Über Geld spricht man nicht? Doch!

Euromünzen
photo credit: Nils Geylen via photopin cc
Über die unsichtbaren Barrieren in der Bürokratie und warum mein Weihnachtswunschzettel immer länger wird.
In der Vorweihnachtszeit wird mir immer wieder bewusst, dass es eigentlich nur einen Vorteil des Erwachsenen gegenüber dem Kind gibt, der besser ist: wenn ich mir Süßigkeiten im Laden kaufen will, dann kann ich das tun. Ich brauche nicht darum zu betteln oder zu weinen oder mich ganz lange bei den Eltern einzuschleimen, bis ich einen Schokoweihnachtsmann verputzen kann. Vorausgesetzt ich habe das Geld dazu, und da hört der Spaß als Erwachsener meist schon wieder auf.

Bürokratische Hürden – auch beim Geldverdienen

In den letzten Monaten wurde ich vermehrt darauf angesprochen, wie das denn allgemein mit dem Geldverdienen bei Menschen mit Behinderungen und bei mir im Speziellen ist. Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten und schon gar nicht allgemein, weil es auch hier verschiedene Besonderheiten gibt. So hatte ich an anderer Stelle schon mal dazu geschrieben, dass es für Menschen mit Behinderungen, die eine Assistenz benötigen, zurzeit schwer ist, nicht als Sozialhilfeempfänger eingestuft zu werden. Dadurch kommt es zu bürokratischen Barrieren beim Geldverdienen, was sich in auch auf die Altersvorsorge auswirken kann.
Vom Entwurf zum großen Wurf? Hoffentlich!
Schon in der letzten Legislaturperiode wurde deswegen ein Entwurf zu einem Teilhabegesetz ins Leben gerufen, und vielleicht nimmt sich die Große Koalition des Themas an. Obwohl im Koalitionsvertrag noch nichts Konkretes zum Thema Teilhabegesetz zu lesen ist, sollten über 87.000 Stimmen nicht ungehört bleiben, die sich für eine Gesetzes-Novellierung ausgesprochen haben.
Damit sich auch was an der Armut nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ändert, hat die Christoffel-Blindenmission vor einiger Zeit mit einer Petition Stimmen gesammelt. Das Ziel dieser Unterschriftenaktion war und ist, uns für Menschen mit Behinderungen weltweit stark zu machen, in der Politik etwas zu bewegen und den Kreislauf von Armut und Behinderung zu stoppen.

Weiter geht’s – aber wie?

In den letzten Jahren sind wir bei dem Abbau von sichtbaren Barrieren ein kleines Stück weiter gekommen, und Städte wie Berlin gewinnen schon Preise für ihre Bemühungen. Bei den unsichtbaren Barrieren, wie in der Bürokratie, hat sich wenig verändert. Bestimmt auch, weil es für Betroffene nicht immer einfach ist, darüber zu sprechen. „Über Geld spricht man nicht“, aber wie kann man noch wirksamer auf das Thema aufmerksam machen? Petitionen und Unterschriftenlisten liegen den Entscheidungsträgern schon lange vor, es wurde demonstriert, und im Netz wird sich ausgetauscht. Aber wie machen wir jetzt weiter?
Weihnachtszeit ist ja bekanntlich auch Wunschzettelzeit, und so wünsche ich mir keinen Schokoweihnachtsmann von meinen Eltern, sondern einen barrierefreien Weg für Menschen mit Behinderung aus der drohenden Armut.
Dieser Text entstand für das Inklusions-Blog der Aktion Mensch.



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