Nein.

Eine junge Frau im Rollstuhl und roten Lippenstift redet los: „Ich gehe seit kurzem in eine Therapie…“ und ehe sie den Satz beenden kann folgt ein verständnisvolles, bemitleidendes Nicken. Dass der gesellschaftliche Umgang mit einer Behinderung und nicht die Behinderung selbst der Grund für seelischen Notstand sein kann – darüber denkt der Kopfnicker nicht. 

Meine Behinderung begleitet mich mein Leben lang. Sie war mein Feind und lange Jahre ein Hindernis. Man sei nicht behindert, man wird behindert – die Erkenntnis offenbart sich, sobald man das erste Mal spürt: Scheiße, ich werde kämpfen müssen, um (hier beliebig einfügen: eine Ausbildung zu machen, selbstbestimmt zu leben, das notwendige Hilfsmittel bewilligt zu bekommen und und und). 

Das allererste Scheitern an einer unerfüllten Sehnsucht verändert das Leben eines Menschen mit einer Behinderung. Es ist kein einfacher Weg und dazu nennt er sich so merkwürdig – die Inklusion. 

Ich erinnere mich an einen Ablehnungsbescheid für meinen Rollstuhl von vor drei Jahren. Ich las den Brief der Krankenkassen und weinte über die Ungerechtigkeit, für die er stand. Scheiße, ich werde kämpfen müssen. Heute sitze ich in diesen Rollstuhl und mir fällt auf, dass sich für mich mehr verändert hat als nur das. 

Ich möchte „Ja!“ zu (m)einem Leben mit Behinderung sagen – doch höre oft nur „Nein!“ und zwar seitdem ich zu fragen wage. Es geht nicht um die Verwehrung eines neuen Rollstuhls, einer umfangreichen Assistenz oder Nichtbewilligung einer gesundheitlich notwendigen beruflichen Umschulung und Folgen dessen, auch wenn diese indiskutabel sind. Dahinter stehen menschliche Bedürfnisse und grundlegende Sehnsüchte. 

Blickt man dahinter, erkennt man es: auf der tiefsten Ebene ist es immer sie – die Ablehnung, ein emotionales „Nein“ gerichtet an einen anderen Menschen. Darüber möchte ich sprechen. 

Es ist nicht gerade schwer zwischen negativen Entscheidungen und Diskussionen mit Sachbearbeitern emotional abzustumpfen. Es ist äußerst schwer, sich nicht dadurch brechen zu lassen und die eigene Würde, aber auch den Selbstwert aufrecht zu erhalten, denn die Situationen der Ablehnung sind zermürbend und anstrengend. Nixlusion. Es ist ein belastendes Erlebnis, auf alltäglicher Basis nicht ernst genommen zu werden und es verletzt einen zu spüren zu bekommen, man sei ein problematischer Einzelfall der Gesellschaft. 

Lasset es sein mit diesem „Nein!“. Ich möchte nicht kämpfen, eine gemeinsame Tasse Tee und ein offenes Gespräch auf Augenhöhe wäre mir lieber. Darum geht es in der Inklusion, oder? 



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