Raul Krauthausen - Aktivist

Wem hilft Mitleid eigentlich? Mir oder dem Menschen, der es empfindet?

Bahnsitze
Neulich im Zug. Die Leute stiegen ein, eine Dame setzte sich auf den Platz mir gegenüber und musterte mich minutenlang. Nach einer Weile traute sie sich dann endlich und fragte: „Was haben Sie denn, wenn ich fragen darf?“

Standardfrage, dachte ich und antwortete: „Ich habe Glasknochen.“ Doch mit dem, was dann passierte, hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Die Dame hielt sich die Hand vor den Mund und bekam ein Gesicht als hätte sie den Schock ihres Lebens.

Oh mein Gott! Das tut mir aber sehr Leid für Sie, wie schrecklich! Das ist ja wirklich schlimm! Geht das irgendwann wieder weg? Kann man dagegen etwas machen? Eine Therapie oder so etwas? Na, hoffentlich! Bei wem sind Sie in Behandlung?

Eigentlich sollte ich solche Reaktionen mittlerweile gewöhnt sein, aber diesmal war es anders. Ich versuchte der Dame zu erklären, dass ich kein Mitleid brauche und dass es mir gut geht – auch mit meiner Behinderung – aber es half nichts. Sie blieb dabei, dass es schrecklich war, behindert zu sein und dass es ihr unendlich Leid tue.

Aber für wen sagt sie das?

Natürlich ist ein Leben mit Behinderung hin und wieder anstrengender als ohne, aber es ist auch schön. Und ein „Normal“ gibt es sowieso nicht. Jeder von uns hat sein Päckchen, mit dem er oder sie durch’s Leben geht, und das ist okay so. Dabei brauche ich kein Mitleid. Ich begegne jeden Tag Herausforderungen –  so wie jeder andere auch – ich lache, ärgere mich – und gleichzeitig bin ich meistens gut drauf, ein bisschen verrückt. Leben eben!

Ein Leben mit Behinderung bringt mir und manchmal auch anderen schlicht und einfach eine andere Sicht auf die Welt. Statt Mitleid oder Heilung hätte ich einfach gerne weniger Barrieren im Alltag und genau so viel Respekt und Anerkennung wie man anderen fremden Menschen eben entgegen bringt. Ich weiß, manchmal wissen die Leute nicht, wie sie es am besten sagen sollen, wenn sie mich ansprechen. Aber das ist kein Freifahrtschein. In solchen Momenten wünsche ich mir, dass die Leute sich endlich mehr mit dem Thema „Behinderung“ auseinandersetzen und erkennen, dass es kein Weltuntergang ist, eine zu haben. Christiane Link von behindertenparkplatz.de hat einmal einen Text dazu geschrieben, der meine Gedanken ziemlich gut widerspiegelt.

Als ich der Dame sagte, dass ich so gut wie nie zum Arzt gehe, realisierte sie, glaube ich, langsam, dass ihre Frage als Einstieg merkwürdig war. Wie ich heiße, wohin ich fahre, schien für sie zuerst gar nicht interessant zu sein. Die restliche Zugfahrt schwieg sie, aber ich konnte förmlich hören, wie es in ihrem Kopf arbeitete und sie über unsere Begegnung nachdachte.

60 Enlightened Replies

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  1. Maxgarete Prizliprut sagt:

    Eine ähnliche Situation habe ich mal in einem Wochenendseminar an der Uni erlebt. Eine Teilnehmerin saß nach einem Verkehrsunfall im Rollstuhl und war durch die Medikamente, die sie damals bekommen hatte, stark schwerhörig. Sie ging aber ganz gelassen damit um, ich hatte nicht den Eindruck, dass sie unter ihrer Behinderung litt. Von der Seminarleiterin (Psychologin) hingegen konnte man das nicht behaupten. Sie betonte mehrmals, sie (also die erwähnte Teilnehmerin im Rollstuhl) sollte aber auch Traurigkeit über den Unfall zulassen (also dass die Seminarteilnehmer traurig und geschockt darüber sind), man wolle hier kein Tabuthema haben etc. Das wiederholte sie mehrmals, und ich hatte schnell den Eindruck, dass sie die Einzige im Raum war, die in diesem Ausmaß traurig und geschockt war. Natürlich fand ich es auch schlimm, aber da die Betroffene selbst ja gut damit umgehen konnte, wieso sollte ich dann Trübsal blasen…? Mein Eindruck war damals, dass die Leiterin mit dem Thema Behinderung völlig überfordert war und das als Trauer getarnte Mitleid für sich selbst brauchte. Ich konnte mich auch des Gefühls nicht erwehren, dass sie sich selbst in den Mittelpunkt rückte mit diesem Beharren auf IHREN wichtigen Gefühlen…

  2. fotobus sagt:

    Das ist ein wichtiges Thema für den Umgang mit Behinderten.
    Ich widmete mich dem auch mal, mit Bezug auf Autismus:
    http://dasfotobus.wordpress.com/2012/06/20/mit-solchen-menschen-hab-ich-eh-voll-mitleid/

  3. atze sagt:

    test

  4. Andrea sagt:

    Ha! Das kenne ich! Dabei habe ich garnichts. Ich bin einfach nur etwas kleiner. 1,53 m um genau zu sein. Nichts dramatisches sollte man meinen. Ich komme nicht an alles ran, was weiter oben steht. Hosen sind mir auch meistens zu lang. Aber, man höre und staune, ich habe Wege gefunden, damit umzugehen.

    Hinzu kommt, dass ich auch etwas jünger aussehe. Da passierte es mir früher (so mit 18) recht oft, dass ich mit meiner Mutter shoppen war. Hose zu lang, kein Problem, kann man ja kürzen. Und die Verkäuferin so: „Naja, sie wächst ja noch“ und meine Mam so „Nö, tut sie nicht mehr“ – in Folge dieser Antwort habe ich auch schon oft sehr sehr viel Mitleid bekommen. Die Leute sind echt unglaublich!!

    Wir sind echt bedauernswerte Geschöpfe xD

  5. Kerstin sagt:

    Hi,
    bin genau so groß wie du und kenne das was du schreibst auch. Jeder Mensch ist anders und genau richtig wie er ist. Es gibt doch keine Norm, die ist nur in den Köpfen der Leute und nicht wir müssen uns an alles anpassen sondern alles muss sich an uns anpassen!

  6. Frage 2: Dem Menschen der es empfindet.Ist richtig!, schrieb Hans-Robert Schlecht auf Facebook um 10:08

  7. Böse. Und wahrscheinlich nicht mal böse gemeint. Aber ich denke, sie braucht dein Mitleid nicht., schrieb Udo Ra auf Facebook um 10:09

  8. Frage 2: Dem Menschen der es empfindet.Ist richtig!, schrieb Hans-Robert Schlecht auf Facebook um 10:08

  9. Böse. Und wahrscheinlich nicht mal böse gemeint. Aber ich denke, sie braucht dein Mitleid nicht., schrieb Udo Ra auf Facebook um 10:09

  10. ne find ich nicht dass sich irgendwer , irgendwem anpassen sollte/muss, denn dadurch werden gerade Ausgrenzungen und Vorurteile geschürt. Einfach akzeptieren dass jeder anders ist und gut, schrieb Monica Le auf Facebook um 10:11

  11. demjenigen der /die es empfindet, schrieb Katrin Langensiepen auf Facebook um 10:13

  12. Solche Menschen können sich nicht vorstellen, dass man auch mit einer Behinderung gut leben kann. Das sind ihre eigenen Ängste. Mich verbannten Leute aus ihrem Leben, weil sie mein Anblick nicht ertragen haben. Es ist nicht mein Problem, wenn Leute nicht offen sind, sollen sie mit ihrer Einstellung glücklich werden :), schrieb Claudi Aus Jena auf Facebook um 10:19

  13. Ich staune auch immer wieder wie sehr Fussgänger allein ihre Fähigkeit zu gehen überbewerten. Als wäre DAS das einzige wovon das Glück und/oder die Lebensqualität abhängt. Ich bin schon Fussgängern begegnet denen ihr Leben ich niemals würde haben wollen, sie aber meinen ich müsste genau das gerne wollen. Mitleid empfinde ich als demütigend und wehre mich dagegen. Mit Mitleid möchte der Nichtbehinderte sich selber „erhöhen“., schrieb Anna Capivara auf Facebook um 10:19

  14. Solche Menschen können sich nicht vorstellen, dass man auch mit einer Behinderung gut leben kann. Das sind ihre eigenen Ängste. Mich verbannten Leute aus ihrem Leben, weil sie mein Anblick nicht ertragen haben. Es ist nicht mein Problem, wenn Leute nicht offen sind, sollen sie mit ihrer Einstellung glücklich werden :), schrieb Claudi Aus Jena auf Facebook um 10:19

  15. Gute Frage., schrieb Ole Tillmann auf Facebook um 10:26

  16. Mitleid NICHT aber Mitgefuehl sollte man bei allem aufbringen denn nur so koennen wir auch damit umgehen wenn jemand Probleme hat wenn wir zu helfen wissen oder verstehen koennen DAS HAT NICHTS MIT BEHINDERTEN MENSCHEN ZU TUN, MITGEFUEHL FUER JEDERMANN ODER TIER ich denke mir das wuerde reichen um eine bessere Welt zu schaffen DENN Mitgefuehl kann aktivieren zu hefen Mitleid ist starr MITLEID LEHMT MITLEID erinnert mich an BEILEID ich bin eher fuer MITGEFUEHL, schrieb Sonia Nasuti auf Facebook um 10:27

  17. Mitleid…..das heiß man würde mit leiden……das tun die wohl Wenigsten,aber es ist schnell gesagt, schrieb Jane Ha auf Facebook um 10:30

  18. Roland Kümmerle sagt:

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Sache eine andere, eine normalere weil entspanntere Richtung nimmt, wenn man selbst das Gespräch „umdreht“ in dem man Fragen stellt wie „und Sie, wo fahren Sie hin?“ eben ein lockeres Gespräch beginnt, wie man es sonst unter Reisenden macht. Bringt erfahrungsgemäß in dem, was man rüber bringen will, um einiges mehr. Dann erscheine ich meinem Gegenüber als „normal“. Übrigens tolle Seite.

  19. Ich finde dieses Mitleid, eine ganz normale, menschliche Reaktion. Die ältere Dame wurde vielleicht noch nicht oft, evtl. noch nie (so direkt) mit Deiner Behinderung konfrontiert. Sie war ja immerhin neugierig und mutig genug, um Dich zu fragen und ich denke, sie braucht einfach nur etwas Zeit, um zu verstehen. Durch das Mitleid, was sie für Dich empfand, kam sie erst mal dazu, über ihren eigenen Tellerrand zu schauen und sich Deine Situation für sich selbst vorzustellen. Das ist im ersten Moment manchmal nicht gleich zu fassen und löst bisweilen merkwürdige Verhaltensweisen aus. Mir geht es in genügend Situationen genau so und später, zu Hause, frage ich mich dann selber, was der oder die jenige von mir denken möge, weil ich teilweise so merkwürdig reagiert habe.. ..menschlich eben.. ;), schrieb Ina Nachtgespenst auf Facebook um 10:31

  20. Sympathie hat ja was mit Anteilnahme zu tun. Und wer Anteil an anderen nehmen will, verhält sich ja erst mal menschlich. Wo das Behinderten gegenüber zu Mitleid wird, fehlt es halt an Empathie, also daran, sich in andere hineinzuversetzen. Du hast schon recht, wer mitleidig mit Dir umgeht, erhebt sich gleichzeitig über Dich, denn er fühlt sich selbst besser oder überlegen. Dann bleibt nur zu hoffen, dass das wenigstens aus Unkenntnis und nicht aus Selbstgerechtigkeit heraus kommt., schrieb S. Peter Brunner auf Facebook um 10:34

  21. mitleid heist ja mit-leiden dh ich leide (und setze leid beim anderen voraus) und ist eher egozentriert, wie ich festgestellt habe. die menschen arbeiten oft ihre eigenen ängste an anderen ab um sich dann zu versichern dass das nur anderen passiert. mitgefühl hingegen ist meistens auf die bedürfnisse des mir gegenüber bezogen, da gefühle im gegensatz zu leiden alles beinhalten können und ich nicht voraussetze wie es dem mir gegenüber geht. dafür braucht mensch emphatie – für mitleid nicht., schrieb Katrin McIntosh auf Facebook um 10:37

  22. Mir fällt bei dem Thema imer Qualtinger ein, hier in der Interpretation eines Deutschlehrers aus St. Pölten:
    http://www.youtube.com/watch?v=lFGmYvKgsEo, schrieb Thies Thiessen auf Facebook um 10:38

  23. Sonia hat tatsächlich wörtlich ausgedrückt, was ich antworten wollte. Womit auch ein schönes Beispiel gegeben ist, für die Bedeutung der gegenseitigen Empathie und emotionalen Intelligenz, Mitleid und Mitgefühl zu differenzieren und konstruktiv zu reflektieren. :), schrieb Laura Dormagen auf Facebook um 10:45

  24. Mitleid hilft in erster Linie dem der Mitleid hat, oder vorgibt es zu haben. Auf Facebook äussert sich das am besten durch das teilen von rührseeligen Beiträgen, mit denen man darauf hinweisen möchte wie traurig man diese Situation findet und was man doch für ein guter, mitleidiger Mensch ist., schrieb Jörg Dittmann auf Facebook um 10:46

  25. Oliver Giese sagt:

    Diese alte Frau stammt aus Zeiten, in denen Ihre Behinderung nicht so leicht genommen werden konnte wie heute. Ich denke, in dem Fall haben Sie es versäumt, sich in diese Person hineinzuversetzen.

  26. Ich denke es ist SEHR GUT das solche Momente vorkommen wir Behinderten Menschen kennen solche Reaktionen von den Nicht Behinderten Menschen ja. Und genau diese Reaktionen sind die wo Sie doch mal ihre Augen geöffnet bekommen und denken das Gesund sein im Leben nicht selbstverständlich ist sondern ein Geschenk des Himmels ist.., schrieb Mick Oh auf Facebook um 10:50

  27. Ich kenne solche Momente auch – mein Sohn hatte Krebs und sah aus Ich Ich kenne solche Momente auch – mein Sohn hatte Krebs und sah aus wie ein Skelett – ich habe die mitleidvollen Blicke und manchmal Äußerungen dieser Art gehast.
    Es fühlt sich ein bischen an, als würde einem jemand übers Hemd kotzen…

    Irgendwann war ich so sauer – vor allem weil meinem Sohn diese Situationen zutiefst unangenehm war – dass ich in die Verteidigung übergegangen bin. Wir haben verabredet nächstes Mal strecken wir die Zunge raus und zeigen den Stinkefinger – wenn das nochmal jemand macht.

    Was soll ich sagen – es hat prima funktioniert – man muss dieses Mitleid nicht aushalten – mit einer fiesen Geste erzeugt man ganz schnell Entsetzen… Und das macht Spaß ;-), schrieb Sabine Mueller auf Facebook um 10:51

  28. Ich kenne solche Momente auch – mein Sohn hatte Krebs und sah aus wie ein Skelett – ich habe die mitleidvollen Blicke und manchmal Äußerungen dieser Art gehast.
    Es fühlt sich ein bischen an, als würde einem jemand übers Hemd kotzen…

    Irgendwann war ich so sauer – vor allem weil meinem Sohn diese Situationen zutiefst unangenehm war – dass ich in die Verteidigung übergegangen bin. Wir haben verabredet nächstes Mal strecken wir die Zunge raus und zeigen den Stinkefinger – wenn das nochmal jemand macht.

    Was soll ich sagen – es hat prima funktioniert – man muss dieses Mitleid nicht aushalten – mit einer fiesen Geste erzeugt man ganz schnell Entsetzen… Und das macht Spaß ;-), schrieb Sabine Mueller auf Facebook um 10:51

  29. Ich denke es ist SEHR GUT das solche Momente vorkommen wir Behinderten Menschen kennen solche Reaktionen von den Nicht Behinderten Menschen ja. Und genau diese Reaktionen sind die wo Sie doch mal ihre Augen geöffnet bekommen und denken das Gesund sein im Leben nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk des Himmels ist.., schrieb Mick Oh auf Facebook um 10:50

  30. Ich kenne solche Momente auch – mein Sohn hatte Krebs und sah aus wie ein Skelett – ich habe die mitleidvollen Blicke und manchmal Äußerungen dieser Art gehast.
    Es fühlt sich ein bischen an, als würde einem jemand übers Hemd kotzen…

    Irgendwann war ich so sauer – vor allem weil meinem Sohn diese Situationen zutiefst unangenehm war – dass ich in die Verteidigung übergegangen bin. Wir haben verabredet nächstes Mal strecken wir die Zunge raus und zeigen den Stinkefinger – wenn das nochmal jemand macht.

    Was soll ich sagen – es hat prima funktioniert – man muss dieses Mitleid nicht aushalten – mit einer fiesen Geste erzeugt man ganz schnell Entsetzen… Und das macht Spaß ;-), schrieb Sabine Mueller auf Facebook um 10:51

  31. Das is ne geile Frage! Ich denke mal niemandem! Mitgefühl ist gut, die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen. Dabei gebe ich mir immer grosse Mühe, vielleicht habe ich deshalb auch noch nie Mitleid mit Dir gehabt, vielleicht aber auch weil ich durch einfaches genauer Hinsehen sehr schnell erkannt habe, dass Du fucking awesome rockst;) also hab Mitgefühl mit allen, die sich selbst normal nennen, oft ist Mitleid auch nur stinknormale Angst!, schrieb Sven Oswald auf Facebook um 10:55

  32. Mit solchen Menschen, die so gedankenlos reagieren, muss man einfach Mitleid haben., schrieb Ursula Ulli Otto auf Facebook um 11:20

  33. Gast sagt:

    Ich finde, das ist ein guter Weg aus dieser asymmetrischen Situation herauszukommen: indem man selbst die Führung des Gesprächs selbst übernimmt – sofern man Interesse daran hat und den anderen nicht ebenfalls nur in seiner Einstellung gegenüber Behinderung wahrnimmt.

  34. Jan sagt:

    Die Fragestellung ist m.E. nach schon verkehrt. Mitleid hilft niemandem und nützt auch nichts. Dann eher Mitgefühl. Hier sind die Grenzen fließend. Wenn Behinderte sagen, dass sie Mitleid nicht brauchen und manchmal sogar scharf von sich weisen, ist das auch nicht gut. Mitleid und Mitgefühl sind oft unterschwellig die ersten Gründe der Kontaktaufnahme der Nichtbehinderten. Freunde meiner nichtbehinderten Schwester setzten sich deswegen mit mir auseinander. Mein Part muss sein, dass durch Verständnis und Humnor das Mitleid verschwindet.

  35. Den großen Themenkomplex Behinderung mal kurz beiseite geschoben: die Literatur ist ja voller guter Unterscheidungen von Mitleid („Ich hier oben habe Mitleid mit dir armer Wurst da unten“) und Mitgefühl („Ja, ich kenne solche Situationen, solche Probleme, und ich halte es aus, das mit dir zu teilen“). Am Schönsten finde ich hierzu die Arbeit von Brené Brown, z.B. hier ganz toll illustriert: http://www.brainpickings.org/index.php/2013/12/11/brene-brown-rsa-animated/.

    Das gesagt, mir scheint, dass Du hier wieder das eine noch das andere gebraucht hättest, schon weil das „Problem“ hier komplett im Auge des Betrachters lag.

    Man könnte aber auch ihr zugute halten, dass sie sich im Rahmen ihrer Reaktions“möglichkeiten“ Mühe gegeben hat, auf dich einzugehen. Bzw. die emotionale Dissonanz zumindest mal nicht gleichgültig oder abfällig aufzulösen., schrieb Steffen Frischat auf Facebook um 11:37

  36. Ich denke, die Frau war einfach überfordert und versuchte das mit Fragen in den Griff zu bekommen. Und was wir als ganz schlimm empfinden löst in uns eben Mitleid aus. Man kann doch niemand einen Vorwurf daraus machen dass er nicht weiß, wie man selbst seine Behinderung wahrnimmt. Wer nie damit in Berührung kam- woher sollte der wissen, wie man sich verhalten sollte? Außerden ist auch nicht ein Tag wie der andere- manchmal rede ich drüber, was mir fehlt- manchmal will ich nur meine Ruhe.

    Es sollte generell ein Thema sein vielleicht auch in der Schule., schrieb Marion Gruner auf Facebook um 11:50

  37. Raul, DANKE – <3 WIR SIND MIT IM BOOT & SCHLIESSEN UNS AN :-) – IF EVERYBODY BE THEMSELVES & GIVE A LITTLE //JOY TO EACH OTHER, IT BELONGS :-)
    SEI DU SELBST <3 & GIB FREUDE WEITER :-)

    https://m.youtube.com/watch?v=N_jOx0vi55U, schrieb Susanne Hoffmann auf Facebook um 12:02

  38. Ich werf da mal hochgeistig die abtrakten Begriff „Perspektivübernahme“ und „Pluralismuserfahrung“ in die Runde …
    Jemand sitzt einem Individuum gegenüber, das Aufgaben nicht so (einfach) erledigen kann, wie man es selbst gewohnt ist. Das Defizit löst (auf an sich wunderbar menschlichem, empathischen Wege) Mitleid aus. Denn der Verlust von Fähigkeiten – oder auch nur von Gewohntem – ist nunmal zunächst mit Leiden verbunden. Dass das konkrete Gegenüber dieses Leiden entweder nie durchlebte (weil kein Verlust eingetreten war) oder überwunden hat, darauf muss man erstmal kommen. (Hier die Abstrakta von oben gedanklich einfügen. Fürs Denken brauchts halt Anlässe, Begegnungen, zum Beispiel.)
    Ich finds groß, dass die Frau zu ihren Gefühlen stand und sich frei äußerte. Noch größer wärs freilich gewesen, wenn sie noch innerhalb der Begegnung die Kurve zu gleichberechtigtem, inhaltlichem Dialog gekriegt hätte.
    Diese Vorgänge immer wieder am eigenen Leib erleben zu müssen … das nervt bestimmt, Raul. Der Lernvorgang ist da ein ziemlich einseitiger. Möge es sich um einen Lernvorgang gehandelt haben., schrieb Arthur Hindrich auf Facebook um 12:20

  39. Es gab da mal ein Interview in der TAZ mit Raul. Da lautete die Überschrift: „Keiner traut sich zu fragen was ich habe“. Wenn sich dann jemand traut ist es auch verkehrt…..Ich finde Mitleid oder Mitgefühl sind normale menschliche Emotionen, die halt nicht jeder perfekt ausdrücken kann, da sollte man den Masstab nicht zu hoch ansetzen., schrieb Michael Gerlach auf Facebook um 12:43

  40. Mitleid? Nein! Achtung und Respekt wären angebracht, schrieb Heldra Schmitz auf Facebook um 13:42

  41. Ich werf da mal hochgeistig die abtrakten Begriffe „Perspektivübernahme“ und „Pluralismuserfahrung“ in die Runde …

    Jemand sitzt einem Individuum gegenüber, das gewohnte Aufgaben nicht so (einfach) erledigen kann, wie man es selbst gewohnt ist. Das gefühlte Defizit löst (auf an sich wunderbar menschlichem, empathischen Wege) Mitleid aus. Denn der Verlust von Fähigkeiten – oder auch nur von Gewohntem – ist nunmal zunächst mit Leiden verbunden. Dass das konkrete Gegenüber dieses Leiden entweder nie durchlebte (weil kein Verlust eingetreten war) oder bereits lange überwunden hat, darauf muss man erstmal kommen. (Hier die Abstrakta von oben gedanklich einfügen. Fürs Denken brauchts halt Anlässe, Begegnungen, zum Beispiel.)
    Ich finds groß, dass die Frau zu ihren Gefühlen stand und sich frei äußerte. Noch größer wärs freilich gewesen, wenn sie noch innerhalb der Begegnung die Kurve zu gleichberechtigtem, inhaltlichem Dialog gekriegt hätte.
    Diese Vorgänge immer wieder am eigenen Leib erleben zu müssen … das nervt bestimmt, Raul. Der Lernvorgang ist da ein ziemlich einseitiger. Möge es sich um einen Lernvorgang gehandelt haben., schrieb Arthur Hindrich auf Facebook um 12:20

  42. Speziell MitLEID ist eine ausdrücklich herabwertende Haltung.
    MitLEID hift definitiv nur demjenigen, der es rüberbringt!!
    Es dient zur Maskierung eines sich selbst als höherwertig Betrachtens und der Abspaltung eigener Ängste und Ablehnungen (gegen mögliche eigene Behinderung – und damit auch gegenüber dem Anderen mit Behinderung)., schrieb Elke Midi auf Facebook um 14:47

  43. Raul, dass gefällt mir und das hast du auch gut beschrieben. Sei aber bitte auch mit den Fragern etwas nachsichtig, denn sie wissen es oft nicht besser. Es muss nicht immer Mitleid sein, es kann auch einfach nur eine Kontaktaufnahme bedeuten, die du dann lenken könntest! Weiter so!, schrieb Elisabeth Scholz auf Facebook um 15:43

  44. Wenn sich der nicht Behinderte mit seinem Mitleid besser fühlt sollte man ihn lassen, da hat er mein volles Mitgefühl ;-), schrieb Stefan Riedleder auf Facebook um 16:06

  45. Ich arbeite für Menschen die von der Gesellschaft behindert werden und habe mich aus „Spaß“ schon öfter in einen Rolli gesetzt oder mit dunkler Brille und Stock auf den Schoß von Gästen im Eiscafé,
    was mich am meisten fertig machte war das Mitleid das aus den Augen
    und Mündern der „Nichtbehinderten“ sprach,
    eine Erfahrung die mir im Umgang miteinander sehr geholfen hat.
    Mitleid kann man haben, wenn sich jemand in den Finger schneidet oder hin fällt.
    Allen anderen Menschen gebührt Respekt, Höflichkeit und manchmal Humor., schrieb Bernd Van de Fahrrad auf Facebook um 16:24

  46. Mitleid ist Asi…für mich heißt es Mitgefühl, schrieb Marcel Urban auf Facebook um 16:30

  47. ohh…es gibt Menschen die den Unterschied kennen^^Gott sei dank, schrieb Marcel Urban auf Facebook um 16:30

  48. spaceuh sagt:

    einfach die leute so mit „“ einschränkungen „““ so nehmen wie sie sind einfach offen und normal mit ihnen umgehn !!! (( behinderung ist meiner meinug nach gleich eine abstempelung der person duch die gesellschaft ))

  49. Wir wollen so normal wahrgenommen werden wie jeder andere und solange Behinderung ausgegrentzt wird kommt es zu solchen Situationen. Bitte bei der Wahrnehmung kein Unterschied machen……..Wenn ich Hilfe brauche frage ich und ich finde es auch gut wenn ich gefragt werde nur wenn einer ohne zufragen zugreift finde ich blöd., schrieb Angelina Raciti auf Facebook um 17:43

  50. Was mich nervt, ist immer dieser Wahn, alles heilen zu wollen, bzw. zu erwarten, dass man sich heilen lässt, egal ob dies medizinisch möglich ist oder nicht und dass die meisten beleidigt reagieren, wenn man dies nicht tut und die „schlauen“ Ratschläge nicht befolgt, weil man erfahrungsgemäß eben weiß, dass nicht mehr rauszuholen ist. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen die Behinderung akzeptieren, sowie man selbst diese akzeptiert., schrieb Andrea Bröker auf Facebook um 17:55

  51. Es gibt eben zweierlei Mitleid.Das eine, das schwachmütige und sentimentale, das eigentlich nur Ungeduld des Herzens ist, sich möglichst schnell frei zu machen von der peinlichen Ergriffenheit vor einem fremden Unglück, jenes Mitleid, das gar nicht Mit-leiden ist, sondern nur instinktive Abwehr des fremden Leidens von der eigenen Seele. Und das andere, das einzig zählt — das unsentimentale, aber schöpferische Mitleid, das weiß was es will und entschlossen ist, geduldig und mitduldend alles durchzustehen bis zum Letzten seiner Kraft und noch über dies Letzte hinaus– Stefan Zweig– (Ungeduld des Herzens), schrieb Tyne Schneider auf Facebook um 19:01

  52. Oh ja….gute Frage! Meine Schwiegermutter ist auch so ein Mitleidstyp…bekommt immer feuchte Augen, wenn sie einen Rollifahrer sieht :/ !, schrieb Christiane Klocke auf Facebook um 19:14

  53. mitleid `?`?ein dummes ja gar gefährliches Wort …da wir aber leider diesen wortschatz lernten …ohne nachdenken oder entscheiden zu dürfen .. muss man es auch nicht so ernst sehen …auch ich die tiefes MITGEFÜHL für alles und jeden empfindet ..nutze leider immer noch unbewusst schnell das wort mitleid … leider .. denn es ist so fürchterlich negativ ,, wie viel zu viele worte des deutschen….MIT … leiden … heisst der andre leidet .. was doch garnicht immer stimmt … aber mit gefühl bedeutet für mich .. ich versetze mich schnell in die situationen dessen oder derer … und empfinde so das es nicht einfach ist .. wenn nicht gar fürchterlich … helfen kann ich so dem anderen nicht … aber vll doch mir ?? denke ja .. barmherzigkeit ist nunmal sehr eng mit MITGEFÜHL verbunden !!und da ich weiss das WORTE .. deren SINN bzw deren Hintergrund .. formen und erbauen .. ja MATERIE schaffen .. sollten wir alle negative worte echt meiden .. wie das *LEID** es würde viel verändern können … ja gar das so ersehnte paradies hier erschaffen !!, schrieb Ursula Kreutz auf Facebook um 22:33

  54. nun las ich grade die kommentare hier … möchte dazu noch äussern .. das ich / man nicht mitleid oder mitgefühl wegen einer behinderung hat … sondern wegen dem wissen wie viele menschen damit leider umgehen .. wie schwer deswegen das leben behinderter menschen ist … nicht der körper ect .. sondern das UMFELD ist die BEHINDERUNG!!, schrieb Ursula Kreutz auf Facebook um 22:37

  55. Rollstühle, Krücken, Entstellungen, das sieht man. Manchmal geht es Menschen, denen man gar nichts ansieht auf den ersten Blick, auch nicht so gut (z.B. mit Stoffwechselerkrankungen, Stoma-Patienten o.ä.). Und dann werden ja auch andere ausgegrenzt: Dicke, Hässliche, Ausländer, zu junge (Kinder!) oder zu alte (Arbeitsmarkt!) Menschen. Kinder können da manchmal entwaffnend sein: Die fragen auch: „Was hast du denn da?“ und geben sich dann oft mit ganz einfachen Erklärungen zufrieden. Denn es können nun mal nicht alle schön und jung und gesund sein – und wer das ist, kann auch ziemlich böse Ausgrenzungserfahrungen machen oder lebt z.B. als junge Frau ziemlich gefährlich, leider immer noch., schrieb Ute Kludig-Hempel auf Facebook um 22:40

  56. Mitgefühl und Mitleid sind sehr gute Emotionen. Natürlich kann die Dame aus dem Zug nicht mitfühlen, wie es ist, eingeschränkt zu sein. Dennoch sollte man Das nicht kleinreden. In einer Zeit, in der sogar der Wert der Konversation an sich hinterfragt wird, und „fröhliche Unentschiedenheit“ propagiert wird. Ich z.B. erlebte es in der Zeit meines Bahnfahrens nach Heidelberg so, dass eher überhaupt keine Kommunikation zwischen den Bahnreisenden stattfand. Natürlich auch. Das sind doch alles fremde Menschen. Sind die eingeschränkt? Oder nicht? Ist es höflich, die Menschen anzusprechen?. Ach, wen interessiert’s. (Genau). Dazu noch eine Beobachtung aus meiner aktuellen Strassenbahnnutzung in Karlsruhe. Das soll kein Beklagen sein, denn ich lese ja, während ich fahre. Dennoch ist zu beobachten, dass die meisten Menschen dort in ihre Handys schauen. Eine Einladung zur realen Konversation? Na dann, auf die schöne Aphrodite., schrieb Tobias Baur auf Facebook um 04:23

  57. Ich staune auch immer wieder wie sehr Fussgänger allein ihre Fähigkeit zu gehen überbewerten. Als wäre DAS das einzige wovon das Glück und/oder die Lebensqualität abhängt. Ich bin schon Fussgängern begegnet denen ihr Leben ich niemals würde haben wollen, sie aber meinen ich müsste genau das gerne wollen. Mitleid empfinde ich als demütigend und wehre mich dagegen. Mit Mitleid möchte der Nichtbehinderte sich selber „erhöhen“., schrieb Anna Capivara auf Facebook um 10:19

  58. Das is ne geile Frage! Ich denke mal niemandem! Mitgefühl ist gut, die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen. Dabei gebe ich mir immer grosse Mühe, vielleicht habe ich deshalb auch noch nie Mitleid mit Dir gehabt, vielleicht aber auch weil ich durch einfaches genauer Hinsehen sehr schnell erkannt habe, dass Du fucking awesome rockst;) also hab Mitgefühl mit allen, die sich selbst normal nennen, oft ist Mitleid auch nur stinknormale Angst!, schrieb Sven Oswald auf Facebook um 10:55

  59. Die Kommentare gehen ja schon auf den wesentlichen Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid ein. Frage mich jedoch manchmal, ob MIT_LEID als Begriff nicht auch sehr irreführend ist. Die Dame, der Raul begegnet ist, ist ja offenbar froh, solch eine Behinderung nicht selbst am Hacken zu haben (und alles Verdeutlichen, dass Raul deswegen nicht mehr mies drauf und unglücklich ist oder sein muss, kam offenbar kaum an), sie leidet also nicht mit (oder anders gesagt: das MIT_LEID nutzt ihr vielleicht: „ach, sooo schlecht geht’s mir ja nicht“).

    Mitgefühl ist ja im Grunde eine sehr schöne und herzenswarme Regung. Kann jedoch kippen, wenn jemand drin versinkt.
    Manchmal ist vielleicht schlicht und einfach ein „normaler“ Respekt vor dem Menschen, der/die mir gegenüber ist, ausreichend.

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