Raul Krauthausen - Aktivist

“Hass ist keine Meinung!”

Hate Speech – Hass im Internet

Hate Speech ist der sprachlich ausgedrückte Hass gegenüber einer Personengruppe oder einer Einzelperson wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer Personengruppe.
Elemente der Hassrede sind u.a. Beleidigungen, Diskriminierung, Lügen und Manipulation, Gegenüberstellung von “Wir”- und “Ihr”-Gruppen bis hin zum Aufruf zu Straftaten.
Juristisch gesehen sind die Grenzen zwischen Hate Speech und Volksverhetzung fließend.

Persönliche Erfahrungen zum Thema Hate Speech

Als die Neuen Deutschen Medienmacher mich bezüglich ihrer Kampagne zum “No Hate Speech Movement” ansprachen, hatte ich noch keine wirklichen Erfahrungen zum Thema Hassrede gemacht. Klar, den einen oder anderen rüpeligen Kommentar gab es unter meinen Videos. Aber bei mir hielt sich das alles doch sehr in Grenzen.
Wie drastisch Hasskommentare sein können, wurde mir allerdings immer wieder bewusst, wenn ich über die Arbeit der großartigen Dunja Hayali las und hörte – auch ihren Umgang mit Hass und Hassreden, den Anfeindungen, denen sie online und offline ausgesetzt war und ist.
Ihre Beschreibung der Online-Hetze in ihrer Dankesrede zur Verleihung der Goldenen Kamera Anfang des Jahres ist so trefflich formuliert wie erschreckend: “Ich setze immer noch auf den Dialog, mich interessieren andere Meinungen, andere Argumente. (…) Aber was da gerade abgeht, ist wirklich mit Verrohung von Sprache überhaupt nicht mehr zu beschreiben. Bedrohung, Beschimpfung, Beleidigung, Vergewaltigungswünsche.(…) Das macht keinen Spaß. Glaubt eigentlich irgendjemand, dass das irgendwas bringt, dieser ganze Hass?”.
Als ich dann im Mai diesen Jahres den Vortrag “Organisierte Liebe” vom Kübra Gümüşay hörte, wurde mir klar, dass das Wegblocken und Muten der Hater nicht ausreicht. Dass es eine gesellschaftliche Verpflichtung ist, sich diesem Thema zu widmen und aktiv zu werden.
Weil ich mehr wissen wollte, entschied ich mich zusammen mit ze.tt die Feministin und Autorin zu interviewen: Krauthausen trifft: Kübra Gümüşay.
Das Ausmaß an Hate Speech, dem Kübra ausgesetzt ist – und das auch auf meinen Kanälen nach der Ausstrahlung des Interviews stattfand – ließ mich zum ersten Mal erfühlen, mit welcher Härte und in blindem Wahn Hater zuschlagen.
Und wie kurzfristig gedacht die weit verbreitete Meinung “Hass im Netz? Klicke ich einfach weg.” ist. Wie arrogant und egoistisch. Aus den Augen – aus dem Sinn.
Es gibt Menschen, die können nicht einfach wegklicken – und blockieren. Spätestens seitdem Hate Speech in realen Hass und brutale Übergriffe mündete.

Seit kurzem bin ich – wie viele andere bekannte Twitterer*innen – selbst das Ziel von Hasskommentaren. Manche Hater haben sich sogar extra Fake-Accounts mit meinem Namen und Fotos von mir angelegt. Einige meiner Tweets und Fotos haben mittlerweile Meme-Charakter.
Anfangs habe ich diese Kommentare tatsächlich noch gelesen – und ein mulmiges Gefühl bekommen. Egal wie abgeklärt ein Mensch sein mag, wie klar ist, dass derartige Hass-Kommentare nichts mit mir als Person zu tun haben – sondern vielmehr mit dem Hater und seinen speziellen sozialen Problemen: Diese Worte bewirken etwas. Wenigstens im ersten Moment. Neuronen werden abgeschossen und nach der Hebbschen Lernregel gibt es eben Verkettungen in jedem Gehirn, die Bedrohungen und Beleidigungen, seien es es auch anonyme und rein virtuelle, mit Gefahr und Angst als Reaktion verknüpfen.
Danach überwiegt – jedenfalls bei mir – die Neugier. Und über manches Meme, manches Comic, das mühevoll und pointiert gezeichnet wurde, musste ich ehrlich grinsen.
Aber weil ich mich ungerne mit Negativem oder Inhaltslos-Destruktivem aufhalte und in meinem Kopf zu viele Ideen bezüglich neuer Projekte, Kooperationen usw. umherschwirren, habe ich die betreffenden User geblockt und mich wieder auf echte Problemlösungen in aktuellen Vorhaben konzentriert.
Zugegebenermaßen eben doch nach dem Motto: “Aus den Augen, aus dem Sinn.”

Eine Troll-Geschichte

Die Geschichte des Internets ist seit jeher verwoben mit dem Aufkommen anonymer Trolle. Schon in IRC-Chats geisterten sie herum – störten, nervten und beleidigten.
Als Reaktion wurden immer mehr Tools und Blockiersysteme entwickelt, um sich diese unliebsamen Zeitgenossen*innen vom Hals zu halten.
Plötzlich ging es online in eine Richtung, die man eigentlich vermeiden wollte: Denn das Internet wurde von Vielen zunächst als Ort der freien Meinungsäußerung gefeiert.
Die Medientheoretikerin und Künstlerin “Sandy” Stone schrieb darüber “Das Zeitalter der Überwachung (…) hatte die elektronische virtuelle Community erreicht.”
Die Euphorie der Anfangszeit des Web, in der man hoffte, ab jetzt maximal vorurteilsfrei diskutieren zu können, war schnell abgeflaut.
Voller Ernüchterung wurde klar: Wer offline ein Arschloch ist – bleibt es online ebenfalls. Umso mehr, wenn er*sie sich hinter der Anonymität des Internet verstecken kann.
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch stellte klar:

Die Hassrede ist keine Konsequenz der sozialen Netze, sondern die sozialen Netze liefern ihr nur einen bequemen Weg von den Stammtischen direkt in die Öffentlichkeit. Sie sind eine Plattform, auf der sich Menschen begegnen, die einander sonst nie begegnen würden.

Die rein technische Reaktion durch Sicherheitsmechanismen konnte das Problem natürlich nie an der Wurzel packen. Und trotzdem muss der

Kampf gegen Hassrede (…) geführt werden, und dabei können und müssen (…) das Strafrecht, die Durchsetzung von Regeln durch die Netzwerkbetreiber und die Gegenrede zum Einsatz kommen. Der Kampf gegen Hassrede ist aber ebenso wenig zu gewinnen, wie der Kampf gegen den Hass selbst.

Warum wird ein Mensch zum Hater?

Das Hater-Phänomen interessiert mich. Schon aus beruflichen Gründen.
Denn es handelt sich hier ja um ein gruppendynamisches Phänomen.
Ich berate u.a. verschiedene junge Start-Ups, gebe Workshops usw. – und einer der Schwerpunkte ist es, konstruktive gruppendynamische Abläufe in Gang zu setzen, um gemeinsam Ideen und Lösungsmöglichkeiten für komplexe Probleme zu entwickeln.
Wenn diese Prozesse erfolgreich stattfinden, ist das für jeden einzelnen Beteiligten ein Gewinn, bewirkt zum Teil euphorische Gefühle, Motivation, Steigerung des Selbstwertgefühles usw.
Was aber passiert, wenn das gruppendynamische Ziel destruktiv ist? Wenn möglichst effektive Entwertung, maximal verletzende Beleidigung bis hin zur kompletten Zerstörung einer Person angestrebt werden?
Wenn man das Phänomen Hassrede zum ersten Mal oberflächlich betrachtet, fragt man sich natürlich: Was soll das? Jemand legt sich einen anonymen Fake-Account zu, um wild Beleidigungen, Hass-Kommentare und Lügen zu veröffentlichen. Nichts, womit man vor den Freunden oder Kollegen auftrumpfen und ein gutes Bild von sich zeichnen kann: “Schaut her, ich belästige online Menschen aus verschiedensten Minderheitengruppen – und verstecke dabei meine Identität!”. Genau, das funktioniert nicht.
Wenn man dann noch sieht, wie intensiv das Ziel der Hater-Begierde verfolgt wird und wie viel Zeit und Energie in die Aktionen gesteckt wird, fragt man sich unweigerlich: Welches Selbstbild hat diese Person? Ist sie stolz auf dieses ausschließlich destruktive Handeln? Oder ist die ausbleibende dauerhafte Befriedigung der fruchtbare Boden für die beständige Besessenheit, die die Hassenden zuweilen an den Tag legen? Ganz sicher kann man keine allgemeinen Antworten finden, was im Leben eines Haters schiefgelaufen ist. Dass etwas schiefgelaufen ist, ist allerdings nicht zu übersehen.
Hater kommen aus allen sozialen Schichten – und es sind hauptsächlich Männer.
Die psychologischen Hintergründe werden bei Hatern und Trollen ähnlich beschrieben. Allerdings sind Internet-Trolle und ihre Motivationen bisher besser erforscht und sie werden insgesamt weitaus positiver gesehen als Hater.
In den Persönlichkeitsstrukturen von Hatern und Trollen finden sich häufig Sadismus in verschiedenen Abstufungen, antisoziales Verhalten, narzistische Störungen und allgemein negative persönliche Eigenschaften. In dem Zusammenhang wird häufig die so genannte Dunkle Triade genannt.
Betrachtet man dies, wird schnell klar: Die psychologischen Hintergründe sind so komplex und schwerwiegend, dass kein Hater allein durch nettes Entgegenkommen und wertschätzendes Verhalten “umgedreht” und in einen freundlichen Internet-Nutzer verwandelt werden kann.
Zudem bewegen sich Hater häufig in Gruppen, die jeweils einen eigenen Ehrenkodex und eine eigene Sprache entwickeln. In diesen Gruppen erfahren die einzelnen Hater Zustimmung und Beifall für ihre Hasskommentare, es werden gemeinsam Zielgruppen und Zielpersonen gefunden und angegangen.

Die Folgen von Hate Speech

Der Wunsch des Haters ist es in erster Linie Aufmerksamkeit zu erreichen. Zudem soll das Hassobjekt in einen emotional reaktiven Zustand gebracht werden. Die Zielperson soll so sehr aus der Bahn geworfen werden, dass sie beginnt zu zweifeln und zu verzweifeln. Die Beleidigungen und Lügengeschichten sollen ihr so sehr unter die Haut gehen, dass sie beginnt zu zögern, ob sie einen neuen Tweet, einen neuen Blogbeitrag veröffentlicht, ein neues Foto postet – also ihr Verhalten aufgrund der Aktionen des Haters verändert.
Der größte Erfolg für den Hater ist das “Silencing” – wenn der*die Betroffene sich nicht mehr traut neue Beiträge zu veröffentlichen, Accounts löscht, sich aus der Social Media-Welt zurückzieht.
Es ist zu vergleichen mit einer Lieblingskneipe, in die man seit Jahren geht, Freunde, Bekannte und neue spannende Leute trifft; die Athmosphäre ist konstruktiv, vielfältig, manchmal laut und überschwänglich, manchmal leise und nachdenklich. Und plötzlich kommt just in diese Lieblingskneipe jeden Abend eine neue Gruppe an unangenehmen Zeitgenossen, die rumpöbeln, wahllos andere Gäste beleidigen und die gesamte Stimmung vermiesen. Im schlimmsten Fall wird man dann ganz einfach nicht mehr kommen, sich eine andere Kneipe suchen oder Zuhause bleiben.
Eine Lösung ist das allerdings nicht.
Und da der Hater am Individuum gar kein Interesse hat, sondern es lediglich zu einem austauschbaren Hassobjekt macht, an dem er sich abarbeitet, wird umgehend eine neue Zielperson gefunden.
Wenn man die sozialen Medien betrachtet und sieht, dass Online-Redaktionen ihre Kommentarmöglichkeiten schließen, wenn man u.a. der Social-Media-Koordinatorin (tageschau.de) Anna-Mareike Krause zuhört und erfährt, dass ein Drittel der online gepostete Kommentare aus Hate Speech bestehen, mag man den Eindruck gewinnen: Die Hasser sind in der Überzahl.
Aber: Das sind sie nicht.
Sie sind nur lauter und aktiver, denn sie wollen ja Reaktionen provozieren.
Und Hasskommentare produzieren erstaunlich viele “Likes”. Je mehr Aufmerksamkeit einem Kommentar gegeben wird, desto sichtbarer wird er beispielsweise in Internetforen, weil er in der Anzeigeliste der Forenbeiträge immer wieder nach oben rutscht. Auf Facebook sorgen die verwendeten Algorithmen dafür, dass man sich schnell in einer Interessen-Wohlfühl-Bubble befindet: Wer bei einem Post besonders aktiv war und fleißig kommentierte, bekommt Veröffentlichungen mit ähnlichen Inhalten angezeigt. So entsteht schnell eine ungute Eigendynamik, die den Personen, die sich in durch Facebook erzeugten Interessen-Gruppen bewegen, den Eindruck suggeriert, es gäbe viele User, die ihre Meinung teilen.

Der Umgang mit Hate Speech

Die Reaktion, die möglicherweise zunächst am Naheliegendsten ist: Wütend zurückschimpfen.
Allerdings ist das wenig konstruktiv und schnell entsteht eine Hass-Spirale, aus der es kaum noch ein Entkommen gibt, Kommentatoren*innen sich gegenseitig beeinflussen und echte Argumente einfach nicht mehr fruchten. Man nennt das den “Nasty-Effect”. An der University of Wisconsin gab es dazu eine spannende Studie, die erforschte, wie polemische, negative Kommentare die Sichtweise auf eigentlich neutrale News verändern. Und wie schnell die Sachebene verlassen wird. Also: Wut ist verständlich – aber keine konstruktive Reaktion.
Eine andere Reaktion könnte sein, erstmal den ganzen irrsinnigen Hater-Wust zu blockieren – denn diese Tweets und Kommentare stören die eigene Timeline einfach und lässt einen interessante Inhalte übersehen. Das ist aber mittelfristig auch keine Lösung: Zum einen schenkt dies Aufmerksamkeit, nach der viele Hater gieren; Screenshots mit Blockierungs-Mittleilungen werden wie Trophäen veröffentlicht und geteilt. Außerdem wird oftmals ein Wettbewerb gerade unter den Fans von einigen Hatern entfacht, Tweets und Kommentare zu schreiben, um ebenfalls blockiert zu werden. Und so ist der eine Hater und seine Kommentare dann zwar stillgelegt, aktiviert aber andere User – und schon ist die eigene Timeline wieder überschwemmt mit destruktiven Kommentaren.
Mein Tipp: Ignorieren und weitermachen wie bisher. Und an konstruktiven Projekten arbeiten, positiven Hobbies nachgehen, Menschen treffen (online oder viel besser noch: offline), die einem gut tun.
Sollten die Kommentare zu störend werden: Auf Twitter kann man ganz einfach muten. Dann sind die Hater nicht blockiert, bekommen nicht die von ihnen gewünschte Aufmerksamkeit und merken schlichtweg gar nicht, ob ihre Hass-Kommentare ankommen sind oder ins Leere gehen.
Das sind allerdings nur schnelle Erste-Hilfe-Tipps. Langfristig sollten wir alle aktiv werden.
Ingrid Brodnig schreibt sehr treffend in ihrem Buch “Hass im Netz: Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können” (das ich unbedingt empfehle!), dass unsere Social Networks und das Internet, wie es momentan aussieht, nicht in Stein gemeißelt sind. Dass die Funtionsweisen von Internetseiten keinem Naturgesetz folgen, sondern von Menschen gemacht sind. Die logische Schlußfolgerung ist: Wir müssen unsere sozialen Netzwerke formen, das Wort zu ergreifen und einen konstruktiven, wertschätzenden Umgang miteinander pflegen – auch und gerade in der Anonymität des Internets.
Hater kapern häufig Projekt-Hashtags und spammen mit diesen Hashtags dann negative Inhalte in soziale Netzwerke (passierte zum Beispiel bei #ausnahmslos). Warum kapern wir nicht diskriminierende Hashtags und nutzen sie zur Gegenrede? Zum Beispiel: #rapefugees gibt es nicht!
Projekte wie die “Organisierte Liebe” vom Kübra Gümüşay gehören ganz sicher zu denen, die viel bewirken und verändern können.
Kübra erklärte mir, sie hätte an sich selbst beobachtet, dass man gute Online-Artikel und Tweets, denen man zustimmt und die einem sogar Freude bereiten, eher kommentarlos wieder verlässt – zwar mit einem guten Gefühl im Herzen, aber eben auch ohne ein positives Feedback zu hinterlassen. Beiträge hingegen, die einen ärgern, lassen einen viel eher kommentieren, die Tweets teilen oder die eigenen Follower zu Protest-Aktionen aufrufen.
Deshalb ist es an uns, hier etwas zu verändern – und uns zu feiern!
Deshalb beende ich diesen sehr ernsten Artikel mit einer Liste von Menschen aus dem Online-Bereich, die ich persönlich feiere, die meine Online-Welt bereichern und das Internet zu einem guten, konstruktiven und nicht immer schönen, aber empowernden Ort werden lassen(ungeordnet und ganz sicher vollkommen unvollständig):
Johnny Haeusler, Kübra Gümüşay, Ninia LaGrande, Laura Gehlhaar, Mario Sixtus, Markus Beckedahl, Marcus Brown, Tanja Haeusler, Jens Merkel, Wheelie, Katja Fischer, f1rstlife, Julia Probst, Michel Arriens, RevoluzZza, Heiko Kunert, Martin Ladstätter, Constantin Grosch, Nancy Poser, Christiane Link, Andi Weiland, Lilian Masuhr, Judyta Smykowski, Martin Habacher, ….

Quellen, weiterführende Links:

(sb)

19 Enlightened Replies

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  1. Einfach Klasse zusammen gefasst, Danke dafür! Auch ich werde gelegentlich angefeindet. Wenn wir die selbe menschliche Kälte vieler Hater hätten, dann würde uns das gar nicht so nahe gehen, aber wir denken mit dem Herzen, haben Gefühle, und uns trifft es, wenn wir – in unseren Augen – Gutes tun und dafür Hass ernten. Davon müssen wir uns befreien, das dürfen wir nicht an uns herankommen lassen. Gegenrede (Counterspeech), in sachlichem Ton, oder, wie du richtig geschrieben hast, ignorieren und die Kraft in wichtigere Dinge investieren.

    Grüße vom Linken Süden – und weiter so :)

  2. Thomas Funke sagt:

    Diagnose ist klasse, Therapie erscheint erfolgversprechend, zumindest einen Versuch wert.
    Zusammenhalt und Unterstützung das a und o

  3. Claudia sagt:

    Das Internet lohnt sich noch immer – alleine schon für Artikel wie Deinen. Danke Dir.

  4. Renee Iseli sagt:

    Einfach ein super Artikel!!!

  5. Fiedler sagt:

    Vielen Dank für den tollen und informativen Artikel. Bisher hatte ich mit Hatespeech nicht viel zu tun, solle sich das änder, weiß ich nun damit umzugehen.

  6. Dunja Voos sagt:

    Herzlichen Dank für diesen differenzierten Artikel! Besonders diesem Satz kann ich nur zustimmen: “Dass es eine gesellschaftliche Verpflichtung ist, sich diesem Thema zu widmen und aktiv zu werden.” Und ich glaube, hierin liegt die Chance: Endlich beschäftigen wir uns mehr mit Fragen wie: “Wie entsteht Hass?”, “Was braucht ein Kind für seine psychische Entwicklung?”

    Die Psychoanalyse liefert viele Antworten zu diesen Fragen. Beispielsweise hängt die “Fremdelphase” des Säuglings mit späterem “Fremdenhass” zusammen. Der amerikanische Psychoanalytiker Henry Parens forscht daran, wie Mutter-Kind-Bindung, Aggression und Fremdenhass zusammenhängen. Es ist wirklich sehr komplex. Aber es lohnt sich sehr, sich damit auseinanderzusetzen.

  7. No expectations sagt:

    Hinreichend distanzierter Text zum Thema(= Lob).
    Auch guter Rat an “gemobbte Menschen” auf öffentlichen Foren (“on-” und “offline”) – erstmal zurückziehen, zu wohlwollenden Leuten gehen und sich selbst, mit was für sich selbst positivem, verwirk(lich)en. Besser wäre möglicherweise noch “lurk more”.

    Nach dem angeforderten Lob (Lob ist “clutter”: No news is good news – reicht es Ihnen nicht, dass Ihr Server die Seite X-Mal ausgeliefert hat [=interessiert irgendwen] und Deine Postfächer nicht mit Kritik und oder “hate” überquellen?) einige Anmerkungen:

    1. Die Zugangshürden zu online-Foren sind stark gefallen. Damit präsentieren und unterhalten sich dort (vornehmlich über http) immer mehr Menschen, die ihre online-Umgebung nicht verstehen und Phänomene in ihr nicht einordnen können. Das schafft Verwirrung und Verstimmung.

    2. Wenn man sich ernsthaft über etwas unterhalten möchte und “die bösen Spötter”/”Partysprenger” nicht am eigenen “Stammtisch” dabei haben will, muss man den Zugang beschränken – dazu stehen im Netz unzählige Lösungen bereit. Man kann auch selber welche schreiben, die exakt so ausgrenzen, wie man es wünscht. Zusätzlich kann man kleinste Gruppen manchmal auch “moderieren”. Im RL braucht es ja auch Türsteher, Hausrecht und staatl. Exekutive – je größer die zu kontrollierende Menschenmasse, je größer die Anzahl derer, die mit der Richtung unzufrieden sind und Lücken suchen, um sich selbst zu verwirklichen.

    3. Sich öffentlich (Jeder auf der Welt mit technischem Zugang darf anonym lesen/schreiben) zu äussern und dann nur Reaktionen zu erwarten, die man als genehm, stilvoll oder auch nur korrekt formatiert empfindet ist einfach zu viel verlangt. Die einstudierte Höflichkeit einer Mutter/eines Lehrers oder der Wortschatz eines Philologen können auf solches nicht gewohnte Ohren (Prostituierter/Straßenarbeiterin) überheblich oder befremdlich wirken. Die vielen kulturellen Eigenheiten und Lebensphilosophien der Leute mit Internetzugang macht das nicht einfacher. Zurückhaltung und Bescheidenheit funktionieren meist gut, wer sich nicht eitel und stolz zeigt, sondern objektiv seine Arbeit/Gedanken/Code/Kunst dem richtigen Publikum präsentiert, wird selten gebasht. Einfach nie glauben, selbst zu wissen, was gut für alle/andere sein soll und immer skeptisch bleiben.

    4. Die Beleidigungen sind so austauschbar wie die “Opfer”: So wie Exploits für Software – es geht schlicht um das “den Trigger finden”. Solchen Unterhaltungen wird maximal Unterhaltungswert zugeordnet. Für seriöse Kommunikation gibt es effektivere (z.B. Themenorientiert, statt Nutzeraccountzentriert => begründetes ausgrenzen möglich), sichere Kanäle – “SocialMedia”-Services dienen der Ware “unbedarfter User” in erster Linie als Projektionsfläche der eigenen Eitelkeit. Sie locken Menschen dazu Accounts anzulegen, ohne sie auf die Schutzmöglichkeiten ihrer Anonymität hinzuweisen.

    5. Es besteht einfach eine Abstraktion zwischen Account, Maschine, Verbindung, Nutzer, etc. diese Technik ist menschengemacht und kann gut Informationen übertragen. Dazu ist sie da. Nicht zur Zensur oder Meinungssteuerung. Darum ist “Silencing” für “netzaffine” Menschen nicht mehr als ein Tod im Roguelike. Neustarten, neuversuchen, neusterben – dabei lernt man, wie man seine Interessen, oder was auch immer, beim nächsten mal besser präsentiert, in der Umwelt, die man sich erwählt hat. Schlimmer wäre eine Maschine, die man nicht mehr selbst kontrolliert, das kostet mehr Zeit: plattmachen/neukaufen, neukonfigurieren, neue Geheimnisse generieren…

    6. Vielleicht wollen andere Menschen einfach mehr Reibung und Hass in Ihrem Leben/Forum sehen als andere, um festgefahrene Meinungen, auch die eigene, aufzubrechen, oder ihr Leben einfach interessanter zu gestalten. Es sind “uns” (Sie inkludieren mich als vollkommen fremden Leser ja auch…) und “unseren” Basteleien letztenendes nur die Naturgesetze auferlegt. Für alles andere fanden sich historisch gesehen Exploits.

    Zuletzt:
    “Wir wollen alle eine Welt, in der keiner verletzt werden kann, jeder mit jedem freundlich reden kann und alle immer glücklich sind…” (sarkastisch) vs. “Es handelt sich nicht darum, ein Geschlecht von Engeln zu erziehen, das dann immerfort und immerfort existierte,[…]” (Zitat Mainländer)

    Bitte die Wahl meiner Pronomina zu verzeihen, ich impliziere damit keine Wertung und halte Menschenkategorien für dekadent überbewertet. Üble Worte im Netz haben nicht zugenommen, die Aufregung darüber aber erheblich. Bewahren wir uns einen Rest Chaos und Freiheit im Netz.

  8. Katrin Wohlgemuth sagt:

    Gute Idee mehr positive Kommentare zu schreiben und nicht nur immer auf die negativen aufzuspringen.

  9. Christina sagt:

    Ist es eine Lügengeschichte und gleichzeitig keine Meinung, wenn ich sage, dass ich den Autor und Personen, die ähnliche Krankheiten habe, optisch sehr unästhetisch finde?
    Dass ich die Piepsstimme nicht ertragen kann und mich frage, wie man mit so einem Organ derart oft in Talkshows gehen und gleichzeitig noch einen Podcast aufnehmen wollen kann?
    Ist es Hatespeech, wenn ich sage, dass die Anliegen von Menschen wie Herrn K mir sonst wo vorbeigehen und ich mich lieber auf gesunde, voll in die Gesellschaft integrierte und von ihr akzeptierte Menschen konzentrieren möchte?

    Für mich ist das lediglich die Wahrheit.

  10. Heinz koch sagt:

    Dem kann ich ne Menge abgewinnen.

  11. Kerstin Schmitt sagt:

    Super spannender Artikel! Vielen Dank dafür!

  12. Hannah sagt:

    @Christina (s.o.)

    Das ist deine eigene Meinung und damit eine für dich gültige Wahrheit. Klar, kannst du äußern, kannst du aber auch lassen, da sie niemandem weiterhilft und im Zweifelsfall verletzend wirkt. Du kannst an deinen äußeren Gegebenheiten ja auch nichts ändern, von daher ist das etwas, über das man sich nicht auszulassen braucht. Und wenn dir Dinge egal sind, dann überlass es doch einfach anderen, sich zu ihnen zu äußern :-)

    Ansonsten ein toller Artikel, vielen Dank! Ich finds immer gut, einen Schritt zurückzutreten und zu versuchen, solche Phänomene zu analysieren, das nimmt ihnen ein bisschen den Schrecken…

  13. Christina sagt:

    Die Meinung eines Herrn K. springt mir auch ungefragt aus allen möglichen Medien entgegen – ständig. Und ich bin auch ständig gezwungen, seinen Anblick zu ertragen. Insofern finde ich es nur logisch, konsequenterweise auf diese permanente Präsenz mit einer Meinung, die auch öffentlich gemacht werden will, zu reagieren.

  14. Sir Apfelot sagt:

    Hater und Trolle kennt wohl jeder, der einen Blog hat, der oft besucht wird. Meine Taktik bei solchen Leuten ist: Ignorieren. Wenn ich merke, dass sowieso nur getrollt wird und keine Diskussion möglich ist, dann deeskaliert man durch Ignorieren ganz erfolgreich. Der Troll sucht sich dann in der Regel ein neues Ziel, der auf ihn reagiert. Denn das will er ja… ein bisschen Beachtung, die ihm im echten Leben vermutlich fehlt. ;-)

  15. earendil sagt:

    @Christina: Natürlich kann ich Menschen, die nicht meinen ästhetischen Idealen entsprechen, bei jeder Gelegenheit ins Gesicht sagen, wie hässlich ich sie finde. Aber dann bin ich halt ein Arschloch. Sollte man aber nicht sein, müssen Sie auch nicht sein.

    Falls Sie ein wenig zu Empathie fähig sind, stellen Sie sich doch mal vor, Sie hätten etwas relevantes zu sagen (ja, Fantasie brauchen Sie jetzt auch noch…). Und dann überlegen Sie mal, ob SIe es als hilfreich empfänden, wenn sich Leute über Ihr Aussehen und ihre Stimme äußern würden, anstatt sich mit dem auseinanderzusetzen, was Sie inhaltlich vorbringen.

    Und wenn Sie nicht interessiert, was Herr Krauthausen zu sagen hat, oder Sie seine Stimme als nervend empfinden, dann hab ich einen heißen Tipp für Sie: wegschalten, wegklicken, was anderes lesen!

  16. Anna sagt:

    Starke Worte von einem starken Meschen. Meinen Respekt Herr Krauthausen.

  17. Daniel K sagt:

    DANKE für die top Recherche und Einordnung, Raul! Mir rückt das Phänomen nun auch erst seit #schmalbart so richtig auf den Leib. Lass uns bald den Kaffee angehen, ich hab da was im Koffer gegen Rechts ;-)

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