Du bist Deutschland 2.0 und die Crux mit den Randgruppen

Als ich den neuen Spot der „Du bist Deutschland“-Kampagne zum ersten mal sah, erinnerte ich mich spontan an einen Imagespot von Deutschland auf der Expo2000 in Hannover. Dort sah man eine glückliche Gesellschaft, die in einem Hof tanzt. Das interessante jedoch war, dass plötzlich ein Kind auftauchte, das symbolisch für alle Gruppen, die unter der mangelnden Gleichberechtigung leiden, herhalten musste. Es war ein Mädchen, asiatischer Herkunft, im Rollstuhl. Das wirkte auf mich sehr gekünstelt, übertrieben und irgendwie too much.

Jedoch kommen mir beim „Du bist Deutschland“-Spot, im Vergleich zum Expo-Film (ich habe ihn bei YouTube nicht gefunden), einige (Rand)Gruppen zu kurz:

1. die Kinder mit nur einem Elternteil,
2. Kinder mit Migrationshintergrund, und
3. Kinder, deren Eltern evtl. homosexuell sind
4. Kinder mit Behinderungen.

Bei letzterem frage ich mich ob das Kind im „Du bist Deutschland“-Spot (Minute 1:11 im oberen Video) und in der unteren Anzeige Down-Syndrom haben:

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Du bringst unser ganzes Leben durcheinander.
Seitdem du da bist, ist Rambazamba angesagt. Und wir lernen von dir täglich Neues: wie man die kleine Schwester mir nichts, dir nichts zum Lachen bringt. Wie man Papa ganz entspannt im 100-Meter-Freistil-Schwimmen schlägt. Oder wie man die schrägen Blicke der anderen ganz einfach überlächelt. Langsam fangen wir an, die Welt mit deinen Augen zu sehen:
Und endlich macht alles Sinn.

Weitere (berechtigte) Kritikpunkte an der „Du bist Deutschland“-Kampagne gibt es beim Werbeblogger.

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  1. Hui, wie gruselig. Das kann man sich ja kaum ansehen. Und die eigentlichen Gründe, warum in Deutschland so wenig Kinder geboren werden, werden gar nicht angesprochen: Kinderbetreuung, Karriereknick, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, familienunfreundliche Arbeitgeber etc. Da würde dann aber der Slogan besser passen: „Du bist Deutschland.“

  2. Ja, da gebe ich dir vollkommen Recht. Das ist auch einer der Kritikpunkte von den Werbebloggern. Ich wollte einfach mal eine andere Schublade der Kritik aufmachen. Nämlich die, der (notwendigen?) Präsenz von Randgruppen in solchen Spots.
    Ich habe da noch keine wirkliche Meinung. Denn die Aktion Mensch-Spots widern mich auch irgendwie an. Neulich habe ich einen Spot im Kino gesehen, der warb für eine bessere Integration von Menschen mit Behinderung. Der war so grottenschlecht, das ich mich für meine Behinderung geschämt habe.

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