Der Wahllokaltest: Tag 3 – Interview mit Guildo Horn

Guildo Horn und ich
Auf der Wahllokaltest-Tour hatte ich die tolle Gelegenheit bei einer Pizza Guildo Horn zu interviewen. Aber lest selbst 😉

Raul: Warum bist du bei der Tour dabei?
Guildo Horn: Ich war mit Sascha Decker, dem Pressesprecher der Aktion Mensch, unterwegs zum Filmfestival “Überall dabei” in Leipzig und da hat er mir von der ganzen Aktion und von euch erzählt. Ich fand das unheimlich spannend, ich mach gern Sachen von denen ich noch nicht so viel Plan habe, in die ich mich dann so reinwurschteln kann und was erfahre von der Welt. Ich fand das einfach spannend weil ich politisch auch sehr interessiert bin. Und bisher finde ich es super dabei zu sein, euch kennen zu lernen. Denn ihr bekommt Aufgaben gestellt, die andere Menschen vielleicht nicht erfahren und müsst die aber lösen, weil es sonst nicht weitergeht. Da zeigen wir ja auch mit der Tour was eigentlich Behinderung bedeutet. Denn du Raul bist ein junger, netzaffiner Mann und wirst eigentlich erst behindert, wenn das Wahllokal keinen Aufzug hat oder nur durch eine Treppe erreichbar ist. Und auch Michael und Petra sind tolle Menschen. Daher ist das hier für mich eine super lehrreiche Aktion. Und wir werden mal sehen was wir noch bewegen können.
Ich habe mich ja zu Beginn meines Bekanntseins immer gesträubt, bei so was mit zu machen. Weil ich ich fand das immer komisch, wenn sich prominente Menschen in so einen sozialen Kontext gestellt haben. Denn das bringt ja auch irgendwie einen gewissen Imagegewinn mit sich und das ist irgendwie ein ganz seltsames Konstrukt, das ich für mich eigentlich nicht haben wollte. Aber irgendwann hab ich mir gedacht: du bist du und du kannst für bestimmte Sachen einstehen. Und ich möchte mich gerne für Menschen mit Behinderung einsetzen und auf das Thema aufmerksam machen und meine Bekanntheit dafür einsetzen.

Du kommst ja auch eigentlich aus der Lebenshilfe.
Ja, das habe ich früher gemacht, aber konnte es dann irgendwann nicht mehr mit der unerwarteten Musikkarriere verbinden. Das hat mir sehr leid getan, aber Jahre später rief mich eine Band aus der Lebenshilfe an: “Hey Guildo kannst du uns helfen, wir wollen auch mal zum Grand Prix!” und das fand ich toll. Da hatte ich auch gleich wieder Blut geleckt. Jetzt bin ich froh, dass ich die Musik und das soziale Gefühl verbinden kann.
Was hast du bei der Tour gelernt?
Ich hab mich ja schon mehrfach für die Kampagne “Mehr miteinander in Bus und Bahn” in NRW in den Rollstuhl gesetzt und bin Bahnhöfe auf ihre Barrierefreiheit abgefahren. Da denkst du immer du weißt so viel, arbeitest im Behindertenbereich, aber wenn du du dann mal im Rollstuhl sitzt, dann merkst du erst mal, wie langsam das Leben wird. Wie unspontan. Wie sehr du auf Hilfe angewiesen bist und wie ekelhaft es ist, wenn du dann auf eine Barriere triffst. Das kratzt dann schon an der Würde. Und jetzt bei der Tour seh ich das auch für andere Bereiche, nicht “nur” für Rollstuhlgerechtigkeit. Die Petra hat ja sowas von Recht mit der einfachen Sprache. Denn auch für Menschen ohne sogenannte Lernschwierigkeiten könnten Reden von Politikern in einfacher Sprache hilfreich sein. Und vom Michael lerne ich auch ganz viel, was Menschen mit Sehbehinderung brauchen. Das ist sehr spannend.
Ich denke alle müssen aufeinander zugehen. Nicht nur die eine oder die andere “Seite”. Ich denke niemand wird glücklich, der nichts dafür tut. Da darf man sich nicht verstecken, da muss man offensiv nach vorne gehen. Und dann auch ein bisschen Verständnis haben für Leute, die noch nie Kontakt mit Menschen mit Behinderung hatten, die da noch keine Erfahrung haben. Da müssen beide “Seiten” aufeinander zugehen und dann kann man auch mehr von Menschen mit Behinderungen fordern. Leider haben wir das Potential noch nicht ganz entdeckt, das in Menschen mit Behinderungen steckt.

Ich und die Kollegen von Wheelmap.org halten euch hier auf dem Blog und über Facebook natürlich oder via den twitter-Hashtag „#wahllokaltest“ auf dem Laufenden:



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