Podcast Gemischtes Hack: 5 schnelle Fragen an: Raul Krauthausen

Transkript:

Vorspann mit Felix Lobrecht und Tommi Schmitt

Felix: Leute, Gemischtes Hack is back, der Overload geht weiter, Alter, stellt den Nuru Coffee beiseite, macht dit RIN-Album aus.Wir sind wieder da mit unserem kleinen, improvisierten Interviewformat. Mein Name ist Felix Lobrecht, mir gegenüber sitzt wie immer der wunderbare Tommi Schmitt.

Tommi: Na, mein Hasenzahn, wie geht‘s dir? Es ist Samstag, ich hab schon ein Brötchen im Magen liegen. Mir geht’s gut. Ich bin ganz beseelt.

Felix: Ja, Ich bin ja immer froh, wenn Tommi einigermaßen nüchtern zur Aufzeichnung erscheint. Und irgendwie hab ich gerade das Bedürfnis, Dich eine kleine Maus zu nennen, aber ich weiß nicht genau, warum.

Tommi: Du bist die Muskelmaus, ich bin die Maus. So wie der Pinky und der Brain, so können wir‘s halten. Heute haben wir wieder “5 schnelle Fragen an“- Tag und heute zu Gast Raul Krauthausen aus Peru und Berlin, gleichzeitig.


Felix: (lacht) aus Peru und Berlin Raul Krauthausen, spannender Typ. Ich hab schon paar Mal so mit ihm rumgehangen, Kaffee getrunken und einfach so gequatscht über Gott und die Welt und da dachte ich mir, ey, das hat echt ‘ne Menge Mehrwert. Die Hackies sollten ihn kennenlernen, falls sie ihn noch nicht kennen. Raul ist Aktivist im Bereich Umgang mit Menschen mit Behinderung. Sehr spannendes, sehr wichtiges Thema. Ich bin echt gespannt auf das Gespräch.


Tommi: Und auch oft in den Medien vertreten. Also ihr kennt ihn bestimmt aus Funk, Fernsehen, Talkshows und aus Jerks – kleine Nebenrolle gehabt. Er legt immer den Finger in die Wunde. Guter, guter wichtiger Typ. Ich freu’ mich auch sehr drauf.

Felix: ja, man Leute viel Spaß, Alter!

“5 schnelle Fragen an”: Raul Krauthausen, Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit. 

Felix: Und wir sind live on air. Leute, herzlich willkommen zu einer neuen Folge “5 schnelle Fragen an“. Mein Name ist Felix Lobrecht, mir gegenüber sitzt wie immer der wunderbare Tommi Schmitt und auch heute haben wir einen nicen Gast am Start. Einen riesigen Applaus bitte für Raul Krauthausen. [Jubel] 

Raul: Hallo, schön, dass ich da sein darf. 

Felix: Wir freuen uns auch. Wir hatten ja gerade schon technische Probleme. Raul, wirf doch direkt mal einen Blick auf dein Aufnahmegerät.
Gibt es da Ausschläge? 

Rauls: Jaja, blame mich wieder. ja, läuft. Ich hab doppelt, jetzt hier einmal Handy und einmal Laptop-Aufnahme, läuft. 

Felix: So ist das nämlich super. Ey, Raul, für die Leute, die dich noch nicht kennen: Was würdest du antworten auf die Frage, was du beruflich machst? Weil du machst so viel.

Raul: Ja, die Frage hatten wir tatsächlich auch vor ein paar Jahren, als wir die Frage hatten, was schreiben wir auf unsere Visitenkarten? Und jetzt steht auf meiner Visitenkarte “Aktivist”. Ich setze mich für die Belange behinderter Menschen ein in Deutschland. Das seit 17 Jahren, also unseren Verein gegründet vor 17 Jahren. Wir betreiben einige Projekte, unter anderem die Wheelmap, eine Online-Karte für rollstuhlgerechte Orte und ja, deswegen bin ich Aktivist. 

Barrierefreiheit und Fortschritt

Tommi: Und wie kommt die Kohle auf dein Konto? 

Raul: Wir haben Unterstützer*innen in Form von Sponsoren, Spenden und Fördergeldern.

Felix: und die App Wheelmap, ist die kostenlos oder kann man die auch finanziell supporten oder muss man irgendwie kaufen?

Raul: Nee, die Wheelmap ist kostenlos, gibt es im App Store von Apple oder Android Store. Man kann sie sich kostenlos runterladen und seine Nachbarschaften bewerten, ob sie rollstuhlgerecht sind oder nicht. Und ich hab’ sogar extra für den Podcast heute ein Mapping Event angelegt, das können wir in der Instastory vielleicht nochmal sharen. 

Felix: Wir sharen das in der Instastory, Raul, Du alte Influencerin! Aber das ist witzig, weil – also das ist überhaupt nicht witzig. Also es war schon irgendwie witzig, aber ist natürlich nicht witzig.Weil ich hatte meine, ich weiß gar nicht, ob es vielleicht sogar eine Show von Tommi und mir war, aber vielleicht war es auch eine schöne einzelne Show in Hamburg im Grünspan, ne sehr schöne Venue. Und da wollte ‘ne Zuschauerin kommen, 

04:00

die, wie Du auch, im Rollstuhl sitzt und da hat sie irgendwie vorher in der Venue angerufen und gefragt: “wie is‘n das? Gibt es einen besonderen Eingang für Rollstuhlfahrer und so bla?” Und da meinten die eiskalt: “Hier können leider gar keine Rollstuhlfahrer rein, weil wir das hier nicht barrierefrei bauen können, wegen Denkmalschutz.”
Und das klingt ja für jeden normal denkenden Menschen so absurd, dass einfach so, das Alter eines Gebäudes höher wiegt als ihr. Weißt Du, wie ich meine?

Raul: ja, voll absurd.

Tommi: „uns ist Ausgrenzung lieber“

Raul: Ja, genau.

Raul: Das geht sogar noch weiter, dass manchmal gesagt wird wegen Brandschutz oder so, es darf nur ein*e Rollstuhlfahrer*in rein. Wir wissen aber nicht, ob schon jemand ein Ticket gekauft hat, also ist am Ende gar keiner da. Also das wäre ja vielleicht mal ein spannendes Projekt, wenn  Leute wie ihr, die vielleicht Bühnen füllen oder ganze Hallen füllen, einfach sagen, wir gehen nur noch in Locations, die barrierefrei sind. Soviel zum Thema Privilegien auch nutzen! Dann überlegen sich vielleicht solche Venues dann auch eher, ob sie was tun.

Felix: Aber war das irgendwie so in Hamburg exklusiv oder ist das wirklich…

Raul: Ne, das ist häufig der Fall.

Felix: Dass Denkmalschutz höher wiegt als ihr Menschen ? 

Raul: Das passiert sehr häufig. In Schulen wird dann auf der Aufzug deswegen nicht gebaut oder in Rathäusern. Ich hab witzigerweise bei Google so eine Google Alert abonniert, wo ich immer Mails bekomme, wenn das Wort Barrierefreiheit bei Google auftaucht. Und ich bekomme bestimmt jeden Tag 20 Mails, wo wieder irgendein Rathaus eine Rampe bekommen hat. Wo man denkt, ‘Alter, wir leben im 21. Jahrhundert’. Dass das heute noch eine Meldung ist, ist eigentlich super traurig.

Felix: Ist 

06:00

die Arbeit als Aktivist auf ‘ne Art gerade in dem Bereich dann auch vielleicht ultra frustrierend, wenn eben genau diese absoluten Basics wie, ist da ne Rampe und können da Menschen mit Rollstuhl überhaupt in das Gebäude rein? Also wenn das noch News sind, dann muss doch diese Arbeit unglaublich frustrierend sein teilweise.

Raul: Ja also ich weiß nicht, also frustrierend vielleicht jetzt nicht. Man freut sich dann auch über kleine Erfolge, aber es ist auf jeden Fall… Man muss geduldig sein, geduldiger als in anderen Bereichen vielleicht. Aber zum Beispiel bin ich froh, kein Politiker zu sein. Weil, da müsste man noch geduldiger sein. 

Tommi: Hast du mal überlegt, in die Politik zu gehen? 

Raul: Also es gab mehrere Anfragen, genau. Aber ich muss ehrlich gesagt sagen, diese Dickköpfe, die man da oft manchmal antrifft. Ich hatte mal die These, ich weiß gar nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber wenn man sich dann mal so Büros von Abgeordneten anguckt, ja oder überhaupt den Bundestag von innen. Das Gebäude repräsentiert so viel Macht, die sie wahrscheinlich gar nicht mehr haben. Also man hat schon eigentlich auf so vielen Ebenen, sagen wir mal, die Verantwortung dem Kapitalismus übergeben, dass die goldenen Wasserhähne in diesem Gebäude und die teuren Türen und der teure Teppich, das in meinen Augen gar nicht mehr rechtfertigt, für so wenig wie Politikerinnen im Bereich wirklich noch bewegen können. Aber vielleicht ändert sich das auch wieder. Vielleicht hört sich die Politik irgendwann auch ihr Zepter zurück.

Tommi:  Nochmal zur Barrierefreiheit, um ‘n optimistischen Blick zu kriegen. Wo tut sich denn was? Also siehst Du irgendwo so Licht am am Ende des Tunnels, dass sich irgendwo was tut, dass die Leute irgendwie ‘ne gewisse Awareness kriegen? Oder wenn jetzt Gebäude neu gebaut werden, dass dann sehr darauf geachtet wird oder ist da, ist es weiterhin 

08:00

frustrierend? 

Raul: Ja, das ist schon so, dass Gebäude, die neu gebaut werden barrierefrei sein müssen. Allerdings denken die Architektinnen das dann oft erst am Ende. Das heißt, die bauen irgendein fancy Treppenhaus und denken dann ‘ach verdammt, wir müssen ja noch ‘n Aufzug bauen’ und flanschen den dann mega hässlich hinten ran. Und das ist dann nicht von Anfang an mitgedacht, aber immerhin passiert in dem Bereich was. Ich würd’ auch sagen, dass die jüngere Generation, also sagen wir mal Kinder, Jugendliche oder vielleicht auch noch Menschen in unserem Alter, mit dem Thema Menschen mit Behinderung wesentlich offener umgehen, als vielleicht unsere Elterngeneration. Weil einfach auch durch die Medien und sozialen Medien klarer wurde, dass Menschen mit Behinderung natürlich auch ein Recht auf Teilhabe haben und auch sich selber zu Wort melden können und dann nicht immer den klassischen Chefredaktionen oder Entscheiderinnen zum Opfer fallen und dann gar nicht erst erscheinen, sondern eben durch das Internet, sich vielleicht auch selbst ja die Stimme erheben. 

Mediale Repräsentation 

Felix: Genau das sind dann schon meistens doch die eigenen Kanäle. Weil da hab’ ich mit Tommi auch vor der Aufzeichnung darüber gesprochen, dass so im Fernsehen oder in den Medien, wo einem quasi die Inhalte vorgesetzt werden, finden Menschen mit Behinderung wirklich sehr wenig statt, oder? 

Raul: Es gibt sehr wenig in dem Bereich auf jeden Fall. Vor allem in Deutschland. Die Deutschen tun sich immer so schwer, wenn es um neue Formate geht, die vielleicht auch mal anders sind. Wenn man sich da mal Netflix Serien anguckt, da findet das Thema Behinderung viel größeren Anklang. Also keine Ahnung, Walter junior von Breaking Bad, der Schauspieler, RJ Mitte hat selbst ‘ne Behinderung.

Tommi: “How to sell drugs online“, 

Raul: Genau, „How to sell drugs online“. Der Schauspieler, ist selber zwar nicht 

10:00

behindert, aber da ist das Thema Behinderung auf jeden Fall mehr als nur die Behinderung. Game of Thrones, Tyrion Lannister, Peter Dinklage. Da sind die USA einfach wesentlich weiter. 

Menschen mit Behinderung in Gesellschaft und Bekanntenkreis

Felix: Gibt es denn sowas wie einen Zensus-Wert, wie viele Menschen in Deutschland als behinderte Menschen gelten? Also wieviel Prozent macht diese Minderheit in der Gesellschaft aus? 

Raul: Also in Deutschland haben wir 10%, die eine Behinderung haben. Das müsste ja dann rein statistisch bedeuten, dass jeder Zehnte in unserem Freundeskreis auch behindert ist. Ich würde jetzt einfach mal an Euch zurück fragen, wie viele Menschen mit Behinderung habt ihr als Freunde?

Tommi: Ähm, zwei

10:56

Raul: Also sichtbare Behinderung.
Felix: also, aber Tommi hat auch den größten Freundeskreis.
Tommi: ich hab auch ‘n sehr großen Freundeskreis.
Felix: Das ist auch n Joke aus dem Podcast, dass Tommi, egal welche Minderheit, Tommi ist mit 8 davon befreundet… ja, egal.
Tommi: das ist aber wirklich wahr. Ich bin einfach ein sehr beliebter Typ, 

Raul: Ja und bei uns gibt’s den running gag: ich hab mit jedem studiert.

Tommi: Das ist das Äquivalent zu, „ich hab das mal bei Galileo gesehen.” oder “ich habe eine Doku darüber gesehen“.

Raul: Aber Felix muss die Frage noch beantworten.
Tommi: Ach ja, stimmt.

Felix:  Ja, Raul hat vollkommen recht ja, das ist tatsächlich so ein Ding also wir treffen uns ja ab und zu mal auf einen Kaffee, Raul. Ich würde schon sagen, dass wir Best Friends Forever sind.
Tommi: (lacht) Das ist so billig.
Felix: Ansonsten habe ich tatsächlich einen entfernten Kumpel, der im Rollstuhl sitzt und sonst hab ich sehr sehr wenig Überschneidungen mit Menschen mit Behinderung. 

Raul: Und „entfernt“, weil Du im 4. Stock wohnst und keinen Aufzug hast, oder warum? (lacht)
Felix: Ich wohne im 5. Stock.
Raul: Tschuldigung!
(lachen)
Felix: Ich möchte diese Leute hier nicht haben… Also das ist der Bruder von einem meiner Designer. Und immer, wenn wir mal so Shows in Köln haben oder sowas, dann kommen wir da vorbei und dann hängen wir danach noch rum. Aber ist jetzt nicht so, dass ich jeden zweiten Tag mit ihm irgendwie schreibe oder quatsche oder so. Ja, aber das ist mir tatsächlich an mir selber schon oft aufgefallen, weil auch in meiner Schulzeit und so. Also bei uns in der Siedlung gab es einen Typen, der hatte eine geistige Behinderung. Wir haben ihn liebevoll den behinderten Martin genannt. Aber ansonsten hatte ich echt wenig Überschneidungen mit Menschen mit Behinderung tatsächlich 

Tommi: Oh das ist interessant, weil das ist so ‘ne totale Kinder-Frage. Woran liegt das wohl Raul, woran? Was ist der Grund?

13:00

Förderschulen und Inklusionsklassen

Raul: Das liegt daran, weil Menschen mit Behinderung, also Kinder vor allem in Deutschland systematisch aussortiert werden, in sogenannte Förderschulen. Das, obwohl es eigentlich pädagogisch geboten wäre, Schulen für alle zu öffnen, in sogenannten Inklusionsschulen alle Kinder gemeinsam zu unterrichten, egal ob behindert oder nicht. Das ist aber natürlich…, bedeutet Veränderung für Regelschulen, für Gymnasien, für Hauptschulen, Realschulen, und Gesamtschulen. Und diese Veränderungen, man sagt ja in Deutschland, wenn Du das Bildungssystem verändern willst, ist das komplizierter, als die Kirche zu verändern. Deswegen haben wir noch ein dickes Brett zu bohren. 

Felix: Wie war das denn? Wie war deine Schulzeit? Also bist du auf so eine Förderschule gegangen oder warst du auf einer auf einer ‘regular school’ einfach?

Raul: Das krasse ist ja, dass ich erst nach meiner Schulzeit gerafft habe, dass das eine ganz besondere Schule war, auf der ich war. Das war nämlich eine der ersten Inklusionsschulen Deutschlands, wo Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet wurden. Wir hatten vier oder fünf Kinder mit Behinderungen und genau 15 ohne Behinderung in einer Klasse und zwei Pädagoginnen und/oder Lehrerinnen.
Und ehrlich gesagt, natürlich könnte man jetzt meinen, diese eine extra pädagogische Fachkraft, die war jetzt nur für die Behinderten da und hat uns alle gefüttert, aber am Ende des Tages waren es einfach zwei Lehrerinnen für alle. Also auch für Freunde, deren Eltern sich gerade getrennt hatten, oder die irgendwie in Mathe-Aufgaben hinterher hinkten. Sodass das dann jetzt auch nicht nur diese Spezialkraft für die Behinderten war. Und ich mich auch immer zum Beispiel mit den Nichtbehinderten, leistungsmäßig versucht habe zu messen, was Schulmaterial und Unterrichtsstoff angeht. Was mal mehr und mal weniger gut war. Aber es gibt auch das Recht unter Behinderten 

15:00

kein guter Schüler zu sein. Also ich hatte immer so 2,9 und habe am Ende auch mein Abitur gemacht mit 2,9.
Felix: oh, Raul, ich sag mal 2,5. Ja, stelle ich einfach mal in den Raum und…
Tommi: ich sag dazu gar nichts.


Felix: Tommi sagt dazu gar nichts. Tommi, Ärztesohn! Tommi hat sich sein Abitur gekauft, ey. Tommis Vater hat den Lehrer vergiftet.
Tommi: Aber ich war auf jeden Fall schlechter als Raul.

Raul: aber pass’ auf, Du bekommst ja dann mit dem Erwerb einer Behinderung, „Erwerb“ klingt auch so positiv, ne? „Hurra, Sie haben eine Behinderung erworben“. Ja, genau, dann kommst Du halt so einen „Schwebi“, einen Schwerbehindertenausweis.
Tommi: Schwebi?
Felix: Schwebi!
Raul: Schwebi. Ja, Schwerbehindertenausweis. Das ist auch so geil, so super hässlich designt.
Tommi: Raul hält ihn grad in die Kamera, an die Hörer*innen.
Raul: Jeder Führerschein ist schöner.
Felix: Ja, der sieht aus wie so ein Führerschein aus den Achtzigern aus Westberlin.
Raul: Ja voll. Und das ist schon der neue, also Scheckkartenformat. Jedenfalls hast du mit dem Schwerbehindertenausweis auch dann die Möglichkeit, einen sogenannten Härtefallantrag zu stellen an der Uni. Und dann kannst du auch die Studiengänge studieren, die normalerweise ein NC von 1 haben oder 1,2. Das war praktisch mein Eintrittstickets in mein Studium. Also da würde ich sagen, habe ich mal ein ein Privileg genutzt, das behinderte Menschen manchmal haben.

Sprache und Kommunikation

Felix: was hast du studiert?
Raul: Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation.
Felix: Hier in Berlin?
Raul: Genau, böse Zungen würden „Werbung“ dazu sagen. Ich war der erste Mensch mit Behinderung an der Uni. Am Ende des Tages würde ich sagen, als GWKler lernst du alles und nichts. Und damit kannst du auch alles und nichts machen. 

Tommi: Man merkt, du bist Kommunikationsprofi. Du hast es ja auch studiert und man merkt auch hier, Du achtest sehr aufs Gendern und sprichst sehr korrekt. Und wie wichtig ist Sprache in dem ganzen Themenkomplex Behinderungen, wenn man‘s so nennen darf? Was sind zum Beispiel Begriffe, die dich immer noch zur Weißglut bringen? Oder wo kann man ansetzen? Was kann man besser machen sprachlich?

Felix: Aber lass’ mal noch weiter vorne ansetzen. Wie soll man Euch nennen? Weil, ich hab das Gefühl, voll viele Leute stottern da so rum, so “der ist irgendwie naja besonders…” Weißt Du, was ich meine? Also so wie Weiße, die so rumeiern einfach ‘nen Schwarzen Menschen Schwarz zu nennen.

Raul: Also Protipp ist erstmal, zu diesem ‘wie soll man uns nennen’: beim Namen am besten.

18:01

Also ich bin Raul. Und sonst gibt es natürlich sehr häufig so Unsicherheiten. Das weiß ich ja, dass man das Wort Behinderung sich nicht traut zu sagen. Ja, und dann schwurbelt man die ganze Zeit so rum und sagt irgendwie „Handicap“ oder „anders begabt“ oder „besonders“ oder „Special Need“. Und dann denk’ ich so, Alter wovor habt ihr eigentlich so Angst, die Sachen einfach beim Namen zu nennen? Es ist ja völlig offensichtlich, dass ich eine Behinderung habe auf der einen Seite. Aber auch, dass ich das nicht als Schimpfwort empfinde. Und auch die wenigsten Menschen das als Schimpfwort empfinden. Es spiegelt eigentlich mehr die Unsicherheit der nicht-behinderten Menschen wieder, wenn sie andere Wörter gebrauchen. Und ich finde es schön, dann auch den Leuten zu erklären, dass das Wort Behinderung erstmal neutral ist, und man dann definieren kann, ob ich behindert bin, weil ich nicht laufen kann oder ob ich behindert werde, weil es überall Treppen und Stufen gibt. Und im Zusammenspiel von meiner Behinderung mit den Barrieren der Umwelt, entsteht eigentlich erst die Behinderung. Weil, wenn wir jetzt den Podcast machen und alle sitzen, liegt ja eigentlich gar keine Behinderung vor. 

Tommi: Eigentlich haben dann ja alle Menschen, die irgendwo ausgegrenzt werden, ja auch ‘ne Form von Behinderung, also wenn man so auf Quoten achtet und so weiter und sofort, stimmt ja.

Raul: Ja

Felix: Ich glaube, wo diese Ängste vor den Wörtern „behindert“ oder „Behinderung“ herkommen ist, dass die Begriffe halt umgangssprachlich oder gerade auch in der Jugend so als Schimpfwort verwendet wird, so „bist du behindert? Was los mit dir?“
Raul:  Auf der anderen Seite, wir waren ja alle mal auf 

20:00

dem Schulhof.
Felix: Ja klar.
Raul: Auch ich. Und ich glaube, ich hab’ da inzwischen ‘ne differenziertere Meinung. Also Jugendliche brauchen ihre Jugendsprache, ja? Und wenn wir da als Erwachsene jetzt reingehen und sagen “Öh, behindert sagt man aber nicht“ dann sagen die es halt erst recht, aber ich glaube, man kann Jugendlichen schon klar machen, dass es Situationen geben kann, in denen „schwul“ oder „behindert“ Menschen wirklich verletzen kann, wenn es als Schimpfwort gebraucht wird. Und ich hab schon die Beobachtung machen können, dass Jugendliche die Situation auch richtig einschätzen und dann natürlich die Konsequenzen tragen müssen, wenn sie jemand mit Behinderung bewusst beleidigen wollen. Aber gleichzeitig man auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, was auf dem Schulhof gesprochen wird. Ich finde es da eher wichtiger, zu sensibilisieren: „Pass auf. Es kann wirklich Situationen geben, wo du jemandem damit ernsthaft wehtun kannst.“

Vorurteile über und Vorteile der Inklusion

Felix: Ja, das glaube ich auch. Also diese Awareness schaffen, die Sensibilisierung auf Themen ist viel mehr Wert, als dieses, “Äh, das darf man nicht, das macht man nicht! So ist kacke“. Sondern einfach so die Leute selber denken und Situation selber bewerten lassen, ist glaube ich mehr wert. Und das schließt auf eine Art auch den Kreis zu dem, was Du vorhin angesprochen hattest. Nämlich, dass dann ja offensichtlich wirklich die Lösung mehr Kontakt zwischen nichtbehinderten und behinderten Menschen ist. Also dieses Wegsperren in Förderschulen oder Schulen für ganz besondere Tiger, so. Das separiert ja enorm. Also dieses Modell, was du da erzählt hast, in dem Du da gelernt hast, klingt ja im ersten Moment total einleuchtend. Weil wahrscheinlich sind alle, die meisten Deiner Mitschülerinnen und Mitschüler viel entspannter und gebildeter, was dieses Thema angeht.
Raul: Auf jeden Fall. Und ich glaube auch, dass wir die Inklusion so denken sollten, dass auch Menschen ohne Behinderung ein Recht darauf haben, mit Menschen mit Behinderungen zusammen zu leben.
Tommi: Total.
Raul: Weil man einfach auch voneinander was lernen kann und sicherlich auch Konflikte miteinander haben wird, gar keine Frage, ja. Also du wohnst im 5. Stock und Dein entfernter Bekannter ist ein entfernter Bekannter, weil er nicht hochkommt. Also, aber diesen Konflikt muss man dann halt auch haben. Und gleichzeitig aber auch, dass, nur weil das Wort „behindert“ auf dem Schulhof fällt, legitimiert das jetzt nicht alle anderen es außerhalb des Schulhofes als Schimpfwort zu gebrauchen. Sagen wir mal, in der S-Bahn oder U-Bahn find’ ich es halt schon schwierig und finde, dann kann man die Leute auch darauf hinweisen.
Felix: Absolut. Das meinte ich ja mit so ‘ner, ich glaube so eine Sensibilisierung auf das größere Thema ist einfach viel Wert, weil das die Leute zwingt, selber zu denken. Und dann halt auch selber zu bewerten, wann das Wort irgendwie, ich sag mal „okay“ ist und wann nicht. So gibt es natürlich immer noch Leute, die das falsch einschätzen werden und es gibt auch einfach sehr viele Wichser auf der Welt. Ist halt einfach so leider. Ja. Aber was mich noch interessieren würde, was sind denn die offiziellen Argumente gegen so inklusive Schulen?

Raul: Ähm ja, ein sehr gern gehörtes Argument ist oft von Lehrkräften, dass sie sagen, sie sind dafür nicht ausgebildet, behinderte Kinder zu unterrichten. Da denke ich dann so „Na ja, also Eltern behinderter Kinder waren vorher auch nicht ausgebildet“. Also vielleicht kann man auch das einfach beim Machen lernen. Ja und man sollte sicherlich Pädagoginnen auch nicht alleine lassen mit dieser, sagen wir mal Herausforderung, aber irgendwann werden Pädagoginnen 

24:00

das dann auch als, sagen wir mal Beitrag akzeptieren und auch annehmen. Und ich möchte einfach nur daran erinnern, dass wir 1920 auch in Deutschland ernsthaft und laut diskutiert haben, ob Jungs und Mädchen gemeinsam beschult werden sollen. Und da wurde dann dagegen argumentiert, dass die Jungs langsamer lernen, sobald Mädchen in der Klasse sind. Und diese Debatte erinnert mich sehr stark an das Thema Behinderung in der Regelschule. Weil dann auch nämlich oft gesagt wird „Na ja, dann gehen die nicht-behinderten Kinder unter“. Und ich glaube ehrlich gesagt, das ist nicht der Fall. Weil behindert heißt ja nicht automatisch weniger lernwillig oder -fähig. Sondern, wenn ein Kind einen Arm hat oder ein Auge oder eine Nussallergie, sagt das nichts über die Deutsch-Kompetenz oder Mathe-Kompetenz aus.
Tommi: Eben! Also ich, ich kann da auch aus Erfahrung erzählen. Viele meiner Freunde, ich persönlich nicht, weil ich in ‘nem anderen Stadtteil gewohnt habe in Detmold. Viele meiner besten Freunde, die waren damals in der Grundschule in einer sogenannten I-Klasse, so hieß die damals, Inklusionsklasse. Und da waren viele behinderte Kinder auch mit dabei. Und das weiß ich noch, das war so Mitte der 90er richtig Thema so bei Eltern. Kommen die anderen dann mit? Wird da zu langsam unterrichtet? Natürlich war all das nicht der Fall, sondern am Ende war die Quintessenz, dass die Kinder genauso schnell waren. Und der doppelte Effekt war, dass sie dann viel sensibler waren, was das Thema anging, als jetzt Kinder wie ich, die in einer „normalen“ Klasse waren. Und aus all denen in der Klasse ist was geworden. Das ist natürlich totaler Quatsch, dass da irgendwie was auf der Strecke bleibt. Und die Lehrer waren auch nicht dafür ausgebildet. Sondern wie Du schon sagst, das war so ein Learning by doing-Ding und alle haben wirklich gewonnen in der Situation.
Raul: und natürlich ist Inklusion jetzt auch nicht das Einhorn- Regenbogenland, 

26:00

ja wo alles schön ist. Sicherlich gibt es Konflikte und Mobbing und Ausgrenzung und so.
Felix: Gibts aber auch in normalen Schulen alles.
Raul: Genau ja, und auch an Förderschulen. Das heißt, wir müssen eigentlich eher die Kompetenzen unterrichten, wie wir mit solchen Phänomenen umgehen. Aber nicht, nur weil jemand anders ist, kommt der raus. Man sagt ja auch eigentlich zu Frauen nicht, wenn Du nicht belästigt werden willst, dann zieh’ dich nicht aufreizend an, sondern das Problem sind ja die Männer und nicht die Frauen.

Felix: Zumal dieses Argument, dass der Lernfortschritt darunter leidet in inklusiven Klassen, der ist ja wahrscheinlich auch ziemlich easy empirisch widerlegbar. Also das lässt sich ja wirklich einfach quantifizieren, so dass man einfach Schulen, in denen es diese inklusiven Klassen gibt, mit Schulen, in denen es sie nicht gibt, einfach die Abschlüsse vergleicht. Ich mein’, wir haben ja zentrale Abiturprüfungen oder MSA-Prüfungen oder was auch immer, das lässt sich ja wunderbar gegeneinander legen.

Raul: Genau. Und vor allem sind die Kinder, die an Förderschulen unterrichtet werden im Notendurchschnitt schlechter, als die Kinder mit Behinderung, die an Regelschulen unterrichtet wurden. Da gibt es auch sehr spannende Studien zu. Und außerdem, wenn man sich mal anschaut, was in der Schule eigentlich gelehrt werden soll, dann ist es ja immer weniger Faktenwissen, weil das können wir ja googeln. Sondern vielmehr so, sagen wir mal das Lernen lernen, Kompetenzerwerb lernen und Teamwork.

Felix: Und soziale Intelligenz auf ‘ne Art. Dieses soziale Miteinander ist ja viel mehr Wert. Und es ist komisch, weil es ist ja total einleuchtend.
Du wohnst ja auch in Kreuzberg, Raul. Aber ich bin aus Neukölln, Alter. Hier gibt es teilweise Schulen irgendwie, wo es in Schulklassen keinen einzigen Deutschen gibt, so. 

28:00

Und da waren auch alle so offensichtlich der Meinung ja, vielleicht wäre so ein bisschen Durchmischung sinnvoll, damit eben nicht nur Türkisch oder Arabisch oder was weiß ich was gesprochen wird so. Das hat ja auch ein totalen integrativen Charakter, dieser Austausch.
Raul: Absolut.
Felix: Also ich finde total offensichtlich, also total absurd, es würde niemand auf die Idee kommen, lass’ mal eine Schule aufmachen nur für Ausländer. Weißt Du, was ich meine? Das würde ja niemand abnicken.
Raul: Heutzutage nennt sich das dann Willkommensklassen. Für Kinder mit Fluchterfahrung, wo dann unterstellt wird, die lernen kein Deutsch und können kein Deutsch und lernen langsamer. Und dann sind die in diesen Willkommensklassen und da ist es dann oft auch schon eine Stigmatisierung.
Felix: Fluchterfahrung ist auch ein geiles Wort. Das klingt wie so ‘ne Kompetenz, die im Lebenslauf steht. „Ja, ich hab durchaus Fluchterfahrung.“
Raul: Wie Psychiatrieerfahrung.

Narrenfreiheit und Humor

Tommi: Erwarten eigentlich die Menschen von Dir immer, dass Du dich besonders korrekt verhältst oder so? Ist das eine Bürde? Oder wann bist Du mal mal so ein richtiges Arschloch? Also gibt es Situationen wo Du mit Dir selbst nicht im Reinen bist? Wo Du denkst, „Boa Fuck, da war der jetzt aber wirklich wieder irgendwie missgünstig“ oder sonst wie?
Felix: Also was ich sagen kann, privat auf jeden Fall. [lachen]
Raul: Ja, in den eigenen vier Wänden bin ich auf jeden Fall wahrscheinlich ein anderer Typ, als die Person öffentlich. Ich bin auch nicht heilig. Also ich mach’ ja auch Fehler. Ich bereue auch viele Sachen, die ich gesagt und gemacht habe. Interessanter finde ich, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass man mir ganz oft Dinge nicht zutraut draußen. Und ich dann so ‘ne gefühlte Narrenfreiheit habe. Also keine Ahnung, stehst im Supermarkt und fährst jemandem über die Füße und dann entschuldigen die sich bei Dir. Dabei bist Du denen ja über die Füße gefahren und die haben nicht die Füße unter mein Rad gestellt.

30:00

Also es dauert sehr lange, bis man das Arschloch in mir sieht. Manchmal sagen dann auch gute Freunde zu mir, da hast Du jetzt echt übertrieben, es hat sich nur niemand getraut, Dich in die Schranken zu weisen. Das ist gut, wenn man dann Freunde hat, die einem das sagen.

Felix: Absolut. Hey, ein Thema, was mich und uns in unserer Arbeit auf jeden Fall betrifft, über was ich mit dir sprechen möchte, ist Humor.
Raul: mhm.
Felix: Weil in meinen Augen ist Humor eigentlich so das beste Tool, um mit fast allen Sachen auf der Welt umzugehen, auf eine Art. Also natürlich muss es wissenschaftliche Auseinandersetzung, politisch blah muss es alles geben. Aber sowas, so was rein emotionales Verarbeiten von Realitäten und Dingen angeht, finde ich Humor mit eines der besten Tools. So! Und ich hab auch immer wieder, eigentlich tatsächlich bei jeder Show, hab’ ich immer ein, zwei, drei Leute irgendwie im Publikum gehabt, die irgendwie im Rollstuhl sitzen oder irgendeiner anderen Form behindert sind. Und ich hab ja auch Jokes, in denen Behinderte auf jeden Fall vorkommen. Auch oft irgendwelche Leute, die gar nicht betroffen sind, die sagen dann so „Oh, das darfst du nicht machen” und “hier, das ist ja wohl ne Sauerei und blah.“ Ich habe aber wirklich diese Erfahrung gemacht. Und es klingt immer so abgedroschen, aber vor Corona habe ich nach jeder Show irgendwie Fotos gemacht. Dass diese Leute in Rollstühlen zur Fotosession kommen, so und sich auf eine Art wirklich dafür bedanken, dass ich diese Witze gemacht hab, oder so sagen, “mach’ mal noch doller, mach mal noch ekliger” so. Also es ist irgendwie quasi so ein Mix aus Übervorsichtigkeit gegen den Wunsch, irgendwie da stattzufinden auch bei einer Comedy Show. Wie ordnest du das ein?

Raul: Humor ist wirklich auf der einen Seite eine sehr befreiende Sache, um auch vielleicht diesen rosa Elefanten im Raum endlich mal zu thematisieren, ohne gleich mit einem erhobenen Zeigefinger unterwegs zu sein. Was in der Comedy Show immer unangenehm, also immer nicht cool kommt.  Gleichzeitig, find ich‘s aber auch gar nicht so einfach jetzt so ‘ne Art Persilschein auszustellen. Weil natürlich, es Menschen mit Behinderungen geben kann, die sagen, sorry, aber es einfach nicht witzig. Aber genauso wie Mario Barth-Witze. Der hat ja auch viele weibliche Fans. Aber es ist einfach so. Also mir als Mann, finde ich das schon teilweise richtig peinlich, was da passiert.
Felix: Absolut


Raul: Und Humor ist natürlich immer auch eine sehr große  Geschmackssache. Bei deinen Sketchen, wenn du jetzt konkret fragst, dachte ich auch am Anfang noch krass, hätte ich jetzt nicht so gesagt, aber du kriegst halt oft die Kurve. Wo Du dann sagst, eigentlich sind das Problem die Nichtbehinderten, also die, die die ganze Zeit so rumeiern. Und klar, kann man auch ‘nem Rollifahrer die Luft aus dem Reifen lassen. Aber Du meinst es ja nicht so. Das ist schon klar, dass das dann in dem Moment ‘n Witz ist.

Felix: Ich glaube, es kommt auch immer voll drauf an, was machen die Witze so? Machen die sich wirklich über jemanden lustig und sind einfach nur gemein oder sind Behinderte vielleicht einfach nur Akteure in ‘nem Joke? Also einfach so Darsteller in einem Witz so. Über was macht man sich gerade wirklich lustig? Ich hab’ das Gefühl, dass Leute sehr oft so reflexartig hyperventilieren, so. “Hh, er hat behindert gesagt. Er hat Ausländer gesagt, er hat schwul gesagt.“ und ab dann gar nicht mehr zuhören, worum es eigentlich geht. Und natürlich geb’ ich Dir absolut recht, dass irgendwie fünf behinderte Menschen, die nach Shows sagen „fand ich geil“ nie für alle Menschen, die darunter leiden, sprechen. Aber es passiert in ‘ner Häufigkeit, dass ich wirklich schon so was wie eine Tendenz da 

34:00

schon rausgehört hab. Und ich meine es jetzt auch gar nicht auf mich bezogen. Ich meine, so generell auf diese Themen bezogen irgendwie. Ich hab’ das Gefühl, das größere Problem damit haben meistens die Leute, die gar nicht betroffen sind.
Raul: Genau, aber ich glaube, da in dieser nicht-Betroffenheits-Unsicherheit steckt unglaublich viel Comedy-Potential.
Tommi: Absolut. Definitiv.
Raul: Ja also, wir machen dann immer einen Witz über den Behindertenparkplatz und so. Aber wir machen selten einen Witz darüber, dass wir alle unsicher sind. Und das vermisse ich manchmal im deutschsprachigen Raum. Da sind die Amerikaner einfach wesentlich hemmungsloser inzwischen, was auch Comedy angeht. Also ich meine, ich kann Dir Sketche aus meinem Leben erzählen, wo Du Dir einfach denkst, das kann ja wohl alles nicht wahr sein.
Tommi: Bitte! Bitte! Bitte! Bitte!

Normen und Bezeichnungen


Raul: Also es gibt am Hamburger Bahnhof in Berlin ein Museum, ein Neubau. Und der Neubau wird mit so einem Treppenlift bedient. Und Du brauchst eine Viertelstunde, um diese gefühlten fünf Stufen mit dem Treppenlift nach oben zu fahren. Der Neubau braucht eigentlich nur 20 Minuten zur Besichtigung. Dann hast Du halt alles gesehen. Das heißt, Du verbringst ne Viertelstunde in so einem awkward Moment auf so einem super lahmen Treppenlift, den ein Fachpersonal bedienen muss. Und alle stehen sie betreten schweigend daneben.

Tommi: Aber warum dauert es so lang?
Raul: Weil das Ding aus Sicherheits-TÜV-Gründen nicht schneller fahren und nur vom Fachpersonal bedient werden darf. Und Ihr kennt doch dieses Gefühl, Ihr steht im Aufzug, guckt Euch nicht an und jeder ist in seiner Aufzugsecke. Und das eine Viertelstunde lang.
Tommi: Das ist ‘ne halbe Simpsons-Folge. Das ist schon echt lang.

Raul: Voll! Furchtbar! Und darüber mal einen Sketch zu machen. Was Du in der Zeit alles machen könntest, ja: Frühstück zubereiten, Frühstück essen, zwischendurch Tisch abräumen, keine Ahnung, Podcast Folge aufnehmen. Also es ist wirklich absurd, also, nur der Hinweg, ja, und der Rückweg nochmal so lang.
Felix: Äh, ja.
Tommi: Wie ist es eigentlich mit Raststätten hab ich mich letztens gefragt. Da geht‘s doch immer die Treppe runter zum Klo. Oder gibt es da auch mittlerweile Aufzüge?
Raul: ne, da gibts oft so Sanifair-Toiletten, im Erdgeschoss noch.

Tommi: Ah Okay, alles klar.
Felix: Diese Treppenlifts, sind die so genormt? Also kann sich da jeder Rollstuhl einhaken? Oder musste da den speziellen Sanifair-Rollstuhl für haben?
Raul: Ne, das sind einfach so Plattformen, die man so ausklappt am Treppengeländer. Passt jeder Rollstuhl drauf, aber das ist auch so ein Problem in Deutschland. Dass in Deutschland auch alles so überreglementiert ist. Dass diese Dinger dann nur von Fachpersonal bedient werden dürfen, dass der Knopf dauerhaft gedrückt sein muss. Weil es könnte ja ein dreijähriges Kind von diesem Ding  zermalmt werden.
Felix: Boah, da haben wir in der letzten Podcast Folge erst darüber geredet, dass Tommi so ‘nen kaputten Wasserkocher hat, den er die ganze Zeit gedrückt halten muss. [lachen]
Raul: Aber dass solche Dinge dann so langsam sind aus Sicherheitsgründen und da hat man dann manchmal das Gefühl, dass behinderte Menschen halt auch nicht zugetraut wird, darauf zu achten, nicht zu sterben.
[lachen]
Raul: Und am Ende ist es einfach nur kacke für alle.
Tommi: Ja, aber wirklich.
Raul: In meiner Grundschule gab es auch so ein Treppenlift der vier Stockwerke hochfuhr. Das hat ‘ne halbe Stunde gedauert. Da geht die ganze Schulhof-Pause flöten, mit dem Ding runter zu fahren, dass dann meine Klassenkameradinnen mit sieben, acht Jahren, mich runtergetragen haben.
Felix: Ah geil, weil‘s einfach schneller ging.
Raul: Also das war nicht wirklich sicherer. Aber es ging schneller.

Felix: Ja. Du hast ja so ein, 

38:00

wie nennt man diese Art Rollstuhl, die Du hast, also für die Hackies da draußen: Das ist so ein elektrisches Ding, sieht aus wie ein kleines Auto. Wie nennt man das erstmal ganz kurz?
Raul: Das ist ein Elektro-Rollstuhl.
Felix: Das ist einfach nur ‘n Elektro-Rollstuhl. Bist Du schon mal liegen geblieben, Alter?


Raul: Im letzten Jahr zweimal einfach so, weil ich verpeilt hab’ das Ding aufzuladen.
Tommi: Scheiße
Raul: Das liegt daran, dass der Akku ungefähr vier Tage hält. So ein Handy, ne, das hast du das Ritual lädste jeden Abend auf, und dann ist es halt am nächsten Morgen voll. Aber so alle vier Tage, so ein Rhythmus hast Du im Leben ja gar nicht, und dann vergisst du es halt. Jedenfalls wollte ich euch Fragen: ich hatte mein Leben lang kleine Rollstühle, weil ich einfach ein kleiner Mann bin. Und die heißen immer alle so “Dino“, “Body“ oder “Squirrel“. So als Kinder-Rollstuhl-Namen.
Felix: so Kinder-Wörter.
Raul: ja so.. Und dann hab ich gefragt, warum heißen die eigentlich nicht geil? Sowas wie „Conqueror“, „Surviver“ oder „Explorer“.
Tomi: Stimmt, „4×4-Destroyer“
Raul: ja, genau. Wie würdet ihr einen Rollstuhl nennen?
Felix: „Thunderbird“! Ich würde ihn „Thunderbird 3000“ nennen. Einfach so‘n Action-Name.
Raul: Ja meiner heißt „Permobil F5“
Felix: Woah, das ist ein humorloser Name.
Raul:  Aber „Permobil“, wie „Sperma“, “Sperrmobil.“
Felix: ja, oder „Sperrmüll“ das klingt nicht so geil. Aber du bist doch völlig frei, Alter. Geh doch mal auf „Flyeralarm“ und mach dir einfach mal so ein, wie so einen prolligen Heck-Fenstersticker und schreib dann einfach mal „Thunderbird“ darauf mit so Flammen oder sowas. Wie so Matchbox. 

Raul: oder AMG-Logo einfach.
Tommi: Ja genau. AMG-Logo einfach, und so Spinner-Felgen. Alles komplett so von „Pimp my Ride“, weißte? Die machen Dir noch so‘n Flat Screen unten drunter.
Felix: Und ‘n Aquarium. Da kommt Xzibit der macht Dir das Ding fertig. Raul: Aber nein also mal im Ernst. Als Ihr die Sendung gesehen habt ne, das war doch oft eher peinlich, als cool. Lahm. Also wer baut sich denn ein Aquarium im Auto und warum?
Felix: ja, ja und die haben auch immer sich an einem Stichpunkt aufgehangen, so ja. Angeblich bringt dieser junge Typ auf einmal jeden Tag seine Oma irgendwohin. Das haben die irgendwie alle gemacht. Jeder hat da irgendwie seine Oma irgendwohin gebracht und deshalb haben wir hier für Deine Oma noch ein Schuhregal in den Kofferraum gebaut, ey.
Raul: Natürlich!
Felix: also „samma“!
Tommi: Oder Xzibit stand immer in irgend ‘nem Wendehammer. 

40:45

Das war echt eine so merkwürdige Sendung, keine Ahnung.

Was man von Kindern lernen kann

Tommi: Du hast eben schon von Kindern gesprochen. Kinder, Mitschüler, die Dich die Treppe runtergetragen haben, die sehr offen waren. Das jetzt so ‘ne sehr logische Beobachtung: Aber Kinder sind in dem ganzen Thema wahrscheinlich sehr viel offener als Erwachsene. Und jetzt eine pathetische Frage, was kann man von Kindern in dem Umgang mit dem Themenkomplex noch lernen?
Raul: Was ich total spannend an Kindern finde, dass sie sehr schnell sich an neue Situationen gewöhnen können. Das heißt, wenn Kinder mich zum ersten Mal sehen, sind sie natürlich mega neugierig und wollen alles wissen. Wenn sie dann aber nach fünf oder zehn Minuten gerafft haben, dass der Mann einfach „nur klein“ ist und auch ein Lieblingseis hat oder Fischstäbchen mag…
Felix: Was ist Dein Lieblingseis?
Raul: Schoko natürlich, ja
Tommi: Ja sehr gut, mit Schokosoße noch drüber. Ich geb es mir immer richtig.
Raul: Ja natürlich! Die sagen einem auch total freiwillig, was ihr Lieblingseis ist. Und realisieren dann beim nächsten Mal, wenn sie sich wiedersehen, dass man mit Dir ganz normale Gespräche führen kann. Und das glaube ich, kann man von Kindern wirklich lernen. Und Neugier bei Kindern finde ich völlig okay.
Felix: Wie, würde man das zusammenfassen, so eine Art Unbedarftheit oder Unvoreingenommenheit und so diese ungefilterten Fragen. Auf eine Art wahrscheinlich, wa?
Raul: Genau.
Felix: Also effektiv fragen Dich Kinder ja wahrscheinlich das, was Dich jeder zweite Erwachsene auch fragen wollen würde, sich aber aus irgendwelchen vermeintlichen sozialen Zwängen oder Gepflogenheiten heraus nicht trauen. Raul: Genau und dann so rumeiern und dann erst recht alles falsch machen. Aber wie gesagt, wenn man erwachsene Menschen kennenlernen will, das ist immer cool, erst zu fragen wie man heißt und was man macht. Und nicht zu fragen: “bei wem sind Sie in Behandlung?”
Felix: Ah ja.
Raul: Keine geeignete Kennenlernfrage.
Felix: Das ist auch ein richtig komischer Opener. Das ist, wie wenn du in ‘nen Club gehst und eine Frau nach ihrer Emailadresse fragst, ganz cool. [lacht]
Tommi: Das ich mach ich aber.
Felix: Richtig komischer Opener.
Raul: Haben Sie ‘ne Steuernummer? 

Jerks 

Felix: Du hattest ja auch schon paar Mal so Sketche. Du hast auch mal was mit Ulmen gedreht, glaub’ ich.
Tommi: Jerks!
Felix: Mit Christian Ulmen bei Jerks und du postest auch manchmal auf Instagram. Ich kann übrigens Rauls Instagram sehr empfehlen, weil da sind immer immer gute Quotes bei und immer auch Jokes. Also gönnt euch Rauls Instagram.
Raul: @raulkrauthausen.
Felix: Hattest du auch mal so ein Foto wo Du irgendwie im Kühlschrank sitzt und dann macht jemand den Kühlschrank auf und Du reichst ihm irgendwie das Getränk, was er haben will?
Raul: Genau
Felix:  einfach „sowas braucht jeder Zuhause“-mäßig.
Raul: Auf‘m Tempelhofer Feld, da kannst du diese geilen Elektro- Kinderautos leihen. Mit dem Ding mal so einfach übers Feld zu fahren ist so geil, macht so Spaß!
Felix: ja macht richtig Bock. Aber jedenfalls wenn Du diese Jokes machst oder wenn Du bei Jerks mitspielst, oder sowas, wie ist dann das Feedback aus der Community so? Wäre erstmal ‘ne Frage. Gibt es überhaupt sowas wie eine wirkliche Community an behinderten Menschen? Aber ist das Feedback dann eher positiv? So, ja, finde ich witzig oder finde ich cool, oder mach mal nicht den Behinderten für die Deutschen, so nach dem Motto?
Raul: Beides. Also ich hab auch Ärger bekommen für diesen Witz einfach weil…
Felix: Welchen Witz jetzt, für den Kühlschrankwitz, oder den bei Jerks?
Raul: Bei Jerks.
Felix: Kannst du nochmal erklären für die Leute?
Raul: Also bei Jerks ist ja immer alles so ein bisschen wie so ein Verkehrsunfall, ne? also Du guckst in diese peinlichen Situationen rein und diese Situation wird so lange gespielt, bis es einfach nicht mehr geht. Und es gibt da die Szene, dass Anna Maria Mühe, mit mir am Filmset ist, wo gerade Jerks gedreht wird. Und in Jerks also selbstreferenziell, in Jerks wird Jerks gedreht. Und Anna Maria Mühe bringt mich zum Set mit und erzählt 

45:00

Christian Ulmen und Fari, dass ich Drehbuchautor sei und wie man mein Drehbuch verfilmen möchte, weil er behindert sei. Und sie sich jetzt praktisch erbarmt, mich zu promoten und Christian Ulmen verpflichten möchte in diesem Film die Hauptrolle zu spielen. Und Christian Ulmen will aber partout nicht. Aber sie spielt halt so die harte Moralkeule und weint und alles ganz dramatisch und so. Ich steh’ halt nur daneben und sag so: „ja is halt wie in Breaking Bad, nur eben mit Glasknochen“. „Breaking Bones“ so heißt das Buch und ja, wir verkaufen halt Drogen und ja ist halt ganz normal so.” Und ich rede ganz normale Sätze, aber alle anderen verhalten sich halt völlig falsch.
Felix, Tommi: ja
Raul: Und gleichzeitig ist Christian Ulmen ja nun aber auch auf der Suche nach einem kleinen Kinderfuß, weil er ein Gipsabdruck von irgendeinem Fußballstar, dessen Namen ich grad nicht mehr weiß, aus Versehen zerstört hat. Oder der Fußballer sein Kinderfuß hat eingipsen lassen, bevor er ein Star wurde. Lange Rede, kurzer Sinn. Er sieht mich und will dann meinen Fuß letztendlich als Wiedergutmachung eingipsen lassen. Und so entsteht eine peinliche Situation nach der anderen.


Tommi: Aber das ist eigentlich genau das, was Du eingangs gesagt hast. Das ist eigentlich der richtige Humor, wo man quasi das thematisiert, dass sich die Leute falsch verhalten.
Felix: Dass die Leute rumeiern.
Tommi: Dass die Leute rumeiern, dass sie sich falsch verhalten und dass dadurch alles viel schrecklicher wird, anstatt von Anfang an zu sagen, so und so ist es oder ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Raul: Der Vorwurf war halt, dass zwei Cis-Männer eigentlich die ganze Zeit Witze darüber machen, wie sie Minderheiten fertig machen, beziehungsweise ausnutzen und exploiten.

47:00

Und ich dann auch noch als jemand, der es eigentlich wissen müsste dieses Spiel mitspielt.
Tommi: ok
Raul: Ich verstehe die Kritik, ich teile sie im Ansatz. Würde es wahrscheinlich so nicht nochmal machen. Aber ich bereue es jetzt auch nicht und ich kenne auch viele Menschen mit Behinderung, die es einfach mal cool fanden, im Mainstream-Fernsehen auch repräsentiert zu sein. Und nicht wieder so ähnlich wie bei “How to sell Drugs online“ einen nichtbehinderten Schauspieler eine Behinderung spielen zu lassen, was ja auch so ein permanentes Issue ist in Deutschland.
Tommi: Das wird Christian nicht gerne hören, dass du seine Sachen als Mainstream Fernsehen bezeichnet hast. 

47:45

Raul: Ja, wir kennen uns ja gut.
Tommi: [lacht] ja, alles gut.
Raul: Was ich an Christian auch cool finde, dass der die Kritik dann auch sieht und teilt und sagt so, ja, er will jetzt nicht den Persilschein von mir haben, dass es jetzt gut ist. Denn er wusste natürlich auch, wer so steil geht, muss dann auch die Konsequenzen tragen. Und er hat sich halt dafür entschieden, sie zu tragen. 

Gebärdensprache und Gehörlosigkeit 

Felix: Ja absolut. Wir haben heute sowieso so eine Special Folge. Weil das erste Mal Du auch Fragen mitgebracht hast. Du hast vorhin von sechs Fragen gesprochen.
Raul: Ich habe schon zwei gestellt.
Felix: Genau zwei hast du schon gestellt. Wollen wir mal reingehen in Deine Fragen hier?

Raul: könnt ihr eine Gebärde der Gebärdensprache?
Felix: Ich kenn “Fick dich“. 

48:36

Raul: Ja, dann zeig’ mal. Mhm, mhm, toll. Das ist international
Felix: Das ist international. Ich bin früher ab und zu mal in Mainz, vor Jahren, so vor 8, 9, 10 Jahren vielleicht her, bin ich in Mainz bei so Poetry Slams aufgetreten und es war tatsächlich, glaube ich, der erste deutsche, barrierefreie Poetry Slam für Menschen mit, für Taubstumme, weil da wurde…
Raul: Gehörlose! Taubstumm ist der politisch nicht korrekte Ausdruck. Weil taub heißt ja nicht gleichzeitig stumm.
Felix: Für Gehörlose. Und da wurden die Texte zeitgleich in Gebärdensprache übersetzt. Das fand ich total faszinierend und ich glaube ich habe mir damals auch irgendwie „Ich bin Felix“ mal erklären lassen, was es bedeutet, wenn wenn ich mich so vorstellen würde. Ich hab‘s aber wieder vergessen. Also meine Gebärdensprachen-Skills sind 0.
Tommi: Meine leider auch muss ich sagen, muss ich gestehen.
Raul: aber Ihr kennt doch die Pommesgabel, oder? Als Geste.
Fleix: Die Heavy Metal.
Raul: Wenn man jetzt noch den Daumen ausstreckt ja, dann ist das die Gebärde für „I Love you“. Also, dass der kleine Finger für “I“ der Zeigefinger und Daumen für „L“ und der kleine Finger und der Zeigefinger zum „U“ heißt „I Love you“.
Tommi: also, die Metalheads auf Wacken zeigen einfach ihre Zuneigung den Bands gegenüber, vielleicht.
Felix: Die machens ohne Daumen.
Raul: Die zeigen „U“
Felix: „U ist das toll“? Ist Gebärdensprache eigentlich international? Gibt es auch verschiedene Sprachen, also ist spanische Gebärdensprache genauso wie deutsche Gebärdensprache?
Rual: Es gibt sogar innerhalb Deutschland verschiedene Dialekte. 

Tommi: Nein, ernsthaft?
Raul: ja, die aber auch natürlich trotzdem verstanden werden. Es gibt Ähnlichkeiten, aber es gibt zum Beispiel keine Garantie, dass Du als Deutscher auch die amerikanische Gebärdensprache verstehst und umgekehrt.
Felix: Ach krass ja.

Tommi: Ich hab mal ‘ne ganz, nicht traurige Nachricht, aber eine Nachricht, die mich total mitgenommen hat, bekommen. Hab ich, Felix, Dir auch nie erzählt. Mir hat jemand geschrieben, dass also jemand, der taub ist oder gehörlos ist, hat von seinem Bruder erfahren, dass der Podcast so lustig sei und ob es irgendeine Möglichkeit gibt, ihm den auch irgendwie zuzuführen in Form von transkribieren oder wie auch immer. Und ich konnte damit irgendwie nicht richtig umgehen, weil es ist sehr wahrscheinlich in Serie nicht möglich als Podcast, wenn man jetzt ganz ehrlich ist hier. Also das ist natürlich ein extremer Mehraufwand, wenn das jetzt immer transkribieren würde.Aber ich ich versteh den Punkt total. Da hab ich wieder mal gemerkt, da hab ich nie drüber nachgedacht, dass das ja ein Medium ist, was für Gehörlose einfach nicht stattfindet, dieser Hype, der ja total da ist.
Raul: Also wir in unserem Verein Sozialhelden haben auch ein Magazin. Das nennt sich dieneuenorm.de mit angeschlossenem Podcast und da transkribieren wir wirklich jede einzelne Podcastfolge.
Felix: Schriftlich oder mit Gebärdensprache?
Raul: Schriftlich. Das geht inzwischen auch fast automatisch, weil da gibt es ja ganz gute Software, die das kann. Man muss es dann „nur Korrekturlesen“. Is’ Arbeit, klar! Aber wär’ vielleicht ‘ne Idee für Euch.
Tommi:  Frage, wie wird das angenommen? Also ist Podcast transkribiert ein Medium, was also textlich, was überhaupt funktioniert? Weil das ist ja eigentlich so ein „by the way“-Medium, ne? Also hinzusetzen, da liest man glaub ich eher ein Buch. Weil, ich glaube, wenn man das, was Felix und ich hier so verzapfen, transkribiert vor sich sehen würde, würde man glaube ich denken „Oh Gott, was ist das denn? Wieso ist das denn so erfolgreich?“
Raul:  Ja, ich glaub’, man muss das ausprobieren. Ist ja von Podcast zu Podcast unterschiedlich. Wir sind inzwischen dazu übergegangen, dass es dann auch Unterüberschriften gibt und thematische Blöcke und vielleicht auch teilweise Zusammenfassung. Das ist sicherlich ein halber Tag Arbeit, lohnt sich aber, wenn man da jemanden dransetzt. Das solltet Ihr hier beide auch machen.
Felix: Ne, Spotify soll das machen! Lassen wir die das machen. Die sollen einfach irgendeinen Schweden mal abstellen Alter, der sich da hinsetzt 

53:00

und den ganzen Tag unseren Quatsch da abtippt.
Tommi: Leg’ mal die Köttbullar beiseite und transkribier mal Gemischtes Hack mal eben kurz.
Felix: Jetzt komm’, jetzt lass’ mal den Dorsch in Ruhe. Ich glaub’ übrigens, dass aber unsere Podcasts transkribiert, die lesen sich wirklich wie so‘n rechts nationales Kampfblatt?
Tommi: Oh Gott oh Gott oh Gott!
Felix: Wenn Du die ausgeschrieben siehst…
Tommi: entweder kriegen wir dann so nen Duden geschenkt, oder wir müssen so direkt nach Den Haag vor‘s Tribunal. Ich glaube auch!
Felix: Aber sofort! Also die Instanzen überspringen einfach.
Tommi: Ich glaube, das wird sehr aus dem Zusammenhang gerissen. Das sind dann nur unsere Kunstfiguren. 

Berührungsängste und Bewertungen

Raul: Also wichtig ist einfach, dass wir das Thema Behinderung, behindert sein, nicht immer als etwas betrachten, das irgendwie nervig ist, Leid erzeugt oder so. Sondern, dass wir vielleicht auch überlegen, wie können wir die Inhalte, die wir produzieren, generieren -das gilt ja für mich auch – möglichst vielen Menschen zugänglich machen? Und dann auch von diesen Menschen vielleicht ganz viel lernen. Und ich habe zum Beispiel gelernt, dass Menschen mit Behinderung, genau so nette Menschen oder Arschlöcher sein können, wie Menschen ohne Behinderung auch und dass es auch wichtig ist, mal zu sagen, kein Applaus für Scheiße. Ja?
Felix: Absolut ey! Woah, danke Raul, Mann.

Raul: Das heißt ja nicht, dass das nur, weil jemand behindert ist, und ein Bild malt, dass das jetzt automatisch Kunst ist, sondern es muss halt auch gute Kunst sein und das gilt in jedem anderen Bereich auch. Gilt aber im Umkehrschluss dann eben auch, dass Behinderung nicht automatisch bedeutet, die Person leidet, hat Schmerzen, ist an den Rollstuhl gefesselt.
Felix: Oder es ist per se irgendwie alles scheiße, wenn sie künstlerisch was produziert.

Raul: Genau, für mich bedeutet der Rollstuhl Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung. Und Ich  

55:00

möchte da drin meine Kunst ausüben und auch für sie kritisiert werden, wie andere Menschen auch. Ich hatte mal ‘ne super peinliche Begegnung in einer Stadt in Bayern.

Tommi: Das hatten wir alle schon.
Raul: Wir hatten Inklusions-Tage gefeiert. Das ist immer sehr awkward. Weil das so eine Inklusions-Folklore wird plötzlich und alle sich feiern. Und dann gab‘s zur Pausenunterhaltung eine Band, die Musik gespielt hat und die Musik bestand ausschließlich aus Menschen mit geistiger Behinderung, die man in so super hässliche Kostüme gesteckt hat, wo ganz groß der Name der Werkstatt aufgedruckt war. Dann hatten alle orangene Sandalen an und grüne Schirmmützen und ein blaues T-Shirt, also alle gleich. Und die hatten dann so diese Trommeln mit diesen Schellen dran und sollten dann immer im Rhythmus Ding Ding Ding machen, weil der einzige, der Musik gemacht hat im Sinne von Singen, war der nicht-behinderte Ausbildungsleiter.
Tommi: Oh Gott
Raul: Und alle hatten gefeiert und geklatscht, und fanden es total toll und inspirierend und blah. Und mein Assistent, der mich an dem Tag begleitet hat, der meinte: „Also, das tut mir so leid um die Menschen mit geistiger Behinderung da auf der Bühne“, dass sie halt erstmal alle gleich aussahen, weil die alle gleiche Anzüge an hatten, dass sie dann nicht ihre eigene Kunst darstellen sollten, sondern das, was der nicht-behinderte Sänger da von denen wollte. Und das eigentlich wie so ein, Zirkus sich die ganze Zeit anfühlte.


Tommi: Ja aber wirklich, da hab ich jetzt auch direkt dran gedacht?
Raul: Super fremdschämend
Felix: Ja, ich sehe absolut die Kritikpunkte, wobei man jetzt natürlich auch wohlwollend argumentieren könnte, dass wenn Du ein 

57:00

„normales Konzert“, sag ich jetzt mal, so die die Background Sänger oder sowas. Die sind oft auch alle gleich angezogen und natürlich richtet sich das Instrumental quasi nach dem, was der Sänger/die Sängerin möchte. Also man könnte auch sagen zu letztlich nicht so …
Raul: Dann nennst Du das aber nicht „Werkstatt Express“
Felix: Das ist auf jeden Fall ein Problem.
Raul: Dann heißt es halt „Jochen“ und dann sein Soloauftritt mit Background Sängern.
Felix: Ja, absolut.
Raul: super, super, unangenehm.
Felix: Oh ja. Ich finde übrigens Raul, Du könntest glaub’ ich auch so Tune Rap machen, weil ich finde Deine Stimme klingt manchmal schon so als ob Du einen leichten Filter drauf hast.
Raul: das ist hier der Algorithmus …. 

Quoten und Chancengleichheit

Felix: Aber, was Du davor gesagt hast, wollte ich nochmal ganz kurz sagen, weil ich ich finde wirklich, dass es so eine banale Erkenntnis ist. Ich verstehe nicht, warum es für so viele Menschen so schwer zu verstehen ist, dass auf eine Art also, dass Gleichberechtigung oder so „Wir sind alle irgendwie als Menschen gleich“ wirklich bedeutet, dass die Verteilung an coolen und scheiß Menschen unter allen Minderheiten, Mehrheiten einfach gleich ist, weißt Du. Also genauso viele Türken sind Arschlöcher, wie Deutsche, Männer sind genauso unlustig wie Frauen. Warum sollte es anders sein?
Raul: Genau. Wir müssten den Leuten die Chancen geben, lustig zu sein.
Felix: Absolut! Also das ist ja immer so der krasse, also Chancengleichheit ist wirklich, glaub’ ich der der fairste Mechanismus, den es gibt. So wenn jeder Mensch denselben fairen Shot hat, so. Überzeugt zum Beispiel viel mehr, als Quoten. Aber das macht jetzt ein zu großes Thema auf.

Raul: Wobei ich glaube bei Quoten seh’ ich den Punkt, der auch immer wieder angeführt wird.

59:00

Ich glaube, wir müssen durch dieses Tal gehen, mit der Angst, dass dann die Quote vielleicht erstmal dazu führt, dass unlustige Leute oben sind, ja. So lange, bis einfach, sagen wir mal, die Comedy-Kultur usw. gelernt hat, Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund auch entsprechend die Möglichkeiten zu geben, sich auszubilden, um gut zu werden.

Felix: Ja. Ne, glaub ich nicht. Seh ich anders. Aber also diese Quoten-Diskussion, die macht wirklich zuviel Thema auf. Also ich sehe diese pro-Argumente für Quoten, da geht es letzten Endes immer so More-exposure-Effekte. Sprich, wenn man ‘ne Sache öfter sieht, dann normalisiert sie sich. Und das ist quasi wie ein erster Stein, der ins Rollen kommt. Was ich aber glaube, also es wäre vielleicht auch mal ‘ne Frage oder sowas, die man einfach so in den Raum stellen könnte. Aber das impliziert ja auch so ein bisschen, dass die einen nur Menschen inspirieren oder nur Menschen als Vorbild für einen dienen können, die auf ‘ne Art so sind, wie man selber. Weißt Du, was ich meine? Also ich meine, dass Dich als behinderten Menschen nur ein anderer behinderter Comedian irgendwie inspirieren und motivieren könnte, selber auf die Bühne zu gehen.

Raul: Äh, ja nee, das glaube ich nicht. Aber ich glaube, dass man…
Felix: Aber das ist ja implizit so ein bisschen das Argument, oder? Wenn Du sagst, man braucht diese Quote so als als Vehikel, damit das erstmal überhaupt stattfindet und dann werden schon mehr Menschen, die im Rollstuhl sitzen, sich auf die Bühne trauen, weil sie gesehen haben, das geht. Aber also ist das wirklich so, ich glaube…
Raul: Aber trotzdem hab ich auch weibliche Vorbilder.
Felix: Genau, zum Beispiel! Also das ist so voll der Punkt so.
Raul: Also das weibliche Vorbild, das ich hätte, wäre Ruth Bader Ginsburg. Die verstorbene Verfassungsrichterin in den USA. Und die war zu ihrer Zeit auch die erste Frau, die 

61:00

sich da oben hingekämpft hat. Und die hat super krasse Widerstände erlebt und hat mich als Mensch mit Behinderung inspiriert in der Aussage, dass auch nicht-behinderte Menschen ein Recht darauf haben, viel mit behinderten Menschen zusammenzuleben, weil sie gesagt hat,  Geschlechterdiskriminierung in der US-Verfassung betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Und, ich glaube, das gibt dann schon auch Inspiration außerhalb der eigenen Bubble.
Tommi: Ich bin auch absolut überzeugt, dass du Pioniere und First Mover brauchst und Leute, die inspirieren. Sei es, wie die Dame, die Du jetzt genannt hast, als Richterin, oder auch Michelle Obama oder wer auch immer. Also ich glaub’, du brauchst schon Personen, an denen sich Leute dann aufrichten und die Pioniere sein können. 


Felix: Aber das ist doch alles kein Argument für Quoten. Also natürlich braucht‘s irgendwie Menschen, die das Eis brechen.
Tommi: Aber was ist die Alternative?
Felix: Bitte? Chancengleichheit! Chancengleichheit ist die Alternative.
Chancengleichheit ist die einzige Möglichkeit. Wenn jeder und jede einen fairen Shot hat, dann braucht es diese Quote nicht. Weil beides irgendwie auf eine Art Utopien sind, finde ich den Drachen Chancengleichheit, dem hinterher zu jagen bedeutend zielführender als Quoten. 


Raul: Ich glaube, die Chancengleichheit ist halt schneller ein Lippenbekenntnis und schwer messbar im Vergleich zu ‘ner Quote, was so‘n leichter auch actionable ist, also sozusagen „Quote nicht erfüllt, also musst Du Strafe zahlen“, aber zu sagen, „Chancengleichheit nicht erfüllt“? Wie 

63:00

misst du das?
Felix: Das ist ein sehr gutes Argument. Die Frage ist wo, wie berechnest Du Quoten? Also wo ziehst du die Trennlinien? Willst Du quasi in jedem Berufsfeld quasi eine 1:1-Repräsentanz nach Prozent an der Gesamtgesellschaft vertreten haben? Und alles, was nicht so ist, ist quasi das Ergebnis von Diskriminierung, so? Dafür bräuchte es ja quasi erstmal sowas wie‘n umfassenden Mikrozensus entlang aller Diskriminierungsdimensionen, damit man überhaupt erstmal eine Bestandsaufnahme hat. Was müsste denn wo wie repräsentiert sein?
Raul: Ja, aber das ist oft, so eine Argumentation von Leuten, die sehr konservativ, eigentlich bloß nichts verändern wollen, weil das ist ja zu kompliziert. Ich glaube, das ist halt wie so die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, wo man auch sagen kann ja, das ist noch ein weiter Weg, aber der Weg lohnt sich.
Felix: Ja genau, aber es impliziert, also diese Argumentation für ‘ne Quote tut ja auch immer so, also ich bin mir absolut sicher, dass es in ganz vielen Bereichen irgendwie also ganz viele Minderheiten… Egal welche, werden in vielen Sachen total diskriminiert und haben es schwerer und da brauchen wir alles nicht drüber sprechen. Aber es impliziert ja auch so ein bisschen, dass alle auch jeden Beruf machen wollen, beispielsweise. Das ist ja auch nicht so. Also zum Beispiel Comedy so. Wenn ich mir bei den Open Mics so, wo wirklich jede und jeder auftreten, wo es einfach keine Eintrittsbarriere gibt angucke, wer da die Newcomer sind so. Da ist die Männer/Frauen-Verteilung trotzdem 80/20. 


Tommi: Aber das ist jetzt die Glaubensfrage, woran das liegt. Also das ist wahrscheinlich wirklich eine Glaubensfrage.
Raul: Vielleicht. Ist es aber nur da Diskriminierung, wo es dann auch, sagen wir mal Menschen sich diskriminiert fühlen? Da muss ja nicht automatisch eine Diskriminierung vorliegen, wenn es 80/20 ist. Es kriegen auch hundert Prozent aller Menschen Kinder, die nicht Männer sind.
Felix: Absolut, aber das sind ja alles so Grundannahmen von einer Quote. Weil sonst funktioniert diese ganze Argumentation für eine Quote ja nicht.
Raul: Ne, ich glaube, es ist viel Hebel um die Chancengleichheit zu erzeugen. Und da schwingt dann oft einfach so die Angst mit der Menschen, die momentan die Quote nicht erfüllen, Macht teilen zu müssen. Und ich versuche dann immer zu unterscheiden, ist es wirklich die Angst vor dem eigenen Machtverlust oder es ist wirklich jetzt gerade ein Issue oder ist das rein theoretisch?

Tokenism und “Barrieren in den Köpfen”


Tommi: Und da ist es schnell ein Lippenbekenntnis. Also vielleicht profanes Beispiel, aber in dieser “Hochzeit”, allein das so zu nennen, ist sehr perfide. Aber in der Hochzeit der Black Lives Matter Bewegung waren plötzlich alle Talkshows in Deutschland sehr aware und haben schwarze Menschen eingeladen und das ist irgendwie auch wieder vorbei. Also, das war so in dieser Zeit, so wir müssen jetzt darauf achten und plötzlich ist das auch irgendwie kein Thema mehr. Also, das war dann auch ein Lippenbekenntnis. Wir machen das aber, irgendwie sehe ich das gerade nicht mehr, vielleicht es aber auch so ne selektive Wahrnehmung.
Rual: Das nennt man dann Tokenism. Ja, aber ich glaube, total spannend fand ich jetzt die Hype-Tour von Euch, wo Du dann mit, mit Kinan und Faisal
Felix: die Stand-up 44 Tour
Raul: Genau, dass Ihr da unterwegs wart. Und das natürlich auch, sagen wir mal mit Migrationshintergrund, die sich dann auch mit Dir die Bühne geteilt haben, ja. Die vielleicht ohne Dich, das vielleicht nicht so getan hätten und es war schon mal ein Anfang und ich…

67:00

Felix: Aber! Es geht um Stand-up 44, Kinan Al, Kawus Kalantar und Daniel Wolfson. Kinan ist Syrer, Daniel ist jüdischer Russe und Kawus ist Iraner und ich bin Deutscher. Das ist der Cast, aber das Ding ist, Raul, ich hätte die auch genommen, wenn sie alle weiße Männer gewesen wären oder wenn sie alle, was weiß ich, asiatische Frauen gewesen wären. Die sind einfach witzig.
Raul: Ja, ist doch ok. Dürfen sie ja sein.
Felix: genau, aber verstehst Du, worauf ich damit hinaus will? Also dieser Cast ist nicht so entstanden, um irgendwie eine möglichst diverse Truppe oder sowas zusammenzustellen, sondern einfach die, die sind einfach die besten für den Job gewesen so. 
Raul: Ich wollte dir eigentlich grad Honig ums Maul schmieren.
Tommi: [lacht]: …jetzt nämlich doch scheiße
Raul: Ne, weil ich kenn’ diesen Vorwurf aus meiner Arbeit, ne. Also mir wird oft vorgeworfen, ständig muss ich mich gerade zu jedem Scheiß äußern. Ich habe heute gerade etwas über Gebärdensprache gesagt, dabei bin ich nicht gehörlos. Überall hält Raul seine Fresse hin, wenn es um das Thema Behinderung geht. Wo sind denn all die anderen? Und dann hab ich mir schon auch oft die Frage gestellt, okay was kann ich denn tun, um auch mehr Vielfalt abzubilden? Und das ist nicht einfach. Ich will ja auch nicht, sagen wir mal nur diese Quote erfüllen der Quote wegen. Dann muss es irgendwie auch wirklich Mehrwert haben und dann auf die Suche zu gehen und zu schauen, ist da was dran? Ich stelle zum Beispiel gleichzeitig fest, wenn ich dann Leute weiter vermittle für Anfragen, finden hundert Prozent dieser Weitervermittlungen nicht statt. Also mit irgendjemand was machen über, keine Ahnung, Behinderung und Corona. Und ich sag’, frag’ doch mal jemanden der gehörlos ist, dann wird er nicht gefragt.
Felix: Der ist nicht rangegangen. Spaß

69:00

Raul: Ja, oder es findet einfach nicht statt. Und dann ist es besser, jetzt gar nichts zu machen, oder soll ich es dann machen? Ich weiß auch nicht. Aber diese Frage, glaube ich, muss man immer mit einer leichten Demut diskutieren.
Tommi: Das ist ein sehr, sehr großes Themenfeld. Jetzt also…
Felix: Ich glaub’, das hatte ich bei unserem ersten Treffen auch genannt. Ich glaub’, ich hatte Dich gefragt, ob es Dich nervt, so in Deutschland der „Go to“-Behinderte zu sein. Also irgendwie, also im Wesentlichen genau das, was Du gerade meintest.
Raul: Ja, es ist anstrengend. Es ist eine große Verantwortung. 


Felix: Und Du wolltest es ja auch gar nicht sein, wahrscheinlich. Also, das ist ja genau, was du gerade meintest. Wir stellen Dir Fragen zu Gebärdensprache, obwohl es überhaupt nicht Dein Bereich ist so. Ja also man könnte ja quasi auch… Es gibt garantiert auch Leute so aus der Community, die dann so ja, warum kriegt der jetzt hier das ganze Spotlight, der hat doch keine Ahnung und so, blablabla
Raul: Genau
Felix: Obwohl Du das ja gar nicht werden wolltest. Also Du hast ja nie gesagt, ich bin jetzt hier der Mann, für wenn es um Behinderungen geht, sprecht mich an.
Raul: Aber ich hab zum Beispiel von der Black Lives Matter Bewegung gerade ganz viel Inspiration mitgenommen. Wo zum Beispiel ich inzwischen auch für mich sage, ich rede nicht mehr über meine eigene Diskriminierungserfahrung. Sondern ich rede nur noch darüber, wie wir Barrieren in der Gesellschaft abbauen oder Inklusion erreichen. Ich rede nicht mehr über das ‘Ob’. Also wenn mich irgendjemand filmen will, wie ich vor einer Treppe stehe oder wieder erzähle, dass ich irgendwo nicht reinkomme, könnt Ihr gerne jetzt jemand anderen fragen. Aber ich stehe dafür einfach nicht mehr zur Verfügung. 
Felix: Lass’ das mal die Newcomer machen!

70:47

Die Newcomer sollen erstmal! „Was ich schon vor Kameras vor Treppen stand, Leute! Jetzt Ihr mal. Der Papa hat sich das hier auch mal irgendwann erarbeitet.“
Raul: Es gibt Fotos von mir, vor dem Fernsehturm oder so, am Alexanderplatz, nur um ein Bild mit dem Rollstuhlfahrer in Berlin zu zeigen.
Felix: Ich glaube wir leben auch in der Zeit, wo man irgendwie Diskriminierung einfach mal so als Axiom nehmen kann, also das muss man nicht mehr beweisen, so. Also weißt Du, wie ich meine?
Raul: Aber wie oft dann schwarze Menschen irgendwie bei Markus Lanz und so irgendwie so ein Seelen-Striptease machen sollen und dann weiße Menschen sagen „ja nö, Diskriminierung gibt es bei uns nicht“. Einfach die Fresse halten!
Felix: Ja, das Sein bestimmt das Bewusstsein wahrscheinlich. Also ich glaube, in Deutschland ist es halt auch so, dass Du aus, das wär auch noch eine Frage, die mich interessieren würde. Dass halt außerhalb von Städten wie Berlin, Köln, Hamburg, Ruhrpott was weiß ich was so? Wo es zum Beispiel wenig Multikulturalität gibt, ist die Wahrnehmung davon wahrscheinlich auch eine ganz andere von deren Lebensrealitäten so. Mich würde interessieren, vielleicht auch so ein bisschen langsamer gegen Ende. Merkst Du einen krassen Unterschied so im Umgang mit Dir, zwischen Stadt und Land?

Raul:  Ähm ja, also je kleiner die Region ist, in der ich bin, desto mehr falle ich auf. Also in Berlin, würde ich sogar schon sagen, geh’ ich fast schon im Stadtbild unter. Also man guckt mir nicht mehr so hinterher, wie man das vielleicht im Dorf tun würde.
Tommi: Aber auch, weil Du ein Promi bist, in Berlin. 
Raul: Ähm ne, man guckt mir nicht mehr so hinterher, weil viele Leute einfach sagen ja, hier sieht jeder anders aus. Auf‘m Dorf bin ich wahrscheinlich der erste Rollstuhlfahrer des Jahres gewesen. Und das fällt schon sehr stark auf. Aber was ich spannend finde, dass Du vorhin gesagt hast, dass viele Menschen vielleicht gar keine Berührungspunkte haben zum Thema Schwarze, Behinderte, was auch immer. Ich stelle mir dann die ganze Zeit die Frage, würde mich mal eure Meinung interessieren, ob diese Erzählung, die die ganze 

73:00

Zeit gemacht wird auch in den Medien, dass wir die Bevölkerung aufklären müssen. Also, wir müssen die Bevölkerung aufklären, dass es Menschen mit Behinderung gibt, dass sie auch Rechte haben, dass man Ausländer nicht jagen darf. So also dieses, wir müssen die Bevölkerung mitnehmen, abholen, da, wo sie stehen und so. Aber die Menschen nicht einfach auch dümmer machen, als sie sind.
Tommi: Total! Absolut!
Raul: Also muss ich wirklich meinen Nachbarn davon überzeugen, dass behinderte Menschen, auch Menschen sind? Und wenn er anderer Meinung ist, ja, dann ist er halt ein Arschloch. Aber dann wird ihm auch keine Broschüre oder Werbespot helfen. Sondern das einzige, was ihn umstimmen kann, ist die Begegnung. Und das gilt auch für die verfickten AfD-Wähler. Sorry, wenn ich so salopp rede.
Tommi: Nö, alles gut.
Raul: Aber so ein AfD-Wähler, der dann einfach noch nie in seinem Leben mit einem Menschen mit Migrationshintergrund gesprochen hat, den wirst Du auch nicht mit ‘nem SPD-Wahlplakat umstimmen können, sondern nur mit der Begegnung.
Felix: Ja, aber das ist ja auch einer meiner größten Kritikpunkte am zumindest deutschen Fernsehen, dass das Publikum immer für so dümmst möglich gehalten wird. Also, dass einfach so gar nichts vorausgesetzt wird.
Raul: Auf Augenhöhe nennt man das dann.
Tommi: die Leute da abholen wo sie sind, ist der Kampfbegriff.
Raul: Und dann freilassen. Abholen, mitnehmen, freilassen. 

Felix: Also ich glaube das absolut nicht. Also ich glaub’, man kann vielmehr bei den Menschen irgendwie voraussetzen. Und trotzdem gibt es unglaublich viele Idioten und Wichser und was weiß ich, was alles so. Aber die sind ja nicht der Beweis dafür, dass das trotzdem der richtige Umgang mit der breiten Gesellschaft ist, einfach immer vom dümmsten auszugehen oder von den ignorantesten. 

Tommi: Das unterschreibe ich.
Felix: Das ist totaler Blödsinn, so..

Was würdet ihr eurem 14-jährigen Ich sagen?

Raul: Aber jetzt war also die Frage, 

75:00

letzte Frage von mir an Euch. Was würdet ihr Eurem 14-jährigen Ich heute über Menschen mit Behinderung sagen? 
Tommi: Hm. Ich würde ihn dazu aufrütteln, ein Mensch mit Behinderung in meinem Umfeld vielmehr zu integrieren, vielmehr darauf zu achten, viel mehr als Mensch zu sehen. Das klingt pathetisch, aber das ist wirklich das, was ich denke. Weil Felix und ich hatten auch eine Folge, in der wir lang über Mobbing gesprochen haben. Wir waren beide keine Mobber, aber haben das natürlich auch immer mitbekommen und das total verurteilt. Und jetzt in dem Alter so mit 30 natürlich auch. Man kann sich nicht reinversetzen. Man kann das nur nachvollziehen, wie sich Menschen mit Behinderung oder ausgegrenzte Menschen sicherlich in Situationen wie Sportunterricht und so weiter und sofort, bei Geburtstagen, bei Partys, sie am Rand stehen oder sitzen, gefühlt haben müssen. Was Dir vielleicht in dem Alter vielleicht noch nicht so aufgefallen ist. Und ich würde der Person, dem 14-jährigen Tommi, dann sagen, da ein bisschen aufmerksamer zu sein und zu sagen, das ist nicht uncool, sondern das Gegenteil ist der Fall. Jemanden zu integrieren in der Hinsicht ist wahnsinnig cool, wahnsinnig erwachsen. Und ja, ich glaube,  sowas würde ich sagen.
Felix:  Ja, ich wüsste ehrlich gesagt gar nicht so genau. Also wie gesagt, wir hatten bei mir in der Siedlung, beziehungsweise eine Siedlung weiter, den behinderten Martin. Der hat eine geistige Behinderung, der war auch viel älter als wir. Aber der hat immer mit uns auf dem Fußballplatz und so gespielt. Aber ich glaube, was ich vielleicht sagen würde, da ertapp’ ich mich ja heute noch manchmal bei. Also ich bin absolut nicht frei davon: ich sage auch manchmal noch so im Alltag mal sowas wie: „ist doch behindert hier gerade“ oder sowas.  Ich glaube, ich würde wahrscheinlich dem 14-jährigen Felix… Was wirklich unser GoTo-Wort früher war, war neben „Hurensohn“ auf jeden Fall „Spast“. Und wahrscheinlich würde ich dem 14-jährigen Felix so ‘ne kleine Schelle geben und fragen: “was ist ein Spast, Felix?” So weißt Du, wie ich meine? 

77:00

Vielleicht einfach, dass er zumindest, dass er zumindest weiß, was er da sagt, so. Aber so ja schön, ich habe jetzt nicht die Patentlösung. Was würdest du deinem 14-jährigen ich sagen, Raul?
Raul: Also da ich ja wahrscheinlich auch mit 14 die Behinderung Glasknochen noch hätte, oder schon hätte,
Felix: Ich meine so generell. Die hatten wir schonmal, die Frage. Wir haben uns, glaub’ ich, die Frage gestellt: Was willst du deinem jugendlichen Ich irgendwie so für ‘n Advice geben? Also eine Erkenntnis, die man viel später erst hatte, die einem vielleicht früh schon geholfen hätte so?
Raul: Also ähm, „sage schönen Menschen, dass sie schlau sind und schlauen Menschen, dass sie schön sind“.
Tommi: Oh, das ist gut. Das klingt sehr gut.
Raul: Aber zum Thema Behinderung würde ich ihnen wahrscheinlich sagen,  probiert es aus, lernt Euch kennen, sucht gemeinsame Interessen und wenn es keine gibt, dann lasst es. Aber sucht sie auf jeden Fall.
Tommi: Sehr gut.
Felix: Das wär eigentlich das perfekte Schlusswort. Aber wir haben eine Frage, die wir jedem Gast stellen müssen, Raul. Und da bist Du auch nicht frei, Raul. Da machen wir keine Unterschiede, nämlich …
Raul: Inklusion! 

Was war dein letzter Fehlkauf?

Felix: Inklusion Leute! Nämlich was war dein letzter Fehlkauf? Also wo hast du das letzte Mal etwas gekauft, wo Du dachtest, „uhh, war das unnötig!“
Raul: Ich hab’ gedacht, so jetzt irgendwie zu diesen Corona-Zeiten werde ich jetzt die ganze Zeit so Home Office machen und bau’ mir jetzt ein geiles Youtube-Studio in meinem Zimmer. Und wollte mir so ein Greenscreen  kaufen, den man so geil über die Rollstuhllehne machen kann. Und das Ding ist einfach so, wie so ein Blendspiegel beim Fotografieren, der sich so aufpoppt, wenn man den aufklappt und das viermal so groß wie ich. Krieg’ ich niemals alleine selber aufgebaut. Hat, 200€ gekostet und liegt jetzt in der Ecke. Und ich hab’ keine Ahnung, was ich damit machen soll. 

Felix: Sehr gut, also Leute Greenscreen im Gräfe- 

79:00

Kiez zu verschenken!
Tommi: Das war wirklich ein Fehlkauf.
Felix: Das war‘n richtiger Fehlkauf! 

Jo, ey, Raul, Mann. Danke, danke, dass Du am Start warst. Das war „5 schnelle Fragen an“. Hast du grad irgendwas zu promoten? Also checkt auf jeden Fall  Rauls Instagram also @RaulKrauthausen. Checkt @sozialhelden aus.
Raul: wir haben einen Podcast: DieNeueNorm/Podcast.
Felix: Ihr habt doch auch ‘nen Newsletter, der interessant ist. Wie kommt man an den ran?
Raul: dieneuenorm.de/Newsletter. Da kann man sich informieren über unsere Arbeit und unsere Themen und das Thema Behinderung in Deutschland. Und natürlich die Wheelmap share ich auch gleich in der Story. Und wo wir gemeinsam Eure Hörerinnen einladen, ihre Nachbarschaften zu bewerten, ob sie rollstuhlgerecht sind oder nicht und dann schauen, wie viel zusammen kommt.
Felix: Danke, dass du am Start warst, Raul, Alter! Mach weiter! Keep up the good work!
Tommi: 1000 Dank euch beiden, das war sehr schön. Sehr schöne Folge! Raul: Danke gleichfalls. Wir bleiben in Kontakt.
Tommi: Machen wir.
Felix: na ja, du schuldest mir noch ein Kaffee, Alter.
Raul: Aber Hallo, Alter! 
Felix: Einen Corona Kaffee. Wir sind raus. Danke fürs Zuhören! Wir hören uns nächste Woche! Tschüßi! 

Nachspann

Felix: ja man, auch einfach sich mal ‘n Greenscreen gönnen. Wenn man aus diesem Talk eine Sache mit nimmt, dann das, oder?
Tommi: Absolut.
Felix: Ich glaube, das wäre auch in Rauls Sinne, dass das so eine Message ist, die jetzt wirklich mitgenommen wird.
Tommi: Das ist die Message. Hier wird richtig einer weggekrauthausent hier  am Samstag. Ich fand es aber gut. Ich fand‘s gut. Weil es eben ein schwieriges Thema ist, was aber trotzdem irgendwie locker und so unverklemmt kommuniziert wird von ihm und es war irgendwie… Es ist so locker einfach.
Felix: Ja, ich fand es waren auch wirklich einfach so ein paar spannende Denkansätze bei. Also was mir wirklich hängen geblieben ist, ist glaub’ ich dieser Satz was jetzt zum Beispiel inklusive 

81:00

Schulen angeht. Dass nicht nur nur behinderte Menschen davon profitieren, sondern auch die Schülerinnen und Schüler, die eben nicht behindert sind. Also, dass das ist einfach so ein wechselseitiges Ding ist und ja Leute, ey.
Tommi: Was bei mir hängen geblieben ist, ist dass es noch ‘n Irren gibt, der Schokoladeneis mit Schokoladensoße isst. Das freut mich. Da sind wir ein Team, glaub’ ich! Gut finde ich wieder über andere Themen als nur Trump und Corona zu sprechen. Es gibt ja auch noch weitere Probleme, die auch da sind, die auch schwelen und die Diskussionsbedarf haben. Das finde ich, fand ich auch irgendwie gut.
Felix: Ja und halt wie gesagt die Sache mit dem Greenscreen.
Tommi: Absolut!
Felix: Ja, Leute, ey, Danke fürs Zuhören! Folgt Raul auf seinen Socials! Supportet Sozialhelden, supportet Wheelmap! Abonniert den Newsletter, wenn euch die Themen interessieren. Ja, ich glaub nie hat es besser gepasst. Danke fürs Zuhören. Mein Name ist Felix Lobrecht. Seid lieb zueinander und das letzte Wort hat wie immer der wunderbare Tommi Schmitt.
Tommi: Ich will nur sagen, achtet auf Eure Mitmenschen und immer so ein Satz von meiner Oma, den gebe ich gerne mit. Den hat meine Oma immer gesagt: Unterstell’ den Leuten gute Absichten. Und ich finde, das ist eine saubere Formel, um durchs Leben zu kommen. Bisschen einfach, um mal hier noch so einen zu droppen, dass irgendwie die Leute noch so eine Träne über die Wange läuft, weißt Du? Das will ich, dass sie so in den Samstag gehen, sich gleich irgendwo im Daydrinking verlieren, abends dann: ne, jetzt können wir eh corona-mäßig nicht feiern gehen und dann verkatert morgen aufwachen, sich ‘ne Hollandaise-Broccoli-Pizza reinschieben. Das ist mein Credo fürs Wochenende. Ich wünsche Euch was! Ich danke Dir.
Felix: Tommi, ich bin jetzt so einer: Auf Wiedertschüss!
Tommi: Bis neulich! Bundesgartenciao!
Felix: Tschüsseldorf!

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  1. Lieber Raul
    Ich fand deinen Auftritt bei gemischtes Hack sehr gut und feiere dich vor allem für deine Argumente für eine Quote. Danke hierfür. Ich gehöre zwar nur der Minderheit der Frauen an, aber fand es trotzdem schade zu hören, dass Felix hierfür nicht offen ist. Ich finde deine Arbeit wichtig und bin wirklich froh, dass Felix und Tommy dich eingeladen haben. Bisher bist du in meinen Augen der Beste Gast gewesen. Mit Inhalt und einem Thema, das für unsere Gesellschaft sehr wichtig ist.

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