Rampen sind auch nur Übergangslösungen

Zurzeit suchen 200 Rampen neue Stufen zum Anlehnen, und wir SOZIALHELDEN vermitteln sie. Jeder Laden kann sich bewerben, um bei „Tausendundeine Rampe“ dabei zu sein. Die Rampen sind aber auch nur ein weiterer Schritt zu mehr Barrierefreiheit, und es müssen noch viele Möglichkeiten folgen, findet Raul Krauthausen, der Mitinitiator der Aktion.
Letztens kam ein Kollege ins Büro und meinte enttäuscht: „Oh Mann, gestern war ich in einem Restaurant, was schon eine Rampe hatte.“ Natürlich sollte für mich als Rollstuhlfahrer die Enttäuschung in seiner Stimme unverständlich sein, aber ich fand es auch schade. Denn seit ein paar Wochen versuchen wir die Rampen aus unserer Spendenaktion „Tausendundeine Rampe“ zu den Geschäften, Bars oder Restaurants zu bringen. Die ersten der 200 Rampen sind auch schon auf dem Weg zu ihren neuen Stufen, und wir hoffen, dass sich noch viele Besitzer melden, die auch eine Rampe haben wollen.

Wenn der Fußgängerweg im Weg ist

Nichtsdestotrotz ist das nur eine Notlösung, und ich frage mich die ganze Zeit, wie man es noch besser machen kann? Wir freuen uns natürlich über jede Zusage, aber bedauern auch jede Absage, die von Ladenbetreibern aus nicht ganz freien Stücken kommt. So haben manche Betreiber nach Rücksprachen mit dem Ordnungsamt Bedenken, dass sie eine Strafe erwartet, wenn die mobile Rampe zu lange und zu weit auf die Straße ragt. Die Bemühungen vor Ort scheitern manchmal einfach an Verordnungen. Genau wie beim Brandschutz stellt sich in diesem Fall von Zugänglichkeit versus Fußgängerweg wieder die Frage, was wichtiger ist: eine Verordnung oder ein Menschenrecht?

Zwei Lösungswege?

Aus diesen Grübeleien heraus kommen wir im Büro immer öfter zu zwei Lösungen, die vielleicht radikal erscheinen, aber auch Diskussionen anstoßen könnten. Zum einen wären da die Subventionen, dass der barrierefreie Umbau bzw. die Verbesserung der Zugänglichkeit vom Staat gefördert werden sollte. Denn wer Solarplatten auf dem Dach fördert, sollte auch Rampen bezahlen können. Und auf der anderen Seite müsste vielleicht der rechtliche Weg viel öfters genommen werden. So erzählte mir Judy Heumann, die Sonderbeauftragte für die Belange behinderter Menschen der US-amerikanischen Regierung: Dass die USA heute soweit bei dem barrierefreien Zugang sind, wurde auch oft über den Klageweg entschieden. Heute wird die Wheelmap in den USA kaum gebraucht, weil viele öffentlich zugängliche Orte rollstuhlgerecht sind.
Natürlich sind Klagen gegen Ladenbetreiber keine schöne Sache, und ich würde auch die Subventionen bevorzugen. Aber auch unsere Rampen-Verschenkaktion ist nur eine Übergangslösung, und es muss weitere Wege geben, damit wir vielleicht auch in Deutschland die Wheelmap bald nicht mehr brauchen.
Dieser Text entstand für das Inklusions-Blog der Aktion Mensch.



2 Antworten zu “Rampen sind auch nur Übergangslösungen”

  1. Ich gebe Dir recht, es ist eine Übergangslösung. Dennoch ändern Rampen etwas. Rollstuhlfahrer können erst dann am öffentlichen Leben teilnehmen, wenn sie irgendwo reinkommen. Die pure Anwesenheit fördert schon das Umdenken und damit Inklusion.
    Das Argument, man könnte von der Stadt ein Bußgeld bekommen, wenn die Rampe zu lange da liegt, halte ich für vorgeschoben. Auch die Kommune ist zur Umsetzung der UN-Kovention verpflichtet. Und wer so bescheuert ist, einen Restaurantbesitzer für 5 Minuten Rampe hinlegen zu bestrafen, dem wünsche ich eine wachsame Lokalpresse.

  2. Gerade das mit dem Vergleich USA / D bei dem Thema habe Ich letztens diskutiert.
    Eines der „Probleme“ ist da sicherlich dass bei uns hier in Deutschland kulturell bedingt und vorallem da historisch gewachsen alles ein wenig enger gebaut ist. Wenn Ich bedenke wie das mit der Barrierefreiheit hier in Kaiserslautern ist. Furchtbar.
    Auch Ich hätte gerne „amerikanische Verhältnisse“ was den Straßenbau angeht mit 2 Fahrspuren, 2 Parkspuren, 2 Grünstreifen, Bürgersteig und Vorgarten auf jeder Seite, doch das geht hier leider nicht.
    Ich glaube nicht daran dass sich an dem Problem in den nächsten 10, 20, 30 Jahren viel ändern wird.
    Grüße aus Kaiserslautern
    Philipp

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