Warum ich nicht mit Vertreter*innen der sogenannten “Alternative” auf einem Podium sitze!

(c) Andi Weiland | www.andiweiland.de (CC by nc)

Ich bin viel und gerne unterwegs und unterhalte mich zu Themen wie Inklusion, Vielfalt und Gleichstellung. Jede Woche sitze ich durchschnittlich auf zwei Bühnen, gebe Vorträge oder beteilige mich an Diskussionsrunden. Ich bin dankbar dafür, dass ich gehört werde und somit eine andere Perspektive einbringen kann. An diesem Freitag findet die erste Veranstaltung statt, die ich von mir aus abgesagt habe. Grund dafür ist nicht das Corona-Virus, sondern die Teilnahme eines Politikers einer angeblich alternativen Partei. 

Kurz zum Hintergrund: Vor gut zwei Monaten wurde ich zu einer Veranstaltung nach Dresden eingeladen, und da ich sehr gerne über eine inklusive Gesellschaft für die Zukunft diskutiere, sagte ich zu.

Erst Anfang dieser Woche erfuhr ich via Instagram, wer neben mir noch an der Diskussionsrunde teilnehmen würde, und als ich den Namen eines Vertreters einer sehr rechten Partei gesehen habe, wollte ich mit den Veranstaltern an einer Entscheidung arbeiten, die ganz einfach aussah: Entweder ich bleibe auf dem Podium oder der Nazi. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen radikal, aber ich möchte zwei Punkte anführen, warum ich an dieser Stelle keine Kompromisse mache.

Erstens, ich finde es Podiumsgästen gegenüber nicht fair, wenn man erst kurz vor der Veranstaltung erfährt, wer noch mit auf der Bühne sitzt, weil man sich dann nicht richtig vorbereiten kann oder, wie in diesem Fall, der eigene Name im gleichen Atemzug mit einem Nazi auftaucht. 

Der zweite Punkt ist ein bisschen ausführlicher, aber mir sehr wichtig: Mit Vertreter*innen der sogenannten “Alternative” ist kein Diskurs zu führen, weil das einzige Ziel dieser Partei ist, die demokratische Grundordnung außer Kraft zu setzen. Es geht der Partei nicht um Argumente, es geht ihnen nicht um eine bessere Zukunft für alle Menschen, es geht ihnen einzig und allein um das Aushebeln der Demokratie mit den Mitteln der Demokratie. 

Immer wieder höre ich von Veranstaltern oder auch von Talkshow-Redakteur*innen, dass man Nazi-Funktionäre doch einladen muss, um deren Positionen auch kritisch zu hinterfragen und sie dann auch “bloßzustellen” (auch das war eine Argumentation bei den jetzigen Veranstaltern). Aber genau das kann nicht passieren, weil die Partei genau dieses Prinzip annimmt und als Gewinn verbucht. Wenn sie nicht eingeladen oder wieder ausgeladen werden, dann gehen sie in die Opferrolle (“Meinungsfreiheit in Gefahr”), wenn sie eingeladen werden, nutzen sie jede Bühne nur für sich. Es ist kein Diskurs mit Vertreter*innen dieser Partei möglich, weil sie das einfach nicht wollen. Jede öffentliche Aktion ist nur ein Teil der Etablierung rechter Gedanken innerhalb der Mitte und jede Veranstaltung, jede TV-Show und jedes Interview in einer Zeitung hilft der rechten, faschistischen, menschenverachtenden Partei. Oder gab es irgendwo schon mal ein Interview, eine Diskussionsrunde oder eine Talk-Show, in der ein*e Verteter*in der Alternative für Deutschland meinte: “Stimmt, dieses Argument habe ich so noch nicht gesehen, sie haben recht”? Nein, das gibt es nicht. 

Was das Prinzip der Partei ist: Man hat vor kurzem in Thüringen gesehen, wozu die Aussagen der Partei führen. In Hanau mussten wir auf schreckliche Weise erfahren, wohin die Aufnahme der Rechten in der “bürgerlichen Mitte” durch Medien, Diskussionsrunden und Social Medien führt; wir können all dies am täglich steigenden Antisemitismus, an rechter Gewalt, Hass gegen Frauen, Minderheiten, Andersdenkenden und auch Menschen mit Behinderung sehen. Mit Vertreter*innen dieser Partei sitze ich auf keinem Podium. Es wird auch gerne das Argument genommen, dass die Partei mit durchschnittlich 20% an Wähler*innen-Stimmen wichtig ist. Aber auch da halte ich es gerne mit der Position, die auch Holger Klein vertritt (Beitrag in der Wochendämmerung), dass wir dann lieber mit den Wähler*innen über deren Sorgen sprechen und diskutieren sollten und nicht mit Funktionären der Nazis.

Meine Kollegen und ich haben einen ganz klaren Grundsatz: “Kein Fußbreit den Faschisten”, und ich halte es da mit Bodo Ramelow, der auch erst Vertretern der sogenannten “Alternative” die Hand geben wird, wenn sie die Demokratie verteidigen wollen. Und genauso sieht es auch bei mir aus: Erst wenn diese Partei die Demokratie und Menschenrechte anerkennt, sitze ich mit ihren Vertreter*innen auf einem Podium und streite leidenschaftlich über die Zukunft von Dresden, Deutschland oder der ganzen Welt.

P.S. Am Ende noch ein paar Fragen zu der Veranstaltung in Dresden: Was soll ein Mann, der auf Pegida-Demonstrationen mitläuft und Selfies von sich bei den “Demos” auf Instagram stellt, zur Zukunft von Dresden sagen? Warum unterstützen die Sponsoren die Veranstaltung, bei der jetzt Mitglieder einer Partei sitzen, von der der “Flügel” vom Verfassungsschutz beobachtet werden?

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  1. Vielen Dank für diese klare Haltung und Worte!!!
    Der ganze Artikel gibt genau das richtige Vorgehen gegen diese Nazis wieder ihnen KEINE Bühne zu bieten, die sie nur ausnutzen.
    Ich sage auch immer, die rechte AfD schafft demokratisch die Demokratie ab.
    Das spiegelt in allen klugen Argumenten Dein Artikel wieder.
    Vielen Dank!!!!

  2. Guten Abend Raul Krauthausen, besten Dank Andi Weiland für den Beitrag.
    Das ist klar, dass kann man so machen, wer wollte etwas dagegen haben, wenn sich ein gestandener Demokrat nicht auf die Bühne mit einem Rechtsextremen setzt. Nun ist die AfD aber nun einmal in Parlamenten, als Partei mit einigen rechtsextremen Mitgliedern, es ist eine Bühne, die die Parlamentarier mit anderen Parlamentariern teilen müssen, selbst wenn diese rechtsextrem sind. Ich wäre jetzt sehr unglücklich darüber, wenn die Demokraten im Parlament fern blieben, weil sie sich mit den Antidemokraten nicht auf dieselbe „Bühne“ setzen wollten. Es ist also ein Unterschied, ob ich als Bürgerin sage, ich möchte mich mit diesem und jenem Antidemokraten, Rechtsextremen nicht auf dieselbe Bühne begeben, oder ob ein Amts- oder Mandatsträger es sagt. Von einem Amtsträger, Mandatsinhaber wünsche ich mir, aktiven Widerstand, da, wo er auf Antidemokraten trifft, z. B. im Parlament. Johannes Kahrs hat doch vorgemacht, wie es geht, so kann man es machen, ohne deswegen selbst auf die „Bühne“ zu verzichten. Von politisch verantwortlichen Menschen erwarte ich bühnentauglichen Widerstand, der Privatmensch darf absagen, seine Sache.

  3. Ich habe geschrieben, als wäre der Beitrag von Andi Weiland, ich glaube er ist von Raul Krauthausen und das Foto ist von Andi Weiland.
    Sorry, verwechselt!

  4. Gut argumentiert, Herr Krauthausen,
    dem kann ich mich nur anschließen. Der alte Spruch „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ hat seine Wahrheit nicht verloren, sondern wird jeden Tag in unsäglichen Beispielen vorgeführt. Nicht umsonst ist einer der wichtigsten Ratschläge der antifaschistischen Bewegung zum Umgang mit den Rechten, zu erkennen, wann jemand in seiner faschistischen Haltung gefestigt ist (z.B. Parteifunktionär versus „Protestwähler“), und mit diesen überzeugten Rechtsradikalen jegliche Diskussion abzubrechen. Es hat keinen Sinn, man bietet ihnen eine Bühne und sie nutzen das schamlos aus.
    Schon allein die Argumentation so vieler mit der Legitimation durch den Status „gewählt““ zeigt, wie sie sich mit ihrer Argumentation in den Köpfen viel zu vieler Menschen in die „bürgerliche und demokratische Mitte“ stellen (Stichwort Selbstverharmlosung).
    Zeigen wir Haltung! Danke für die Ihre.

  5. Guten Tag Raul Krauthausen,
    bei Ihnen weiß ich ja, dass Sie eine klare gefestigte Haltung haben, wusste ich schon lange bevor Sie diesen Beitrag hier schrieben, weil ich mich ja schon länger mit Ihnen kommunikativ auseinandersetze, das genau ist ja der Grund, dass ich es weiß.
    Frauke Diebold-Napieralas Beitrag erscheint mir wenig praktikabel, denn, wie soll ich wissen, ob jemand „Protestwähler“ wäre oder nicht, wenn ich mich gar nicht erst mit ihm beschäftige. Beschäftige ich mich mit diesem gibt es zwei Möglichkeiten: Er ist überzeugter Rechtsextremer, dann wende ich mich ab, er ist als überzeugter Rechtsextremer nicht eindeutig zu erkennen, dann bleibe ich dran, in jedem Fall ist aber der Weg der Erkenntnis derjenige der intensiven Kommunikation.
    Ich kann mir deshalb schon vorstellen, wie man auch als Mensch mit einer respektablen Haltung in eine Talkshow geht, wo einer sitzt, der mir nicht behagt oder von dem ich denke, den werde ich dann verbal ablehnen müssen – das kann ich ja auch tun.
    Ich muss deswegen auch keiner „antifaschistischen Bewegung“ beitreten und finde offen gestanden auch nicht nötig, darauf hinzuweisen, in welchen Bewegungen man überall Haltung beweisen kann.
    Ich meine, das kann man schon überall – viel wichtiger ist für mich, zu überlegen, wie man dem neuen Bürger, wenn er das Licht der Welt erblickt hat, eröffnet, wie er sich später mal selbst eine Meinung dazu bildet.

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