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Raul Krauthausen - Aktivist

GEO Saison: “Mit dem Rollstuhl um die Welt”

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In Berlin ist Raul Krauthausen zu Hause, dank der Einträge bei seiner wheelmap entdeckt auch er immer wieder neue barrierefreie Cafés oder Orte in der Hauptstadt. (Foto: Andi Weiland)

In Berlin ist Raul Krauthausen zu Hause, dank der Einträge bei seiner wheelmap entdeckt auch er immer wieder neue barrierefreie Cafés oder Orte in der Hauptstadt.
(Foto: Andi Weiland)

Im Januar erschien in der GEO Saison ein Interview mit mir:

Raul Krauthausen hat die Glasknochenkrankheit –und bereist im Rollstuhl die Welt. Für sich und andere sammelt er auf wheelmap.org barrierefreie Orte. Im Interview sagt er, was die Reiseindustrie für Rollifahrer verbessern sollte

GEO: Sie haben wheelmap.org ins Leben gerufen. Was ist das Konzept?
Es gibt 1,6 Millionen Rollstuhlfahrer in Deutschland, jeder kennt Cafés, Clubs oder Restaurants, die barrierefrei sind. Es bräuchte also nur einen Platz im Netz, an dem wir diese Expertise miteinander teilen. So entstand die Website wheelmap.org. Wir haben binnen vier Jahren 450 000 Plätze weltweit gesammelt, sogar Bordelle oder der berühmte Berliner Club “Berghain” sind gelistet.

Wie sind Sie zum Reisen gekommen?
Ich bin in Südamerika aufgewachsen. Meine Eltern waren sehr pragmatisch, die Behinderung war nie ein Kriterium, so war ich seit frühester Kindheit unterwegs. Mal ist der Rollstuhl kaputtgegangen, oder es lief sonst nicht wie geplant, aber wir hatten immer die Zuversicht, dass wir eine gute Zeit erleben werden.

Was war Ihre ausgefallenste Reise?
Als Kind reiste ich mit meiner Familie nach Bahía Solano. Wir flogen mit einer kleinen Propellermaschine über den Dschungel und landeten auf einem Kiesstrand. Weiter ging es in einem überfüllten Jeep zum Hafen und dann mit einer Nussschale von Boot auf eine Insel. Das war ein echtes Abenteuer. Toll war auch mein Ausflug zum Machu Picchu. Den Rolli haben wir einfach untergestellt, ein Helfer trug mich in einer Kraxe zur Kultstätte. Außerdem mache ich gern Reiseexperimente: So bin ich einmal um 13:13 Uhr von Gleis 13 per Regionalexpress losgefahren und an der 13. Station ausgestiegen – irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Der einzige Mensch, den ich traf, war ein Nazi, mit dem ich mich kurz unterhalten habe, dann fuhr ich wieder zurück. Sehr unterhaltsam.

Wie reagiert man in anderen Ländern auf Sie?
In Südamerika oder China fällt ein Weißer in einem modernen Rollstuhl natürlich mehr auf als in Europa. Völlig anders war es in Japan. Die höfliche Kultur erlaubt es nicht, Menschen anzustarren. Tokio hat mich sehr fasziniert, weil dort Technik scheinbar alle Barrieren überwindet. Irgendwann habe ich mir den Spaß gemacht und aktiv nach Hindernissen gesucht. Ich fand eine U-Bahnstation ohne Fahrstuhl, aber der Bahnhofsvorsteher stellte die Rolltreppe kurzerhand so ein, dass aus vier Stufen eine Plattform wurde, auf der ich fahren konnte – Wahnsinn. Die Rolltreppe stammte aus dem Hause Thyssen-Krupp, nur setzt sie in Europa niemand ein. In Japan machen sie es, einfach weil die Technik es ihnen erlaubt.

Und wo gab es die meisten Barrieren?
In Venedig. Mein Begleiter kam bei den ganzen Treppen ziemlich ins Schwitzen.

Sie waren vor kurzem in Bangladesch, auch kein klassisches Reiseziel. Wie ist es dazu gekommen?
Ich war als Botschafter für die Christoffel Blindenmission in Bangladesch. Wir haben uns pro Tag teilweise bis zu vier Projekte angeschaut. Meine Rolle war es zu schauen, ob und wie die Spenden vor Ort eingesetzt werden. Dadurch bin ich sehr privilegiert gereist, nämlich mit einem eigenen Auto, sonst wäre es für mich auch nicht möglich gewesen, Bangladesch zu bereisen.

Wie haben die Menschen dort auf Sie reagiert?
Die Menschen vor Ort waren unglaublich interessiert, sind teilweise aus den Dörfern angereist, um uns zu sehen. Ob das an meiner Behinderung lag, oder daran, dass wir einfach zehn weiße Männer in einem Konvoi waren, lässt sich schwer herausfinden. Am häufigsten wurde ich gefragt, ob ich verheiratet sei. Sicherlich, weil es für die Bangladescher ein wichtiges Thema ist, aber viel mehr stand dahinter die versteckte Frage: Können Menschen mit Behinderung überhaupt heiraten?

Was wünschen Sie sich von der Reiseindustrie?
Wenn ich nach barrierefreien Reisen suche, stoße ich oft auf Kurhotels oder Rehabilitationsreisen. Das ist aber nicht mein Lebensstil. Mich interessiert, ob es möglich ist, mit einem elektrischen Rollstuhl zu fliegen, oder ein rollstuhlgerechtes Hostel. In denen fehlt meistens leider ein barrierebarrierefreies Bett. Ich plane momentan einen Familienurlaub mit meiner Freundin und deren Kindern. Da wird es wirklich schwierig, etwas Erschwingliches und Normales zu finden. Ich würde mir generell wünschen, dass die Veranstalter Rollstuhlfahrer als ganz normale Gäste wahrnehmen, da fehlt aber noch das Angebot. Ich möchte Menschen nicht vor allem deshalb treffen, weil ich im Rollstuhl sitze, sondern aufgrund anderer Gemeinsamkeiten.

Was wäre Ihr Reise-Tipp für Menschen im Rollstuhl?
Einfach machen! Was ist kann denn schlimmstenfalls passieren? Dass der Urlaub anders verläuft als geplant, aber genau das macht das Reisen aus, ob mit Rollstuhl oder ohne.

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