Meine gynäkologische Odyssee findet ihr Ende

Ich wollte euch heute von meinem Termin bei meiner neuen Frauenärztin erzählen. Ich hatte große Schwierigkeiten einen Termin für eine gynäkologische Untersuchung zu finden. So geht es wohl vielen Frauen. Schließlich handelt es sich hierbei um eine ganz intime Untersuchung, in der man viele private und intime Dinge von sich preisgibt. Daher wünscht man sich eine empathische und einfühlsame Betreuung. Allein das stellt manchmal eine Herausforderung dar.

Aber wie ist es für eine Frau mit Behinderung gynäkologische Betreuung in Anspruch nehmen zu wollen? Als junge Frau ging ich zum Frauenarzt meiner Mutter. Im Gegensatz zu anderen Ärzten, die ich nach ihm kennenlernen durfte, war er offen im Umgang mit einer Behinderung. Bei der Durchführung der Untersuchung war er zwar ebenfalls überfordert, weil ich aufgrund meiner mangelnden Körperspannung (Spinale Muskelatrophie) nicht in einem Frauenarztstuhl untersucht werden kann, aber er war gewillt und schlug mir vor mich auf einer normalen Arztliege zu untersuchen. Diesen Willen mich zu untersuchen, habe ich danach bei anderen Ärzten vermisst.

Dazu muss ich sagen, dass ich unglaubliche Angst vor Gynäkologen habe. Ich vermute, es hat damit zu tun, dass ich meinen Intimbereich bisher ohne Sexualpartner nicht erforschen konnte. Ich kann mich nicht mit meiner Hand im Intimbereich berühren. Dann könnt ihr euch vielleicht vorstellen, wie schlimm es sein muss, wenn ein fremder Mensch mein „unerforschtes Gebiet“ untersucht. Mein erster Frauenarzt aus Köln war vollkommen überfordert, so sehr, dass er mich schnell gegen Grippe impfen ließ und sich danach direkt verabschiedete. Weil ich nach diesem Termin so verstört war, brauchte ich Jahre bis ich mich wieder gynäkologisch untersuchen lassen wollte. Beim nächsten Besuch bei einer Frauenärztin hatte ich den Verdacht schwanger zu sein. Leider war diese Ärztin so sehr auf den gängigen Untersuchungsablauf versteift, dass sie bezüglich der Durchführung einer Untersuchung keine Kompromisse einging. Daraufhin vertröstete sie mich auf einen anderen Termin, weil sie für eine Untersuchung mehr Personal und Zeit benötige. Um die Frage der Schwangerschaft zu klären, hat sie mir dann Blut abgenommen. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich auf das Ergebnis gewartet habe, aber ich habe nicht wie jede andere Frau am selben Tag erfahren, ob ich schwanger bin oder nicht. Ich bin in der Zeit durch die Hölle gegangen. Ich war einfach sauer über die mangelnde Bereitschaft umzudenken.

Mit meiner neuen Frauenärztin hatte ich zum ersten Mal wieder eine positive Erfahrung. Gemeinsam haben wir alle Maßnahmen getroffen, um mich auf den Frauenarztstuhl setzen zu können. Ich hatte so eine große Angst während der Untersuchung, wahrscheinlich weil ich fast 30 werden musste, um wie jede andere Frau untersucht werden zu können. Ich konnte es gar nicht fassen, dass es so einfach laufen kann. Zum ersten Mal konnte ich alle meine Fragen stellen, die sich über die Jahre angesammelt haben. Oft habe ich mich gefragt, ob zum Beispiel meine Skoliose Auswirkungen auf meine Gebärmutter hat und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich mich diese Frau gemacht hat, als sie mir sagte: „Mit ihren Eierstöcken ist alles in Ordnung. Sie haben eine schöne Gebärmutter“. Wir mussten natürlich beide über diese Aussage schmunzeln. Es tat richtig gut zu erfahren, dass aus gynäkologischer Sicht mit mir alles in Ordnung ist. Sie setzte sogar noch einen drauf und unterhielt sich mit mir über meinen Kinderwunsch. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal von Ärzten gefragt wurde, ob ich schwanger sei oder den Wunsch hege, es irgendwann zu werden.

Verrückt, dass solch eine selbstverständliche Situation für mich heute etwas ganz Besonderes war. Ich wollte euch unbedingt von meinem Frauenarzttermin erzählen, weil ich darauf aufmerksam machen möchte, dass in diesem Bereich des Gesundheitssystems viel mehr für Frauen mit einer Behinderung getan werden muss. Die Praxen sollten auf die Bedürfnisse dieser Frauen zugeschnitten werden und Ärzte noch mehr darauf getrimmt werden, dass nicht jede/r Patient/in nach Lehrbuch behandelt werden kann.

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