Déjà-vu am Griebnitzsü

Und wieder (m)eine höfliche Anfrage an die S-Bahn Berlin GmbH:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Raul Krauthausen. Ich arbeite als Programm-Manager beim rbb und stelle mir die Frage, wann die Aufzüge am S-Bahnhof Griebnitzsee wieder ordentlich und zuverlässig funktionieren.

Als Rollstuhlfahrer beobachte ich seit sehr langer Zeit, dass die Aufzüge am S-Bahnhof Griebnitzsee immer mal wieder (2-5 Mal im Monat) defekt sind. Das ist, wie sie sich sicher denken können, mehr als ärgerlich:

1. Weil Ihre Aufzugsstatus-Anzeige, nach der man sich orientieren könnte, im Internet nicht immer aktuell ist.

2. Weil ich der einzige zu sein scheine, der diese defekten Aufzüge bei Ihnen meldet. So auch heute. Ich kam um 9:30 am S-Bahnhof Griebnitzsee an, meldet ihn als „defekt“ und sah ihn kurz darauf auf Ihrer Internetseite als Störung. Soweit so gut. Als ich dann um 17 Uhr wieder auf die Website schaute, um meinen Rückweg zu planen, stand er nicht mehr auf Ihrer Seite. Ich ging also davon aus, dass er funktioniert. Fehlanzeige. Am Aufzug angekommen, hing an der Aufzugstür ein Schild mit der Aufschrift „Defekt“ und kein Handwerker war weit und breit zu sehen. Als ich in Ihrer Zentrale anrief, war die Störung nicht mehr bekannt und musste neu aufgenommen werden. Wie konnte das passieren? Offensichtlich war es ja die gleiche, von mir am morgen gemeldete Störung. Nur dass irgendjemand ihn als repariert bei Ihnen aus der Störungsliste rausnahm, ohne dass er repariert worden ist.

3. Weil meine Meldungen scheinbar nicht immer bei Ihnen ankommen (egal ob über die Notrufsäule, wo nicht immer jemand rangeht oder über Ihre Kundenhotline) und am nächsten Tag die Störungsmeldung immer noch nicht im Internet steht. Bis jetzt steht die Störung immernoch nicht auf der Website. Obwohl ich vier Mal bei Ihrer Hotline und den
Infosäulen die Störung meldete.

4. Weil es für Rollsuthlfahrer überhaupt keine weitere Möglichkeit gibt, sich über einen defekten Aufzug vorab zu informieren. Die Hotline guckt ja auch nur in’s Internet.

5. Weil es für einen Rollstuhlfahrer am S-Bahnhof Griebnitzsee überhaupt keine Alternative Möglichkeit gibt, als “zu Fuß” zum S-Bahnhof Babelsberg zu fahren, um nach Berlin zu kommen. Was soll ich denn tun, wenn mein Akku mal nicht für den großen Umweg ausreicht? Würden Sie in solchen Fällen eine Taxirechnung zahlen?

Sicher spielt das Alter der Aufzüge eine wichtige Rolle. Und das Wetter / Randalierer tun ihr Übriges. Aber ist es zu viel verlangt, wenigstens im Internet eine zuverlässige Anzeige zu bekommen?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich noch tun kann, als ständig Aufzüge zu melden, bzw. wie ich künftig stressfrei zur Arbeit kommen soll.

Daher wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir bitte mitteilen könnten, was Sie unternehmen werden, um die Servicequalität auch im Umgang mit behinderten Reisenden in Zukunft sicherzustellen. Auch journalistisch eine sehr interessante Frage.

Ich hätte 2-3 einfache Verbesserungsvorschläge die ich gerne mit Ihnen teile, wenn Sie interesse haben.

Mit freundlichen Grüßen,
Raul Krauthausen

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  1. Hat sich denn die Situation inzwischen gebessert?

    Ich kann von pseudo-rollstuhlgerechten Bahnhöfen im Rhein-Main-Gebiet auch ein Lied singen.

    Und dann wäre da noch der Rollstuhlfahrer, der neulich zusammen mit mir im Bus fuhr und an der Ausstiegshaltestelle so mutig war, den Höhenunterschied von ca. 25 cm ohne Hilfe rückwärts überwinden zu wollen. Das ging auch gut, aber dann drehte er sich zu schnell herum, um das Gleichgewicht zu halten.
    Der Busfahrer ist in diesen knapp 3 Minuten nicht mal aufgestanden.

  2. In Bilbao hat man dafür eine echt super Lösung gefunden: An jeder Metrostation befindet sich eine große Digitalanzeige, die nicht nur ausweist, wann die nächste U-Bahn kommt, sondern auch, wenn an irgendeiner Station des gesamten U-Bahn-Netzes der Aufzug ausgefallen ist. Dann weiß man spätestens bei Ankunft an der Metro Bescheid, was Sache ist, und kann sich ggf. Alternativen ausdenken.

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