Media-Koordinatorin (tageschau.de) Anna-Mareike Krause zuhört und erfährt, dass ein Drittel der online gepostete Kommentare aus Hate Speech bestehen, mag man den Eindruck gewinnen: Die Hasser sind in der Überzahl.
Aber: Das sind sie nicht.
Sie sind nur lauter und aktiver, denn sie wollen ja Reaktionen provozieren.
Und Hasskommentare produzieren erstaunlich viele “Likes”. Je mehr Aufmerksamkeit einem Kommentar gegeben wird, desto sichtbarer wird er beispielsweise in Internetforen, weil er in der Anzeigeliste der Forenbeiträge immer wieder nach oben rutscht. Auf Facebook sorgen die verwendeten Algorithmen dafür, dass man sich schnell in einer Interessen-Wohlfühl-Bubble befindet: Wer bei einem Post besonders aktiv war und fleißig kommentierte, bekommt Veröffentlichungen mit ähnlichen Inhalten angezeigt. So entsteht schnell eine ungute Eigendynamik, die den Personen, die sich in durch Facebook erzeugten Interessen-Gruppen bewegen, den Eindruck suggeriert, es gäbe viele User, die ihre Meinung teilen.

Der Umgang mit Hate Speech

Die Reaktion, die möglicherweise zunächst am Naheliegendsten ist: Wütend zurückschimpfen.
Allerdings ist das wenig konstruktiv und schnell entsteht eine Hass-Spirale, aus der es kaum noch ein Entkommen gibt, Kommentatoren*innen sich gegenseitig beeinflussen und echte Argumente einfach nicht mehr fruchten. Man nennt das den “Nasty-Effect”. An der University of Wisconsin gab es dazu eine spannende Studie, die erforschte, wie polemische, negative Kommentare die Sichtweise auf eigentlich neutrale News verändern. Und wie schnell die Sachebene verlassen wird. Also: Wut ist verständlich – aber keine konstruktive Reaktion.
Eine andere Reaktion könnte sein, erstmal den ganzen irrsinnigen Hater-Wust zu blockieren – denn diese Tweets und Kommentare stören die eigene Timeline einfach und lässt einen interessante Inhalte übersehen. Das ist aber mittelfristig auch keine Lösung: Zum einen schenkt dies Aufmerksamkeit, nach der viele Hater gieren; Screenshots mit Blockierungs-Mittleilungen werden wie Trophäen veröffentlicht und geteilt. Außerdem wird oftmals ein Wettbewerb gerade unter den Fans von einigen Hatern entfacht, Tweets und Kommentare zu schreiben, um ebenfalls blockiert zu werden. Und so ist der eine Hater und seine Kommentare dann zwar stillgelegt, aktiviert aber andere User – und schon ist die eigene Timeline wieder überschwemmt mit destruktiven Kommentaren.
Mein Tipp: Ignorieren und weitermachen wie bisher. Und an konstruktiven Projekten arbeiten, positiven Hobbies nachgehen, Menschen treffen (online oder viel besser noch: offline), die einem gut tun.
Sollten die Kommentare zu störend werden: Auf Twitter kann man ganz einfach muten. Dann sind die Hater nicht blockiert, bekommen nicht die von ihnen gewünschte Aufmerksamkeit und merken schlichtweg gar nicht, ob ihre Hass-Kommentare ankommen sind oder ins Leere gehen.
Das sind allerdings nur schnelle Erste-Hilfe-Tipps. Langfristig sollten wir alle aktiv werden.
Ingrid Brodnig schreibt sehr treffend in ihrem Buch “Hass im Netz: Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können” (das ich unbedingt empfehle!), dass unsere Social Networks und das Internet, wie es momentan aussieht, nicht in Stein gemeißelt sind. Dass die Funtionsweisen von Internetseiten keinem Naturgesetz folgen, sondern von Menschen gemacht sind. Die logische Schlußfolgerung ist: Wir müssen unsere sozialen Netzwerke formen, das Wort zu ergreifen und einen konstruktiven, wertschätzenden Umgang miteinander pflegen – auch und gerade in der Anonymität des Internets.
Hater kapern häufig Projekt-Hashtags und spammen mit diesen Hashtags dann negative Inhalte in soziale Netzwerke (passierte zum Beispiel bei #ausnahmslos). Warum kapern wir nicht diskriminierende Hashtags und nutzen sie zur Gegenrede? Zum Beispiel: #rapefugees gibt es nicht!
Projekte wie die “Organisierte Liebe” vom Kübra Gümüşay gehören ganz sicher zu denen, die viel bewirken und verändern können.
Kübra erklärte mir, sie hätte an sich selbst beobachtet, dass man gute Online-Artikel und Tweets, denen man zustimmt und die einem sogar Freude bereiten, eher kommentarlos wieder verlässt – zwar mit einem guten Gefühl im Herzen, aber eben auch ohne ein positives Feedback zu hinterlassen. Beiträge hingegen, die einen ärgern, lassen einen viel eher kommentieren, die Tweets teilen oder die eigenen Follower zu Protest-Aktionen aufrufen.
Deshalb ist es an uns, hier etwas zu verändern – und uns zu feiern!
Deshalb beende ich diesen sehr ernsten Artikel mit einer Liste von Menschen aus dem Online-Bereich, die ich persönlich feiere, die meine Online-Welt bereichern und das Internet zu einem guten, konstruktiven und nicht immer schönen, aber empowernden Ort werden lassen(ungeordnet und ganz sicher vollkommen unvollständig):
Johnny Haeusler, Kübra Gümüşay, Ninia LaGrande, Laura Gehlhaar, Mario Sixtus, Markus Beckedahl, Marcus Brown, Tanja Haeusler, Jens Merkel, Wheelie, Katja Fischer, f1rstlife, Julia Probst, Michel Arriens, RevoluzZza, Heiko Kunert, Martin Ladstätter, Constantin Grosch, Nancy Poser, Christiane Link, Andi Weiland, Lilian Masuhr, Judyta Smykowski, Martin Habacher, ….

Quellen, weiterführende Links:

(sb)

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Krauthausen trifft: Kübra Gümüşay über den Gina-Lisa-Lohfink-Prozess und Hass im Netz und #OrganisierteLiebe

 
Kübra Gümüşay ist Journalistin, Aktivistin, Bloggerin und muslimische Feministin.
Geboren in Hamburg, studierte sie hier und in London Politikwissenschaften, lebte in Oxford und kehrte schließlich wieder in ihre Geburtsstadt zurück.
Sie hatte Deutschland verlassen, weil sie sich als Muslima hier nicht mehr wohlgefühlt hatte.
Trotz des momentan so offensichtlichen Rechtsruckes in Deutschland findet sie, es gibt eine gute und mächtige Gegenbewegung. So viele Menschen, die merken, dass ein politisches Umdenken stattfinden muss. Und die aktiv werden.
Einer der Gründe, weshalb sie sich entschied, nach Deutschland zurückzukehren.
Nach wie vor ist Diskriminierung eines ihrer wichtigsten Themen. Mit der Kampagne #SchauHin machte sie mit anderen Aktivisten*innen zusammen Alttagsrassismus sichtbar. Als Mit-Initiatorin von #ausnahmslos setzte sie ein Zeichen gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus.
Das Deutschlandradio hat Gümüşay zu den prägenden Köpfen des Islam in Deutschland erklärt – und sie ist eine der wichtigsten Vertreterinnen des moslemischen Feminismus.

Auf der Web-Konferenz re:publica hielt sie in diesem Jahr einen Vortrag mit dem Titel “#OrganisierteLiebe”.
Sie erzählte über ihre Diskriminierungserfahrungen als Feministin und Muslima, Hasskommentare und organisierte Hater-Attacken.
Und appellierte an die Zuschauer*innen aktiv zu werden. Weil es nicht mehr ausreicht, Hatespeech zu muten und die Hater zu blocken.
Während Gümüşay redete, kamen ihr mehr als einmal die Tränen – und es war klar: Was sie sagt hat Substanz, sie hat Diskriminierung und Hass massiv erlebt.
In einer Weise, die uns als privilegierten weißen Deutschen nicht vorstellbar ist.
Sie stand in dem Moment für all’ die, denen rassistische und sexistische Diskriminierung widerfährt.
Aber sie ist kein Opfer, sie ist Überlebende. Sie kann die Hasser hinter sich lassen und ihnen mit Aktivismus begegnen.

*

Frühmorgens mache ich mich auf den Weg nach Hamburg.
Im Zug treffe ich die beiden Redakteur*innen, mit denen zusammen ich in den letzten Wochen das Konzept für ze.tt ein neues Web-Format entwickelt habe: „Krauthausen trifft“.
Diesmal wird es nicht um Behinderung gehen.
Das Thema mit meinen Gästen wird sein: Erfahrungen, Meinungen und Aktionen gegen Diskriminierung. Ganz allgemein.
Es gab eine lange Liste an möglichen Interview-Partnern*innen. Einstimmig haben wir uns Kübra Gümüşay als erste Gästin gewünscht – und sie sagte sofort zu.
Es ist sind 30 Minuten Interview geplant – aus denen ca. 4 Minuten geschnitten werden.
Auf der Bahnfahrt gehen wir die Interview-Fragen noch einmal durch.
Schon in der Vorbereitung wurde klar, dass es schwer wird, sich mit der Aktivistin auf ein halb-stündiges Gespräch zu beschränken.
Wer Kübra Gümüşay kennt weiß, dass sie das Konzept ihrer Vorträge oft kurz vor der Veranstaltung noch einmal komplett umwirft – uns geht es ähnlich. Weil wir all’ die Fragen, die uns durch den Kopf schwirren, niemals in 30 Minuten unterbringen können, beschränken wir uns spontan auf wenige Schwerpunkte.
Und so sortieren wir jede Menge vorbereitete Moderationskarten aus und handgeschriebene kommen dazu.

Kübra Gümüşay und ich treffen uns in einem Hinterzimmer der Ausstellung “Dialog im Dunkeln” in der Hamburger Speicherstadt.
Bei den Recherchen war ich über ein Interview gestolpert, in dem Gümüşay sagte: „Ich gebe nicht gerne die Hand zur Begrüßung“. Ich bin ein bisschen verunsichert ob dieser Information – winken? Einfach lächeln stattdessen?
Aber Kübra kommt auf mich zu, eine schmale junge Frau mit einnehmendem Lächeln, reicht mir ihre Hand und sofort sind wir ins Gespräch vertieft.
Jetzt da ich sie live treffe, wird mir noch mal mehr bewusst, was ich schon in den Videos und Interviews wahrnahm: Kübra Gümüşay brennt für ihre Themen.

 
Kübra Gümüsay
Ihre Hände fliegen, beschreiben – liegen selten still im Schoß. Mit Vehemenz verleiht sie ihren Worten Nachdruck.
Wir reden über den Fall Gina-Lisa Lohfink, den Umgang der Medien mit dem Model, das von der Anklägerin zur Angeklagten wurde, Victim Blaming und Sexismus. Über die Sportmoderatorin Claudia Neumann, die einem Shitstorm ausgeliefert war, als sie letztens ein EM-Männer-Fußballspiel moderierte. Über Möglichkeiten gegen den Hass vorzugehen: online und offline. Über Gümüşays Kampagne #organisierteLiebe.
Und dann ist die Zeit schon um. Ich hätte gerne noch zu so vielen Themen die Meinung der Aktivistin erfahren.

Liebe Kübra: Wir sind deine Fans! Wir feiern dich! Du machst uns Mut und gibst uns Inspiration! (sb)

 

Weiterführende Links:

Kübra Gümüşay:

Organisierte Liebe:

Der Fall Gina-Lisa Lohfink:

Weiteres:

(sb)

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KRAUTHAUSEN – face to face: Samuel Koch, Schauspieler

In der Sendung „KRAUTHAUSEN – face to face“ lade ich als Moderator Künstlerinnen und Künstler, Kulturschaffende und Medienleute mit und ohne Behinderung zum Talk ein. In “face to face”-Gesprächen tausche ich mich mit einem jeweiligen Gast über künstlerisches Schaffen, persönliche Interessen und Lebenseinstellungen aus. Und natürlich geht es auch ab und zu um das Thema Inklusion.

Als fünften Gast hatte ich den Autoren und Schauspieler Samuel Koch zu Besuch:

Seit Juni 2014 ist Samuel Koch festes Ensemblemitglied des Staatstheater Darmstadt und spielte hier u.a. den “Prinz von Homburg”. Außerdem war er in dem Kinofilm Honig im Kopf zu sehen und hatte eine Rolle in der Telenovela Sturm der Liebe.
Für sein autobiographisches Buch Zwei Leben erhielt er 2012 den Medienpreis „Goldener Kompass“. 2015 veröffentlichte er sein ebenfalls ausgezeichnetes Buch Rolle vorwärts.

Weitere Informationen unter samuel-koch.com

Erstausstrahlung: 18.06.2016, 9.30 Uhr, Sport 1

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#keinZwerg! Über die merkwürdige Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung über den kürzlich verstorbenen Schauspieler Michu Meszaros

Am 14. Juni 2016 sorgte ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung für Aufsehen. Der kürzlich verstorbene Schauspieler Michu Meszaros wurde neben weiteren kleinwüchsigen Schauspielern als Märchenfigur und ZWerg diskriminiert. ze.tt-Redakteur Leon Krenz hat mich in Hamburg getroffen, um mit mir über die ‪#‎keinzwerg‬-Debatte zu sprechen.

Auch Ninia LaGrande und Michel Arriens haben dazu großartige Texte geschrieben.

Inzwschen hat sich die SZ entschuldigt.

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Einen Tag mit #ZDFblickwechsel für das ZDF aus meinem Leben snappen

Mit ‪#‎ZDFblickwechsel‬ fuhr ich für einen Job einen Tag mit Suse auf einen Kurztrip von Berlin nach Hannover zum Annastift Berufsbildungswerk und snappte dabei aus meiner Rollstuhl-Perspektive. Dabei spreche ich über Freiheit und Behinderung und befrage spontan Sigmar Gabriel.

„Ich möchte den Zuschauern einen Einblick geben, wie es eigentlich ist, als Mensch mit Behinderung durch Deutschland zu reisen, mit der Bahn zu fahren“

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#NichtMeinGesetz! Behinderte protestieren mit Ankett-Aktion gegen die aktuelle Behindertenpolitik der großen Koalition. Pressereaktionen vom 11. und 12. Mai 2016

Demonstranten
Unter dem Motto #NichtMeinGesetz! haben sich über Nacht AktivistInnen am Reichtagsufer angekettet. Sie fordern Barrierefreiheit in der Privatwirtschaft und beim Teilhabegesetz mehr Geld für Assistenz.

Im Mai Woche wurde nach langen Verhandlungen ein erster Referententwurf zu einem Bundesteilhabegesetz veröffentlicht. Was die Regierungsparteien als „Meilenstein” bezeichnen, ist für viele Menschen mit Behinderungen noch lange kein gutes Teilhabegesetz. Unter dem Schlagwort #NichtMeinGesetz rufen Aktivisten zum Protest auf:

Der Referentenentwurf geht nicht weit genug auf die Forderungen von Menschen mit Behinderungen ein, es drohen sogar Verschlechterungen. Einige können zukünftig zwar mehr als 2.600 Euro sparen, aber diejenigen, die auch auf Hilfe zur Pflege angewiesen sind, werden nach wie vor arm gehalten

erklärt Raul Krauthausen, einer der Initiatoren des Protestes.

Aktuell geht es den Aktivistinnen und Aktivisten auch darum, dass private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit verpflichtet werden, was die CDU/CSU und SPD Fraktionen bisher vehement ablehnen. Das Gesetz zur Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsrechts wurde bereits am Donnerstag, den 12. Mai 2016, im Deutschen Bundestag verabschiedet. Damit haben behinderte Menschen auch weiterhin so gut wie keine Handhabe, um gegen Barrieren beim Bäcker, in Geschäften, Restaurants, Cafés oder Kinos vorgehen zu können.

Dieses Gesetz war die Nagelprobe für die Regierungskoalition, ob sie es mit den Rechten behinderter Menschen wirklich ernst meinen

Von den aktuellen Gesetzesvorhaben sind laut Dr. Sigrid Arnade von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) mehrere Millionen Menschen betroffen. Die Einbeziehung behinderter Menschen in die Gesetzgebungsverfahren hätten bisher kaum Wirkung gezeigt. Ganz im Gegenteil man müsse nun sogar gegen Verschlechterungen kämpfen.

Presseclippings

Die Medien berichteten ausführlichst:

Livestream ZDF heuteplus


Der Bundesregierung schien es ziemlich egal zu sein:

Wie weiter?

Nun heißt es, weiterkämpfen, das Motto: „Nichts über uns, ohne uns“ gilt jetzt erst recht.
Unterzeichnet unsere Petition und erzählt den Medien Eure Geschichten!

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Umstrittenes Teilhabegesetz Warum die Einkommensgrenze Behinderte benachteiligt – Stern TV vom 4. Mai 2016

Wer als behinderter Mensch Hilfe zur Bewältigung des Alltags benötigt, darf weder gut verdienen, noch Rücklagen schaffen. Ein neues Teilhabegesetz soll die Situation der Betroffenen verbessern. Einige Beispiele zeigen aber, dass auch der neue Entwurf an ihren Bedürfnissen vorbeigeht.

Nancy Poser und Raul Krauthausen bei Stern TV zu Gast.

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Blogger mit Behinderungen – NDR Kulturjournal vom 2. Mai 2016

Viele körperlich behinderte Menschen wie Raul Krauthausen oder Anastasia Umrik erklären ihre und unsere Welt im Internet. Das ist auch für nicht Behinderte spannend und erhellend.

„Darf ich fragen, was du hast? Ach so, Glasknochen. Ja, das kenne ich aus dem Fernsehen.“ „Kannst du Sex haben?“ „Ist deine Freundin auch so klein wie du?“ Es sind Fragen, die Raul Krauthausen nicht mehr hören kann. Zu intim, zu abgedroschen und ignorant. Und doch kriegt er sie oft gestellt. Vielen Nicht-Behinderten, so scheint es, fehlen die richtigen Worte für das, was nicht ihrer Norm entspricht.

Es geht Raul Krauthausen auch um Sprache: „In den Medien zum Beispiel liest man tagtäglich Aussagen wie ‚an den Rollstuhl gefesselt‘. Dabei sind Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, ja alles andere als gefesselt. Der Rollstuhl bedeutet für sie Freiheit und Unabhängigkeit. Was wir reflektieren müssen, ist diese Annahme, dass Behinderung immer etwas Negatives ist, aber ohne es gleichzeitig schönzureden.“

Behinderte sind zum Armsein verdonnert
Raul Krauthausen ist es gewohnt, die Barrieren im Alltag zu umgehen. Schwieriger ist es mit den Barrieren in den Köpfen – und in der Politik. Trotz Teilhabegesetz sind Behinderte in Deutschland zum Armsein verdonnert.

Menschen mit Behinderungen, die auf Assistenz angewiesen sind, dürfen kein Vermögen ansparen, das über 2.600 Euro geht. Alles darüber hinaus würde der Staat sofort einziehen, mit der Begründung, er bezahle ja die Assistenz.

Aufklärung per Blog hat großen Zulauf
Soziale Ungerechtigkeiten und verkrampfter Umgang mit Behinderten – darüber bloggt „Rollstuhlaktivist“ Raul schon lange. Wer sich für Inklusion interessiert, landet früher oder später auf seiner Seite www.raul.de.

Das Internet macht es Menschen mit Behinderungen wesentlich leichter, sich Gehör zu verschaffen, in klassischen Medien ist das viel schwerer. „Die tauchen ja im medialen Alltag so gut wie gar nicht auf. Vor allem können auch Nicht-Behinderte ihre Ängste und Vorurteile ablegen.“

Auch Anastasia Umrik bloggt über das Leben mit Behinderung – und über viele andere Themen.
Auch Anastasia Umrik gehört zu der Szene von Bloggern, die auch – aber nicht nur – über das Leben mit Behinderung schreiben. Ihr Artikel „Die behinderte Bachelorette“ etwa ist eine TV-Parodie aus ungewohnter Perspektive.

Wie wäre es, wenn in einer Sendung wie „Der Bachelor“ plötzlich eine Frau im Rollstuhl auftauchen würde, fragt sie sich: „Ich hab in diesem Artikel einfach ein paar Dinge zusammengebracht. Zum einen habe ich auch dargestellt, wie es sein würde, wenn ich auf eine Party gehe. Wenn ich am Buffet stehe. Worauf achte ich denn überhaupt, wenn ich irgendwo reinkomme? Ich kritisiere damit natürlich auch die Medien, dass über sowas gar nicht erst nachgedacht wird, man sieht da immer noch viel zu wenig Menschen mit Behinderung in den Medien. In solchen Formaten sowieso. Gott sei Dank, einerseits, vielleicht aber auch schade. Warum eigentlich nicht?“

Anastasia braucht ständige Hilfe – und leitet einen Modeversand
Die junge Frau braucht rund um die Uhr Hilfe von Assistentinnen. Und spannt diese auch schon mal für den Modeversand ein. Anastasia leitet zusammen mit einer Freundin das Designlabel InkluWas. Mit Logos in Gebärdensprache etwa wollen sie Zeichen für Vielfalt setzen. Ihren eigenen Weg musste Anastasia sich erst erkämpfen.

Bis sie 16 war ging sie auf eine Sonderschule, hatte kaum Kontakte zu Nichtbehinderten. Erst in der Ausbildung ging für sie das echte Leben los. Wie man Hürden meistert, die viele Menschen gar nicht kennen, beschreibt sie in ihrem Blog. Sie versteht ihn als ihren Beitrag zur Inklusion: „Weil ich über Welten und Erlebnisse erzähle, die anderen Menschen ohne Behinderung verborgen bleiben. Das sind einfach alles so intensive Punkte, die viele Menschen nicht erleben und die durch mich neue Welten kennenlernen dürfen.“

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