Ein paar ernste Worte über mich und meine Behinderung

Als ich den Monogamie-Artikel von Jeck las, kam ich ins grübeln. Ich fand es beeindruckend, wie persönlich er über sich schreibt und beschloss es auch mal zu tun. Allerdings zu einem anderen Thema als Monogamie, Polygamie.

Einem Rollstuhlfahrer wie mir gehen tausend andere Fragen durch den Kopf. Kann ich mir diese Monogamie-Frage überhaupt leisten? Schließlich bin ich seit Jahren Single. Irgendwas scheint da nicht zu klappen. Aber was?

Liegt es an meinem Charakter? Liegt es an meinem unvollkommenem Aussehen. An den Problemen, die es mit mir als Partner, geben könnte? Liegt es an der Angst, man könnte mit mir etwas verpassen?

Wenn ich so durch die Stadt fahre und behinderte Menschen Arm in Arm mit Nichtbehinderten sehe, dann fällt mir immer wieder auf, dass es meist die Frau ist, die ein Handicap hat.
Ok, es gibt behinderte Männer mit nichtbehinderten Frauen. Aber da ist es dann häufig so, dass ein Unfall oder eine Krankheit den Mann trafen. Selten sind es angeborene Behinderungen, wie bei mir.

Wahrscheinlich ist es ein gesellschaftliches Phänomen. Die Frau, das angeblich „schwache Geschlecht“, ist zierlich und muss beschützt werden. Da macht ein Rollstuhl dann auch nicht mehr viel aus. Männer hingegen müssen stark und die Beschützer sein. Leider bin ich nicht stark…

In der Vergangenheit wurde ich bisher nur von behinderten Frauen verehrt.
Es lief auch auf Beziehungen hinaus. Aber ich stellte immer wieder fest, dass ich keine Beziehung mit einer Person haben möchte, die behinderter ist als ich. Soviel steht fest. Ich finde es anstrengend, wenn man im eigenen Saft schwimmt und es sich mit seinen Problemen bequem macht. Wenn beide Partner eingeschränkt sind, dann wird das schnell Thema in der Beziehung. „Wie fühlst du dich damit?“, „Schade, dass wir xy nicht unternehmen können.“, „Das ist zu kompliziert mit unseren Rollstühlen.“, „Wie machen wir das mit dem Sex?“ Etc. pp.

Kurz: ich suche jemanden, der mein handicap ausgleicht, statt zu verstärken. Ich bin ein spontaner, flexibler und kreativer Mensch.

Nur, bin ich jetzt ein Arsch, weil ich selber eine so festgefahrene Meinung habe? Kann ich Nichtbehinderte verurteilen, wenn sie genauso denken, wie ich? Wohl eher nicht.

Wie ist mein Marktwert?
Letztendlich stelle ich mir die Frage, ob ich überhaupt bei Frauen eine Chance habe. Ich habe echte Zweifel. Schließlich sind es ja die äußeren Merkmale, auf die wir als Erstes achten. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass ich nur für das was ich tue bewundert werde. Nach dem Motto: „Raul, ich finde das aber toll, wie du das alles (trotz deiner Behinderung) schaffst.“.
Aber, was finden andere an mir schön? Wenn es heißt „Ui, guck mal, der ist aber süß.“ ist immer von meiner Körpergröße die Rede. Nie mein Gesicht, mein Lächeln oder so.

Gibt es Menschen da draußen, die mein Aussehen „schön“ finden und/oder sich darin verlieben könnten? Gibt es Menschen, die sich in meine inneren Werte verlieben und meine Behinderung „in Kauf nehmen“ würden?

Was denken meine Freundinnen über mich, wenn sie mich sehen? Fällt denen meine Behinderung noch auf? Warum bin ich immer nur deren bester Freund? Ich könnte ja auch mehr wollen…
Hat vielleicht gar schonmal jemand mehr für mich emfpunden als er vorgegeben hat?

Ich weiss es nicht.

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  1. Interessantes Thema, Raul. Nenn mich naiv, aber ich glaube fest daran, dass es für jeden Topf einen Deckel gibt. Ich hatte vor meinem Freund nur nicht behinderte Freunde und als ich ihn kennen lernte, konnte er auch noch relativ gut sehen. Unterdessen ist er blind und ich habe gelernt, dass die Frage „behinderter Partner oder nicht?“ gar nicht wichtig ist. Es muss der richtige Partner sein. Wer gibt Dir die Garantie, dass Deine nicht behinderte Freundin nicht doch irgendwann behindert wird? Oder dass Deine weniger behinderte Freundin irgendwann einen Schlaganfall bekommt?

    Eine weitere Erfahrung, die ich gemacht habe ist, dass man nur geliebt und begehrt wird, wenn man sich selber liebt und leiden mag. Denn man strahlt das aus – ob behindert oder nicht. Ich könnte zum Beispiel nie mit jemandem zusammen sein, der seine Behinderung nicht akzeptiert hat.
    Ich weiß nicht warum, aber ich habe schon als Teenager daran geglaubt, dass ich einen netten Freund finde und war auch ab dem 13. Lebensjahr selten solo.

    Und meine Erfahrung seitdem ist: Alle (nicht behinderten) Männer, die sich aufgrund meiner Behinderung nicht für mich interessiert haben, waren es auch nicht wert, ihnen nachzutrauern. Spreu und Weizen trennen sich bei behinderten Menschen früher als das bei nicht behinderten Menschen auf Partnersuche der Fall ist. Aber das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Alle Freunde, die ich hatte, waren nette Menschen und ich kann nicht sagen, jemals an ein A…. geraten zu sein.

    In diesem Sinne, ich bin sehr optimistisch, dass auch Du noch den richtigen Deckel findest. Warum auch nicht?

  2. Hallo Christiane.
    Danke für deinen Kommentar. Ich glaube nicht, dass du naiv bist. Im Gegenteil. Ich finde es schön, dass du andere Erfahrungen gemacht hast. Das gibt Hoffnung. Ich glaube allerdings, dass das bei Frauen etwas anders ist. (siehe Artikel)

    Womöglich hast du auch Recht mit der Aussage, dass es egal ist ob der oder ide Partnerin behindert ist. Ich will das alles ja auch nicht 100%ig ausschließen. Bisher habe ich halt andere Erfahrungen gemacht.

    Vermutlich hast du sogar recht, dass man erst sich selbst lieben muss, bevor andere einen lieben können. Ich sag mal so: ich arbeite daran.

    Ich hoffe es kommt hier kein Eindruck einer Megadepression hoch. Neee, ich war nur nachdenklich. Im Grunde bin ich recht zufrieden mit dem, was ich so mache, gemacht habe und wer ich bin.

    Man soll ja bekanntlich auch nicht suchen, sondern finden…

  3. Das mit dem Finden statt zu suchen ist, glaube ich, das Erfolgsrezept. Wer zu sehr sucht, nimmt den / die Erstbeste/n. Dass ich ne Frau bin, ist ja eher ein Nachteil als ein Vorteil statistisch. Es gibt erheblich mehr behinderte Männer in einer Beziehung als Frauen. Habe ich mal in irgendeiner Studie gelesen und ist auch meine Erfahrung. Aber was heißt das schon? Wie gesagt, glaube an Dich selbst als den perfekten Partner und dann findest Du den richtigen Deckel. ;-) Und das Flirten nicht vergessen…

  4. „Marktwert“

    Das ist ein total beklopptes Wort, weil es Menschen zu berechenbaren Größen in einem freien Börsensystem macht.

    Manchmal hab ich aber tatsächlich das Gefühl, dass es genau darum geht…

    „Hat vielleicht gar schonmal jemand mehr für mich empfunden als er vorgegeben hat?“

    Das ist immer die spannendste Frage. Ich habe gerade ein Paar kennengelernt, die erst kürzlich zusammen gekommen sind, aber vor acht Jahren schon einmal ineinander verschossen waren – ohne dass es einer von beiden mitbekommen hat…

  5. 1. Stärke ist keine Knochenfrage.
    2. Schönheit ist weißgott nicht immer eine Frage des ersten Eindrucks.
    Das klingt jetzt beides ziemlich platt, sorry.
    Ich habe 2 Jahre mit einem Freund und seiner behinderten Freundin in einer WG zusammengelebt. Die Dame war extrem tough und hat definitiv keinen Beschützer gebraucht, eher wars andersrum. Und Spass im Bett hatten sie glaub ich auch, zumindest ließ der gelegentlich durch 2 dicke Altbautüren dringende Lärm darauf schließen ;-)
    Die Frage nach dem Marktwert gibt mir auch zu denken. Das Wort impliziert das Prinzip von Angebot und Nachfrage, es geht davon aus, dass Du ein paar Eigenschaften mitbringen mußt, um von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit profitieren zu können, dass jemand Dich haben will. Sprich: für den knackigsten, makellosesten Apfel wird sich schon ein Käufer finden. Was mir daran nicht gefällt: das quantitative Prinzip. So funktioniert Liebe nicht. Nur weil sich mehr Leute auf der Strasse nach Heidi Klum umdrehen, heißt das noch lange nicht, dass sie deswegen leichter glücklich wird. Vermutlich eher im Gegenteil.
    „Marktwert“ läßt vermuten, Dir gings darum, einfach nur eine abzukriegen. Und das würde mich bei Raul „Ichsehdaskritisch“ Krauthausen doch sehr wundern ;-)

  6. Hey, ich finde das lustig, dass ihr alle so auf dem Wort „Marktwert“ hängen bleibt. Vielleicht hätte ich es in Anführungsstriche setzen sollen, um die Ironie zu kennzeichnen. Ihr wisst doch alle, dass ich aus der Werbung komme und da gefiel mir die Assoziation zwischen Angebot und Nachfrage.
    Matthias, wenn ich dich richtig verstehe, dann sollte ich eher im „long tail“ erfolg haben als im Mainstream? :-)

  7. Hallo Raul, Ich finde nicht nur Deinen schlauen Kopf attraktiv, sondern auch Dein Lachen, Humor und Deine Erscheinung. Mir fällt Deine Behinderung kaum noch auf (ich werte das positiv). Vielleicht eben weil Du eine Stärke und Lebensfreude ausstrahlst, die von innen kommt. Auch wenn das „bloß“ freundschaftlich gemeint ist, kann ich Dir sagen: Ich denke, Du hast eine Wirkung auf Frauen, die jenseits von „süß“, oder „ist ja toll, was der trotz Behinderung kann“ ist.
    Gruß von Sozialhelden Lisa

  8. also ja, du bist ein arsch. du lehnst eine beziehung mit einer behinderten frau nämlich aus den gleichen oberflächlichen gründen ab, wie möglicherweise die frauen, die du verehrst. die gründe „schade, dass wir xy nicht machen können“, „wie ist das mit dem sex“ etc. ergeben sich nämlich nicht nur für dich mit einer partnerin, die zb auch im rollstuhl sitzt, sondern natürlich auch mit einer partnerin, die nicht behindert ist. du kannst nicht so tun, als wärst du groß, stark, überhaupt nicht süß und als käme es allen frauen nur auf oberflächliche attribute an. geklappt hat es vielleicht nicht aus anderen, persönlicheren gründen. welche das sind, weiß ich nicht, aber wir können dich gern in einer cocktailseeligen nacht in grund und boden analysieren..

  9. also meine ganz persönliche erfahrung ist, dass es nicht immer nur an den menschen liegt, die eine beziehung haben/versuchen, wenn es nicht klappt.
    und es liegt auch nicht nur an den beteiligten partnern, wenn es nicht zur beziehung kommt.
    das ist jetzt ziemlich kryptisch, aber ich kanns nicht besser erklären.
    ein beispiel vielleicht: ich war noch jünger und ziemlich verknallt in so einen kerl. der mochte mich auch. und nach ungefähr 3 monaten nächtlichen gesprächen haben wir sogar was miteinander angefangen. nach nur einer woche hat er allerdings festgestellt, dass er noch zu oft an die ex denkt und im vergleich dazu zuwenig oft an mich.
    tja was soll ich sagen. ungefähr ein jahr später haben wir uns nochmal getroffen und ich würd sagen, wenn ich da nicht schon in meinen jetzigen freund verknallt gewesen wäre…

    also nase in die luft (kopf hoch klingt blöd),
    ich war auch einer von den „schweren fällen“, die nie was auf die reihe bekamen und jetzt – na du weißt ja selber

    deine karin

  10. du schreibst „Schließlich sind es ja die äußeren Merkmale, auf die wir als Erstes achten.“ -> das gilt vor allem für Männer, würde ich sagen. Ich könnte jedenfalls nicht sagen, dass mich das Aussehen eines Mannes je länger als eine MInute hätte täuschen können. Glaube ich. Insofern ist es ein schöner Bonus, wenn jemand gut aussieht, aber danach such ich mir mit Sicherheit keinen Mann aus. Abgesehen davon kennst du meine Meinung zu dem Thema glaube ich ganz gut.

    du schreibst „Gibt es Menschen da draußen, die mein Aussehen “schön” finden und/oder sich darin verlieben könnten? Gibt es Menschen, die sich in meine inneren Werte verlieben und meine Behinderung “in Kauf nehmen” würden?“
    Ich glaube, du kennst die Antwort. :)

    Ich bin übrigens seit 32 Jahren Single und nicht behindert. Liegt es daran, dass ich ein Charakterschwein bin? *lach*

    Ich lass dir ganz liebe Grüße da :)

  11. Dein Artikel strotzt nur vor Polemik und Selbstmitleid – und die Kommentare sollen dir jetzt sagen, dass du doch ein ganz Toller bist und eine normale Frau sich gaaaaanz bestimmt i dich verlieben kann. Das ist doch Quatsch. Karten auf den Tisch: warum sollte sie? Kein normales Leben, kein Sex, kein laufen über Blumenwiesen – das ist der erste Eindruck. Dann muss sie dich kennenlernen und nichts ist mehr ausgeschlossen! Also vielleicht noch nicht mal die Liebe. Aber was willst du hier eigentlich hören? Dass du ganz normal bist? Bist du eben nicht und wenn ich deine Zeilen lese, dann möchte ich mioch sponatn übergeben und dich fragen, was denn so toll und einzigartig an dir ist, außer dass du „es ja schaffst damit zu leben“. Du beschränkst dich doch selbst nur auf deine Behindrung und musst nicht wie die meisten anderen auf von Äußerlichkeiten und Charaktereigenschaften achten, weil du dich schon immer auf deine Behinderung „verlassen“ kannst. Niemend sagt dir seine Meinung, du tust ihnen leid. Wenn du also mal normal behandelt werden willst und eine nichtbehinderte Freundin haben willst, dann sein nicht so überheblich , sondern lass selbst alles zu, auch behinderte Frauen.

  12. Hui, das hat aber gescheppert, Zuckermaus. Mir geht es hier nicht um Mitleid sondern um Ehrlichkeit. Ich wollte die Karten einfach mal auf den Tisch legen, um eine solche Debatte hier zu haben. Daher danke für deinen Kommentar. Ich weiss nicht, ob die Leute, die vor dir kommentiert haben „alles wird gut“ sagen wollten. Das glaube ich nicht. Das es mit Behinderung schwieriger ist, wissen sie ja auch. Aber darum geht es mir garnicht.
    Es ging mir einfach nur darum, mal ein Tabu zu brechen und das Thema hochzuhalten.
    Ich denke nicht, dass ich hier irgendwas beweisen muss. Der Artikel beleuchtet zwar ausschließlich das Thema Behinderung, das Blog als ganzes jedoch zeigt auch meine anderen Seiten. Vielleicht bin ich für einige arrogant, überheblich oder gar ein Idiot. Das kann ich nicht selber beurteilen. Aber 100%ig ausschließen kann ich es nicht, ebensowenig, wie eine behinderte Freundin zu haben.

  13. Der Gedanke, dass man keinen Partner abbekommen könnte/sollte (!), weil [persönlichen Grund einsetzen] ist übrigens glaube ich ziemlich normal für Menschen, die nicht alles Unangenehme und Unschöne in ihrem Leben verdrängen und mit allem supergut umgehen können. Ob jetzt mit Behinderung oder ohne. Ziemlich viele Leute denken so über sich, glaube ich. Und gehen dann einfach trotzdem drauf zu. Oder auch nicht. Also, weißt du was ich sagen will? Ich glaub ich drück mich grad wieder nicht ordentlich aus. Solche Gedanken sind einfach mal überhaupt nicht auf Behinderung beschränkt. Sondern menschlich. Finde ich.

    Ich würde übrigens auf gar keinen Fall wollen, dass sich jemand in irgendwas anderes als in meine inneren Werte, meine Seele, das was ich wirklich bin, verliebt (was ja nicht ausschließt, dass der Körper auch geliebt ist, aber es darf halt nicht die Hauptsache sein a la „du hast geile Titten, willst du mich heiraten“). Ich meine, das ist schwierig bei Männern, wie gesagt, weil die erfahrungsgemäß und ehrliche-Antworten-gemäß ziemlich auf die Optik fixiert sind… aber da muss es auch Ausnahmen geben. NOCH glaub ich dran. ;)

    [Zuckermaus, ich glaube du musst mal nachgucken, was Polemik bedeutet. :) ]

    PS: Raul, Seelenstriptease im Internet ist gefährlich… aber das Gute ist, dass halt Feedback kommt, gell!? Lass dich auf jeden Fall nicht von Leuten wie Zuckermaus davon abhalten, wenn du das Bedürfnis danach hast, dich dadrüber auszutauschen. Schließlich kriegt man nur neue Perspektiven, wenn man ne Basis für ein Gespräch über die eigene Perspektive schafft. Und das hast du gemacht. :)

  14. Letztendlich stellst Du nicht anderes als die Frage: Wie weit ist es mit der romantischen Liebe eigentlich her? Ich finde das ziemlich gut, weil dass eine Frage ist, aus der sich Menschen in „normalen“ Situationen immer ziemlich gut rauslavieren können. „Klar, liebt der/die mich für meine inneren Werte.“ Aber sind die alleine hinreichend? Ich glaube nicht. Harold und Maude ist und bleibt nicht mehr als ein schöner Film – „Wir sind mit Filmen groß geworden, ich glaube das hat uns verdorben“, stellte good old Funny sehr treffend fest.

    Wenn da was dran ist an den „inneren Werten“, könntest Du Dich wohl kaum vor Frauen retten, denke ich. Nein, da bin ich überzeugt von.
    Ich komme aber zu dem Schluss, dass wir doch nur Bonobos sind. Ob wir wollen oder nicht. Jeder sucht sich den Partner, der die besten Reproduktionschancen verspricht. Mit gewissen Abstrichen natürlich. Gesellschaftlicher Fortschritt, romantische Liebe ist ja noch kein allzu altes Konzept, hat uns da noch nicht wirklich weiter gebracht. Im Gegenteil: Die Postmoderne hat dazu geführt, dass die Mannigfaltigkeit an Deckeln und Töpfen so groß geworden ist, dass auch für Leute die ins Raster primatischer Partnersuche passen das Matchen immer härter wird. Und so greifen sie zu kommunikativen Rollstühlen wie parship.de

    Das klingt alles ziemlich trostlos, ich weiß. Aber Sozialhelden-Style ist es ja einen ersten Schubs dahin zu geben, dass die Gesellschaft da vielleicht weiter kommt. Die Diskussion zeigt, ja, dass das Thema Potential hat. Und auch da möchte ich wieder unseren großen Meister zitieren:
    „Wir sollen versuchen Menschen zu werden, denn Affen sind wir ja schon“

  15. Huh, was ist denn hier los? Warum so agressiv, Zuckermaus? Ich finde nicht, dass Raul fishing for compliments macht, sondern er schreibt sehr ehrlich, was ihn bewegt. Selbstmitleid sieht anders aus.

    Ich muss mich Kerstin anschließen, die so schön schrieb: „Ich könnte jedenfalls nicht sagen, dass mich das Aussehen eines Mannes je länger als eine Minute hätte täuschen können.“ Und umgekehrt war es genauso: Mich hat noch keine Äußerlichkeit abgeschreckt, wenn ich den Mann umwerfend fand. Manchmal wirft man alle Vorstellungen über Bord, wenn man DEN Menschen trifft. Vielleicht hast Du den einfach noch nicht getroffen.

  16. gegen zuckermaus bin ja selbst ich sensibel ;) aber ich muss mich ihr anschließen, mit dem kleinen unterschied, dass ich auch deine netten seiten kenne. vielleicht brauchst du auch mal einen arschtritt, weil du dich selbst behinderst..?

  17. <

    blockquote cite=“Aber ich stellte immer wieder fest, dass ich keine Beziehung mit einer Person haben möchte, die behinderter ist als ich. Soviel steht fest. Ich finde es anstrengend, wenn man im eigenen Saft schwimmt und es sich mit seinen Problemen bequem macht. Wenn beide Partner eingeschränkt sind, dann wird das schnell Thema in der Beziehung. “Wie fühlst du dich damit?”, “Schade, dass wir xy nicht unternehmen können.”, “Das ist zu kompliziert mit unseren Rollstühlen.”, “Wie machen wir das mit dem Sex?” Etc. pp.“>

    Ist das nicht aber der Grund dafür für dein Singledasein ? Du kannst doch nicht von anderen Menschen einfordern, was du dir nur schwer vorstellen kannst!
    Ich selbst lebe mit einer Behinderung und kenne die im Blogeintrag geschilderte Problematik nur zu gut.
    Man selbst fühlt sich nicht anders und hofft natürlich auf einen Partner, der vital und gesund ist.
    Aber ich verstehe auch die Menschen ohne Behinderung, gerade wegen den von mir rezitieren Absatz.
    Man kann nichts im Leben erzwingen.. Und genauso wenig darf man einfordern, was man selbst nicht in der Lage ist zu geben…

  18. Dies erinnert mich an den film Simon Birch ein Film über einnen minderwüchsigen Jungen, da sagte ein Mädchen über Simon „Der ist so süß!“ und Simons Kumpel meinte „hast du gehört, sie findet dich süß“.
    daraufhin hat Simon traurig geandwortet „Ja so süß wie eine Babyschildkröte, aber sie würde nie eine Babyschildkröte küssen“.

  19. Auch wenn der Originalpost schon einige Jahre alt ist, möchte ich gern trotzdem was dazu schreiben – und auch ganz persönlich.

    Was die Probleme und die Angst, etwas verpassen zu können, angeht, meine ich, das kommt darauf an, was für eine Einstellung zum Leben man hat. Ich hatte über 20 Jahre lange eine ganz enge Freundin. Sie hatte spinale Muskelatrophie (Muskelschwund) und war von ihrem 3. Lebensjahr an im E-Rolli. Habe ich mit ihr manches „verpasst“? Sehe ich nicht so. Rede ich auch nicht schön. Ist einfach nicht so. Konnte ich manche Dinge mit ihr nicht machen – z. B. Kanu fahren? Ja. Aber das kann ich mit manch anderen – Nicht-Behinderten – auch nicht. Die einen haben das Geld nicht und kein Auto, der nächste kann nicht schwimmen, der dritte meint, er ist zu dick fürs Kanu. Jeder hat irgendwas. Und mit jedem „verpasse“ ich was, genauso wie ich auch mit jedem was ganz Eigenes dazu bekomme. Meine Freundin von damals konnte unglaublich gut kochen zum Beispiel. Das „verpassen“ Männer definitiv mit mir. :-)

    Ich glaube, mit den vermeintlichen Problemen ist es nicht anders. Jeder bringt seinen eigenen – vielleicht ja auch unperfekten – Körper mit, seine Gesundheit und/oder Krankheit(en), seine Lebenserfahrungen, die aktuelle Lebenssituation etc. Und je nachdem, bringt man auch ganz spezifische Probleme mit, die dann auch Teil der Beziehung werden.

    „In der Vergangenheit wurde ich bisher nur von behinderten Frauen verehrt.“

    Das ist eine ganz ehrlich gemeinte Frage: Woher weißt du das? Vielleicht waren da schon nicht-behinderte Frauen, die dich verehrt haben. Vielleicht haben sie sich nicht getraut, es dir zu sagen? Vielleicht waren sie unsicher? Schließlich hast du ganz schön Power, mit all dem, was du so bewegst – und übrigens auch ziemlich Ausstrahlung. Und die kommt nicht nur von dem, was du tust. Da gehört doch immer auch Aussehen dazu.

    „Es lief auch auf Beziehungen hinaus. Aber ich stellte immer wieder fest, dass ich keine Beziehung mit einer Person haben möchte, die behinderter ist als ich. Soviel steht fest. Ich finde es anstrengend, wenn man im eigenen Saft schwimmt und es sich mit seinen Problemen bequem macht. Wenn beide Partner eingeschränkt sind, dann wird das schnell Thema in der Beziehung. „Wie fühlst du dich damit?“, „Schade, dass wir xy nicht unternehmen können.“, „Das ist zu kompliziert mit unseren Rollstühlen.“, „Wie machen wir das mit dem Sex?“ Etc. pp.“

    Vor einiger Zeit habe ich einen Mann gedated, mit angeborener Körperbehinderung, die u.a. Auswirkung aufs Laufen hatte. Mehr möchte ich dazu nicht öffentlich schreiben. Ich fand ihn wirklich toll, auch körperlich anziehend. Irgendwann kam dann die Trennung von seiner letzten Freundin zur Sprache und er meinte, er möchte schon lieber jemand, der mobiler ist als sie.
    Tja, saublöd, dass man mir meine leichte Gehbehinderung nicht ansieht! Die mir Schmerzen macht und mit der Zeit nicht besser wird. Die mich vielleicht irgendwann mal zu Hilfsmitteln zwingen wird.

    Er hat auch ähnliche Dinge gesagt wie du. Ich kann manches auch nachvollziehen. Dass es z. B. schwierig sein kann, sich Nähe zu geben, wenn beide im E-Rolli sitzen. Dass man sich also nicht „einfach so“ für jemanden entscheidet, der behinderter ist, als man selbst, verstehe ich. Wenn ich so etwas höre, wirft das für mich aber trotzdem Fragen auf. Nämlich z. B.: Was macht er denn, wenn ich mal… einen Unfall habe, behindert werde, arbeitslos werde, krank werde? Mit wenig Geld kommen solche Probleme auch auf, oder wenn man an bestimmten Krankheiten erkrankt, kann man vielleicht keinen Sex mehr haben oder nicht mehr so wie vorher. Da sieht man sich dann denselben Problemen gegenüber: „Schade, dass wir xy nicht unternehmen können.“, „Das ist zu kompliziert mit unseren Rollstühlen.“ , „Wie machen wir das mit dem Sex?“

    Ich wünsche mir einen Partner, der bereit ist, sich auf mich und eine feste Beziehung einzulassen – die dann eben auch Kompromisse beinhaltet und Verbindlichkeit, von beiden Seiten.

    „Letztendlich stelle ich mir die Frage, ob ich überhaupt bei Frauen eine Chance habe. Ich habe echte Zweifel. Schließlich sind es ja die äußeren Merkmale, auf die wir als Erstes achten. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass ich nur für das was ich tue bewundert werde. Nach dem Motto: „Raul, ich finde das aber toll, wie du das alles (trotz deiner Behinderung) schaffst.“.“

    Ich glaube nicht, dass alle auf die äußeren Merkmale zuerst schauen. Zum Beispiel fällt mir immer zuerst die Ausstrahlung eines Menschen auf.

    „Aber, was finden andere an mir schön? Gibt es Menschen da draußen, die mein Aussehen „schön“ finden und/oder sich darin verlieben könnten? Gibt es Menschen, die sich in meine inneren Werte verlieben und meine Behinderung „in Kauf nehmen“ würden?“

    Augen, Lächeln, Ausstrahlung, Haare, Hut. Das Foto da oben finde ich total sympathisch. Und: ja.

  20. Hallo ,
    Ich will ehrlich zu dir sein! Als behinderter Mensch eine nicht behinderte Frau zu bekommen ist wie ein sechser im Lotto! Ausser du bist reich! Es ist achon schwer für einen nicht behinderten und wenug attraktiven Mann eine halbwegs vernünftige Frau abzubwkommen.und genauso ist das bei behinderten Frauen zns nicht behinderten Frauen die nicht sehr attraktiv sind.Ja diese Leute haben es im Leben sehr schwer! Aber dafür haben solche Menschen andere tolke Fähigkeiten? Konzentriere dich auf das was du am besten kannst und hab Spaß am leben! Dadurch lernst du neue Menschen kennen und vielleicht auch lieben…aber eine Frau ohne Handicap für dich zu begeistern wird schwer…

  21. Hm, wo fange ich an? Am besten damit; es gibt einen wunderschönen Text von Horst Schroth, wo er so erzählt, und dann:

    „… aber dann kommen diese Alltagsphilosophen, erzählen ein solchen gequirlten Quatsch –
    in der Liebe spielt das Geld keine Rolle
    in der Liebe spielt das Aussehn keine Rolle
    in der Liebe spielt das Alter keine Rolle
    … s find ich toll !
    Ich persönlich habe noch niemals eine schöne junge Frau gesehn, die sich in n hässlichen alten Mann verliebt hat, der auch noch total pleite war –
    wäre mir neu !“

    Mir auch. Ich war nie ein Frauentyp, und 3 nacheinander folgende Behinderungen vereinfachten die Situation auch nicht wirklich. Außer mit viel Geld glaube ich nicht daran, daß man eine Frau überzeugen könnte.

    Und jetzt kommt das Schräge; obwohl mehrfach schwerbehindert, fühle ich mich in Gegenwart anderer Behinderter teilweise immer noch … ratlos bis unwohl. Vielleicht ist meine Sammelbehinderung immer noch nicht bei mir angekommen, aber mir wäre eine Frau „ohne“ lieber. Aber ich bin mir auch bewusst – das wird nichts mehr. Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand so masochistisch veranlagt sein kann, „daß sie sich in n hässlichen alten Mann verliebt, der auch noch total pleite ist …“

    Gleich und gleich gesellt sich gern – vs – Gegensätze ziehen sich an. Heute favorisiere ich die 1. These – und lehne sie in diesem speziellen Bereich innerlich ab. So oder so, was könnte ich denn noch bieten; mich? Ey, das reicht nicht mal mir selbst.

    Wenn sich sowas mal ergäbe, würde ich zuerst das Loch im Universum suchen, das mich in diese Unwahrscheinlichkeitsebene geführt hat. Ob ich die Situation annehmen würde, obwohl ich sie herbeisehne – das ist alles andere als sicher.

    Generell denke ich, daß Menschen wie wir dahingehend NULL Chancen haben. Evolutionsmäßig vollkommen normal, sind wir aber doch (leider) mit mehr als Evolution belastet; Gefühle, Sehnsüchte – und der inneren Erkenntnis: das wird so nix mehr. Auch wenn manche suchen; insgeheim wissen sie es besser.

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