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Raul Krauthausen - Aktivist

»Denkt daran, in die Sterne zu sehen – und nicht auf eure Füße.« (Stephen Hawking)

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Stephen Hawking

Stephen Hawking (* 1942 — † 2018)

Stephen Hawking ist tot.
Und es fühlt sich an, als wäre die Welt ein bisschen weiter entfernt vom Aufbruch ins All, ein bisschen ahnungsloser, was Antworten auf die großen Fragen der Menschheit betrifft und ein bisschen hoffnungsloser, wenn es um nachhaltige Lösungen für drängende Probleme geht.
Er wird als genialer Geist und Visionär im Gedächtnis der Menschen bleiben – ein Wissenschaftler, der wie ein Popstar gefeiert wurde.

Hawking selbst zweifelte immer wieder, ob er tatsächlich in erster Linie für seine wissenschaftliche Arbeit und intellektuellen Erfolge bekannt war – oder seinen Rollstuhl und seine Krankheit.
Fraglos war er weltweit der bekannteste Mensch mit Behinderung. Und er präsentierte sich in einer Weise, die ihn nicht als “armes Opfer” oder “schwachen, abhängigen Behinderten” darstellte – auch wenn die Presse ihn natürlich regelmäßig an “seinen Rollstuhl fesselte”.
Hawking pflegte eine offensive Umgangsweise mit seiner Behinderung und scheute die Öffentlichkeit nie. Im Gegenteil: Auftritte vor Publikum konnte er sehr gut und machten ihm Spaß.
Er spielte sich selbst in verschiedenen TV-Serien. Dabei ging er äußerst humorvoll mit seiner Behinderung um. Bei einem seiner Auftritte in der Serie “Die Simpsons” fiel er dem Schuldirektor, der meinte Hawking könne nicht für sich selbst reden, harsch ins Wort:

Ruhe! Ich brauche niemanden, der für mich spricht – ausser meinem Sprachcomputer.

Bei “Raumschiff Enterprise” spielte er in einer holografischen Simulation mit Isaac Newton, Albert Einstein und Data Poker – und gewann.

In der TV-Serie “The Big Bang Theory” hatte er mehrere Auftritte und brachte einen der Hauptcharaktere, der ihn tief verehrt, immer wieder zum verzweifeln. Es gibt in einigen Folgen sogar Späße auf Kosten seiner Computerstimme – Hawking blieb allerdings immer überlegen und hatte das letzte Wort.

Auch wenn Hawkings TV-Serien-Ausflüge einfach aus Spaß stattfanden – erreichte er als Mensch mit Behinderung damit ein Massenpublikum außerhalb der Wissenschafts-Bubble.

Ein Thema, das medial immer wieder diskutiert wurde, war seine Faszination am anderen Geschlecht – in einem Interview erzählte er, dass er die meiste Zeit damit verbringe, über Frauen nachzudenken: “Sie sind mir nach wie vor ein Rätsel.“
Er machte keinen Hehl daraus, sexuell aktiv zu sein und beschrieb die Ehe mit seiner zweiten Ehefrau als “leidenschaftlich und stürmisch.” Generell galt er als Frauenheld, der kaum eine Chance für einen Flirt ausließ.

Stephen Hawking wuchs in einem privilegierten, intellektuellen Elternhaus auf – umgeben von Massen an Büchern. Und so genial er sicher war, so hatte er als behinderter Mensch auch einfach Glück: Seine Eltern studierten beide in Oxford und waren als Freigeister bekannt. Ein Schulfreund erinnerte sich, wie ungewöhnlich er die Diskussionsthemen im Hause Hawking fand: Mit den Kindern wurde am Essenstisch über Abtreibung, Sex, Homosexualität und den Tod gesprochen. Hawking selbst erzählte, dass seine Eltern ihm beibrachten, alles zu hinterfragen und groß zu denken (“think big”) – nichts für unmöglich zu halten.
Es ist eine Erfahrung, die ich teile: Dass das Elternhaus für behinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene einen entscheidenden Einfluss auf das gesamte Leben hat. Ob ein Mensch mit Behinderung in einer Werkstatt oder an der Universität landet, hat nicht ausschließlich mit der Intelligenz des Einzelnen zu tun – sondern auch mit dem Weitblick und der Förderung der Eltern und dem Umfeld der Familie.

Was mich an Hawking immer faszinierte? Dass er seinen Gedanken keine Grenzen setzte. Dass er sich erlaubte, alles erstmal für möglich zu halten – bis es einen Gegenbeweis gab. Er sprach über Zeitreisen und machte einen witzigen Versuch zu dem Thema: Plante eine Party, verschickte die Einladungen aber im Nachhinein. Da niemand kam, wären Zeitreisen wohl nicht möglich.

Über Aliens und fand, man solle mit der Kontaktaufnahme vorsichtig sein – und die Gefahr von Künstlicher Intelligenz. Und plante mit Mini-Raumschiffen nach Alpha Centauri zu gelangen.

Was bleibt von Stephen Hawking für behinderte Menschen, Angehörige, Freunde und Alliierte?

  • Traut den Diagnosen der Ärzte*innen nur bedingt: Hawking hat die ihm prophezeite Lebenserwartung um mehr als 50 Jahre überlebt.
  • Lasst euch nicht sagen, was ihr könnt oder nicht – sondern setzt eure Grenzen selbst.
  • Steht zu eurer Sexualität – eine Behinderung hat meisten keinen Einfluss auf sexuelle Bedürfnisse.
  • “Wir sind alle verschieden, es gibt keinen Standard für einen Menschen, aber wir teilen alle den menschlichen Geist.” (Stephen Hawking in seiner Eröffnungsrede zu den Paralympics, 2012)
  • Und lacht so oft es geht: “Das Leben wäre tragisch, wenn es nicht lustig wäre.“ (Stephen Hawking)

(sb)

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Suse Bauer erschienen. Weitere Beiträge entstanden durch die Unterstützung zahlreicher Supporter auf SteadyHQ.com. Hier kannst auch du mich bei meiner Arbeit unterstützen: Unterstütze mich auf Steady

(Foto: Jim Campbell/Aero-News Network)

2 Enlightened Replies

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  1. Askaaron sagt:

    Ein sehr schöner Nachruf – Danke!

  2. Danke für eure Worte. Auch für mich fühlt es sich an, als sei mit Stephen Hawking nicht nur ein brillanter Wissenschaftler, sondern auch ein Grenzen überschreitender Visionär gegangen. Das von euch gewählte Titelbild, ein grinsender Stephen Hawking in der Schwerelosigkeit des „Vomit Comet“, zeigt, wie ich finde, ganz wunderbar, wofür Hawking neben der Forschung auch stand: Lebensfreude und Spaß an der Wissenschaft. Dass es ein Bild ohne seinen fast ikonischen Rollstuhl ist, weckt in mir aber auch den Gedanken, dass etwas zu fehlen scheint. Für mich gehörte sein Rollstuhl wie selbstverständlich zu ihm und war am allerwenigsten eine „Fessel“, sondern vielmehr sein Vehikel zur Freiheit.

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