Raul Krauthausen - Aktivist

Mein XY. Mein Geheimnis.

Heute Abend, sah ich auf dem Weg zur Videothek folgendes Plakat:

Für mich hat das Plakat einen bitteren Beigeschmack. Heißt das nun, dass man sich jetzt für seine (Hör-)Behinderung schämen muss? Oder sollte man sie gar verstecken?
Sicher lag es den Werbern fern, solche Assotiationen zu wecken. Aber leider kommt es bei mir so an. Was machen denn die, die ihre Hilfsmittel nicht verstecken können? Ich dachte ja immer, unsere Gesellschaft wäre in dieser Hinsicht etwas weiter.

9 Enlightened Replies

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  1. Antje sagt:

    Das ist geil! Solltest du drucken lassen und daneben hängen :-D. Habe das Plakat auch gesehen und war echt traurig. Dachte auch, die Gesellschaft (naja, bzw. Werbebranche) wäre etwas weiter, als au diese Art Werbung zu machen.

  2. christina sagt:

    ohne hörgeräte werde ich öfter für unaufmerksam oder begriffsstutzig gehalten. mit hörgeräten werde ich angebrüllt, so als wäre ich nicht nur taub, sondern auch noch geistig behindert. ich kann es verstehen, wenn menschen ihre behinderung nicht offensichtlich machen wollen.
    raul: wenn du könntest, würdest du deinen rollstuhl „verstecken“?

  3. raul sagt:

    Christina, ich kann dir kein 100%iges „Ja“ geben Christina. Klar wäre manches einfacher. aber er hat mich zu dem gemacht, was ich bin. und für mich schäme ich mich nur wenig.
    Mich wundert, dass auf der einen seite (siehe paralympics) Menschen mit Behinderung als „normal“ gesehen werden und andererseits (siehe Werbung) der Druck aufgebaut wird, so zu tun, als sei man als Mensch mit Behinderung normal.

  4. Christiane sagt:

    Wie cool, Raul. Super Idee. Aber es gibt ja immer öfter Leute, die sehr auffallende Hörgeräte tragen mit knalligen Farben, Mustern etc. Und auch damit werben die Hersteller. Eine Behinderung zu verstecken hat meistens nur Nachteile, führt zu Missverständnissen etc. Man muss den Leuten manchmal sagen, wie sie sich verhalten sollen, aber bislang habe ich immer die Erfahrung gemacht, dass die Leute, die offen mit ihrer Behinderung umgehen ein unbeschwerteres Leben führen können.

  5. christina sagt:

    @raul
    ich weiß was du meinst. man kann darüber streiten, ob die behinderung im endeffekt dazu geführt hat, dass positive charaktereigenschaften verstärkt werden oder sogar körperteile (in meinem fall die anderen sinne) besser funktionieren. wie aber ist das mit menschen, die eine behinderung erst erwerben und damit die mit ihr verbundenen „vorteile“ nicht haben? denen verspricht die werbung oben, dass sie ohne sichtbare veränderung so weiterleben können wie bisher. das halte ich für legitim.
    da du keine wahl hast, deine behinderung zu verstecken, so wie ich, musst du dich diesem konflikt nicht stellen, kannst aber auf der anderen seite auch nicht wählen, mal nicht aufzufallen oder ein exempel zu statuieren. das ist m.e. übrigens auch der grund,
    warum die paralympics so ein positives echo (sie werden keinesfalls als „normal“ gesehen, sondern in diesem fall zu sportikonen stilisiert) finden, aber ein körperamputierter im alltag evtl nicht.

    @christiane
    in unserer gesellschaft hat eine behinderung zu verstecken leider eben nicht nur nachteile.

  6. christina sagt:

    nachtrag: wiegen denn die positiven seiten, die eine behinderung möglicherweise hat, die nachteile auf? im fall von schwerhörigkeit ist die frage vielleicht nicht so einfach zu beantworten, aber im fall einer schwerstbehinderung wie zb epilepsie oder eben glasknochen würde ich ein klares nein vermuten..oder?

  7. raul sagt:

    ich denke es ist nicht so einfach. klar habe ich mehr „nachteile“ als vorteile mit meiner behinderung. aber ich gebe christiane recht. wer sich verstellt und sich nicht so nimmt, wie er ist, hat auf lange sicht gesehen auch nicht gewonnen.
    vielleicht erleichtert es hin und wieder mal das kennenlernen von fremden aber früher oder später merkt man (ich auch) dass man garnicht mehr derjenige ist, der man vorgibt zu sein.

    Letztendlich bleibt es ja jedem selber überlassen. Bedenklich finde ich die Werbung dennoch, weil sie allen anderen, die nicht behindert sind, jeden Moment zum Nachdenken nimmt.

  8. christina sagt:

    mein rollstuhl – mein geheimnis..ich wusste nicht, dass es das tatsächlich gibt.
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,578361,00.html

  9. Hallo Raul, klasse gemacht das Bild.
    Wir wünschen dir alles Gute.
    Liebe Grüße aus Sachsen Anhalt

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